Grossartig, aber was dann?

Gestern war ein grosser Tag.
Nicht nur die New-York-Times würdigt, was viele Österreicher/innen gestern gezeigt und geleistet haben.
An den Bahnhöfen, aber auch in Ungarn.
Österreich – und v.a. Deutschland, das beinahe alle Flüchtlinge aufnimmt – zeigt der Welt, was Humaniät, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft ist.
Heute wird es hoffentlich so weitergehen, vielleicht noch morgen.
Aber dann?
Merkel und Faymann, denen ich für ihr Verhalten ausdrücklich Respekt zollen möchte ,haben aber auch damit recht:
Das ist eine kurzfristige Massnahme. Zwei Länder (in Wirklichkeit eines, Deutschland) können all die, die noch auf der Balkanroute unterwegs sind nicht alleine schultern.
Ausserdem: Die Bilder von gestern werden ihre Wirkung entfalten.Noch mehr werden sich auf den Weg „nach Germany“ machen.
Ich verhehle es nicht. Bei aller grossen und schönen Gefühlen, die nicht nur mich gestern berührt haben: Ich mache mir vor den nächsten Tagen und Wochen sehr grosse Sorgen.
Und deswegen nochmals in Kürze, was m.M. nach unbedingt notwendig ist (ausführlich habe ich es hier beschrieben) :
1.) Asylantragsstellen in sicheren Gebieten rund um die Krisenregionen (also in der Osttürkei, dem kurdisch verwalteten Nordirak, in Jordanien und im kleinen, armen überlasteten Libanon.
Die starken Bilder aus Wien, Nickelsdorf oder München, die gestern um die ganze Welt gegangen sind, diese Bilder brauchen wir aus dem Libanon oder aus Jordanien: Menschen, die DORT Asyl bekommen haben, und sich mit begleiteten Bussen, Schiffen , Zügen oder auch Flugzeugen in die europäischen Zielländer aufmachen.
Das und nur das kann Schleppern das Handwerk legen. Und Menschen davon abhalten, sich auf eine unendlich strapaziöse und gefährliche mehrmonatige Reise aufzumachen.
Es ist sonnenklar: Entweder es gibt die Chance auf Asyl vor Ort, oder hunderttausenden Verzweifelte machen sich auf den Weg. Welche Alternative bliebe ihnen denn sonst? Ich würde nicht anders handeln.
2.) massive finanzielle, organisatorische und wirtschaftliche Unterstützung jener Flüchtlingslager in der Region, denen jetzt das Geld ausgeht. Dass Österreich das UNHCR dafür mit beschämenden 2,5 Mio EU (!!) abspeist (ich habe die Zahl erst nicht glauben können) ist ein Skandal!
3.) Schliesslich wird sich die EU auch dazu durchringen müssen, der Ursache dieser Fluchtbewegung etwas entgegenzusetzen. Dem barbarischen Terror der IS, sowie den Gräueltaten der Assad-Schergen und anderer Milizen in Syrien.
Was das sein könnte?
(Auch) von der EU militärisch gesicherte Schutzzonen, um den Menschen nahe ihrer Heimat Sicherheit zu geben.
Diese Schutzzonen, ob Städte oder Regionen, könnten Keimzellen des Wiederaufbaus sein.
Wenn sie auf einem UNO-Mandat beruhen, könnte sich sogar das neutrale Österreich daran beteiligen.
Alles Utopie?
Seit gestern, seit der mächtigste europäische Staat, Deutschland seine Grenzen geöffnet hat, ist vieles möglich.
Es wurden Voraussetzungen für Möglichkeiten geschaffen.
Dieser Tage wird europäische Geschichte geschrieben.