So funktioniert(e) Faymann

Man ahnte es und raunte darüber, wie es war.
Das Verhältnis zwischen dem österr. Bundeskanzler und Onkel Hans.
Aber „Ohrenzeugenberichte“ gabs bisher wenige.
Hier einer aus der Zeit:
Es war eine Informationsreise, wie sie zu den Annehmlichkeiten des Berufsstandes zählt. Eine Journalistendelegation aus Österreich auf Erkundungstour in China. Thema: Korruptionsbekämpfung im Reich der Mitte. Mit dabei in der Reisegruppe: Claus Pándi, Ehemann der Pressesprecherin von Bundeskanzler Werner Faymann, Redakteur der marktbeherrschenden Kronen Zeitung, häufig in besonderer Verwendung des Herausgebers Hans Dichand im Einsatz und gern gesehener Gast bei den Beratungen des Führungsgremiums der Sozialdemokratischen Partei. »Zimmerküchenkabinettspropagandist« nennen ihn deshalb manche seiner Kollegen.
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Zur gleichen Zeit erwog in Wien die SPÖ nach einer herben Schlappe bei den Wahlen zum Europaparlament eine Personalrochade, in deren Verlauf die glücklose Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas in das Amt einer Staatssekretärin für Integration weggelobt werden sollte. Wie würden die Meinungsmacher der Nation auf dieses Avancement reagieren, besorgte sich die rote Führungsspitze.
Nördlich von Peking inspizierten die Journalisten aus Österreich gerade die Große Mauer, den gewaltigen Nordwestwall der Ming-Dynastie, da schlug das Mobiltelefon von Krone- Reporter Pándi an. Am anderen Ende der Satellitenverbindung habe sich der Bundeskanzler aus Wien befunden, berichteten erstaunte Ohrenzeugen des außergewöhnlichen Gesprächs. Werner Faymann benötigte dringend Rat: Wie wohl sein publizistischer Mentor Dichand den geplanten Rollenwechsel der roten Nachwuchshoffnung bewerten werde, wollte der Kanzler wissen. Pándi habe nicht lange nachdenken müssen: Das wäre gar nicht nach dem Geschmack des alten Herren. Laura Rudas blieb, wo sie war, in der Parteizentrale.

5 Gedanken zu “So funktioniert(e) Faymann

  1. »berichteten erstaunte Ohrenzeugen« – sich auf Hörensagen unter Journalisten­kollegen als Quellenangabe zu berufen, erscheint für politische Berichterstattung zumindest bedenklich. Schaut eher nach dem Motto aus: wenn die Geschichte schon nicht wahr ist, dann ist sie wenigstens gut erfunden. Sollte sie tatsächlich wahr sein, drängt sich überdies die Frage auf, warum der Faymann nicht gleich den Dichand selber angerufen hat. Seine Telefonnummer wird er ja wohl gehabt haben.
    Man muss nicht alles glauben, nur weils so in der Zeitung steht.

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  2. zynismus aus boboville immer wieder lustig, wenn eine partei, die es ohne „krone“ gar nicht geben würde, dann ach-so-kritisch ist.

    und kritisch bedeuet bei dieser partei, die sich vermutlich mit/nach den wiener wahlen auflösen wird nur eines: zynismus und bashing

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  3. journalisten sind ewige tratschtanten von berufswegen. storys die sie nicht gscheit belegen und veröffentlichen können werden unter der hand weitergetuschelt.
    vieles davon ist erfunden.
    das sollte der herr cc eigentlich wissen.
    schlecht erfunden.
    mit einer nebbichen postenschieberei in der dritten reihe hätt der dichand niemals sein publikum länger als a randnotiz gelangweilt.

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  4. Leider klingt die Geschichte glaubwürdig. Unsere Regierung lässt sich von der Kronenzeitung beraten! Noch tiefer geht es kaum. Auch meine Chefin, die Fr. Unterrichtsministerin, pilgerte zur Kronenzeitung, um ihre „Schulreform“ dort absegnen zu lassen. Und viele, sauteure Inserate in den Boulevardzeitungen (und nur dort) haben zwar keinen brauchbaren Inhalt, lassen aber viel Geld dorhin fließen, wo man gut ausschauen will. Wohl gemerkt: Hier wird populistische Politik gemacht für die nächsten Wahlen – statt staatstragender, wohl überlegter, langfristiger Entscheidungen. Ein schönes Bild, ein netter Kommentar etc. ist eben mehr wert als eine unpopuläre, aber sinnvolle Maßnahme.

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  5. Ja, so Ohrenzeugen hat man nicht oft, aber wenn sie hat, dann wird es wirklich interessant! Da hört man oft echt Sachen, die man sich kaum vorstellen kann.

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