Das ATV-Spektakel: Als-ob-Politik

Eigentlich macht “man” soetwas nicht.
Wenige Tage vor einem wirklichen entscheidenden Wahlgang über ein Fernsehevent räsonieren.
Aber es ist mir wichtig.
Es geht um die TV-Konfrontation “meine Wahl” von ATV.
Schon im Vorfeld hatte ich ein sehr flaues Gefühl, dem ich diffus auf twitter Ausdruck verlieh.
ATV Redakteur Martin Thür schrieb sehr freundlich zurück, aber da meine Kritik nicht auf knappen 140 Zeichen zu formulieren ist, verwies ich auf einen blog-Beitrag.
Hier ist er.
Für jene, die “meine Wahl” Sonntag auf ATV nicht gesehen haben, hier das Sendungskonzept.
Es wurde von ATV die Stadthalle angemietet, der Zuschauerraum in 4 Sektoren geteilt, und den Parteien je 450 Karten verkauft (10 Euro das Stück).
Mit dieser Inszenierung war der Inhalt vorgegeben.
Das Stück: Fußballstadionatmosphäre, nur mit vier statt zwei Mannschaften.
Schon vor der Stadthalle: Massen an roten, blauen, gelben und grünen Luftballons, die jeweiligen Anhängerschaften skandieren lautstark Gesänge, die Roten brüllen “Hieeer regieeert die S.P.ÖÖÖÖ”, eine schwarz gelbe Einpeitscherin versucht mit einem Megafon Stimmung in die gelb gewandeten VP Anhänger zu bringen, wir Grünen hatten Trommlerinnen (kleines i) mitgebracht, die Blauen bilden ein Spalier, Schlagstöcke(?) in Händen?? Nein, sie entpuppen sich als Konfetti”kanonen”, ein blauer Regen ergießt sich auf Hazeh, als er seinen lautstark inszenierten Einzug hält.
Der Fairness halber: Alle Parteien machen es mehr oder weniger so.
Dazwischen wuseln Kamerateams von ATV und Dutzende Fotografen, gierig nach genau diesem Spektakel.
Ja Spektakel. Bunt, laut, am besten auch bissl kontrovers -wird gar die Polizei zwischen den Fans ordnend eingreifen müssen?- das gäb erst Bilder und Schlagzeilen.
Zum Glück passierte diesmal nichts.
Diesmal!

Um genau die Inszenierung des Spektakels gehts hier.
Alle Parteien mobilisierten ihre Anhänger, “überbuchten” die 450 Plätze, damit nur ja fürs Fernsehn kein Platz frei bleibt.
Drinnen setzt sich die Match fort.
Und dann wurde es grotesk: Moderatoren ersuchten das Parolen skandierende, Tafeln hochhaltende Parteipublikum, doch nicht zu laut zu sein, nicht Buhh zu schreien.
Zauberlehrling?
Durchschauten die ATV Macher ihre eigene Inszenierung nicht?
Wenn Du ein Fest machst und gratis Bier und Schnaps austeilst, nutzen Aufrufe nicht,sich bittschön nicht zu betrinken.
Ich erspare mir Details, wie es bei der Diskussion weiterging, man kann es sich ausmalen, oder hat es ohnehin gesehn.
Matchatmosphäre!

Viele meinen und schrieben, es war ein gelungener Abend, eine unterhaltsame Diskussion.
Und jedenfalls “bunter” als die in der Tat tröge ORF Debatte.
Und ich geb zu: Ja, es war wirklich bunt, laut, unterhaltsam.
Und ich könnt mich zufrieden zurücklehnen, denn unsere Maria Vassilakou kam mit diesem Konzept ausgezeichnet zurecht, und schob, ganz Wienerisch gesprochen auch paar gute Wuchteln.

Aber mein Unbehagen bleibt. Es ist hier begründet:
Ist es gut, wenn politische Auseinadersetzung immer mehr Spektakel wird?
Was heisst es für unsere Demokratie, wenn politische Debatte immer mehr wie “Wetten daß” wirken?

Sollte nicht (o je, das wirkt jetzt “spassbremsend”) in einer Wahlauseinandersetzung primär die Frage gestellt werden:
Wohin soll sich die Stadt, das Land in den nächsten fünf Jahren entwickeln, Konzepte und politische Fähigkeiten bewertet und abgewogen werden?
Denn: Es steigt spürbar der Verdruß mit “dieser Politik”.
Immer weniger haben die Regierten das Gefühl, daß sie mitbestimmen, daß die Politik die großen Problembereiche (Bildung, Umwelt, Verkehr, Integration, Gesundheit, etc.) grundlegend reformieren kann.

Diese ATV Diskussion verstärkt bei mir diesen Eindruck: Wenn man schon die Politik als rationaler öffentlicher Entscheidungsraum aufgegeben hat, dann will man sich wenigstens auf die Schenkel klopfen.
Heissa, ist das wenigstens lustig!
Politik als Theater.
Politik als Spektakel.
„Als ob“ – Politik.

Dahinter ziehen die Mächtige die Strippen, immer weiter weg von jeder Öffentlichkeit, die ja mit Unterhaltung abgelenkt ist.

Nein, ich halte das für ganz falsch.
So geht Demokrartie in eine gefährliche Richtung.

Und noch eine vorerst abschliessende Beobachtung:

Fernsehn ist ein zutiefst antiaufklärerisches Medium.
Und wenn ich Marshall McLuhans erschreckend wahren Satz “the medium is the message” transformieren darf:
Die Medien schaffen Politik.Ab.

Ich hatte (und habe noch) große Erwartungen an diskursive Medien (u.a. all das, was web 2.0 genannt wird)
Warum findet auf twitter die intensivste Auseinandersetzung bisher mit der Gemeinderatswahl ausgerechnet über ein Fernsehevent statt?
Ist web 2.0 zu schwach, um ein eigenes, genuines und diskursives Format zu entwickeln.
Offensichtlich ja (Widerspruch bitte!)

22 Gedanken zu “Das ATV-Spektakel: Als-ob-Politik

  1. na ja das große Manko der Generation Web 2.0 ist, meiner Beobachtung nach, die extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne, die „bedeutenden“ Ereignisse wechseln fast im Stundentakt, die Facebookler und Twitterer wissen gar nicht, ob sie sich jetzt wegen Stuttgart, der ATV Diskussion, dem Brandanschlag oder wegen dem Auftritt von Kate Perry echauffieren sollen.

    Im Gegensatz dazu würde aber Politik ein längeres Beschäftigen und Eindringen in die Thematik erfordern. Hier haben sich übrigens auch gleich meine Erklärung für die fürchterliche Wahlbeteiligung und die „Politikmüdigkeit“. (just my 2 ct)

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    • Elite Ein fast ausschließlicher Diskurs auf Twitter & Co. wäre aber mindestens ebenso demokratiegefährdend, geht man davon aus, dass damit 90% der ÖsterreicherInnen ausgespart blieben.

      Die Politik hat seit 2000 alles dafür getan, dass die Menschen möglichts politikerverdrossen sind. Der Lohn dieser Arbeit sind Formate wie die von ATV. Ohne Spektakel würde niemand mehr zusehen. So gesehen muss man diesem Sender dankbar sein.

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  2. „Dahinter ziehen die Mächtige die Strippen, immer weiter weg von jeder Öffentlichkeit, die ja mit Unterhaltung abgelenkt ist.“

    Typisch Grüne – war Dir wohl zu wenig kopflastig ;-)?

    „Die Öffentlichkeit“ gibt’s ja nicht, jedes Format, jedes Medium spricht eine Untergruppe, ein Segment an. Diejenigen, die durch das ATV-Spektakel erreicht werden sind mit einer trockenen Diskussion komplexer Zusammenhänge eines Sachverhalts ohnehin nicht zu erreichen.

    Politik muss um Unterstützung zu gewinnen unterschiedlichste Segmente der Wählerschaft ansprechen können, sich in ihrer Kommunikationsstrategie der Diversität ihres Zielpublikums anpassen.

    „Meine Wahl“ ist ja kein Ersatz für Diskurs à la Club-2, Pressestunde oder Sommergespräch, sondern ein Angebot, das die Reichweite von Politik um bisher nicht erreichbare Bevölkerungsgruppen erweitert.

    Selbst bei „unterhaltungslastigen“ Formaten steht die Vermittlung politischer Positionen im Zentrum und wird lupenreiner Unterhaltung, die ja nur einen Fernbedienungsclick weit weg ist, vorgezogen: die Zuschauerquote ist bei Gott nicht schlecht. Das zeigt dass auch Freunde actionreicher Auseinandersetzung politisch mobilisierbar sind.

    Daher halte ich das ATV-Format insgesamt für eine Bereicherung.

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    • one brick – antwort ich seh das genau so: klar war es ein spektakel, klar boulevardisieren die medien, klar setzen parteien auf inszenierung vor so einer kulisse

      aber: maria vassilakou konnte sich in der art infotainment ganz gut behaupten, hat einige durchaus „schwierige“ politische botschaften rüber gebracht (bildung, verkehrspolitik, integration)

      unter dem aspekt des zielpublikums (jung, auf events und rasche unterhaltung konditioniert, aber immerhin ein politformat beobachtend) war es trotz aller vor allem inhaltlicher kritik – waren burkaträgerinnen, bevor sie die medien abbildeten, tatsächlich das größte problem unserer gegenwart? – gut gelungen.

      dass daneben auch andere, auch tiefgehende und sachlich kontroverse diskussionen stattfinden, wird niemand verbieten – und wäre ein klassischer auftrag an den orf, der daraus aber nur platt – oberflächliches a la pressestunde am vormittag anbietet…

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  3. Ja, aber… Lieber Christoph – ich möchte dir zum Teil widersprechen. Ich war gestern auch vor Ort und hatte vor allem am Beginn der Sendung größte Bedenken. Gedanken a la „Politik in Zeiten von Brot und Spiele“ gingen mir durch den Kopf, die hab ich auch getwittert. Das gröhlende Publikum tat das seine und das ganze Spektakel war zeitweise sehr skurril.
    Aber, und hier mein Einwand: Ich gestehe, dass ich schon seit langer Zeit, außer es ist für eine Diskussion oder einen Blogbeitrag nötig, keine politischen Diskussionen im TV mehr anschaue. Es ist immer das gleiche – die anwesenden Politiker haben ihre Phrasen auswendig gelernt, soetwas wie ein Diskurs kommt gar nicht zustande, weil man hauptsächlich Botschaften vermitteln will, die zumeist die Aussagekraft von Plakatslogans haben. Oder aber man ergeht sich in NLP gecoachtem Kauderwelsch und windet sich aus jeder Aussage, die irgendeinen inhaltlichen Kern haben könnte irgendwie heraus. Sowas will hierzulande offenbar niemand mehr sehen. Ich auf keinen Fall.
    Gestern abend jedoch kam gegen Ende der Sendung soetwas wie Spontanität auf, ich hatte den Eindruck, dass die Leute am Podium ein wenig aus den vorgefertigten Phrasen zurücktreten mussten und zum Teil begannen wieder authentisch zu wirken. Der hilflose HC Strache zum Beispiel, der mit dem Format absolut nicht zurecht kam, war für mich eine der großen Überraschungen des Abends. Und die hervorragende Mary Vassilakou, die sachlich blieb und meiner Meinung nach am besten von allen vier abgeschnitten hat.
    Man kann darüber diskutieren, ob Matchatmosphäre bei Politikdiskussionen förderlich sind, aber ich bin der Meinung, dass die Politik nicht dem Fernsehen die Schuld geben darf. Nicht das Fernsehen schafft die Politik ab, die Politiker tun das schon selber. Und die Tatsache, dass das ganze Format sehr populistisch war, kann man darüber hinaus auch mal positiv betrachten. Diejenigen die sich als Marktschreier betätigen sammeln die meisten Stimmen beim Wähler, Populismus per se muss aber nichts unbedingt schlechtes sein, wenn man ihn zur Abwechslung mal dafür nutzt die Marktschreier mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Vassilakou und Häupl ist das mE nach sehr gut gelungen.
    Mein Fazit – ja, ein sonderbares Format, mit teilweise sehr skurrilen Einsprengseln, aber trotz allem ein NEUES Format, das man nicht gleich abtun sollte, wenn es das Potential hat, wieder mehr Leute dazu zu bringen, sich Politikerdiskussionen überhaupt anzusehen.

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  4. Dem ist wenig hinzuzufügen. Oja doch, auf irgendeine Art muss ich mir ja immer meine Watschen abholen. Die repräsentative Demokratie Marke 19. Jahrhundert feiert ihr Ende…

    http://fxneumann.de/2010/10/01/ohnmacht-wut-und-repraesentative-demokratie/

    … und wer glaubt, dass es solche Formate sind, die die leider-leider nicht so kopflastige Bevölkerung ansprechen (müssen), der hat mE bereits akzeptiert, wo wir mit unserer nun schon jahrzehntelang andauernden Scheuklappen-Nicht-Politik mittlerweile angekommen sind. Aber er verwechselt Ursache und Wirkung.

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  5. Aja, ich bin jetzt übrigens auch draufgekommen, dass es regelmässig die Wahlzeiten sind, die mich zu einem emotionalisierten Radikalliberalen machen, weil ich diese gigantische Masse an politischem Müll und Schwachsinn einfach nicht ertrage. Brauche dann jedesmal ein paar Monate um wieder einigermassen zur Besinnung zu kommen. Lg.

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  6. Ich weiß nicht Also ich habe gestern geschaut – wider meine ursprüngliche Absicht. Und ich habe die „Diskussion“ über Twitter verfolgt. Ich fürchte, dass Formate wie dieses, (Nicht-)Inhalte wie diese, Shows wie diese, die Zukunft sind. Geil muss es sein – scheinbar. Jeder, den ich kenne, mokiert sich über die Kampagne der JVP – aber spricht sie WIRKLICH niemanden an? Ist die Jugend wirklich nur noch auf Party?

    Ich glaube, irgendwie liegt die Antwort dazwischen – zwischen Show und trockener Diskussion, zwischen Wirkung und Inhalt. Das ist vielleicht nicht glücklich machend, aber wohl die Realität.

    Was ich mehr stört, ist die wilde Mischung der verbliebenen „Inhalte“. Polizisten für Wien, Lehrer für Wien, Sozialarbeit für Langzeitarbeitslose, freier Universitätszugang – alles „Inhalte“, die in einem WIENER Wahlkampf eigentlich nicht passen. Wir unterscheiden nicht mehr, welcher Wahlkampf gerade stattfinden, wir kämpfen einfach so vor uns hin. Wir bekommen Marionetten als Kandidaten herum geschoben, als Spitzenkandidaten (die sich nach der Wahl wieder aus der Kommunalpolitik verabschieden), in den Bezirken (wo die Bezirkslisten verlängerte Landeslisten sind).

    Ich rechne es den Grünen hoch an, dass das (meistens) nicht so ist.

    In Summe glaube ich aber (leider!), dass das Format „Meine Wahl“ durchaus die Richtung für die Zukunft vorgibt. Show in der (und hoffentlich nicht statt der) Politik.

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    • Das alles ist ein Symptom dafür, dass es tatsächlich nahezu wurscht ist was wir wählen. Alles wird irgendwie durcheinandergewirbelt, hintenraus kommt dasselbe wie immer.

      Ich finde mich mittlerweile fast täglich auf diversen Auswanderungsseiten wieder. Kanada, Schweden, Schweiz… keine Ahnung, ich will hier raus. Und wenn ich keine Familie hätte, wäre ich schon lange weg.

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  7. Ich danke für diese ehrlichen Worte und diese seriöse Einstellung zur Politik.
    „Wir amüsieren uns zu Tode“.

    Noch nie haben mich 13-14-jährige gefragt, ob ich mir die Elefantenrunde im Fernsehen angesehen habe. Noch nie hätte ich „Nein“ sagen müssen.
    Dieses Mal schon.

    Ich wundere mich, dass Politiker solchen TV-Formaten zustimmen. Ich blieb fern, aber mein Kids fanden es lustig. Darf/muss Politik unterhaltsam sein?

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    • Wenn Politik weiterhin in kommerziellen Massenmedien stattfinden soll, muss es auch so aufbereitet werden, dass jemand einschaltet.

      Wenn/Wen der Unterhaltungsaspekt stört, der darf sich natürlich aufregen, kulturpessimistische Zitate auspacken und von mehrstündigen Club2 Diskussionen mit rauchenden Intellektuellen aus den 80er Jahren träumen. Und selbstverständlich muss derjenige auch nicht einschalten.

      Ob damit in irgendeiner Weise der Politikverdrossenheit entgegengewirkt werden kann, steht halt auf einem anderen Blatt.

      Politik im TV sollte nur meiner Meinung nach nicht zum Elite-Programm verkommen. Die haben nämlich meist eh wenig Probleme, sich über Politik über die verschiedensten Kanäle schlauzumachen.

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    • Ich verstehe das Argument, deswegen erwähne ich auch, dass viele meiner SchülerInnen dieses Format lustig finden. Wenn sich Politiker auf dieses Glatteis begeben, dann werden sie darauf ausrutschen – weil Entertainement können andere besser.

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  8. Ich stimme Dir aus tiefstem Herzen zu. Und mehr:Ich hab nur die Szenerie draussen miterlebt, da meine Eintrittskarten vermurkst wurden. Trotzdem: Für mich war das gestern furchterregend. Wirklich. Ich war schlussendlich froh, das am Fernseher zu sehen.

    Ist es DAS wo unsere Demokratie hingeht? Dann regrediert unsere Gesellschaft wirklich beängstigend in „altrömische“ Zustände. Strache als Catilina, Brot & Spiele veranstalten die Privat-TVs.

    Und wo ist Cicero? Oder schlimmer: Wo ist Cäsar?

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  9. Das gehört zum Spiel dazu Von wegen Bier, Schnaps und bitte um Ruhe – das hat man sicher antizipieren können, aber das war eben Teil der Inszenierung.

    Popular Pleasures im reinsten Sinne – mir persönlich gefiel die Debatte inhaltlich auch nicht besonders, andererseits wurde Politik da mal wieder zum richtigen Aufreger.

    Fast möchte ich dagegen halten und sagen: Wer hier eine ‚anti-aufklärerische Tendenz‘ vermutet, propagiert, dass nur der Elitendiskurs der Diskurs sein darf, der sein darf.

    Davon abgesehen:

    Man kann die Medien längst nicht mehr in saubere Kanälen trennen, es ist die synchrone Kommunikation, die die Konstellation TV plus Twitter so reizvoll macht (und das ja auch bei ganz anderen Fernsehevents, z.B. Club 2 oder im Zentrum).

    Die Frage „Ist web 2.0 zu schwach, um ein eigenes, genuines und diskursives Format zu entwickeln.“ lässt sich damit m.E. so nicht stellen – bzw. muss man nur kurz feststellen, dass sie ja genau in diesem Moment im eigenen, genuinen, und diskursiven Format das Web 2.0 – dem Blog – geführt wird.

    (Ist die Schrift hier immer schon so klein gewesen oder sind meine Augen schlechter geworden?)

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  10. Demokratie, quo vadis? Oh Graus, oh Graus … Danke, Christoph!
    Lass uns hoffen, dass aus der österreichischen Politik nicht wirklich nach und nach (dieses) Emotainment wird! Auch wenn Mary das bravourös gemeistert hat. Ich bin entsetzt darüber, wie viele auch unserer eigenen Leute – ich hofe, ohne es zu merken – blind dem Motto folgen, dass der Zweck die Mittel heiligt. In einer solchen Emo-Demokratie will ICH jedenfalls nicht leben.
    Ganz zu schweigen davon, wenn demnächst wieder ein Rechtspopulist in der Facon eines „Haider“ wo auftaucht …und beim Gladiatorenspiel mal ordentlich „Stimmung“ macht.!

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  11. Web 2.0 Diskussion über TV-Sendung Ich finde die ATV Diskussion war im Vergleich zu der ORF Diskussion inhaltlich sogar aussagekräftiger; wenn auch emotional geladen.

    Meine Meinung ist, dass in diesem Wahlkampf das Web einen schon viel höheren Stellenwert hatte, wie bei den vergangenen Wahlen auf Bundes- und Landesebene. Besonders die Mobilisierung der einzelnen Parteien war teilweise schon recht beachtlich.

    Der Diskurs im Web war (noch) nicht so umfassend, wie manche von uns sich das wünschen würden. Aber so schlecht war es auch nicht; oder?

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  12. Ich war auch vor Ort und anfangs skeptisch, aber im Endeffekt sehr positiv überrascht, da:

    1. Die ATV-Sendung ist ein Beweis des ORF-Versagen. Wenn die kleinen Tischchen, die seit gefühlten 30 Jahren im ORF bei Diskussionssendungen im Bild stehen (während der WM hatten sie ein Kondom übergestülpt) reden könnten, sie würden nur weinen. Die Debatte Sonntag Vormittag war tiefstes Regionalfernsehen gefüllt mit inhaltslosen Standsätzen.

    2. Ich behaupte: Auch im Nationalrat oder Gemeinderat geht es genauso zu wie bei der ATV-Sendung. Wenn jemand der eigenen Partei spricht wird applaudiert, es wird aufgestanden, es gibt saudumme Zwischenrufe und Taferln wurden auch schon in großer Zahl von den 183 NR-Abgeordneten hochgehalten, also wieso die Aufregung? Nur weil der Raum ein ehrenwürdiger sein soll, ist es dort „besser“?

    3. Die AV-Sendung war inhaltlich weitaus besser als die ORF-Sendung, es wurde intensiver über Themen gesprochen (d.h. jetzt nicht das alles ausdiskutiert wurde!). Hier würde ich mir natürlich eine tiefer gehende Diskussion wünschen, ich behaupte aber mal, dass dies im Fernsehen, mit dem Politikertyp der momentan „in“ ist, nicht möglich ist (hier kommt immer mein Verweis auf die Kreisky-Taus Diskussion, Auschnitt siehe hier:

    ), da zu übertrainiert.

    4. Ich fand die Sendung am Sonntag eigentlich nicht unterhaltend. Ich fand es seltsam und erschreckend, wie wenig Erfahrung PolitikerInnen und deren Parteiapparat samt Anhang in Österreich im Umgang mit Livesendungen vor (Partei-)Publikum hatten. Das zu beobachten war es schon wert so eine Sendung zu machen. Alle vier PolitikerInnen brauchten sehr lange um das Format zu verstehen (Vassillakou kapierte es als erste, gefolgt von Häupl, die beiden anderen hatten bis zum Ende keine Idee was da abgeht). Alleine diese Beobachtung würde Raum für stundenlange (und wichtige) Diskussionen zum Thema Politikverdrossenheit, Kommunikation, usw. bieten.

    Fazit: Natürlich ist die Mischung der Sendungskonzepte wichtig, aber gerade die ATV-Sendung hat bewiesen hat so etwas für den Lernprozess von PolitikerInnen wichtig ist, ansonsten werden sie nie wieder die Menschen in diesem Land erreichen. Und Natürlich kann man da noch viel verbessern, aber beim Umsetzen neuer(?) Ideen schießt man oft über das Ziel hinaus wobei neue Sendungskonzepte dringend notwendig sind, warum nicht mal eine Stunde nur ein Thema diskutieren?

    Oder aber, mein absolutes Lieblingskonzept: Zwei Stunden alle SpitzenkandidatInnen an einem runden Tisch, ohne MderatorIn, ohne inhaltliche Vorgaben, ohne Regeln (Sprechzeit, etc.), ohne Pause. Was würde da wohl passieren? Zwei Stunden schweigen?

    PS: Die Stimmung bei der ATV-Sendung hätte ich mir bei der Landesversammlung der Wiener Grünen mit 2000 VorwählerInnen gewünscht.

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    • PS: Und bitte liebe, Politik, hört auf auf die bösen, bösen Medien zu schimpfen. Das ist völlig sinnlos und ist auch keine Rechtfertigung für verlorene Wahlen. Gerade bei dieser Sendung hattet ihr auch die Chance, es abzulehnen und z.B. die 4.500 Euro live auf der Bühne zu spenden, oder 450 Obdachlose einzuladen oder die 450 Plätze unibrennt zur Verfügung zu stellen, oder, oder, oder.

      PPS: Martin Thür hat sehr ausführlich über die Sendung am Sonntag gebloggt: http://martin.thuer.at/2010/10/meine-meine-wahl/

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  13. Puls TV hatte die bessere Elephantenrunde mit mehr Inhalt und die Vassilakou war sehr gut in der Bewertung der Jury und kam auch inhaltlich klar auf den Punkt.

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