Anmerkungen zu Thurnher


Armin Thurnher, Herausgeber des Falter

Armin Thurnher hat im aktuellen Falter (falter 06/2012) einen ausnehmend klugen, bedenkenswerten Leitartikel geschrieben.
(Ich respektiere seine prinzipielle Entscheidung, falter Artikel nicht gratis ins Netz zu stellen; das ist aber eine ganz andere Diskussion, um die es mir heute nicht geht)
In diesem Artikel stellt Thurnher elf ziemlich fundamentale Fragen, die er auch selbst beantwortet.

Eine Frage/Antwort möchte ich hier zitieren:

Frage zwei: Spielen Fragen der Kompetenz in der zeitgenössischen Politik irgendwo eine Rolle?
Antwort: Nirgends, nicht einmal ein bisschen.

Die Frage/Antwort trifft m.E. den Kern der derzeit stark um sich greifenden „Politikverdrossenheit“
Ich teile Thurnhers Antwort. Die eigentlich unendlich tragisch ist.

Und erlaube mir einige Fragen/Antworten anzuschliessen.

Frage 3: Wer entscheidet, was in der zeitgenössischen Politik „eine Rolle spielt“?
Antwort: Politik ist öffentlich. Medien schaffen Öffentlichkeit.
Medien, in ihrer Vielschichtigkeit sind es, die entscheidend mitprägen, „was eine Rolle spielt“

Frage 4: Was hat Vorrang in der medialen Debatte?
Antwort : Der plakative Skandal. Angstlust (z.B. „kommt Strache?“). Die eindeutige Schuldzuweisung. selbstgefälliger Zynismus, weitverbreitet in Leitartikeln

Frage 5: Was hat fast immer publizistisch Nachrang?
Antwort : die kompetente (schwierige) Erörterung dessen, was Lösungen aktueller Probleme wären.

Frage 6: Warum ist das so?
Antwort : Wahrscheinlich weil sich „DER Skandal“, „DIE Empörung“ leichter als „Nachdenken“ verkaufen lässt. Auch weil es vom Leser nichts verlangt, ausser die Bestätigung ohnehin manifester Vorurteile.

Frage 7: Gibt es Zeichen, dass sich dieser Zustand ändert?
Antwort 7: Ich halte es für eine unendliche Befreiung, dass Politiker wie Bürger sich via social media unmittelbar äussern können, ohne Filter des professionell-kommerziellen Journalismus, der uns immer die Frage der Fragen stellt: „Is des a G´schicht“? Da werden plötzlich ganz andere Themen diskutiert. Gar nichts selten jene der Kompetenz.Auch wenn all das ziemlich am Anfang steht.

Frage 8: Gibts andere Fragen/Antworten dazu?

14 Gedanken zu “Anmerkungen zu Thurnher

  1. warum schaffen es nichtmal die Grünen,obwohl in der opposition,die verlorengegagene Kompetenz zu zeigen? die Zeiten der ideolgiedebatten sollten doch schön langsam zu ende sein. fehlt es an personal oder an ideen?

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  2. Einfache Antwort Geh bitte, glaubst du das wirklich, oder willst du nur den anderen so erklären warum die Grünen so schlecht abschneiden?

    Die Grünen sind Erstens eh auch eine Angstpartei (Angst vor Rechts, Angst vor Umweltzerstörung,…). Das geht mir als Grünwähler eh schon milde ausgedrückt auf den Keks, das man sich immer über das Negative, insbesondere über die FPÖ definiert.

    Und Zweitens spülen alle Parteien nicht gerade die Kompetenzwunder nach oben, weil Parteiintern andere Qualitäten wichtiger sind. Auch das tut mir bei den Grünen weh. Gerade in grünen Kernfrage wie der Energiepolitik oder der Migrationspolitik liefert ihr inhaltlich auch nur noch Phrasen für eure Zielgruppen.

    Die Grünen sind so schwach, weil die Partei im Moment inhaltlich und personell so schwach ist. Die FPÖ ist ja nur so stark, weil SPÖ/ÖVP/Grüne so viel Raum lassen.

    Leere Phrasen reichen einfach nicht. Und was passiert? Ihr legt euch jetzt schon die Ausreden wie „Die Medien sind Schuld, die WählerInnen sind noch nicht reif,…..“ zurecht.

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  3. Najo, wenn eine Innenministerin ohne weiters Finanzerin werden kann, dann frag ich mich wirklich welche Kompetenzen mal als Minister überhaupt braucht (reicht es, dass man auf 2 Beinen geradeaus durch ne Tür gehen kann? -.-)

    Die Zeitungen hier im Lande informieren ja auch gar nicht, diese schreiben „Meinungen“, und bei Meinungen muss man ja auch keine objektive Information dem Leser näherbringen und somit kann man auch Gegenargumente unter den Tisch kehren. (Und da rede ich nicht mal von der täglichen Bildermärchenzeitung)

    Wenn man heutzutage Politiker im Fernsehen sieht und hört, möchte man am liebsten durch den Fernseher hindurch ihnen ins Gesicht schlagen. Entweder weil sie einfach nur „blablablabla“ sagen, einfach nur struntzdumm sind oder schlicht und einfach lügen (ja ich sage eindeutig lügen, weil „unwahrheit sagen“ is einfach nur Volksverdummung).

    Besonders wenn ich da die feuchten Träume von Bucher höre, der die FlatTax als „Gerecht“ bezeichnet, obwohl Deutschland die FlatTax durch ein Verfassungsgerichtsurteil nicht einmal einführen darf (laut mehreren Verfassungsexperten wegen Abweichungen des Gleichheitsgrundsatzes). Wohin dieses Modell führt sieht man gut in Ungarn, wo besonders die Mittelschicht und darunter am meisten darunter leiden.

    bei Steuern zitier ich ja gern Volker Pispers:

    das einzige, wo Steuersenkungen wirklich dem Mittelstand was bringen würden, wäre den ersten Grenzsteuersatz von 36,5% zu senken bzw. die Sozialversicherungsbeiträge von der Lohnsteuer zu bezahlen und dann die Steuersätze dazu anzupassen.

    so long,
    schippre

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  4. Kompetenz de Umfeldes Politiker sollten eigentlich die Kompetenz haben, ihr Umfeld so zu organisieren, dass sie Kompetenz haben. Niemand kann verlangen, dass Politiker sich in allen Bereichen ihres zur Zeit innegehaltenen Amtes auskennen. Aber eine „Grundkompetenz“ sollten Politiker schon haben: in Fragen der Kommunikation sollte man sattelfest sein. Aber genau da orte ich gröberer Defizite: viele Politiker umgeben sich mit persönlichen Umfeldern, die diesen Ansprüchen nicht genügen. Und noch schlimmer: die sich a) nichts sagen lassen und b) den/die Politikerin fast hermetisch gegen Einflüsse von außen (auch aus der eigenen Partei) abschirmen. Die Personen in diesem Umfeld werden „empfohlen“ – so bildet sich ein geschlossenes System, das den Bezug zur Realität/der Basis verliert. Und damit haben die Medien nichts zu tun. Doch: diese Umfelder haben nur selektive „Beziehungen“ zu einzelnen Medien (über bezahlte Inserate oder teuer bezahlten Agenturen). Sonst beherrschen sie die Kunst der Kommunikation in keinster Weise. Beispiele gefällig? Vom Herrn Minister Darabos kann man nicht verlangen, dass er ein Experte zum Thema Sicherheit ist. Aber dass das Ressort eigentlich von einem Kabinettchef geführt wird, der genausowenig Kompetenz zu diesem Thema hat, ist dem Minister anzulasten. Im Lebensministerium und bmvit läuft das ähnlich, Umfelder, die geschlossene Systeme darstellen. Ergebnis: man tut sich lieber gegenseitig etwas zu Fleiss als gemeinsam Klimapolitik zu betreiben. In Anknüpfung an die Aussagen zu social Media: was wurde da dem Herrn Bundeskanzler „empfohlen“? Der Auftritt war in keinster Weise persönlich ehrlich gemeint, als solcher entlarvt. Wo war da die „Kompetenz“ des Herrn BK? Er hätte vorher „nur“ offen kommunzieren müssen, da hätte er schon eine Basis für einen facebook -Auftritt gehabt. Und als letztes Beispiel will ich noch die Fast-Bestellung des Herrn Pelinka jun. nennen: genauso läufts (oder in diesem Fall dank der Reaktion der Journalisten nicht). Jemand wird empfohlen, der dann in seiner Funktion a) den Chef gegen Andersdenkende abschirmt und b) Aufträge aus Feundeskreisen umsetzt. Und solche Dinge müsste/sollte ein guter Politiker nicht zulassen. Daran sind nicht die Medien schuld, sondern sie/er höchstpersönlich.

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  5. öffentlichkeit braucht raum! mit sicherheit schafft social media eine neue, erweiterte form von öffentlichkeit. bestimmend ist, vor allem in österreich, trotzdem die veröffentlichte meinung über die leitmedien.

    es ist daher eine wesentliche aufgabe einer konstruktiven opposition, auf den katastrophalen zustand der öffentlichkeit aufmerksam zu machen. in wien wären das in erster linie die beiden bereiche „gratiszeitung“ in der u-bahn und gewista.

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  6. Gibts andere Fragen/Antworten dazu? Sehr geschätzter Herr Chorherr,
    nicht nur Ihre hier publizierten Fragen/Antworten sind vom (leider verloren gegangenen) Hausverstand durchsetzt, auch die Kommentare darunter dazu.
    Da werden oft 100-tausende Teuros für „Studien“ vergeudet, was sich gratis in blogs findet!
    So ignorant gegenüber dem Wissenspotenzial der „Untertanen“ gibt sich seit Jahren die jeweilige Regierungs-Clique. Die „Grünen“ – Schickeria gefällt sich leider primär, diese Ignoranz zu toppen. positive Ausnahme LR Rudi Anschober in OÖ, letztklassiger Typ STR Padutsch in Salzburg-Stadt!

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  7. Frage: Warum nur langweilen mich politische Diskussionen im ORF immer so sehr?
    Antwort: Weil viel zu oft NLP-geschulte und ideologiefreie Politiker oberflaechlichen und obergscheiten Moderatoren gegenueber sitzen!

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  8. Wer kompetent ist… hälts doch in der Politik nicht aus. Sabine Gretner ist ja auch ausgestiegen. Sehr traurig, aber verständlich.
    Es sind einfach zuviele Leute in der Politik, die nur von Politik eine Ahnung haben, und von sonst nix. Einen Umwelt/Energie-Minister, der mehrmals im Interview von „Kilowatt pro Jahr“ spricht, kann ich nicht ernst nehmen.

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  9. Korruption sondergleichen „Den Anfang machte Langthaler, die auf Leistungen für Gelder von der Telekom Austria (TA) verwies, etwa bei Sponsoringzahlungen für die Filmhof Veranstaltungs- und Betriebs GesmbH mit Logoaufdrucken auf Plakaten. Verschwiegen gab sie sich hingegen hinsichtlich des Gesamtumsatzes ihrer Unternehmen, der aus Geschäftsbeziehungen zur TA hervorgegangen ist.“ (ORF)

    Sponsoring. Druckkostenbeitrag. usw. so wird Korruption und die Gegenleistung betitelt. WAS haben wir für Politiker? Und ein Schweigen von Chorherr zu dieser G’schicht!!!

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    • @dominik sorry,was ist hier Korruption?
      Monika Langthaler ist schon sehr lange nicht mehr in der Politik und hat jetzt ein Privatunternehmen.
      Drum versteh ich die Frage „Was haben wir für Politiker“ in diesem Zusammenhang nicht.
      Was soll ich dazu sagen?
      Dürfen Unternehmen Kulturveranstaltungen nicht mehr unterstützen?
      Eine Viennale gäbe dann z.B. nicht mehr.
      Gerade weil es offensichtlich sehr viel Korruption gibt, diese aufgedeckt und abgestellt gehört:
      Bitte klar unterscheiden!

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  10. Anmerkungen zu Chorherr hurnher ist, wenn es sein muss, auch Populist. Der von Chorherr konstatierte „selbstgefälliger Zynismus, weitverbreitet in Leitartikeln“ ist Thurnher selbstverständlich nicht fremd. Er weiss natürlich, dass es einer hohen Kompetenz bedarf, um sich in den Parteiapparaten und deren Hackordnung nach oben zu beissen und dort angelangt zu behaupten, meist mit großer Ausdauer. Aber er weiss auch, dass diese Form der Kompetenz kein großes Ansehen geniesst, weder in der Masse, noch in der von ihm betreuten Zielgruppe, also bedient er das Vorurteil von den „Trotteln da oben“. War schon mal beeindruckter von seinen Beobachtungen.

    Die von Chorherr geforderte „kompetente (schwierige) Erörterung dessen, was Lösungen aktueller Probleme wäre“, führt uns unweigerlich zum Schluss: Schlimme (Not-) Zeiten bringen unweigerlich ernsthafte, kompetente Politiker hervor, weil akute existenzielle Probleme keine andere als echte (Problemlösungs-) Kompetenz dulden. Gute Zeiten, in denen das Überfluss-Management, nicht die Mangelverwaltung im Vordergrund stehen, bringen Politiker hervor, die kompetent sind in der Machterlangung- und Erhaltung. Das wiederum kann unter bestimmten negativen Umständen zu den schlimmen (Not-) Zeiten führen und so weiter.

    Möge Gott abhüten, dass wir demnächst in „interessanten Zeiten“ zu leben beginnen, Not erleiden und dann irgendwann von genuin kompetenten Politikern geführt werden (müssen). Und weil wir schon bei Gott sind: Nur er allein weiss, warum Chorherr nicht, an der Spitze der Piraten reitend, einen frischen Wind ins Land fegt, statt sich in grüner Geisselhaft die Erösung durch das Zweite Internet herbeizuphantasieren.

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