Leadership. Wo bleibt sie?

Kaum jemand kann sich die Summe wirklich vorstellen: 750 Mrd Euro waren da. Plötzlich innerhalb einer Nacht.Zur Rettung des Euro, sagen die Wohlmeinenden. Damit die großen Geldvermögen auch weiter Zinsen bekommen und nur ja nicht gefährdet sind, sagen die Kritiker. Jedenfalls: “Die Politik” hat einen überraschenden Kraftakt gesetzt.
Es roch ganz kurz nach “leadership”.
“Leadership”, übersetzen wir es als kraftvolle, mutige Führungsstärke, fehlt sie nicht in nahezu allen Bereichen der Politik?
Wenn (nicht nur, aber auch in) Österreich seit Jahrzehnten das Vertrauen in “das Politische” sinkt, die Reaktion weiter Teile der Bevölkerung zwischen Enttäuschung, Gleichgültigkeit und Zorn oszilliert, dann wohl weniger weil so viel, möglicherweise falsche “leadership” gezeigt wird, sondern gar keine.
Die Probe aufs Exempel: Seit Jahren, nein seit Jahrzehnten sollen “grundlegend reformiert” werden: Unser Gesundheitssystem, unser Schulwesen, der Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern, unsere Hochschulen, und eine persönliche Priorität sei auch noch erwähnt: der Klimaschutz.
In all diesen Bereichen wäre leadership notwendig. Leadership, welche Beharrungskräfte in Schranken weist, die Bevölkerung motiviert, ja sogar für “das Öffentliche” begeistert, und geschickt Allianzen schmiedet.
Das enorme Dilemma unserer Demokratie liegt darin, dass fast niemand unseren politischen Eliten derartige leadership zutraut. Aber wenn sie sich nicht erneuert, ihre Leistungskraft beweist, dann ist sie gefährdet, akut gefährdet.
Eine These, ein Beispiel:
Politik soll sich da erneuern, wo sie herkommt,da wo es vergleichsweise leicht ist, auf der lokalen, der kommunalen Ebene. Sprechen wir von Wien.
Das ganz bewußt gewählte Beispiel, die Reform der Pflichtschulen.
Folgenden muß doch zu stemmen sein, mit ein bißchen leadership. Die besten Lehrer werden gesucht und motiviert, in jene Schulen zu gehen, wo Kinder besondere Untersützung brauchen, weil sie vom Elternhaus kaum gefördert werden.Zur Leitung der Schule werden ausgewiesene Führungspersönlichkeiten (unbeschadet der Parteizugehörigkeit) ernannt. Den Schulen wird Freiheit gegeben, ihre Methoden, ihre Zeiteinteilung selbst zu wählen.
Ziel: Mit 15 Jahren können alle sinnstiftend lesen und schreiben und beherrschen Deutsch sowie zumindest eine weitere Sprache.
Das zu erreichen bräuchte bloß ein wenig leadership. Aber wo ist sie?
PS: Dies ist,so der Wunsch der Presse, bis zur Wahl am 10.Oktober meine letzte Kolumne.(dieses PS ist an die Leser der Printpresse gerichtet)
(bis hierher meine Kolumne in der aktuellen Print-Presse)
PPS: Super, daß es blogs gibt, hier kann ich schreiben, wann, was und wieviel ich möchte (dieses PS gehört hierher)

11 Gedanken zu “Leadership. Wo bleibt sie?

  1. statesmanship Lieber Christoph, ich habe zu eben diesem Thema vor einiger Zeit auf
    zurPolitik.com eine Kolumne verfasst
    (http://zurpolitik.com/2010/04/14/staatsmanner-und-frauen-wo-seid-ihr/),
    in der ich dieselbe Frage gestellt habe. Ob man es nun als
    statesmanship oder leadership bezeichnet ist egal, es kommt auf
    dasselbe raus, die Eigenschaft scheint in der Politik am Aussterben.
    Mein Fazit über das warum, ist die Einschätzung, dass sich Leute mit
    Integrität und Charakter, soetwas wie einer eigenen Meinung, einfach
    nicht mehr durch die Parteihierarchien arbeiten wollen. Zu Recht, dort
    dominiert nämlich Corpsgeist und Disziplin. Nicht, dass das
    grundsätzlich schlecht wäre, aber die interne Homogenität der Parteien
    (ja, aller Parteien) ist so hoch, dass Leute mit divergierende
    Ansichten es nicht mehr in höhere Funktionen schaffen. Ähnliches ist
    ja auch bei den Grünen Vorwahlen passiert. Es hat sich in Ö. sozusagen
    eine Art Berufspolitikertum gebildet, das sich durch Gleichklang
    auszeichnet, aber sehr selten in der Lage ist visionäre Ideen zu
    denken und umzusetzen. Die wenigen, die das tun, fristen meist ein
    Dasein als Querköpfe, Eigenbrötler etc. Du weißt sicher was ich meine
    🙂
    Lösung? Vorerst gar keine, weil sich die Parteien weigern, ihre
    eigenen Strukturen zu überdenken und Althergebrachtes mit Zähnen und
    Klauen verteidigen.

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  2. Politiker wissen ja kaum mehr, warum sie gewählt werden Es ist schwer, sich für etwas einzusetzen, wenn man nicht wirklich abschätzen kann, wieviele Leute da wirklich dafür sind. Weiß Faymann, wieviele Österreicher ihn gewählt haben, weil sie sich sozialere Politik wünschen? Wieviele die Grundsicherung wollten? Wieviele Leute ihn wegen oder trotz der momentanen Integrationspolitik gewählt haben?
    Wissen die Grünen, ob sie wegen Umweltthemen oder wegen der Forderung nach Frauenquoten gewählt werden?
    Es ist für Politiker (sags uns, cc) wahrscheinlich fast genau so schwer, den Willen der eigenen Wähler zu interpretieren, wie für die Wähler, das geringste Übel aus der Parteienlandschaft zu suchen. Mit so einer heterogenen Masse an Wählern im Rücken tun sich wahrscheinlich viele schwer, vehement für etwas einzutreten, aus Angst bei der nächsten Wahl abzustinken.
    Dass die Bildungspolitik reformiert werden muss, ist klar, aber in welche Richtung das gehen soll, ist alles andere als klar. Also doktort man ein bisschen herum, damit keiner sagen kann, man täte nichts, und lässt im Großen und Ganzen alles so wie es ist.

    Im übrigen wäre ich sehr dafür, den Neusprech von „Klimaschutz“ wieder auf „Umweltschutz“ zu ändern. Denn erstens kann die Auswirkung auf das Klima nicht so genau quantifiziert werden, und zweitens wird so ein großer Teil des Umweltschutzes der heiligen Kuh „CO2“ geopfert.

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  3. Direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild Ich finde, dass derartige Sachthemen in der Schweiz recht gut behandelt werden mit Volksabstimmungen.
    Leider war die Wiener Volksbefragung zuletzt kein glanzvolles Beispiel (z.B. dass alle Themen ausschließlich von der Regierung selbst vorgelegt wurden). Aber ich könnte mir vorstellen, dass jedes Jahr oder alle 2 Jahre ein fixer Volksbefragungstermin festgelegt wird, zu dem dann über 1- max. 10 konkrete Themen abgestimmt werden könnte (z.B. eben über Schulbildungs-Standards).
    Würde mir auch von den Grünen mehr Mut zur direkten Demokratie wünschen.

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  4. Politiker überbezahlte Blockierer thats all.

    Bei Lehrern kann man wenigstens noch von Engagement im kleinen MÖGLICHEN Rahmen erkennen.
    Politiker jedoch gehen auf ihr Klientel überhaupt nicht mehr ein. Da ist die Politikverdrossenheit kein Wunder.

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  5. Es braucht doch nur zwei Dinge: a) ein klares Programm, dass b) auch durchgezogen wird. Dann haben wir Handelnde, d.h. Verantwortliche, und der Wähler weiß woran er ist, und kann eine klare Bewertung vornehmen – insofern wäre es wünschenswert einmal keine Koalitionsregierung zu haben.

    Statesmanship, leadership: Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man mit derartigen Begrifflichkeiten weite Teile der Wähler nicht erreichen wird, einfach weil sie nicht verstanden werden (also: andere wählen).

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  6. blödsinn naja herr proell sollte ja genug kohle haben. ich habe ihn informationen ueber eine steuerhinterziehung von 15-40 millionen euro gegen die ueberpruefung einer alten legepartie des finanzamtes angeboten und er hat abgelehnt

    haetten ja ein paar von seinen ehrenwerten beamten schaden nehmen koennen

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  7. sie verlangen leadership? von wen bitteß

    von einer korrumpierten, abgetakelten murks-partie, die ihre politik

    nach der stimme des boulevards (krone, österreich) ausrichtet??

    na bitte. wenn sich wer etwas traut (z.b. bm karl) dann wird er gnadenlos

    sowohl innerpalrteilich (z.b. öaab) oder medial (z.b. von jeanne)

    niedergemacht.

    oder wie meinte „Toni“ in der Tiroler tageszeitung vom 22.mai 2010.

    „dem faymann hot sich in china wohlgefühlt. es wurde immer nur gelächelt.

    wenn er etwas gesagt hat. dann hat ihm niemand zugehorcht. wie daham.“

    soviel zum thema „leadership“.

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  8. nur kurz zum schulsbeispiel: die besten lehrer werden NICHT gesucht, im gegenteil – KEINER und KEINE aus den geburtenstarken jahrgängen, die noch eine menge arbeitszeit vor sich hätten, aber wegen des überschusses vor 20 jahren mittlerweile ganz woanders tätig (oder auch einfach nur in karenz) sind, die ich persönlich kenne, wurde überhaupt gefragt, ob sie oder er – gerade mit ihrer erfahrung, die andernorts gesammelt wurde, sich eventuell vorstellen könnte, ihre arbeitskraft wieder der schule zur verfügung zu stellen. und die idee, führungskräfte für dieses system von anderswo zu holen, grenzt wahrscheinlich schon an blasphemie …

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  9. Faymanderls visuelle Sprache … Ganz charakteristisch empfinde ich die neuesten SPÖ – Wahlplakate
    ( http://www.spoe.at/gerechtigkeit/index.html )

    Der Zeigefinger (in Haider – Manier nach oben weisend), der leicht schiefe Mund (bei Haider war er schiefer), der „wahrlich, ich sage euch“ – Blick:

    Er scheint zu sagen: „Die da oben …“

    Nur: „Die da oben“, das ist er selbst !
    Hat er noch nicht mitbekommen, dass er selbst da oben ist, dass er selbst es in der Hand hat, etwas zu verändern ?
    Dass da niemand anderer ist, dem man die Verantwortung / Schuld zuschieben kann ?

    Wahrlich, ich hätte gerne Sinowatz zurück !
    Denn der hatte noch den Mut etwas zu verändern.

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  10. Reaktionäre Politik in allen Bereichen Kann der Kritik an der reaktionären Bundespolitik nur zustimmen. Machtkonservierung und Klientelpolitik werden wohl weiterhin zielführende Reformen im Keim ersticken. Es steht zu hoffen das Blogs wie unsre zumindest einen kleinen Beitrag zur ungelenkten politischen Diskussion beitragen.

    Lg, http://denkanstoesse.twoday.net

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  11. Das von Ihnen angsprochene Probelm des Reformstaus in den europäischen Demokratien ist m.E, zu einem großen Teil ein systemimmanentes Porblem. Politische Entscheidungsträger müssen Mehrheiten beschaffen und darür meist Kompromisse und Deals eingehen. Zundem ist ihr Handeln, zwecks eigenem Machterhalt – wer möchte schon nicht nicht wiedergewählt werden – meist nur mittelfrisig angelegt und von der Doktrin der medialen Vermittelbarkeit geleitet. Größere und vielleicht auch unangenehme aber notwendige Projekte bleiben so zwangsläufig auf der Strecke. Ihre Forderung nach mehr „leadership“ im politischen Getriebe ist hier sicherlich einer von mehrern Wegen aus der Misere. Dafür müssten sich aber vor allem die Parteien intern verändern und lieb gewordene Machtverkrustungen (auch bei den Grünen) aufbrechen.
    Wie aber unser Demokratisches System sich weiter entwickeln könnte, um Politiker zu nachhaltigerem Handeln zu animieren weiß ich nicht, würde mich aber über etsprechende Idee aus diesem Forum freuen.

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