Neulich

Neulich
abends
eine illustre private politinteresste kleine Runde
Wechselwähler/innen
und klarerweise auch diesmal wieder „Wienwahl“
„Sag, was ist eigentlich los bei Euch, ich tu mir schwer einen zwingenden Grund zu finden, warum ich Euch wählen soll“
Manchmal bin ich sachlich, aber diesmal versuchte ich die Antwort anders zu geben.
„Spielen wir ein kurzes Spiel“, gab ich zurück.
„Stell dir vor, wir sind am Ende der kommenden Legislaturperiode. Also 2015.
A: Rot Grün hat regiert.
B: Rot schwarz hat regiert.
Glaubst Du, da wirds einen substatiellen Unterschied geben, nehmen wir nur zwei Bereiche, Verkehr und Bildung?“
Dann holte ich v.a. zu zweiterem aus.
Wiesehr derzeit v.a die Hauptschulen in Wien (Landessache) vernachlässigt werden.
Ob er, der Fragende, einmal den Bürgermeister (medial) in einer jener Schulen gesehen habe, wo es offensichtlich Probleme gibt, mit einem klar artikulierten Willen, wie das verbessern sei.
Ob er der Fragende das Gefühl habe, ob bei Direktorenbestellungen wirklich die besten zum Zug kämen, oder nach wie vor Proporzbesetzungen vorgenommen wurden.
Ja kurz, ob er das Gefühl habe, hier werde sich unter rot/schwarz etwas ändern.
Und dann skizzierte ich kurz, was wir hier vorhaben.
Im Kern: Pflichtschulen und deren offensichtlichen Probleme wahrnehmen, öffentlich machen, Ressourcen bereitsstellen (Sozialarbeiter, Förder-Sprachunterricht), wirklich die besten Direktor/innen suchen, unabhängig von der Parteizugehörigkeit.
Dass gerade die Schulen mit den schwierigsten Schülern die besten Lehrer bräuchten, die attraktivsten Angebote (Sport, Musik, Theater, Projekte), ausreichend Freiräume, bauliche Sanierungen, und daß Wien reich genug ist, um das zu finanzieren.
„Hmmm, das hör ich so jetzt zum ersten Mal“, wurde mir erwidert.
„Warum sagt ihr das nicht lauter?“
Ich will es in den nächsten Wochen versuchen.

33 Gedanken zu “Neulich

  1. ja bitte, derzeit gehen die grünen in „den medien“ mehr oder weniger unter, die gartenzwergekämpfe im 6 und 8 waren so ziemlich das einzige was man von den grünen so gelesen hat.

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    • Zustimmung! So laut wie möglich, es ist nötiger denn je! Am Besten in einfache aber doch konkrete Botschaften verpackt, das wirkt!

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  2. hihi „gartenzwergekämpfe“ 5 wochen vor der wahl draufkommen das ma bildungskompetenz möchtegernhätte?
    sehr professionell 😦

    euer wahlkampfbeitrag wird „gartenzwergekämpfe“ bleiben.
    schnuckeliges wort idas ist

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  3. klare Themen Herr Chorherr, das ist eine klare Sprache. Ebenso wäre es wichtig, klare prägnante Punkte zu finden, bevorzugen würde ich dabei grüne, also ökologische, und diese zu kommunizieren. Bitte verzetteln sie sich nicht in Arigonas und Bettelverbote. Alles Gute!

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  4. Hallo Christoph,

    Du sugerierst mit Deinem Beitrag, dass am 10. Oktober über Koalitionen abgestimmt werden würde, aber das ist gar nicht der Fall. Ich kann nur bei einer Partei ein Kreuzerl machen und da geht es eben um die Frage, wer kann die Stadt am besten regieren und dieses Handwerk traue ich den Wiener Grünen mit Verlaub nicht zu. Eine Organisarion die schon ein Unterstützungsangebot von ein paar Bloggen an ihre Grenzen bringt und schon an der Verwaltung einer Bezirksgruppe scheitert, wie soll die bitte Wien mitregieren?

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    • Sehe ich leider genau so… ich hab in den letzten wochen auch ein bisschen über die untiefen in den grünen bezirksgruppen herumgetaucht. und bin dann auch wieder auf die eh schon wieder längst vergessene geschichte mit de vorwahlen gekommen – und wie ihr das gehandhabt habt.

      es ist schon ziemlich grauslich was für eine diskussionskultur bei den grünen herrschen (dürfte)! und auch die heilige kuh der basis-demokratie führt gleichzeitig zur erstarrung und führungslosigkeit der partei.

      ich halte sehr viel von CC (oder auch Sabine Gretner) hab aber immer größere probleme mit immer größeren teilen der grünen.
      wie kann es sein, dass „die Basis“ 3 Monate vor der Wahl den amtierenden Bezirksvorsteher absägt um ihn durch einen parteiangestellten aus niederösterreich zu ersetzen. die Basis

      Für mich sind nicht die Themen das Problem der Grünen sondern die Struktur und das Hick-Hack dass alle Inhalte in den Hintergrund drängt!

      Für mich sind die Grünen immer noch die richtige Partei, mit den falschen Funktionären.

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    • übrigens… …würde mich übrigens interessieren was CC zu den geschichten im 6. und im 8. sagt? (auch wenn das jetzt wieder kein ihaltliches thema ist)

      aber da sich ja von der führungsebene sonst niemand berufen fühlt irgendetwas zu sagen, wie man sowas in zukunft verhindern will!

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    • Die Mafia ist sicher effizienter als die Grünen… und auch unser „es-gilt-die-Unschuldsvermutung“ ist besonders fähig.

      Aber muss man deshalb die wählen, die zu allem fähig sind ?

      PS: Und das System am Leben erhalten tut das Heer der BeamtInnen.

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    • @gerald lieber Gerald,
      Wahlen entscheiden, wer in den nächsten 5 Jahren „das Sagen“ hat in Wien.
      Da gibts 3 mögliche Varianten, je nach Wahlausgang
      1.Weiter SP alleine
      2.rot/schwarz, wie fast überall in Österreich
      oder
      3. erstmals rot/grün in Österreich
      Klar kann man nur ein Kreuzerl machen, aber es ist nicht schwer „auszurechnen“, was man wählen soll, je nach „erwünschter“ Regierung.

      Du schreibst: „Eine Organisarion die schon ein Unterstützungsangebot von ein paar Bloggen an ihre Grenzen bringt und schon an der Verwaltung einer Bezirksgruppe scheitert, wie soll die bitte Wien mitregieren?“
      Dasf in ganz kurz antworten: Lassen wir es darauf ankommen!
      Ich halte, auch in Anerkenntnis unserer (offenkundlichen) Schwächen unser rathausteam für zumindest so kompetent, wie jenes der SP bzw VP.
      Und ich erspar mir jetzt hier deren offensichtliche Schwächen zu skizzieren.
      Und noch eine Gegenfrage:
      Was braucht wien mehr:
      Noch mehr Stabilität, oder doch eher ein bisschen Bewegung, Veränderung, ja auch Unsicherheit.
      Und noch etwas: Jeder Mensch, jede Organsation kann reifen, sich entwickeln.
      Aus persönlicher Erfahrung weiss ich:Man wächst mit der Aufgabe.
      Thematsich scheint ja unstrittig zu sein, was mit Grün in der Regierung dannm eher Vorrang bekommt (Bildung, Verkehr, Umwelt, etc.)
      Die Frage, ob und wie wirs können ist berechtigt.
      Das müssen wir dann beweisen.
      Noch einmal rot absolut oder rotschwarz hat gezigt, was rauskommt.
      Wenn ich mir die vielenintern. Beispiele mit grün in der Regierung anschau, gerade auf kommunaler Ebene, dan ist da ganz viel gelungen.
      Just give us a chance!

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  5. ja es sind gute bespiele die du da anführst. aber es würde sich auch in den fragen der stadtgestaltung viel ändern mit rot/grün. die övp bring es nicht her, dass hat sie ja schon bewiesen und der spö genügt es die stadt den bauspekulanten zu überlassen.

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  6. Radweg am Naschmarkt Herr Chorherr, wenn auch ein wenig off topic, aber machen Sie bitte einen Unterschied, und setzen Sie sich für die Schaffung eines Radweges im Rahmen der Neugestaltung des Naschmarktes ein! Dort ist derzeit Platz für 8 Autospuren, da muss es doch möglich sein, eine Spur (zB Parkspur) für besser Zwecke einzusetzen und den RadfahrerInnen zu widmen?! Bitte machen Sie sich dafür stark! Vielen Dank, Franta.

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  7. Man muss schon ein echter Politik-Junkie sein, um zu erkennen, dass Rot/Grün die einzige halbwegs realistische Alternative ist, die das Beste ist, was der Stadt demokratiepolitisch und sachpolitisch passieren kann. Nicht, weil die Grünen so perfekt wären, aber weil eine Koalition außerhalb der großen Koalition eine Öffnung und damit erzwungene Versachlichung bringt.

    Um das klar zu machen, müsste man aber Häupl und das bestehende System attackieren. Mein Eindruck ist nicht, dass das geschieht. Will man sich an die SPÖ anbiedern? Ich glaube darin kann man die Wiener ÖVP sowieso nicht überbieten und Profilierung und Wählerstimmen gewinnt man so auch nicht.

    Ich glaube, die einzige realistische Möglichkeit, dass Rot-Grün kommt, wäre der Angriff. Wenn das System SPÖ im Wahlkampf klar als Feindbild und Problem attackiert würde und die Grünen klar gewinnen, die SPÖ klar verlieren und die ÖVP mit ihrem Kuschelkurs scheitern würde, dann wäre das ein klares Mandat für Rot-Grün, dass man dann ernsthaft in der SPÖ überlegen müsste um sich neu aufzustellen. Und wenn die SPÖ ablehnt, dann hätten die Grünen wenigstens eine starke Oppositionsrolle.

    So, wie es aktuell aussieht, wird nichts von alledem geschehen. Dabei sind die Medien rot-grün grundiert und bieten Grünpolitikern fast wöchentlich ausgiebige und wohlwollende Gelegenheiten. Da könnte man Wahlkampf machen. Stattdessen wird die mediale Bühne als Gesprächstherapie genutzt, für unausgegorene Grundsatz- oder Allerweltsthemen, oder um Rechtsaußen vom Rande der Gesellschaft zu thematisieren, die selbst der FPÖ ein Dorn im Auge sind.

    Da wird nirgends das Gefühl vermittelt, dass eine Stimme für die Wiener Grünen für die Stadt ein wichtige Richtungsentscheidung für ein besser regiertes Wien ist, also eine Stimme, von der man auch etwas hat; mit der man etwas verändern kann.

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    • Ich denke auch, dass man das rote System in Wien massiv attackieren müsste – unter Einbeziehung der Schwarzen, die ohnehin ihre Finger drin haben. (Die FPÖ sollte man aus grüner Sicht nicht einmal ignorieren)

      Wäre ich roter Wahlkampfstratege würde ich ganz am Ende des Wahlkampfes, wenn es um Mobilisierung und strategische Wähler geht subtil-deutlich suggerieren, dass Rot allein immer noch besser ist als eine Beteiligung dieser Oppositionsparteien. Als Grüner würde ich kontern mit sowas wie „Entweder: Rot für die Packelei mit den Schwarzen belohnen. Oder: Grünes Licht für bessere Hauptschulen.“ In Varianten.

      Das geht aber eben nur, wenn man vorher glaubwürdig und sachlich die Dinge aufgezeigt hat, die Rot in Wien falsch macht.

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  8. und die nächste „positiv“ schlagzeile:

    http://wien.orf.at/stories/466745/

    http://derstandard.at/1282978657209/Von-Gruen-zu-Rot-Stefan-Schennach-wechselt-von-den-Gruenen-zur-SPOe

    bezeichnend auch der kommentar von mv sie sei völlig überrascht…

    wie wenig fingerspitzengefühl muß man eigentlich haben um nicht zu begreifen dass man jemanden nicht völlig vor den kopf stoßen kann (in diesem fall nicht mehr antreten läßt – steht so zumindestens im bericht) ohne dass er konsequenzen zieht?

    sag mal cc was ist da los bei euch?

    wer wird der nächste sein?
    pilz?
    du?

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    • p.s.

      und dann findet man auf der homepage der wiener grünen so wichtige headlines wie

      09/09/10 – Das große Jubiläumsfest im Rathaus
      Verfassungsklage gegen Wiener Bettelverbot

      *kopfschüttel*

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  9. „die richtige Partei, mit den falschen Funktionären“ Das trifft den Nael auf den Kopf. Leider.
    Wobei unser Gastgeber CC hier eine rühmliche Ausnahme darstellt. Aber eine Schwalbe macht halt noch keinen Sommer.

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  10. Gerade im Volksschulbereich (Länderkompetenz) hättet ihr durch die vor kurzem von der SPÖ verabschiedeten Änderungen (weniger Sprachförderung, keine echten Integrationsklassen mehr) jede Menge Zündstoff für den Wahlkampf.

    Die Frage:“Warum sagt ihr das nicht lauter“ ist berechtigt. JETZT müsst ihr mit solchen Thema angreifen ohne Ende! Bei einem so oberflächlichen Wahlkampf, wie er derzeit quer durch die Bank von FPÖ bis SPÖ geführt wird, habt ihr die besten Chancen, mit einem echten, inhaltlichen Aufregerthema zu punkten.

    Lasst euch nicht unterkriegen und gebt alles!!!

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  11. lieber herr chorherr,

    so leid es mir auch tut (und das tut es mir wirklich!), aber bei den wahlen in wien wünsche ich den grünen einen saftigen denkzettel. nicht aus bösartigkeit, denn eigentlich würde ich gerne eine grüne partei aus überzeugung wählen können. und ja, man muss auch den grünen fehler und schwächen nachsehen, weil diese menschlich sind und vorkommen können. anders gesagt: niemand erwartet sich perfektion. aber:

    was in den letzten monaten (und eigentlich schon länger) geboten wird, ist, man kann es nicht anders sagen, jenseitig. auf details möchte ich hier gar nicht eingehen, stichworte müsen genügen: voggenhuber, vorwähler, betriebsräte in NÖ, mariahilf, josefstadt,…

    angesichts dieser „performance“ und der reaktionen auf diese von seiten der „führungspersönlichkeiten“auf bundes- wie auf landesebene, kann ich die grünen nicht mehr guten gewissens wählen. nicht einmal als „kleinstes übel“, denn ich habe es ehrlich gesagt satt, für den kleinsten gemeinsamen nenner meine stimme zu opfern. warum sollte man auch einer partei so viel vorschuss – vertrauen entgegenbringen, die seit langem nur mehr um sich selbst kreist?

    in wien wird es für mich wohl die spö werden. nicht, weil ich überzeugt bin von dieser partei, und auch nicht, weil ich blind wäre für all die negativen begleiterscheinungen einer roten allmacht in wien. aber: man weiß, was man bekommt, und wien kann sich meines erachtens, trotz aller schwächen, durchaus sehen lassen. zudem wäre ein starkes abschneiden der spö auch eine klare botschaft an hc strache, der die grünen in wien nicht einmal ignoriert – und das zu recht. im derzeitigen zustand stellen sie nämlich höchstens eine bedrohung für sich selbst dar.

    wie gesagt: ich wünsche den grünen einen denkzettel – und hoffe, dass dieser auch wirkung zeigt. sollte dem so sein, werde ich gerne wieder zu den grünen wechseln bei den wahlen.

    mit enttäuschten und freundlichen grüßen

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    • Botox-Glawischnig Die Grünen verdienen in der Tat diesen Denkzettel. Frau Glawischnig ist die Faymann der Grünen. Das Blöde an der Sache ist: Van der Bellen war gefühlt der Kreisky der Grünen. Oder anders gesagt: Der Qualitätsverlust im Leadership, den die SP von Sinowatz/Vranitzky bis Gusi/Faymann über Jahre hin abgefedert erlitten hat, kam bei den Grünen über Nacht und viel zu unverdaulich.

      Dazu kommt: Kreisky hat Androsch erledigt, Van der Bellen hat seinen Androsch (Voggenhuber) geschont. Glawischnig ist ein Faymann mit Androschs Blut an den Händen. Das macht ihre Mediokrität so widerlich, wo sie andernfalls nur bemitleidenswert wäre.

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  12. Grüne: Gute Inhalte! Die Grünen haben tatsächlich extrem gute Inhalte! Ich war früher von den Grünen auch nie so stark begeistert. Seitdem ich aber einmal die Inhalte aller österreichischen Parteien verglichen habe, finde ich, dass die Grünen die besten Inhalte von allen österr. Parteien haben!

    Grüne sind vor allem für Menschen wählbar, die weltoffen, tolerant, solidarisch, ökologisch, vernünftig und realistisch sind!

    Was an den Grünen auch noch schön ist:

    Obwohl sie schon lange in den Parlamenten vertreten sind: Sie sind kaum in Korruptionsfälle, im Gegensatz zu anderen Parteien, verwickelt!

    Alle GrünenpolitikerInnen dürfen in der Öffentlichkeit ihre eigene Meinung aussprechen. Sie bekommen von ihrer Partei keinen Maulkorb auferlegt.

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  13. Darauf bin ich sehr gespannt. Weil ich gehöre zu den Lehrern, die diesmal nicht mehr grün wählen werden, weil wir fürchten, dass unter rot-grün die Gesamtschule eingeführt wird, aber die wichtigeren Begleitmaßnahmen, die du nennst, eingespart werden müssen. Die Gesamtschule (gegen die ich aus sozialen Gründen nicht auftrete, aber für die ich mich als AHS-Lehrer auch nicht stark machen will) bringt dem Schulsystem keinen Qualitätsschub. Da braucht es ganz andere Maßnahmen! Die Begleitmaßnahmen sollten die eigentlichen Maßnahmen sein.

    Und so wie Ökologen für eine große Vielfalt eintreten, sollten die Grünen für eine Vielfalt von Schulen kämpfen: NIcht 2 Typen, nicht 1 Typ sondern hunderte!

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    • Die Gesamtschule ist kein prinzipieller Gegensatz zu „von unten“ und selbstbestimmt gesteuerter Schulvielfalt, auch wenn sie – leider! – in der Praxis oft so gedacht wird.

      „Gesamtschule“ so wie ich sie idealerweise verwirklicht sehen würde wäre nicht sehr viel mehr als eine Handvoll an „Auflagen“ für Betreiber von Schulen für 6 bis 15jährige, allen voran: kostenfrei für den „Konsumenten“, dh keine über einen im wesentlichen pro Kind ausbezahlten staatlichen Finanzierungsbeitrag hinausgehende Schulgelder, sowie keinerlei „Auslese“ bei der Aufnahme in Schulen für 6-15jährige. Anmeldung bedingungslos nach dem „first come / first serve“ Prinzip ohne Ansehen der sozialen Herkunft oder des Wohnorts.

      Diese beiden Auflagen würden meiner Überzeugung nach zu einem System der „Gesamtschule“ einer sich dynamisch weiterentwickelnden Vielfalt führen.

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    • Auslese Im Prinzip: d’accord.
      Bei „keinerlei Auslese“ wird es schon brenzelig: Ich würde den SchülerInnen gerne sehr früh die Möglichkeit bieten, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren (neben den Grundfertigkeiten). Da gibt es Kinder, die gerne Musik machen, andere die sehr sportlich sind, welche die bei physikalischen Experimenten abfahren, welche, die gerne schreiben, fotografieren, Englisch sprechen, mathematisch denken, basteln … Es können nicht alle alles machen, nicht alle Schulen alles bieten, ich muss also Möglichkeiten finden, die richtigen Kinder auf die richtigen Wege zu bringen. Ist es „Auslese“, wenn ich Schulen mit Englischschwerpunkt und Schulen mit Kroatischschwerpunkt anbiete, wenn ich Fotoklassen und Sportklassen schaffe und damit auf die speziellen Vorkenntnisse und Begabungen eingehe?

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    • Nein. Das ist natürlich keine Auslese in dem Sinn wie ich sie meine. Sondern im Gegenteil erwünschter Effekt.

      „Auslese“ würde dann vorliegen, wenn ich ein Kind das unbedingt in die Schule mit Kroatischschwerpunkt möchte trotz Vorhandensein von Plätzen abweisen darf. Das kann man in einem System der „Gesamtschule“ so wie von mir verstanden nicht zulassen, weil sonst der sozialen Abschliessung Tür und Tor geöffnet werden würde. Wie könnte ich verhindern, dass diese Schule nur Kinder mit kroatischen Eltern hineinlässt? Wie könnte ich verhindern, dass die Englischschule nur Kinder aus „guten Bezirken“ hineinlässt? Genau das, so meine persönliche Überzeugung muss zwischen 6 und 15 – also der Pflichtschulzeit – verhindert werden. Ansonsten sollte aber Freiheit herrschen, weil ich sonst die angesprochene „Vielfalt“ abwürge und damit jede Weiterentwicklung blockiere. Es gibt aber keine „auf immer“ „richtige“ Schule.

      Anmerkung: das „auf den richtigen Weg bringen“ kann ich auch unterschreiben, es darf aber aus den genannten Gründen eben gegen den Willen eines sich anmeldenden Kindes kein kategorisches Nein geben, sondern es muss in Form von „Beratung“ und „Begleitung“ erfolgen. Die Entscheidung bleibt beim Kind und seinen Eltern.

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    • Übrigens, weil ich gerade den aktuellen Eintrag im teacher blog lese: so ein System der „Gesamtschule“ passt hervorragend zur externen Zielüberprüfung, ja erfordert sie wahrscheinlich sogar. Unterrichtet wird in unabhängigen (staatlich und/oder privat organisierten, aber immer staatlich finanzierten) Schulen, ein für alle geltender Katalog an Grundfertigkeiten wird regelmässig und für alle gleich extern evaluiert.

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    • nicht 2 typen sondern hunterte? Wenn das wirklich unterschiedlichen Schulen sein sollen, bekommst du das gleiche Problem wie bei de HTLs, wo Schüler extrem weit pendeln, oder ins Internat müssen, weils ihre Richtung nur 1-2 mal gibt. (z.B. Flugtechnik in Eisenstadt).
      Was hier (in der AHS) völlig ausreichen würde, wäre eine großzügige Erweiterung von Wahlpflichtfächern, auch in die Unterstufe hinein. Allerdings müsste man dann auch Wahlpflichtfächer abhalten, wo sich nicht so viele Schüler dafür melden – notfalls dann eben Leute aus unterschiedlichen Schulstufen zusammennehmen.

      Es ist für so eine flexible Schule auf jeden Fall nicht notwendig, zwischen Gymnasium und Hauptschule zu trennen.

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    • „first come / first serve“ Ist gut. Ich melde mein Kind mit der Geburt für alle Schulen an, die ich glaube. Somit bin ich einer der „first“. Jetzt komme ich aber drauf, daß mein Kind nicht meine Musikalität, sondern das Sprachtalent der Mama geerbt hat. Was ist dann?

      Wenn es sowas gibt, dann kann es nur ein „Auswahlverfahren nach Qualität“ geben, sofern es zuwenig Plätze gibt. Gibt es in einer Richtung stets zuwenig Plätze, dann sollte der Schulbetreiber sich Gedanken machen.

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    • @Karl-Heinz Es kann keine verbindlichen „Auswahlverfahren nach Qualität“ bei Kindern und jungen Erwachsenen geben. Da beisst sich die Katze in den Schwanz: sobald wir „auswählen“ haben wir auch schon Entwicklung verhindert.

      Ad Anmeldeverfahren: das sind technische Details, die sich lösen lassen, zb über ein zentrales Anmelderegister für Schulen, in denen man sein Kind ab dem Alter x für die Schulen der Wahl anmelden kann. Oder auch ganz anders. Jedenfalls bin ich zuversichtlich, dass sich solche Dinge lösen lassen, wenn man sie lösen will.

      Ad „immer zuwenig Plätze“: wenn Schulen im wesentlichen gemäss der Nachfrage nach ihr finanziert werden, dann können sie auch ausbauen und wachsen ohne um Geld betteln zu müssen. Und andere Schulbetreiber werden die Nachfrage nach bestimmten Angeboten bemerken und ähnliche Dinge machen. Das ist genau der Vorteil: Dinge „unten“ ausprobieren. Und wenn sie gut sind, dann machen sie ohnehin die anderen nach.

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    • Doch, es gibt sie, jedesmal und immer wieder. Selbst wenn es z.Zt.: Entscheidung von Mama oder Papa, eventuell nit Einbeziehung des Kindes, heißt. Es soll jemand, der nicht durch die „Mama / Papa Brille“ schaut miteinbezogen werden. Sicher wird es auch dann einige % geben, die in der „falschen“ Schule sitzen, wieviele tun es heute? Es hängt immer von Wahrscheinlichkeiten ab.

      Egal welchen Zeitpunkt man wählt, es wird immer jemanden geben, der sich „am Vortag beim Apple Store um das neue iPhone“ anstellt. Damit ist aufgesperrt und ausverkauft. Ein iPhone ist mir wurscht, meine Kinder sind mir sehr wichtig.

      Wenn man nach Bedarf anbieten will, dann sollte der Bedarf bekannt sein. Immer hintennach zu bauen, da ist man immer letzter 😉

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    • Karl-Heinz, Du tust aber ein bissl so so als ob Du Dich in einem System mit relativ bekannten Gegebenheiten bewegst. Man kann den „Bedarf“ (wovon genau) nicht „im Vorhinein“ anbieten. Bildungsbedarf ist auf allen Seiten beweglich und weiters: der „Bedarf“ in einem System vielfältiger Schulen entsteht ja erst dadurch, dass ein Team irgendwo was echt gut macht und immer mehr Leute drauf aufmerksam werden.

      Aber was man tun kann, ist Schulen, nach denen solche zunehmend grosse Nachfrage besteht „automatisch“ auch ein grösseres Budget zu geben. Damit verursacht man im selben Moment, dass andere Schulen, denen die Leute von Jahr zu Jahr weniger werden sich a. entweder beginnen an den nachgefragten Schulen zu orientieren oder b. irgendwann von der Bildfläche verschwinden.

      Und natürlich soll bei der Auswahl jemand einbezogen werden, der nicht durch die Mamapapabrille schaut. Wie ich oben schreibe: beratend und begleitend. Die Letztentscheidung muss beim Kind selbst liegen und das muss leider in der Praxis auch heissen: umso kleiner das Kind, umso mehr werden die Erwachsenen „mitreden“ oder selbst entscheiden.

      Davon rede ich. Genau das ist heute nämlich überhaupt nicht der Fall: Erfolgreiche öffentliche Schulen müssen um jeden Cent zusätzlichen Budgets bürokratische Hürdenläufe austragen. Erfolgreiche private Schulen werden kleingehalten, weil man sie nicht vollfinanziert, sondern die Eltern zahlen lässt. Unser Problem besteht also genau darin, dass oben zuviele Leute zu wissen glauben, was der „Bedarf“ angeblich ist und sich unten nix bewegen und verändern darf obwohl viele engagierte Pädagogen genau wüssten, was sie anders machen wollten. Aber stattdessen werden sie frustriert. In meinen Augen das Problem einen viel zu hierarchisch und autoritär organisierten Systems.

      Lg!

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