Das Gelingende

Für diese 3 Minuten und 44 Sekunden kann man die ZIB2 Redaktion nicht genug preisen.
Hier nachzusehen
Zu sehen: Neudörfl, ein gar nicht so kleiner Ort (4300 Einwohner/innen) im Burgenland.
Das „Besondere“: Dort sind Flüchtlinge untergebracht, vom Bürgermeister Dieter Posch (SPÖ) nachdrücklich unterstützt.
Weiters sieht man: Nachbarn, die völlig gelassen das eigentlich Selbstverständliche erzählen. Es ist OK, daß die Flüchtlinge da sind, und nein, grössere Probleme gäbe es gar nicht.
Weiters erwähnenswert: Die SPÖ hat in diesem Ort bei der Landtagswahl kaum verloren.
Warum ich das jetzt schreibe und für diesen Beitrag die ZIB2 ausdrücklich loben möchte:
Es geht mir jetzt nicht um Parteipolitik, sondern um das was „Öffentlichkeit“ ist.
Es gibt viele „Neudörfls“ in Österreich.
Es gibt überall in Österreich Menschen, die sich erfolgreich und akzeptiert um Flüchtlinge unterstützen.
Es gibt Anrainer/innen, die ebenso unterstützen, oder zumindest nichts dagegen haben.
Das gehört zur Normalität.
Nur: In der öffentlichen (medialen) Debatte wird diese Normalität kaum abgebildet.
Dort werden wir fast ausschliesslich mit Problemen konfrontiert.
Gewalt im Nahen Osten, ertrinkende Flüchtende, empörte Anrainer/innen, überfüllte Lager, Kriminalität.
Und generell: Arbeitslosigkeit, steigende Mieten, wirtschaftliche Stagnation, Armut, scheiternde Schulen, Politiker/innen, die unfähig (korrupt )erscheinen oder es auch sind.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es gibt diese Probleme.
Aber es gibt auch das andere, die erfolgreichen Versuche, diese Probleme zu bewältigen.
Nur: Wenn im medialen Raum fast ausschliesslich das Eine, das Schreckliche, das Bedrohliche erzählt wird, entmutigt das, und macht Angst.
Was so notwendig wäre: Auch das Gelingende zu zeigen. Zu zeigen, wie viele Menschen durch ihr konkretes Handeln erfolgreich beitragen, daß Probleme gelöst, oder zumindest entschärft werden.
Zu Abertausenden gibt es in Österreich und auch weltweit Menschen, die sich für die „res publica“, die öffentliche Sache in ihrem Umfeld engagieren.
Und deswegen nicht durch das mediale tägliche Bombardement schrecklicher Ereignisse entmutigt werden.
Hinzufügen möchte ich ausdrücklich, dass auch wir Politiker/innen unseren Anteil an dieser Entmutigung tragen. Der tägliche öffentliche Diskurs stellt den politischen Mitbewerber in den schrecklichsten Farben dar, „dirty campaining“, nimmt nicht ab sondern zu.
Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch auch berichten: Eigene Ideen oder Visionen öffentlich vorzustellen ist (was den medialen Raum betrifft) wesentlich schwieriger, als einen Missstand („Skandal“) aufzudecken oder gar eine konkrete Person „anzupatzen“.
Massenmedien und wir Politiker/innen haben es in der Hand, für notwendige Veränderungen (von Flüchtlingspolitik über Bildung bis zum Gesundheitswesen) die demokratischen Voraussetzungen zu schaffen, indem einem Klima der Angst Beipiele des Gelingens entgegengesetzt werden.
Nur durch Ermutigung kann das erreicht werden.
PS: Eine Buchempfehlung dazu (am Wochenende gelesen)