Gedanken zum Wahlausgang

Es lohnt, einen Wahlabend erst einmal zu überschlafen, dann die Auszählung der Wahlkarten abzuwarten, und schließlich Wahlergebnisse genau anzuschaun und nachzudenken.

Jetzt möchte ich einmal diese hervorragende Analyse von Georg Günsberg empfehlen. Sie richtet ihren Blick auf eine längere Perspektive und erhellt damit Trends.
(Nachfolgende Grafiken sind aus Günsbergs Blog)

Klar ist der langfristige und kontinuierliche Abstieg von ÖVP und SPÖ:

Ebenso klar ersichtlich ist das Wachstum der Grünen

Hier ist jetzt klar zu erkennen, wo wir Grüne stark/oder schwach sind.

1. Bildungsabschluß (jeweils oben anklicken)
Bei Menschen mit Hochschulabschluß sind wir die Nr 1, je geringer der formale Bildungsgrad, desto schwächer unser Abschneiden

http://cf.datawrapper.de/yMezx/1/

2. Bei untenstehenden zwei Grafiken (Alter & Geschlecht) zeigt sich:
Je weiblicher und je jünger desto stärker, je männlicher und älter desto schwächer.
Bei Frauen unter 29 sind wir Nr 1, bei Männer über 60, naja…

http://cf.datawrapper.de/RGgqh/1/

http://cf.datawrapper.de/l5RiX/1/

Hier zeigt sich: Wir haben einen Hoffnungsbereich: Männer!
Was das genau heisst, das soll uns in der nächsten Zeitbeschäftigen.

Gute Resultate erzielen wir in urbanen Räumen (Wenn ich drei Beispiele nennen darf: Nr 1 in Innsbruck und Graz, Nr 2 in Klagenfurt und in vielen anderen Städten auch) aber auch überall dort, wo wir kompetente, engagierte Menschen vo Ort haben, welche die Wähler/innen kennen. Hier ein Ort ausgerechnet im Weinviertel als Beispiel:

Schliesslich: Wir haben in allen 9 Bundesländern gewonnen, auch in Wien, wie wir jetzt, nach Auszählung der Wahlkarten wissen.
Und: Wir haben bundesweit das beste Ergebnis, das wir je hatten. Auch wenn wir alle uns mehr erhofft haben.

Die Debatte um die Mariahilferstrasse scheint kaum einen Einfluß aufs Wahlverhalten in Wien zu haben, innerhalb des Gürtels bleiben wir die Nr 1.

Wo die Neos stark sind, haben wir nicht so stark gewonnen, neben der ÖVP haben auch frühere Grün-Wähler/innen Neos gewählt.
Im Unterschied zur ÖVP ist es uns aber gelungen neue Wähler/innen anzusprechen, daher unser Zuwachs.
Christoph Hofinger von Sora meint, daß uns die Neos ca 2 Prozentpunkte „gekostet haben.
Deswegen ein paar Worte zu den Neos.
Vorweg nochmals Georg Günsberg.
Auch hier hilft die längerfristige Perspektive.
Die Neos sid heute wieder inetwa dort, wo das LIF schon einmal war:

Vorerst möchte den Neos ausdrücklich meinen Respekt ausdrücken. Statt wie so viele nur über „die Politik“ zu schimpfen, haben sie sich aufgerafft und versuchen es besser zu machen.Einiges an ihrem Programm halte ich für positiv, v.a. ihr Einsatz für Bildung.
Manch anderes halte ich für wenig schlüssig (sehr freundlich ausgedrückt).
Wie man gleichzeitig Steuern deutlich senken, und ohne deutliche Steigerung der Arbeitslosigkeit die Staatsquote senken kann, und gleichzeitig in Schulen investieren kann, das erschliesst sich mir nicht.
Tom Schaffer hat hierzu noch vor der Wahl einen lesenswerten Beitrag geschrieben.

OK, die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, was sie hier wirklich wollen.
Viele Wähler/innen, auch solche mit starken Grün-Symphatien haben diesmals aus folgendem Grund Neos gewählt . Ich selbst habe es mehrfach gehört:
„Auch ich möchte wie Ihr Grüne den Stillstand in Österreichs Politik überwinden. Und v.a. nicht nocheinmal eine rot/schwarze Koalition. Das gelingt aber nur, wenn die Neos ins Parlament kommen. Deswegen wähle ich diesmal sie, weil der Unterschied zwischen 3,8% und 4,2% bei den Neos viel relevanter ist, als ob ihr 14% oder 14,2% bekommt“
Wir Wiener Grüne werden uns bei der Gemeinderatswahl 2015 jedenfalls sehr um jene bemühen, die am Sonntag Neos gewählt haben.

Noch ein Wort zur FPÖ:
Ein letztes Mal eine „Günsberg-Grafik“:

Der Anteil der FPÖ war schon früher erschreckend hoch. es ist ein „unfortunately more if the same“.
Absolute Neuigkeit ist es aber auch nicht.
Und ja, da muß auch uns etwas einfallen.

Wählerströme zeigen, daß wir, wenn auch im überschaubaren Ausmaß, sowohl vom BZÖ als auch von der FPÖ gewonnen haben.
Ich weiss es ist schwierig, und wir muten mit unserer Politik Menschen etwas zu, aber da ist in Zukunft, v.a. aus demographischen Gründen noch viel mehr möglich.
Interessant ist hier Wien. Was wurde uns da nicht alles Schreckliche vorhergesagt.
Und jetzt das: Totaler Absturz der ÖVP, und nach Wahlkarten liegt unser bescheidener Zuwachs gar ein kleines Stück über dem der FPÖ.

Auch wir müssen immer wieder unsere Positionen neu justieren und gewichten.
Unseren Dreiklang Nachhaltigkeit/Gerechtigkeit/Selbstbestimmung sollten wir, meine ich, sowohl auf Bundesebene wie auch in Wien mit neuem Leben füllen.

persönliches Fazit: Ich habe bei dieser Wahl mehr für uns erhofft, aber nicht viel mehr erwartet. Trotzdem: Wir haben ein plus von 1,9 Prozentpunkten.Die FPÖ eines von 3,1.
Wenn zweiteres medial als großer Sieg gefeiert wird, kann zweiteres keine Niederlage sein.
Unsere Klubwahlwette dürfte ich gewonnen haben.

PS: Hier noch drei weitere Wahlanalysen, die auch sehr bedenkenswert sind.
Michel Reimon
Marco Schreuder
Rudi Fussi
Volker Plass

22 Gedanken zu “Gedanken zum Wahlausgang

  1. NEOS einmal mehr unterschätzen? Christoph, wenn du die Frage stellst „Wie man gleichzeitig Steuern deutlich senken, und ohne deutliche Steigerung der Arbeitslosigkeit die Staatsquote senken kann, und gleichzeitig in Schulen investieren kann, das erschliesst sich mir nicht.“
    dann hast du genau die falsche Frage gestellt. Denn in den meisten Fällen brauchst du nur über die westliche oder west-nördliche Grenze zu schauen, um eine teilweise Antwort zu erhalten.
    Wir Österreicher haben die herrliche Eigenschaft, alles zu ignorieren, was anderswo geleistet wurde. Wir schauen uns lieber nicht die Radpolitik in Dänemark oder Holland an, nicht die Staatsquote in Deutschland oder der Schweiz, nicht die Bildungspolitik in Schweden oder Finnland.
    Wir haben ein rot-schwarzes Sozialpartnerschaftsmodell, das darauf beruht, einmal festgelegte Staatsleistungen in Beton zu meißeln. Kindergeld? Finanzierung der Bildung? Wirtschaftsförderung? Sozialleistungen? Läuft alles in Bahnen auf Gleisen, die einmal gelegt, niemals wieder abgebaut, umgelenkt oder in Hochleistungsbahnen umgebaut werden.
    Die Kompetenzen bei NEOS sind dort, im volkswirtschaftlichen/betriebswirtschaftlichen Bereich, wo es darum geht, den etatistischen Beton in Frage zu stellen. Die Grünen täten gut daran, sich diese Ideen sehr genau anzuschauen, anstatt das rot-schwarze Betonmodell für sakrosankt zu erklären.
    Gerade du, der im urbanen und städtebaulichen „Beton“ Mauern einreißen will, solltest da nicht die Ohren zuklappen, sondern sehr aufmerksam die Modelle studieren, auf denen man aufbauen kann (Föderalismus, Eigenverantwortung, Selbstverwaltung, Rechenschaft (doppelte Buchführung), Zweckwidmung, Parteienförderung…), um aus dem zentralistisch-förderalen (!) Etatismus funktionierende, effiziente Staatsaufgabenbereiche neu zu formen.
    Die Gesprächsverweigerung der Grünen hat euch nichts gebracht. Jetzt zu glauben, die NEOS beim nächsten Mal „aufschnupfen“ zu können, weil sie letztlich ja nur aus Mitleid von vielen Grünen gewählt wurden, ist Eva-Linie, da fehlt mir die Christoph-Intelligenz.

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    • wieso seh ich vor meinem geistigen auge immer einen adrenalin-getränkten strolz, der wie manch ein computerspieler sabbernd über dem keyboard hängend, sich positionen der grünen und eine eigene gegensätzlich, glorifizierte alleinstellungsmeinung herbeischreibt, die es gar nicht gibt – abgeschlossen mit ein paar untergriffen? alle konkret aufgezählten punkte sind grünes programm afaik – nur werden auch die neos erkennen müssen, daß man das nicht einfach umsetzen kann, nur weil man ein paar abgeordnete im nationalrat hat.

      eure motivation in ehren – die ist absolut wichtig – aber das alleine reicht nicht aus und es wirkt äußerst unsympathisch, wenn man dadurch den blick auf die realität verliert und die eigenen lösungen für total innovativ hält und die mitbewerber, die in vielen bereichen ähnliches seit jahrezehnten fordern disst.

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  2. NEOS Nun ja, ich kenne viele, die NEOS deshalb nicht gewählt haben, weil sie der Meinung waren, die kommen eh nicht ins Parlament und es wäre eine verlorene Stimme. Meist haben sie dann Grün, manchmal rot gewählt. Ich vermute, NEOS werden bei den nächsten Wahlen noch mehr von Grün gewinnen. Und statt der farblosen Heide Schmidt gibts jetzt auch einen durchaus sehr dynamischen Spitzenkandidaten.

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  3. Was sagt das jetzt über mich aus Vielen Dank für diese hervorragende Analyse.
    Um mich mache ich mir aber ein wenig Sorgen: Ich bin knapp unter 50, habe nur eine Lehre gemacht und wohne in Wien Neubau, Nähe Mariahilfer Straße, und habe trotz allem Grün gewählt.
    Warum? Es gab für mich keine Alternative. Also weiter so!

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  4. Zum Ergebnis kann man nur gratulieren. Ist doch ein respektabler Zugewinn. 15% als Ziel war sowieso illusorisch bei einem Letztstand von 10,5%.

    Ad Neos:
    In vielen Teilen lehnt sich das rosa Wahlprogramm am grünen an. Vor allem in Bereichen, die die nächste Legislaturperiode dominieren werden (z.B. Bildung). Wenn für jeden der statt grün einmal rosa wählt auch einer die schwarze Blockade verlässt, ist das unterm Strich ein Zugewinn an Handlungsfähigkeit.
    Die Ansage, sich in Hinkunft ganz besonders um die Neos-Wähler kümmern zu wollen halte ich daher nicht für besondere strategische Weitsicht. Mir wäre lieber wenn die Vernünftigen wo es geht zusammenarbeiten anstatt aufeinander loszupecken.

    Ad Männer:
    da stehen die neos vor demselben Phänomen, junge Frauen sind die stärkste Gruppe (nur dass bei den Grünen dann auch >=50% Frauen in den Nationalrat einziehen während bei den Abgeordneten der Neos der Frauenanteil noch jenseitiger ist als bei der ÖVP…ätz ätz :-))
    Auf das „Männerprogramm“ der Grünen bin ich aber schon gespannt.

    Weniger zur inneren Zerreißprobe wird vielleicht eine Initiative zur besseren Kommunikation mit den sog. „bildungsfernen“ Mitbürgern (möglicherweise ohnehin weitgehend deckungsgleiche Gruppen?). Die leiden mindestens genauso an den 2000 € die allein die Hypo-AA jedem Österreicher vom Neugeborenen bis zur Greisin kostet. Nur kommt es offenbar dort nicht an, dass es ohne Kreuzerl beim Haider gar nicht so weit gekommen wäre.
    Das ist die größere Herausforderung. Und die lohnendere obendrein.

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    • wie kommuniziert man mit solchen leuten? ich hab zu unintelligenten prolos wirklich keinen zugang. klingt total hochnäsig, aber ich glaube genau das ist das problem, das die grünen im allgemeinen haben. wie soll man solchen menschen verständliche antworten geben, wenn sie nicht einmal die fpö durchschauen?

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    • ad Neos >In vielen Teilen lehnt sich das rosa Wahlprogramm am grünen an. Vor allem >in Bereichen, die die nächste Legislaturperiode dominieren werden (z.B. >Bildung). Wenn für jeden der statt grün einmal rosa wählt auch einer die >schwarze Blockade verlässt, ist das unterm Strich ein Zugewinn an >Handlungsfähigkeit.

      Das behaupten die NEOS, ich sehe aber (wenn man genauer schaut) eher wenig gemeinsamkeiten zwischen NEOS/Grünen.

      >Die Ansage, sich in Hinkunft ganz besonders um die Neos-Wähler kümmern >zu wollen halte ich daher nicht für besondere strategische Weitsicht.

      Ich halte es auch nicht für wahnsinnig schlau sich an die Neos annähern zu wollen. Wobei ich mir aber auch vorstellen kann, dass die NEOS-Wähler anders sind als die NEOS. Ich habe den verdacht, dass sich viele Neos-Wähler (in meinem Bekanntenkreis) das Programm, dass sie da wählen nicht wirklich angeschaut haben.

      Die NEOS sind eine durch und durch neoliberale Partei. Mir ist es durchaus sympathisch, dass da mal jemand kommt und was „anpacken“ will und die verkrusteten Strukturen aufbrechen will. (Für mich sind ja mitlerweile auch die Grünen selber verkrustet!)
      Die Neos haben aber einige (extrem marktliberale) Punkte im Programm, bei denen ich absolut nicht mitkann!

      Ich selber habe diesmal trotzdem auch nicht die Grünen gewählt, sondern den Piraten eine Chance gegeben. Auch die haben eine Chance verdient und das Potential verkrustete Strukturen aufzubrechen – und das vermutlich mehr als die NEOS.

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  5. Gratulation Danke Christoph für diese detaillierte Analyse – ich stimme Dir zu, die Grünen sind einer der Wahlgewinner dieses Abends und das ist erfreulich für Österreich.
    Bedenklich ist die mediale Vermittlung durch die verzögerte Wahlkartenauszählung, das hat in der Rezeption stark verzerrt – die FPÖ gewinnt marginal mehr, grölt sich aber zum großen Sieger. Die Grünen haben sich vermutlich mehr erhofft – dies wird aber nicht offensiv angesprochen, verarbeitet und dann der Erfolg gefeiert. Sondern es wird verdrängt und es herrschte bei der TV Einspielung SO Abend eine beklemmend gedämpfte Atmosphäre. Das ist schade!
    Wenn die Grünen jetzt drüber diskutieren was Ihnen die NEOS gekostet haben, dann schmerzt mich dieser klare Blick für das Unwesentliche sehr.
    Ihr solltet euch mutiger und ambitionierter Fragen warum Ihr für frustrierte unter 30-jährige Männer kein Angebot seid? Warum es euch nicht gelingt für weniger gebildete anschlußfähig zu werden? Ist das nur die intellektuelle, verkopfte Kommunikation, oder hapert es mit dem ernst nehmen dieser Zielgruppen?
    Ich wünsche es Österreich, dass sich die Grünen von Ihrem „home turf“ aus weiterentwickeln und organisch Ihre Fühler ausstrecken! Und der Wert „Selbstbestimmung“ der ist ganz ordentlich aus dem Gleichgewicht geraten – zumindest in der Vermittlung! Da bin ich unsicher wie sehr ihr da einen Selbstbild/Fremdbild Abgleich macht (auch außerhalb der grünen Kernwähler).

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  6. um die Männer kümmern. wenn gesagt wird die Grünen verbieten alles, die Grünen wollen 100 auf der Autobahn, die Grünen wollen Wohnungen ohne Parkplatz bzw. autolose bevorzugen, und dazu kein Kommentar kommt werdet ihr niemals die Mehrheit die sich nicht wirklich für Details interessiert abholen. Auch ein 80 auf der Bundes Landesstrasse hätte man sich im Wahlkampf verkneifen können da es realistisch gesehen nicht gegen die Mehrheit durchsetzbar ist. Gut das ist vieles aber das bringt doch keine Wählerstimmen nur mehr Nicht- Anders-Wähler. Denn die Mehrheit will auf einer 2spurigen Autbahn mit Pannenstreifen nicht 80 fahren wie Eva. Vieles Ideen sind super aber doch viel zu kompliziert zum nachvollziehen ein 100er auf der Autobahn versteht jeder und daran werdet ihr dann am Stammtisch gemessen.

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  7. 4 Fakten, die Grüne kommunizieren sollten 1) Grüne in Wien sind jene Partei mit dem besten Ergebnis im Vergleich zur Wahl08

    2) Grüne haben nun auch in Gesamt-Wien die ÖVP überholt

    3) Grüne haben als einzige Partei im 6. und 7. Bezirk erneut auch absolut Stimmen dazugewonnen! (Seit 1995 bei jeder NR-Wahl ein Stimmenzuwachs!)

    4) Grüne auch in einigen Aussenbezirken auf Platz 2 (zB. im 15. und 17. Bezirk)

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    • Achhhh…..
      Irgendwie kann man sich ja alles schön reden. Die Mahü ist super, 12% sind ein tolles Ergebnis und Rapid wird sicher auch Meister ;->

      Lieber CC, bitte nehmt euch intern das Ergebnis zu Herzen. Ihr müsst ja nicht öffentlich die Niederlage eingestehen, aber im Moment kenne ich viele die euch leider für reichlich belämmert halten. Immer nur gerade als kleinstes Übel durchgehen reicht langfristig einfach nicht. Es liegt an euch dass ihr dieses Jahr wieder zu schwach seid in die Regierung zu kommen. Und das finde ich schade!

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  8. Die Grünen wachsen langfristig betrachtet über die letzten 30 Jahre ungefähr 0,25% pro Jahr, ausgehend von einem ungefähr 4% Sockel. Mit diesem 0,25% Wachstum kann man aus Parteisicht durchaus happy sein, zumal man dadurch parteiintern kaum mal jemand was wegnehmen muss. Um Österreich zu verändern, dazu reicht das aber nicht. Konzentriert Euch also nicht auf die Neos, die können in freundschaftlicher Verschiedenheit Verbündete sein und sind daher eigentlich ein strategischer Glücksfall, wenn man nicht nur auf die eigenen Prozente schaut – sondern auf das Land. (Pathetisch aber wahr.)

    Holt lieber die SPÖler und FPÖler „da raus“ bevor sich die SPÖ gezwungen sieht rot-blau zu machen. Das halte ich für 2018 für wesentlich wahrscheinlicher als alle anderen Varianten, und zwar wenn Strache dann bereits knapp vorne sein sollte. Dann wird man sich gezwungen sehen ihn neuerlich über die Hereinnahme in die Regierungsverantwortung zu schwächen, samt allen damit verbundenen realpolitischen Konsequenzen und weiterem Stillstand und Aufräumarbeiten bis 2030.

    Alle denkbaren rot-schwarz-grün-pinken Alternativen stehen und fallen mit der Eindämmung das blauen Wachstums. Rote und (ehemals rot-)blaue Wähler sind für prononciert linke Positionen ansprechbar – man muss sie nur wesentlich angriffiger formulieren (siehe die deutsche Linke). Das wäre die im Sinne Österreichs wirklich lohnende Aufgabe der Grünen, die weitere Beackerung der „Bürgerlichen“ kann und sollte man aus dieser Sicht nun endgültig getrost den Neos überlassen…

    Es wird gern übersehen, dass vorgestern rund 10% BZÖ und Stronach gewählt haben. Wenn nur die Hälfte davon direkt bei Strache gelandet wären säßen wir bereits mitten in der Sch… und die Gefahr ist nicht gebannt – im Gegenteil. Wenn Stronach demnächst den Hut drauf haut wird Strache nur die Hand aufhalten müssen.

    Aber ich weiss natürlich, dass alles was mit grüner strategischer Positionierung zu tun hat nur Wunschdenken ist und fern jeder grünen Realität. Vielleicht klappts dann ja mit irgendeiner neuen halbwegs vernünftigen neuen Linkspartei… ich bin recht sicher wir werden in den nächsten 10 Jahren noch weitere erfolgreiche Parteigründungen sehen.

    Lg!

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  9. Nach der Wahl sind viele gescheiter, oder sie reden sich das Ergebnis schön. Nachstehende Gedanken hab ich VOR dem Start der Wahlkampagne der Grünen geschrieben: Das Grüne Nichts!

    15 Prozent wollen die Grünen bei der kommenden Nationalratswahl erreichen. Und mit diesem Ergebnis wollen sie sich dann in eine neue Regierung einbringen. Diese Regierung soll idealerweise aus einer Zweierkoalition bestehen. Das waren und sind die Ziele von Parteichefin Eva Galwischnig, die sie zu Beginn des Jahres ausgerufen hat und an denen sie im Wahlkampf bisher festhält.
    Wie es die zweite Partei (SP oder VP) schaffen soll, die für diese Zweierkoalition erforderlichen 35 Prozent einzufahren, erklärt Glawischnig nicht. Denn aller Voraussicht nach bleiben beide ehemaligen Großparteien deutlich unterhalb der 30-Prozent-Marke.
    Es stellt sich also die Frage, warum gerade die einzige Partei, die unbefleckt aus den Korruptionsskandalen der letzten 15 Jahre ausstieg, die einzige Partei, die neben einem als durchgehend integer zu bezeichnenden Personal auch so etwas wie zukunftsfähige Konzepte für den Wahlkampf und die nächsten Jahre zu bieten hat, die einzige Partei, die bei allen bisherigen Wahlen auf Landesebene 2013 deutlich gewonnen hat, warum also gerade diese Partei mit ihrem Wunschresultat nichts von ihren Zielen erreichen können wird.
    Wünscht sich Eva Glawischnig für die Grünen und damit für die gesamte parteipolitische Landschaft zu wenig? Mit Sicherheit tut sie das – aber warum? Wäre es so etwas wie pragmatischer Realitätssinn, müsste sie sagen, dass es ihr genügt, als Juniorpartner eine Koalition von zwei auf Mittelparteien zusammengeschrumpften Klientelparteien absichern zu wollen, und nicht von der Zweierkoalition reden.

    „Ein Stück des Weges …“
    Was hindert Glawischnig und die Grünen daran, sich 25 Prozent Wähler_innen-Zustimmung zu wünschen und diese Marke lustvoll zu verkünden und ernsthaft anzustreben und damit eine Situation in Aussicht zu stellen, die den bisherigen und auch für die nächsten fünf Jahre drohenden innenpolitischen Stillstand in Österreich aufbrechen würde? Denn eines musste in den vergangenen Monaten auch die Klientel der beiden Regierungsparteien den Grünen zugute halten: Dass sie die einzige Partei sind, die in der abgelaufenen Periode mehr ausgelöst hat als Kopfschütteln und angewidertes Abwenden von den innenpolitischen Vorgängen der letzten zwei Dekaden. Ein Angebot an diese Wählerinnen und Wähler, doch diesmal „ein Stück des Weges“ mit den Grünen zu gehen, würde Erinnerungen an ein durchaus erfolgreiches und vor allem nachhaltiges Experiment der Kreisky-Jahre wecken und erscheint keineswegs absurd.
    Um eine solch mutige Wahlkampfansage zu wagen, bräuchte es allerdings eine Kampagne, die so etwas wie Momentum verspricht. Und vielleicht dachten die Grünen und ihre Beraterinnen und Berater spätestens an diesem Punkt, dass ihnen dazu einfach das finanzielle Potenzial fehlt und die Wahlkampfkostenbeschränkung auch theoretisch ihr Übriges dazu beitrüge, eine derartige Wähler_innen-Mobilisierung über den Wahlkampf erst gar nicht anzudenken.
    Doch gerade die finanzielle Frage wäre Teil der Lösung, die ich den Grünen Ende 2012 gerne vorgeschlagen hätte. Allein, ich bekam auf die Bitte um einen Präsentationstermin keine Reaktion und daher auch keine Antwort. Aber bitte, Ö3 antwortet auch nicht allen seinen Hörerinnen und Hörern. Schade, es wäre die bestvorbereitete, aber gleichzeitig auch die kürzeste Präsentation meiner Laufbahn geworden: Ich hätte nämlich nichts gesagt. Nichts auf die Frage nach Bilderwelten und verkürzenden Slogans, nichts auf die Frage nach dem Mediamix Inserate/Plakate/Dreiecksständer usw. und auch „nichts“ auf die Frage nach meinem Honorar. Das Konzept hätte gelautet: Die Grünen verzichten im Nationalratswahlkampf als erste antretende Partei in der zweiten Republik auf klassische Plakatwerbung, vertrottelte Slogans, kaschierte Porträts und ganz generell auf die „fokussierte Unintelligenz“ (copyright Michael Häupl), die jeglichen Wahlkampf jeglicher Partei ja bekanntlich.
    Statt das Land zuzumüllen, wollen sie eine Metadiskussion über Kommunikation, Werbung im Allgemeinen, politische Werbung im Besonderen und den viel geringeren Verblödungsgrad der Bevölkerung, als bisher angenommen, führen.
    „Wir Grüne verzichten heuer auf Plakate und Bildinserate, weil wir glauben, dass die Österreicherinnen und Österreicher eine andere, ehrlichere und effektivere Form der Politikvermittlung verdient haben und nicht so blöd sind, auf plumpe Wahlwerbung und Schlagworte hereinzufallen, die die wahren Probleme und Herausforderungen der Zukunft nicht im Geringsten streifen!“
    Oder: „Wie Eva Glawischnig aussieht, wissen Sie. Wir ersparen Ihnen, ihr und uns daher die üblichen Plakate und Bildinserate: Wenn Sie wissen wollen, was Eva Glawischnig über ihre Pläne und die Zukunft des Landes zu sagen hat, lesen sie unsere Inserate in Tageszeitungen, Wochenmagazinen, informieren sich im Internet und im TV oder besuchen Sie eine ihrer zahlreichen Veranstaltungen!“
    Oder: „Die Grünen wollen die Praxis der kommerziellen Dauerpenetration, in der den Bürgerinnen und Bürgern nur das Verharren in Duldungsstarre und die Rolle als für dumm gehaltene Dauerkonsumentinnen und -konsumenten bleibt, durchbrechen!“
    Man möge sich vorstellen, um wie viel mehr Gesprächsraum, den Glawischnig und die Grünen dann mit ihren Themen füllen könnten, ihnen von den Medien zur Verfügung gestellt würde als jetzt. Man möge sich vorstellen, welche Dynamik ein solch ungewöhnliches, aber gleichzeitig höchst politisches, vernünftiges und nachvollziehbares Verhalten auszulösen im Stande wäre.
    Und man möge sich vorstellen, die Österreicherinnen und Österreicher fühlten sich seit Langem von wenigstens einer der Parteien im Wahlkampf wieder ernst genommen und mit Inhalten, Programmen und Visionen versorgt.
    Und man kann sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn die (Nicht-)Kampagne einer politischen Partei alleine schon dadurch politisiert, dass sie den öffentlichen Raum als das begreift und definiert, was er ist: Allgemeingut, das von Partei-, Konzern- und Kommerzstrategien weitgehend freizuhalten und zu schützen ist.
    Die Grünen hätten also Raum um eine, nämlich ihre Geschichte zu erzählen, die wiederum weiterzuerzählen wäre. Und wenn sie am Wahlabend 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können, stünde einem politischen Paradigmenwechsel in diesem Lande nichts im Wege. Hätten sie hingegen nur die ohnehin zu erwartenden 15 Prozent, wäre aus Sicht der Grünen auch nichts Schlimmes passiert. Mehr wollten sie ja ohne hin nicht.
    Markus Tripolt
    Kommunikationsentwickler, Maler und Anstreicher und Künstler, war mit seiner Agentur vol:vox für nicht klassische Maßnahmen für die Wiener Grünen im Gemeinderatswahlkampf 2005 beauftragt.
    http://www.tripolt.com
    http://www.colouredchairs.com
    http://www.paintback.net

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    • Oh ja Dem ist ja wohl nichts hinzuzufügen. Wenn man als Alternativ-Partei (zumindest sind sie so im Register geführt) eine Wahlkampfstrategie verfolgt, deren Quintessenz „Wir machen’s so wie alle anderen, denn so gehört sich’s“, darf man nachher seine Wunden lecken.

      Wie war das doch schnell? „Mit einer Diskussion über’s Binnen-I holst keinen Hackler ab.“

      Tjo – Bodenkontakt?

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    • Jung und Alt fusionieren..! Jetzt weiß ich, warum in Wien eine Koalition SP/Grüne existiert. Nicht nur eine Symbiose an Themen sondern auch eine an Alter und Bildung.

      Gemeinsam decken die beiden Parteien von der Pflichtschule bis zur Uni und vom Twen bis zum Opi alles ab.

      Wäre da nicht auf Bundesebene eine rechte Partei, die vor allem bei jenen punktet, die in Faymann keine Führungspersönlichkeit (das meine ich nicht einmal zynisch) sehen. Gäbe es einen wie Kreisky, der intellektuell und visionär, aber auch als integrative Vaterfigur agierte, ginge sich wohl Rot/Grün aus.

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  10. Wahlrechtsmodell der Neos Die Grünen sollten sich übrigens mal das Wahlrechtsmodell der Neos ansehen, kühl durchrechnen und überlegen ob man nicht über den eigenen Schatten springen könnte, und damit gemeinsam und vertrauensvoll an Rot und Schwarz herantreten sollte… das wäre etwas, das könnte uns 2018 uU vor uns selbst retten… geht aber realpolitisch eben nur, wenn es von einer breiten Koalition der Vernunft inkl Kleinparteien getragen wird – sonst traut sich Faymann das nicht, und vermutlich zurecht.

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    • Im Zweifel kann man das btw das auch über eine gut vorbereitete Volksabstimmung einführen… damit das Thema bis zur nächsten NRWahl gegessen ist…

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  11. Wie man gleichzeitig Steuern deutlich senken, und ohne deutliche Steigerung der Arbeitslosigkeit die Staatsquote senken kann, und gleichzeitig in Schulen investieren kann? Das ist recht einfach, der private Sektor würde das Kapital effizienter und produktiver einsetzen als der Staat, daher stügen die Steuereinnahmen.

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  12. Das soll ein „Erfolg“ sein? Sehr geehrter Herr Dr. Chorherr,

    welchen „Erfolg“ haben die Grünen denn bei der Wahl gehabt? 1 Prozent plus? Ha Ha Ha! Mir persönlich macht der Ausgang dieser Wahl Angst, vor allem die starken Zuwächse der FPÖ. Und die beiden Verliererparteien SPÖ (Suderer-Partei Österreich) und ÖVP (Österreichische Versager Partei) verarschen uns am laufenden Band siehe Staatsbilanz!

    In spätestens fünf Jahren haben wir einen blauen Bundeskanzler in Österreich, wenn es so weitergeht und dann können wir uns die Kugel geben!

    Traurig aber wahr! Und was haben die Grünen mitzureden? Nichts, aber die FUZO in Wien ist ein Chaos das muss SOFORT geändert werden. 2015 wird bitter in Wien!

    lg

    Realisist

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  13. für mich sind die Grünen gestorben, seitdem sie echte direkte Demokratie ablehnen. da unterscheiden sie sich nicht mehr all zu viel von der SPÖ und teils ÖVP

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