Raumplanung in Österreich: Eine Abrechnung

Das halte ich für eines der wichtigsten und unterschätztesten Themen schlechthin.
Eine Bilanz von 50 Jahren Raumentwicklung in Österreich.
25 Minuten „Fest“-Rede am Jahrestag der österr. Raumplaner.
Und eine der mir wichtigsten Reden der letzten Jahre überhaupt.
Teil1:


Teil 2:

Teil 3:

7 Gedanken zu “Raumplanung in Österreich: Eine Abrechnung

  1. Bin schwer beeindruckt von diesem gedanklichen und rhetorischen Feuerwerk.

    Das einzige was mir vielleicht ein bisschen zu kurz kam: es war mehrere Male die Rede von der Rolle des Autos. Gut. Wie ist es aber dazu gekommen, dass soviel und immer mehr „für das Auto“ gemacht wird? Ich behaupte: der „Fall Auto“ ist das vielleicht überhaupt krasseste historische Beispiel dafür, wie (demokratische) Politik das Kostengefüge, ja die Ökonomie einer gesamten Gesellschaft auf den Kopf stellen kann. Wenn die Kosten des Verhaltens eines einzelnen Autofahrers (vom Strassenbau über Platzverbrauch und Grundstücksentwertung bis Umweltschäden) im wesentlichen gemeinsam getragen werden (der einzelne diese Kosten also zwar mitträgt, sich ihnen aber auch nicht entziehen kann) und der Nutzen dann in der einzelnen Situation von A nach B zu kommen im wesentlichen aber dem Einzelnen zugutekommt, entsteht eine völlig neue und in der Gesamtschau betrachtet zutiefst unökonomische, ja jeder gesamtökonomischen Vernunft widersprechende ökonomische Vernunft des Einzelnen.

    Ich halte das auch abgesehen vom „Fall Auto“ für die „single most important issue“ einer modernen, eine Marktwirtschaft regulierenden Politik, die immer noch kaum verstanden wird: die Politik muss bei jeder ihrer Entscheidungen verstehen, dass die ökonomische Wahrheit des einzelnen so gestaltet sein muss, dass seine darauf fussenden individuellen Entscheidungen in der Regel auch zu einem gesamtökonomisch sinnvollen Einsatz von Ressourcen führen werden.

    Beim Auto ist immer noch das Gegenteil der Fall: jeder der keins hat, ist im Grunde genommen ein Trottel. Er zahlt für sein Haus, verzichtet aber dann darauf, darin zu wohnen.

    Dabei müsste die Politik sogar versuchen, der diese Effekte weiter verstärkenden „Fixkostenlogik“ des Autobesitzes *entgegenzuwirken*. Dadurch, dass ich in unserer Gesellschaft zumeist ein Auto brauche, muss ich den grössten Teil der Kosten „sowieso“ tragen. Der einzelne Einsatz und dessen variable Kosten sind im Vergleich nahezu irrelevant. Und nicht zu vergessen: all diese Autobesitzer, die ihre Fixkosten „sowieso“ tragen müssen üben einen enormen „demokratischen“ Druck aus, weiter und immer weiter ins Auto zu investieren.

    Im „Fall Auto“ ist die Milch längst verschüttet. Aber lernen wir daraus. Für eine Politik, die eine sich im Rahmen der von ihr gesetzten Regeln selbst organisierende Wirtschaft auch verstanden hat…

    Liken

  2. Wo ist die Abrechnung? Ich sehe weder Tote, noch Verletzte. Oder gibt es noch einen viertel Teil?

    Aber im Ernst. Großartige Rede, die mir aus der Seele spricht.

    Manche Teile waren aber nicht ganz verständlich. Du neigst irgendwie zu Gedankensprüngen, die man nicht nachvollziehen kann. (Inkl. dem Foto-Vortrag ohne Fotos).
    Behauptest du nun, dass alle Vorstädte überall in der Welt gleich aussehen, oder nicht? Und was macht das für einen Unterschied.

    Der Vorschlag am Ende ist schräg, ändert aber leider nichts an der Anreiz-Situation.

    Liken

  3. Bin auch schwer beeindruckt. Und ich vermute (und hoffe), dass das große Schweigen der Leser eher ein Zeichen dafür ist, dass man mal seine Gedanken dazu ordnet, bevor man was postet, und kein Zeichen von Desinteresse.

    Meine Gedanken dazu: Es ist oft sehr traurig, was architektonisch so in die Gegend gepflanzt wird. Es gibt schließlich noch andere Farben als weiß und durchsichtig, andere Winkel als rechte und andere Stile als „schlicht“. Sobald jemand etwas schönes baut, heißts, dass das kitschig wäre. Es ist anscheinend verpönt, aus Stilen früherer Jahrhunderte zu kopieren. Da braucht man sich nicht wundern, wenn neue von Architekten geplante Schuhschachteln neben Nutzbauten wie Stadtbahnstationen (!) oder Müllverbrennungsanlagen (!!!) wie Schandflecke wirken.

    Doch zum Thema Raumplanung: Hier merk ich doch schon langsam ein Umdenken, besonders am Land. Immer öfter wird bei freiwerdenden Grundstücken in „Zentrumsnähe“ sinnvoll verdichtet. Zwar liegt der Grund wohl nicht darin, dass man gute Raumplanung betreiben will, sondern das Abwandern der Jugend (die sich heutzutage nicht mehr so lange an einen Standort binden will) verhindern will, aber immerhin passierts. Und auch wenn die Raumplanung hier im Osten oft verfehlt war, einzelne (Wohn-)Häuser irgendwo im Niemandsland findet man doch bedeutend seltener als in den Bergen.

    Eine kleine Frage noch bezüglich des Weblogs: Hier könnte man auch ein wenig Raumplanung betreiben, und das ganze ein wenig verbreitern. Vorteile wären bessere Qualität der Youtube-Videos, mehr Platz, wenn mal ein Bild gepostet wird, und Platz für sechs neue Ansichten (das passt ja wieder zum Thema) von Wien. Nachdem sogar die meisten Netbooks 1024er Displays haben, sollte das kein Problem sein.

    Liken

  4. Ich glaub das hat die Bevölkerung einfach noch nicht kapiert… …wie alle diese Dinge zusammenhängen. Dass das „Verkehrsproblem“ zu einem sehr großen Teil ein Zersiedelungsproblem ist. Dass eine schwache Raumordnung daher zu riesigen Problemen (und außerdem auch: zu riesigen Kosten!) für die Allgemeinheit führt.

    Dass es in unserem Land immer noch keinen richtig guten öffentlichen Verkehr gibt liegt ja zu einem großen Teil an der Zersiedelung. Für die täglichen Staus in den Stadteinfahrten gilt natürlich das Gleiche.

    Aber wenigstens scheint die Sache derzeit von selbst umzuschwenken: Einfamilienhaus im „Grünen“ (in Wirklichkeit in einem Vorstadt-Einfamilienhausteppich ohne jede Infrastruktur) wird „out“, die Stadt erlebt eine „Renaissance“. Derzeit schön zu beobachten in den USA.

    Liken

  5. aktuell passender Standardartikel dazu: http://derstandard.at/1276413483063/22-Milliarden-Einsparung-bei-Oekoreform-des-Steuersystems

    2,2Mrd. Sparvolumen, indem man klimaschädliche Subventionen streicht oder ändert. Darunter fällt auch die Pendlerpauschale.
    Der Standard macht zwar nicht den großen Bogen zur Raumplanung, aber ich find das ist ja wirklich die eigentliche Ursache vielen klimaschädlichen Übels.

    Der Staat ist Monopolist in der Raumplanung.

    Liken

  6. super Rede Herr Chorherr, ich gratuliere Ihnen zu ihren klaren und deutlichen Worten!
    Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.