Lernen von Berlin

Die Berliner Piraten jubeln zu recht.
Fast 9% sind mehr als beachtlich.
„Ich wünsche mir, dass das Ergebnis der Piraten in Berlin ein paar Leute in allen Parteien aufweckt. Auch hierzulande.“, schrieb gestern am Wahlabend Helge Fahrnberger auf twitter, und viele gaben ihm recht (indem sie dieses sein Statement weiterleiteten)

OK, ich bin aufgeweckt und lernbegierig.
Ich schreibe jetzt hier auf meinem Blog , der im Unterschied zu twitter (das ich sehr schätze) nicht auf 140 kurze Zeichen begrenzt ist.
Und hoffe auf Beiträge und Meinungen.

(Dieser Beitrag ist jetzt von mir sehr stark gekürzt worden. Dort wo …. steht, standen lange Begründungen von mir. Aber irgendwie sind sie defensiv und verteidigend. Sie gefallen mir nicht!)

„Mehr Netzpolitik“ lese und höre ich.
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Liegts aber nur am Thema?
Ich glaub eher nicht.


(Quelle ZDF)
Hier sehr interessante Wahlmotive, sowie Wahlergebnisse verschiedener sozialer Gruppen

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Schliesslich: Obwohl den Berliner Grünen medial fast einhellig ein schlechter Wahlkampf beschieden wurde, haben sie deutlich zugelegt (während die SPD verloren hat)

Drum meine ehrlich gemeinte Frage an Helge Fahrnberger und viele andere?
Was genau lehrt uns das beachtliche Ergebnis der Berliner Wahl?
Bin gespannt!

23 Gedanken zu “Lernen von Berlin

  1. Ich habe Helges Tweet nicht zustimmend weitergeleitet, sondern ihn gefragt ob er einem alten Banausen wie mir das Piraten-Phänomen erklären kann. Daraufhin hat er mir dankenswerterweise zwei Links geschickt, die ich noch nicht lesen konnte (aber noch werde): http://bit.ly/ovQQIc und http://bit.ly/q9rdIi
    (ich hoffe, dass da mehr drinnen steht als ein paar Forderungen zur „Netzpolitik“ bzw. Nicht-Politik)

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  2. Ursachen des Erfolges der Piraten Ich persönlich bezweifle ja, dass man „nur“ mit Netzpolitik 9% bekommt und die o.a. Grafik gibt ja eine relativ Starke Indikation, dass es zu guten Teilen „Protest“ war.

    Nun, man könnte fragen, Protest? Gegen wen? DIE LINKE, durchaus als Protestpartei zu sehen, war in der Regierung und hat unschöne Dinge mitgemacht. Wowereits Persönlichkeitswerte liegen ungefährt doppelt so hoch wie jene seiner Partei, die massive Erhöhung der Mieten etc. hat ihm sicher geschadet, gerade in Kreuzberg&Co.

    Nun, zu den Grünen: Künast gab die Diva. Entweder Bürgermeisterin oder ich bleibe im Bundestag (erinnere mich ein wenig an die VdB-Kandidatur in Wien). Dieses doch hochnäsige Verhalten wurde nicht honoriert. Oder wurde es? Rekordergebnis hin oder her, für die Grünen war dieses Mal weit mehr drinnen.

    Erstaunlich ist das Abschneiden der CDU, mit dem ich mich hier aber nicht näher beschäftigen will.

    Kann man davon ausgehen, dass 9% der WählerInnen das 51 DIN A4 Seiten Programm der Piraten gelesen haben? Nein, kann man nicht. Man kann ehrlich gesagt nicht davon ausgehen, dass 9% gesamt gesehen ein Wahlprogramm gelesen haben.

    Was also ist die Ursache dieses Erfolges?

    Den Analysen zufolge speisen sich die Zugewinne/Gewinne der Piraten aus Wählern der SPD, Grünen, Linken und der Nichtwähler plus Binnen-I.

    Die Piraten sind neu, nicht Teil des „Systems“, sie sind anders. Man glaubt Ihnen, dass sie Politik nicht des Mandats wegen machen. Und lustig klingen tut der Parteiname auch noch. Aber dennoch glaube ich, dass uns der Erfolg der Piraten vor allem eines zeigt: der Mehrheitsanspruch der Sozialdemokratie im linken Lager geht den Bach runter, mehr als 50% im linken Lager entfielen NICHT auf die SPD.

    Ich denke, dass dieser Prozess auch in Österreich stärker eintreten wird in den nächsten Jahren, begünstigt von vielen Zutaten von Personal bis Inhalt.

    Die Grünen können jedoch daraus lernen, dass man mit staatstragender Fadesse nicht dauerhaft erfolgreich sein wird können. Mehr Aktionismus, mehr Angriffigkeit und Radikalität würde den Grünen gut stehen.

    Aber das sehen die meisten Linken bei den Grünen ohnehin so. Nur die Realität sieht anders aus. Wäre in Österreich ebenso ein Grund als Grünwähler zu Piraten oder einer Linkspartei zu wechseln, nicht?

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  3. Die Leute machen lassen Derzeit gibt es eine starke gesellschaftlich in Entwicklung in Richtung selbständig Beschäftigte die stark miteinander Vernetzt sind.

    Doch anstatt dieses KnowHow zu nützen und zu Unterstützen, setzen die Grünen noch immer ganz klassisch und ausschließlich auf teure Wahlagenturen und zentral vorgegebene Wahlstrategien an die man sich als AktivistIn sklavisch zu halten hat.

    Für sich alleine genommen war die Grüne Wahlwerbung in Berlin nicht schlecht. Aber im Vergleich mit den Piraten die es mit fast keinem Geld geschafft haben ein halbes Dutzend witzige Plakate zu produzieren war er grottenschlecht und eine ziemliche Geldverschwendung.

    Kann gut sein, das von den Piraten bald nicht mehr viel übrig bleibt, aber Slogans wie „Klar zum ändern“, „Trau keinem Plakat – Informiere dich!“, „Mindestlohn ist eine Brückentechnologie“ werden in guter Erinnerung bleiben.

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  4. Digit Als Ausdruck eines Bauchgefühls und wenig durch Fakten bestätigt:
    – die grüne Idee hatte vor geschätzten 30 Jahren ihren Ursprung in der Notwendigkeit sich mit Umweltfragen auseinanderzusetzen. Bemerkenswert ist, dass es die Grünen (generell) geschafft haben nicht nur als Thema, sondern als Partei(en) sich zu etablieren (zugegebenermaßen oftmals in Nischen, aber sie haben nachhaltig das Spektrum der Parteien geändert).
    – ich würde meinen, dass die zunehmende Digitalisierung, die unser gesamtes Leben, unsere Wirtschaft, Gesellschaft, usw. beeinflusst, ebenfalls das Potential für eine eigene politische Bewegung hat. Und die Tatsache, dass wir – zumindest in Europa – keine Wissenspolitik haben, lässt einfach eine Lücke offen.

    Ich denke also, dass es nicht nur Protest gewesen sein wird, sondern insgesamt die von den Piraten (IMHO übrigens ein wenig gelungener Name) angesprochenen Themen von den Leuten als wichtig erkannt werden.

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  5. Frisches Blut Die Antwort auf die Frage, warum die „Piraten“ wohl so gut abgeschnitten haben ist aus meiner Sicht recht einfach:

    es sind unverbrauchte, junge Leute und „Nicht- Politiker“.

    Ist ja leider Tatsache, dass alle anderen Parteien mittlerweile „Apparate“ sind und deren Vertreter bis zu einem gewissen Grad Apparatschniks.

    Das trifft natürlich auf Altparteien wie Sozialdemokraten oder Konservative zu, die Linke in Deutschland sowieso auch – klar, bei der Vergangenheit aus der PDS/SED heraus.

    Aber leider eben auch auf die Grünen, die sich ja in Österreich auch (teilweise) schon länger rühmen, eine „ganz normale Partei“ (frei nach VdB) zu sein.

    Diese etablierten Parteien tragen in gewisser Weise fast alle das bestehende politische System nach wie vor mit, sie trauen sich entweder nicht, oder haben nicht die Möglichkeit dazu, sich aus diesem System „herauszudenken“ – so wird beispielsweise das kapitalistische System nach wie vor von keiner dieser Parteien kritisch hinterfragt.

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    • Deine Ausführungen mögen ja stimmen, aber die Frage war nicht warum die Piraten so gut abgescnitten haben, sondern was die Grünen von den Piraten lernen können. Und das eine Partei wie die Grünen nach Jahrzehnten „etabliert“ sind, kann man 1. nicht als Nachteil/Vorteil sehen sowie 2. ihnen auch nicht vorwerfen. Meiner Meinung nach ist das auch nicht des Pudels Kern.

      Ich sage bereits seit Jahren, dass ich glaube, dass es von der Bevölkerung=Wählervolk honoriert wird, wenn die Politik 1. ehrlicher und 2. nicht so dogmatisch ausgelegt wäre. In der Realität siehts doch so aus, dass man den Schein wahren muss – in jeglicher Hinsicht. Dafür nimmt man auch in Kauf, die Bevölkerung schon mal zu belügen, falsche Versprechungen zu machen, usw. Des Weiteren sind in der Politik offensichtlich Fehler unverzeihlich – und das macht Politiker jeden Coleurs sowie die Politik als Gesamtes artifiziell – fern jeglicher Realität und einfach: Unecht – in weiterer Folge unglaubwürdig.

      Lernen wir nicht von einem Balkendiagramm – lernen wir von der Echtheit der Protagonisten der Piratenpartei – die schon mal ihre eigene Parteiaufstellung „einfach scheisse“ findet – und das so auch kommuniziert!

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  6. Sie hören zu und sie sind jung Ich habe den Wahlkampf in Berlin mitverfolgt und bin dort auch im Bezirk wahlberechtigt. Es gibt zwei einfache Gründe für ihren Erfolg:

    1) Alle anderen Parteien versuchen im Wahlkampf dem Volk ihr Programm aufs Aug zu drücken bzw. sie davon zu überzeugen. Die Piraten gehen den anderen Weg, sie sagen, wir hören Euch zu, und aus Euren Sorgen und Wünschen wird unser Programm, das wir dann ins Abgeordnetenhaus oder die Bezirksverordnetenversammlung mitnehmen, um es dort umzusetzen.

    2) Sie sprechen gezielt junge Leute an, und nehmen deren Lebenswelt ernst (siehe 1) anstatt ihnen zu erzählen, was der Parteivorstand meint, dass für sie gut wäre.

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  7. weil netzpolitik das nächste große thema progressiver politik ist ich hab das auf meinem blog länger erklärt
    http://reimon.net/2011/09/19/hurra-die-piraten-sind-da/

    das wesentliche scheint mir: Der Erfolg der Piraten ist nur begrenzt überraschend: Netzpolitik ist der nächste große Entwicklungsschritt progressiver Politik, der mehrheitsfähig werden sollte und wird. Sie tritt damit in die Fußstapfen des Umweltschutzes. Nicht um ihn zu ersetzen und zu verdrängen, sondern als Ergänzung, so wie der Umweltschutz die soziale Idee nicht aus dem progressiven Denken verdrängt, sondern ergänzt hat. Ich glaube sogar, dass Netzpolitik noch mehr Umwälzungen im politischen System auslösen wird, als es das Aufkommen der Umwelt­bewegung tat. Netzpolitik ist nämlich kein technisches Thema, wie viele glauben, sondern der Kern moderner Demokratiepolitik.
    Politik ist die Koordination von Menschen und dafür braucht es Kommunikation. Eine Demokratie kann nur so gut und leistungsfähig sein, wie ihre Diskurse und Abstimmungsmechanismen. Im selben Ausmaß, in dem unsere Kommuni­kations­mög­lichkeiten derzeit explo­dieren, wächst auch das Potential der Demokratie.

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    • So ein Blödsinn Netzpolitik interessiert praktisch niemanden, außer ein paar Nerds. Die Piraten wirken einfach jung, dynamisch, frisch, und sind nicht Teil des Filzes – drum werden si gewählt. Vorrangig wohl von Leuten, die sonst gar nicht gewählt hätten. Was es bringt? Nix wahrscheinlich, oder wie sollen die Piraten von Berlin aus das Internet befreien?

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    • Ist doch wie bei den Grünen Am Anfang als Spinner angesehen, dann langsam erfolgreich, später Mainstream. Die größte Gefahr ist, dass andere Parteien die Themen aufgreifen.

      Und eines muss man noch bedenken: dass eine Stimme für die Piraten rausgeschmissen ist, stimmt definitiv nicht mehr. Das allein kann sich schon stark auf weitere Wahlen auswirken. Und dann könnens sehr wohl gegen den Überwachungswahn vorgehen.

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  8. was uns das ergebnis lehrt na die haben zwei, drei junge themen aufgegriffen, die viele leute von jung bis alt beschäftigen und haben eine klare begehrlichkeit geäussert, der jedermann zumindest zu 2/3 zustimmen kann. somancher auch vollinhaltlich.

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  9. Noch mehr… Angeblich sollen trotz des Zuwachses der Grünen, die Piraten von ebenjenen Stimmen gefressen haben. Nicht auszudenken.

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  10. Na immerhin haben wir erfahren, dass die Politverdrossenheit im Nachbarland doch nicht so gross ist.
    Und wenn´s nur das „Haut denen eine in die Fresse“ (von mir jetzt mutmaßlich überzogen interpretiert) gewesen ist, es war zumindest einem Gutteil der Bevölkerung Grund genug, den Piraten Stimme zu verleihen.

    Wen vertreten wir?
    (Ich hab noch in unguter Erinnerung wie sich Grün in der Wiener Josefstadt demontiert hat, Inhalte waren da nicht vorhanden!)

    Bitte laßt uns lernen. Bitte laßt uns da anschließen wo wir einst waren.
    Irgendwen in die Goschn haun ist sicher kein Ziel, aber bitte, ein wenig mehr Profil wofür und wogegen!

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    • Trennung Kirche/Staat Naja, zu der Behauptung von Johannes bzgl Religionsunterricht: In dem Link steht eigentlich verpflichtender Ethikunterricht, es steht nirgends dass der Religionsunterricht nicht mehr optional sein soll.

      Zitat:
      „verpflichtender Ethikunterricht für alle SchülerInnen zusätzlich zum konfessionellen Religionsunterricht“

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    • „zusätzlich zum konfessionellen Religionsunterricht“

      Konfessioneller Religionsunterricht hat an öffentlichen Schulen nichts verloren.

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  11. Menschenrechte, Bürgerrechte, Korruptionsbekämpfung sind den Piraten noch als einzige Partei ein Anliegen. Alle anderen Parteien sind korrupt.

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  12. Gute Rede von Christopher Lauer

    Ist zwar nur runtergelesen, aber das Verhalten der Internetausdrucker im Publikum lässt tief blicken. Die Ellbogen-Mobber aus den Schulklassen der 60er Jahre haben doch glatt den Abschluss geschafft, und machen jetzt Politik. Persönliche Weiterentwicklung gleich Null.

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