Der Haschahof-eine Klarstellung


Der Haschahof im Süden Wiens

Folgendes war dieser Tage in der Kronen Zeitung zu lesen.
Nun habe ich in bald 30 Jahren Politik gelernt, nicht alles für bare Münze zu nehmen, was in Medien ganz allgemein, und in der Kronenzeitung im Besonderen steht.
Medien lieben jedenfalls persönliche Konflikte, sie öffentlich auszutragen lohnt selten.
Diesmal mit Sicherheit nicht.
Deswegen erlaube ich mir, statt auf Journalist/innen-Anfragen zu reagieren, hier auf meinem Blog den Sachverhalt zu klären.
Rothneusiedl war schon vor rund 10 Jahren im Blick der Stadtentwicklung: Frank Stronach hatte „hochfliegende“ Pläne, eine Verlängerung der U-Bahn dorthin, ein Fußballstadion für die Austria und Wohnungen standen zur Diskussion.
Darauf machte sich bei den bäuerlichen Grundeigentümern Goldgräbermentalität breit, die Bodenpreise explodierten.
Richtigerweise wurde von der Stadtplanung das Ruder herumgerissen und die U-Bahn verkürzt und nach Oberlaa umgeplant (Eröffnung Oktober 2017).
Gleichzeitig begann richtigerweise der Wohnfonds, Gründe zu jetzt wieder deutlich gesunkenen Preisen anzukaufen.
Wenn alle Gründe erworben sind, steht dank städtischer Grundstückspolitik ein mögliches Stadterweiterungsgebiet in Zukunft zur Verfügung.
Abhängig vom (derzeit sehr hohen) Bevölkerungswachstum kann deswegen, nochmals in Zukunft und nach getätigten notwendigen Infrastrukturinvestitionen, in Rothneusiedl ein Stadtteil mit hohem Anteil an sozialen, gedeckelten Mietpreisen errichtet werden.
Wichtige Voraussetzung: Eine (oberirdische) Verlängerung der U-Bahn. Klugerweise sind schon derzeit Weichenanlagen bei der U1 eingeplant, um bei Bedarf den einen Zug nach Oberlaa, den nächsten nach Rothneusiedl fahren zu lassen.
Das setzt U1-Planung, v.a. aber auch U1-Finanzierung voraus, wozu unter anderem auch ein neuer Vertrag mit dem Bund verhandelt und beschlossen werden muss.
All das zeigt: Hier handelt es sich um etliche Jahre, bevor hier Menschen einziehen können.
Auf einem Teil der Fläche, die der Wohnfonds für die Stadt erworben hat, steht der Haschahof. Ein Baudenkmal der besonderen Art.

Der Haschahof eignet sich für zweierlei:
einerseits von jetzt bis zur Entwicklung des Stadtteils irgendwann in der Zukunft: Mit einer klugen Zwischennutzung, über die derzeit Gespräche geführt werden. Sowohl eine Kulturnutzung ist möglich aber auch eine landwirtschaftliche Verwendung wie in den letzten Jahren, wo Städter/innen die Möglichkeit zur Selbsternte gegeben wurde, die hervorragend angenommen war.
Und langfristig: Gerade hier bietet sich ein alter, wunderschöner Gebäudekomplex hervorragend an, in ein Stadtentwicklungsgebiet integriert zu werden.
Alte, klug umgenutzte Gebäude wurden oft Stadtteilzentrum, und geben in einem Areal aus Neubauten Charakter und Atmosphäre.
Der Wohnfonds, welcher zum Ressort des Wohnbaustadtrats gehört sah das nicht so.
Er wollte das erworbene Areal „bestandsfrei“ halten, und den Haschahof abreissen.
Jetzt muss ich kurz baurechtlich argumentieren: Da das gesamte Areal einer „Bausperre“ unterliegt, bedürfte ein Abriss einer Zustimmung des Planungsausschusses, welcher in das Ressort von Planungsstadträtin Vassilakou gehört, und wo ich Mitglied bin.
Wir haben kalr signalisiert, daß wir einen Abriss ablehnen, und das auch öffentlich gemacht.
Mit dem im Kroneartikel angesprochenen Fernsehbeitrag sollte einer breiteren Öffentlichkeit der baukulturelle Wert des Haschahofes nähergebracht werden.
Und vergessen haben wir auch nicht, wie in einem Planungsgebiet in Liesing ein kleines, altes Gebäude als Stadtteilzentrum widmungstechnisch berücksichtigt wurde, das auch in Bürgerversammlungen so kommuniziert wurde, und dann, vor einigen Monaten vom Grundeigentümer Wohnfonds „irrtümlich“ abgerissen wurde.
Zusammenfassend: Es gibt klaren Konsens in der rot/grünen Regierung, dass die Wohnbauleistung deutlich gesteigert werden soll. Deswegen steht im Regierungsprogramm auch die Zahl „50 000 Wohnungen in 5 Jahren“
Schon 2015 wurden deswegen von unserem Planungsressort vorbereitet im Gemeinderat 12 000 Wohnungen vorsorglich gewidmet.
2020 wird diese rot/grüne Regierung an dieser Zahl zu messen sein. Ist es gelungen, qualitätsvolle, sozial und ökologisch orientierte Stadtteile errichtet zu haben, die 50 000 Wohnungen ermöglichen.
Das entspricht einer Stadt von mehr als 100 000 Einwohner/innen.
Eine sehr große, herausfordernde Aufgabe.

13 Gedanken zu “Der Haschahof-eine Klarstellung

  1. 180 Grad DRehung Das klingt jetzt aber – mit Verlaub – nicht nach dem Christoph Chorherr, der im Jahr 2006 die Bürgerinitiative „Stopp Megacity Rothneusiedl“ mit ins Leben gerufen hat, der im Rothneusiedlerhof auf die Unsinnigkeiten hingewiesen hat, auf das Geld verbrennen um jeden Preis durch die U-Bahn Verlängerung.
    Wie kommt eine derart andere Position zustande?
    Sind die Grünen in der Regierung daran zu messen, was sie sich von den Roten gefallen lassen?

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    • @Rothneusiedler Seit 2006 hat sich etwas Wesentliches verändert: Das Wachstum der Wr Bevölkerung ist deutlich gestiegen. Um leistbaren Wohnraum bereittzustellen, und die ökologisch viel problematischere Zersiedelung des Umlandes nicht zu beschleunigen, ist dieses Gebiet ein langfristiges Stadterweiterungsgebiet.

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    • @cc „Ökologisch problematischere Zersiedelung des Umlandes“ würde dann wohl bedeuten, dass die Stadt Wien das zusammengekaufte (bis dato landwirtschaftlich genutzte) Land stückweise für kleinere Bauwerke verscherbeln würde, richtig? Ist Bauen am Stadtrand letzten Endes nicht ebenso Zersiedelung?

      Das Vorhaben der Stadt Wien zu wachsen ist auch nicht neu. Was ist mit leerstehendem Wohnraum in der Stadt?
      Die Stadt Wien sitzt zwar wahrscheinlich am längeren Ast. Zumindest versucht sie seit Jahrzehnten hier zu verbauen. Trotzdem verstehe ich als (bisheriger) Grün-Sympathisant deinen „Grünen“ Standpunkt nicht. Beton statt Grünraum? Noch mehr Verkehr auf der Himberberstraße (deine Prophezeiung anno 2006)? Verparkte Straßen durch Pendler, die nicht vor der Stadt abgeholt werden? Die Bewohner von 5000 Wohnungen werden die Kapazität einer U-Bahn nicht im Ansatz ausnutzen können (ebenfalls deine Worte). Etc. u. dergl.

      Ad Haschahof: Mit viel Aufwand werden anderswo in Wien Gemeinschaftsgärten errichtet und betrieben. Und die Selbsterntefelder sollen verbaut werden? Wie passt das zusammen?

      Wie ist das ausserdem mit der BürgerInnenbeteiligung? In anderen Städten Europas findet sie statt, und was ist in Wien? Die Regierungen anderer Städte haben aus Fehlern gelernt, die von Wien nicht? Wien bevorzugt nach wie vor Nacht- und Nebelaktionen! Hier ist seitens der Politik (rot / grün) sehr wenig bis keine Sensibilität zu spüren. Warum können Stadtentwicklungsvorhaben nicht in einem offenen und ehrlichen Diskussionsprozess erarbeitet werden, die hier lebende Bevölkerung mit einbezogen werden? Das verhindert einerseits böses Blut, andererseits führt das besser und für alle zufriedenstellender zum Ziel.

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  2. Bausperre Für die Abbruchbewilligung ist lt. § 8 BO nur „eine Stellungnahme des für die Stadtplanung zuständigen Gemeinderatsausschusses einzuholen“. Entscheiden muss immer noch die Behörde.

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  3. fallwig hallo chorherr – wir hatten ja keine ahnung, dass auch du auf twoday.net bloggst. wie immer, nimmt ein „grüner gutmensch“ alles furchtbar ernst. bemerkenswert bleibt dein intellektueller „hakenschlag“ zum haschahof. von der tagespolitik – oft – aufgerieben, hast du hier den finger in die richtige wunde gelegt. leistbares wohnen in wien, und eine gesellschaft der njr begrenzt konkurrierenden ethnien – respekt vor deiner arbeit, wir bloggen nur und gucken zu. es ist zu wenig, was wir tun. dein hanno fallwig:

    http://sitacuisses.twoday.net/stories/wer-ist-hanno-fallwig-heute-verlinken-wir-zu-christoph-chorherr/

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  4. Lockerung der Bauordnung macht ein Hochhaus neben dem Stephansdom möglich diepresse.com/home/panorama/oesterreich/4941993/Wien_Die-Fallen-der-neuen-Bauordnung

    Hochhaus in den Volksgarten bauen – oder Gemeindebauten ins Naturschutzgebiet, …

    oder weitere Verbauung des Augartens (weitere Augartenspitze?)
    aktuell auch das Otto Wagner Spital betroffen
    http://steinhof-erhalten.at/

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  5. leistbares wohnen – obwohl wir uns als parteifreie bllogger nicht mit dem üblichen hickhack zwischen grünen veganern, fahrradfahrern und beschützern des hörndlwaldes – das macht inzwischen die övp – beschäftigen wollen, gefällt uns, was chorherr zum thema haschahof zu sagen hatte und hat. in der nächsten zeit wird es nicht mehr notwendig sein, sich mit einem „kroneartikel“ oder mit einem „fernsehbeitrag“ auseinanderzusetzen, es ist auch nicht notwendig, dass sich die dichands oder das fernsehen mit dem „baukulturellen Wert des Haschahofes“ beschäftigen, denn der baukulturelle Wert dieser Ruine konvergiert gegen Null. Interessanter ist die Frage, und da bin ich komplett mit Chorherr: welche gesellschaftspolitischen Strukturen und welche Mechanismen dieser zusammenbrechenden Zivilisation haben dazu geführt, dass 88,3 Millionen Quadratmeter Wohnfläche in Wien leer stehen? Ganz klar, dass hier die „Planungsstadträtin“ mit aufgerufen ist, wie Chorherr betont:

    http://sitacuisses.twoday.net/stories/hanno-fallwig-und-das-fluechtlingsdrama-1-ist-die-rolle-der-aktivisten/

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