1789

meine aktuelle Pressekolumne

1789 ist so ein Datum, ebenso 1989. Beim einen folgte der Umsturz ziemlich gewalttätig, beim anderen bemerkenswert friedlich. Beiden Revolutionen ist gemein, dass nachher alle lautstark behauptet haben, dass die Umbrüche unvermeidlich waren. Nur vorher hat es keiner gewusst oder bemerkt. Obwohl die Systeme brüchig waren, die Unzufriedenheit mit „denen da oben“ gewaltig war, kamen die Umstürze plötzlich, heftig und wälzten das Alte nieder. Die Unzufriedenheit mit „den Umständen“ wächst auch bei uns beträchtlich.
Beispiel USA: Da werden Banken mit aberwitzigen Summen aus öffentlichen Geldern gerettet, weil man sie ja angeblich aus „öffentlichem Interesse“ nicht in die selbstverschuldete Pleite schicken kann. Jetzt melden einige von diesen Banken wieder tolle Quartalsergebnisse. Zum Beispiel Goldman Sachs. Seine 29.400 Mitarbeiter (Sekretärinnen inklusive) erhalten heuer im Schnitt 770.000 Dollar Jahreseinkommen. Welche hervorragende Leistung, welche volkswirtschaftliche Wertschöpfung haben sie für diese mehr als fürstliche Gage erzielt? Beispiel Deutschland: Fast beruhigt atmen viele auf, dass Porsche Chef Wendelin Wiedeking „nur“ 50 Mio. Euro Abschiedsprämie erhält. Dessen Leistungen seien hier nicht geschmälert, aber gibt es so etwas wie „das rechte Maß“ eigentlich noch? Auf der anderen Seite der Wohlstandsmedaille leben sie, die gut ausgebildeten Prekaristen, die von Praktikum zu Praktikum hüpfen (müssen), mit Gehältern oft unter 1000 Euro abgespeist werden, Überstunden klarerweise nicht extra entgolten bekommen, und wenn sie aufmucken, wird ihnen beschieden, vor der Tür warteten die anderen.
Die Wirtschaftskrise und vor allem die Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand (Kürzung der Ermessensausgaben) werden gerade in diesem Bereich der Werkvertragsnehmer die Arbeitslosigkeit, die nicht bezahlt wird, da es ja Selbstständige sind, in die Höhe treiben.
Wie soll man diesen die absurd hohen Gehälter jener erklären, die drinnen und oben sind im System? Sie sind draußen und werden dazu angehalten, mit ihren Steuern und Sozialabgaben den „Generationenvertrag“ zu erfüllen. Gleichzeitig wissen sie, dass sie niemals mit 59 in die bezahlte Pension gehen werden.
Das ist keine stabile Situation. Der Unmut ist bereits gewaltig und wird wachsen. Und nachher, wenn sich der Rauch verzogen hat und die Trümmer gelegt haben, werden es wieder alle gewusst haben. Dass es unvermeidlich war. Wie 1789 und 1989.

10 Gedanken zu “1789

  1. Was haben alle gewusst? 1. Wahrscheinlich zahlt Goldman Sachs auch den Ferialpraktikanten gutes Geld und die Generation Praktikum gibt es dort wohl auch nicht.
    2. Die Mitarbeiter von Goldman Sachs erbringen soviel Wert, das ihnen die Eigentümer sehr gute Gehälter anbieten und irgendwie stehen diese wohl in der Relation zum Beitrag zum Firmenergebnis. Mit den Gehältern tragen sie wohl einiges zur Volkswirtschaft bei, auf jeden Fall zahlen sie ziemlich viel Einkommenssteuer.
    3. Was tragen eigentlich diejenigen bei, die gar keine Einkommenssteuern zahlen? Wenig im volkswirtschaftlichen Sinne, oder? Pensionen gibt es trotzdem.

    Gefällt mir

  2. In China gab es ja bereits einen Fall von Gewalttätigkeit. Bei uns wird das erst in 5 bis 10 Jahren einreißen. Aber die Folgen werden umso verheerender sein, wenn einmal eine Schleuse geöffnet wird.
    Was bei Goldmann-Sachs so schlimm ist, sind nicht die hohen Durchschnittsgehälter, sondern der Umstand, dass die auch um Staatshilfe angesucht haben.
    Die Darstellung des Durchschnittsgehalts ist allerdings nicht seriös. Ich bin überzeugt, dass eine Sekretärin nicht 770.000$ Jahresgehalt bekommt. Vermutlich muss man zuerst einmal die top zehn Prozent separat behandeln, die speziell überhöht erscheinen.
    Die werden bald ohne 10 Leibwächter nicht mehr ihres Lebens froh werden.

    Gefällt mir

  3. @Sergej Radzinsky
    Wert ist absolut subjektiv, d.h. Ihnen kann die Leistung eines Goldman Sachs Mitarbeiters kaum etwas wert sein, aber dem Eigentümer von Goldman Sachs kann die Leistung sehr viel Wert sein. Es kaum etwas, dem verschiedene Menschen den gleichen Wert beimessen, der meist um die Austauschbeziehung zu vereinfachen, in Geld ausgedrückt wird.

    Ihrem Punkt, das das Bruttoinlandsprodukt nicht der beste Indikator ist, schliesse ich sehr wohl an.

    Gefällt mir

  4. Situation Ebenfalls unzufrieden seiend mit der Gesamtsituation und auseinandergehender Einkommens- und Vermögensverteilung, ist doch festzuhalten, dass die Voraussetzungen für Revolution in den meisten Teilen Europas (und nur hier kenne ich mich ein wenig aus) nicht gegeben sind. Noch leben wir im Zeitalter von Massenkonsum, abnehmenden politischen Iinteresses (gemessen an Wahlbeteiligungen an wichtigen Wahlen, wie z.B. EU-Wahl) und Ingnoranz gegenüber den miserablen Lebensbedingungen von ca. 70 % der Menschen auf diesem Planeten. Der sich abzeichnende Klimawandel wird zwar wahrgenommen aber daraus leiten die meisten keine Handlungen ab, da die direkte Betroffenheit (noch) nicht spürbar zu sein scheint.

    Was ich sagen möchte ist, dass ein Umschwung eher von Menschen ausgehen wird, denen es „dreckig“ geht. Aber auch der Neid oder das Gefühl der Schlechterstellung beinhalten Potential zu Veränderungen: davon profitiert wiederum in Österreich vor allem die Rechte, da die linke diese Unzufriedenheit nicht in ihre Richtung kanalisiert. Was bieten hier die Grünen? Die Vision zu einer besser organisierten (Finanz-)Welt würde ich mir klar und knackig formuliert wünschen. Kann nicht Obamas „Change“ ein Leitbild sein?

    Gefällt mir

  5. Freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbständige gibt es aber inzwischen, nur zur Ergänzung.

    Gefällt mir

  6. Regieren wie in der Steinzeit, doch das Volk Wählt sie immer wieder! Unglaublich und dennoch wahr. Es gibt sie noch, Schriftsteller die nicht davor zurück schrecken, das Deutsche aber auch EU Dilemma beim Namen zu nennen. Mit seinem Buch, Perversionen der Macht, hat der Autor H.-J. Wrobel den Nagel auf den Kopf getroffen. Mit klaren Worten, greift er das Fehlverhalten in unserer Demokratie auf, er zweifelt sogar die Demokratie an. Für den Autor kann es keine Demokratie sein, wenn es nur um das wohl einzelner geht, und das Wort Demokratie scheinbar nur für Politiker – Manager und Banker eine Gültigkeit hat. Und damit dürfte er noch nicht einmal unrecht haben, denn denken wir einmal an die immer wieder kehrenden Wahlversprechen an und für das Volk, sind sie den nicht alle samt zum wohle des Volkes wie Seifenblasen zerplatzt. Hat der Autor nicht recht, wenn er in seinem Buch das Fehlverhalten der Regierungen mit klaren Worten anspricht. Wurden oder werden jemals Versäumnisse und Verschwendungen geahndet. Das hat der Autor mit einem klaren NEIN beantwortet, weder Politiker werden bei Steuerverschwendungen in die Haftung genommen, und das gleiche gilt für Manager und Banker. Wehe dem, wenn man etwas gegen ihre Boni-Zahlungen sagt, jedoch zu begreifen ist eine Boni Zahlung nicht, und wurde auch nur ein Manager oder Banker nach der Krise in die Haftung genommen, Nein! Das Unwort des Jahrhunderts sollte nach Meinung des Autors daher auch das Wort, Neuverschuldung sein, denn im Gegensatz zu jedem einzelnen Menschen, scheint das Haushalten mit Steuergeldern unseren Regierenden nicht bekannt zu sein. Und ganz gleich wie hoch die Steuereinnahmen waren, Sie, die Damen und Herren waren oder wollten noch niemals in der Lage sein sauber und dem Volke verpflichtend zu Wirtschaften. Das einzige Glück das Politiker, Banker und Manager in Deutschland noch haben, es erscheint so als gehe es dem Volke doch noch zu gut, oder es fehlt ihnen einfach noch der Mut, aber meine Damen und Herren da sollten sie sich nicht zu sicher sein, denn manches mal genügt ein kleiner Funke und alle Unzufriedenheit entleert sich in blankem Hass und Wut. Das dem schon so ist sieht man zum teil schon in Hamburg oder Berlin, wo immer mehr Autos brennen. Meine Hochachtung gilt dem Autor. Für mich ist dieses Buch ein klarer Bestseller!Sein Interesse: das zu schreiben und bekannt zu machen wo andere zurück schrecken. Der Autor H.-J. Wrobel hat es auf den Punkt gebracht und wehe dem wenn das Volk es versteht was und Erwacht.

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.