Asylanträge in Afrika: Eine Riesenchance

Grosse politische Verschiebungen kündigen sich oft leise an.
Obwohl bei Nachdenken sichtbar sein könnte, dass sich Neues auftut.
Und gerade weil im Zusammenhang zwischen der EU und der Füchtlingskrise (zurecht) viel, sehr viel kritisiert wird, möchte ich den jüngsten Schritt ausdrücklich loben.
Dieser kann eine völlig neue, positive Entwicklung einleiten.
Worum gehts?
Macron, Merkel & Co streben an, dass es in hoffentlich baldiger Zukunft möglich ist, schon in afrikanischen Ländern Asyl zu beantragen.
Derzeit müssen Flüchtlinge übers Meer, ihr Leben gefährdend, denn nur hier, in der EU kann ein Asylantrag gestellt werden.
Wenn es gelingt, das zu ändern, wäre es eine gewaltige Weichenstellung, welche die so gefähliche Fahrt über das Mittelmeer und das dreckige Geschäft der Schlepper wenn schon nicht beenden, so doch dämpfen könnte.
Wesentlich schint mir jedoch, dass sich daraus viel weitreichendere Perspektiven eröffnen könnten.
Denn um in Nigeria/Tschad/Libyen oder Niger Asyl zu beantragen braucht es keine eigenen „Lager“.
Es wird wohl in veränderter Form soetwas wie das Botschaftsasyl sein, welches es früher gab.
Diese Asylanträge werden wahrscheinlich in Städten gestellt werden.
Damit rücken uns Europäern diese Städte ein bisschen näher. Denn derzeit sind sie sehr, sehr fern. (Wer kann schnell auch nur ein paar Städte in diesen Ländern nennen?)
Um dieses „Näherrücken“ auch zu begleiten, um Wohn- und vielleicht auch Arbeitsmöglichkeiten für die Asylwerber, ebenso auch für die einheimsiche Bevölkerung (auch wegen der Akzeptanz) zu schaffen, könnten europäische Städte diesen Städten beim Naheliegenden helfen: Kanal, Strom, Wasser, Abwasser, Bildung, öffentlicher Verkehr.
Hier möchte ich an diesen meinen Beitrag vor drei Jahren erinnern.
So könnte eine grosse weltpolitische Weichenstellung geschehen.
In dem Ausmass, indem sich die USA als Weltmacht zurückzieht, was sie nicht erst mit Trump sondern schon unter Obama gemacht hat, könnte die EU als andere, nicht primär militärisch getriebene Kraft, quasi als „softpower“ Verantwortung für unsere nähere Umgebung übernehmen.
Eine neue afrikanisch/arabisch/europäische Zusammenarbeit könnte entstehen.
Dieser Aufbau geschieht nicht in wenigen Monaten, sondern wird Jahre dauern.
Diese Zusammenarbeit könnte auch so weitergehen:
Warum nicht legale und zahlenmässig begrenzte Einwanderungskontingente vergeben, um auch jenen, die kaum Chance auf Asyl haben, die so gefähliche Mittelmeerüberfahrt zu ersparen?
Dann sollte es in diesen afrikanisch/arabischen Städten Sprachkurse ebenso geben , wie Berufsausbildungen an deren positiven Abschluss eine höhere Chance für ein Einwanderungsticket gekoppelt ist.
Schliesslich ist es unstrittig, dass gute Bildungsangebote auch für die einheimische Bevölkerung, welche nicht fliehen/auswandern will, unabdingbare Voraussetzung einer gedeihlichen Staats-und Wirtschaftsentwicklung darstellen.
Das kann, muss nicht so kommen.
Aber der Beschluss von Macron, Merkel & Co eröffnet für uns Europäer/innen die grosse Chance, aus dem bisherigen Teufelskreis herauszukommen.
Das ausdrücklich positiv hervorzuheben ist mir ein Bedürfnis.