Wieso Inflation nahezu unvermeidlich ist

ein wenig Küchenökonomie
Versuch eines “big pictures”
oder: warum ich glaube, daß es bald eine ziemliche Inflation geben wird
Rund um den Globus wird ein schwarzer Peter herumgereicht.
Ein ungeheurer Schuldenberg.
Erst hatten ihn die privaten Haushalte, indem sie v.a. in den USA (aber auch in England, Spanien, Griechenland, osteuropa…)völlig über ihre (Einkommens-) verhältnisse gelebt, gekauft und konsumiert haben, als gebe es kein “morgen”.
“Finanziert” wurde das mit Aktien & Immobilien”werten”, die bloß im Kopf, bzw im Glauben bestanden, sie würden immer mehr wert sein.
Dann platzte die offensichtliche Blase und der enorme Schuldenberg ging auf die Banken über. Diese betrieben geschicktes Lobbying (“wir sind systemrelevant”), zahlten sich weiter astronomische Boni aus, und brachten in einem einmaligen Coup von “Sozialismus für das Kapital” die Staaten dazu, ihnen mit unfassbar viel öffentlichem Geld die Schuldpapiere abzukaufen.
Jetzt haben die Staaten den Schuldenberg, den schwarzen Peter.
Und da diese Schulden irgendwie zurückgezahlt werden müssen, werden einfach neue Schulden aufgenommen.
Die Zins-und Zinseszinszahlungen steigen und steigen.
Die Zentralbanken setzen die Zinsen an die Banken gegen Null, machen daher kurzfristig geld enorm billig; dieses fliesst aber kaum in die Realwirtschaft-denn es ist kein Wachstum in Sicht-so wird das Geld wieder v.a. auf die Finanzmärkte gebracht. “asset-inflation” heisst die Konsequenz dieser erneuten Spekulationsblase, von der nahe alle (auch Mitspieler) sagen, daß sie bald platzen wird.
Es gibt nur wenige Wege raus aus dieser Schuldenfalle.
In der Vergangenheit hieß die: rasantes Wirtschaftswachstum.
Ja, so könnte es (theoretisch) gehen.
Wirtschaft brummt, Staatseinnahmen steigen, Staat kann eigene Ausgaben zurückfahren, Arbeitslosigkeit sinkt, alles wunderbar.
Ja, es gibt da nur ein kleines Wort, und das heisst “wenn”
Denn fast alles spricht dagegen, dass es zu einem starken langanhaltenden Aufschwung kommt.
“Deleveraging” besser gesagt, der notwendige private wie öffentliche Schuldenabbau zieht Geld ab, das im Konsum wie bei den Investitionen fehlt.
Dann: Bisher waren billige Energie und billige Rohstoffe dei Schmiermittel der Expansion. Aber selbst konservativste Organisationen wie die IEA warnen zurecht von der Unmöglichkeit, im notwendigen Ausmaß billiges Öl sowie v.a. auch Metalle zur Verfügung zu stellen.
Wenn nur die Hälfte der Menschheit so konsumiert wie wir, wirds schlicht knapp mit den Rohstoffen, d.h. sie werden einfach teuer.
Ausserdem: Es ist wie wild Geld gedruckt worden (nicht physisch, sondern durch enormes Aufblasen der Kredite, die die eigentliche “Geldschöpfung” darstellen)
Und man muß ökonomisch deformiert sein, um nicht zu erkennen: Wenn eine gleichbleibende, bzw. nur schwach wachsende reale Wirtschaft mit deutlich mehr Geld geflutet wird, muß es Inflation geben.
Blickt man in die Wirtschaftsgeschichte, so erlebte- immer wieder – jede Generation eine derartige Geldentwertung.
V.a. wenn Geld ohne jeden realen Gegenwert als “fiat money” einfach geschaffen wird.
Das Fatale: Viele dieser Geldentwertungen führten auch zu politischen Umstürzen.
Nicht Griechenland allein ist das Problem.
Im hohen Ausmaß sind es die USA.
Täglich brauchen sie ca 5 Mrd Euro frischen Kredit, um ihr riesiges Defizit zu bedienen.
Noch bekommen sie das Geld, wenn auch murrend.
V.a. von den Chinesen, die die größten Gläubiger sind, und von einem Kollaps des Dollar doppelt betroffen wären:
Ihre Vermögensbestände würden dahinschmelzen, weil es Dollar sind.
Und ihre fragile politische Stabilität erkaufen sie mit Exporten, die sie v.a. in die USA liefer. Dafür brauchts die Kredite.
Aber irgendwann ist Schluß mit diesem völligen Ungleichgewicht.
Niemand, der zwei und zwei zusammenzählen kann, glaubt, daß die USA ihren riesigen wachsenden Schuldenberg irgendwann abtragen werden.
Die sanfte Lösung würde heissen: maßvolle Erhöhung der Inflation.
Inflation entlastet die Schuldner zulasten der Gläubiger.
Aber das ist extrem heikel. denn Inflation speist sich v.a. aus Inflationserwartungen.
Und die ökonomische Lage ist derart angespannt, daß ein finanzieller “meltdown” alles andere als ausgeschlossen ist.
Gäbe es einen klügeren Weg:
Klar.
Denn wo große Schulden sind, gibt es auch ebensogroße Vermögen (zusammen müssen sie 0 ergeben)
Private halten heute enorme Vermögensbestände.
Diese Menschen sind derzeit zurecht ziemlich nervös.
Mit ihnen müßte es einen “big deal” geben.
Gelänge es, einen kleinen Teil dieser Vermögen in die reale Wirtschaft zu bringen (z.B. grosse Energiewende, Bildungsinfrastruktur, Wasserversorgung in weiten Teilen der Welt etc) gäbe es ökonomische Impulse ohne weiter Schulden machen zu müssen.
Aber wenn ich mir den internationalen Diskurs anschaue, ist das ein Wuschntraum.
Gespart wird bei realen staatlichen Leistungen, das führt zu wilden Protesten und einem weiteren Sinken der Nachfrage.
Das heisst noch weniger Staatseinnahmen, und mehr Schulden, bis, ja bis “the tipping point” erreicht ist.
Irgendeinem Staat gelingt es dann nichtmehr, ausreichend Kredite zu bekommen.
Dann knallts.
Insofern ist der Weg, in der Geschichte schon tausendfach gegangen, Schulden wei Vermögen “wegzuinflationieren” der wahrscheinlichste.
Brutal wird es so oder so werden.
Merkwürdig nur unser schönes Land, wo über derlei kaum geredet wird.
Oder lieg ich völlig falsch?

7 Gedanken zu “Wieso Inflation nahezu unvermeidlich ist

  1. Bitte noch eine Info: Sg. Herr Chorherr, was passiert in einem Hyperinflationsszenario mit den Kreditnehmern bzw. deren Krediten? Sind Kreditzinsen bankenseitig beliebig zu erhöhen? Ginge der Euribor durch die Decke?

    mfg
    Björn Mayer

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  2. @ kaum geredet tja, auch im falter ist eine 1/2 seite über irgendwelche audi luxusautos zu lesen und nicht über dieses thema….

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  3. Die Zinszahlungen sind derzeit kein Problem, weil die Zinsen relativ niedrig sind. Und viele Unterstützungen (insbesondere in Deutschland) sind tatsächlich nur Bürgschaften, die nicht unbedingt eingelöst werden müssen. Wenn dies allerdings der Fall wäre, sähe es schlimm aus. In einem Fall hat Deutschland sogar eine Bank enteignet, um die Kontrolle zu gewinnen.

    Die Inflationsgefahr in den USA ist sehr gross, weil man tatsächlich vor Jahresfrist Geld gedruckt hat, welches nicht durch einen entsprechenden Gegenwert gedeckt ist. Dieses Geld muss irgendwann „eingesammelt“ werden, weil ansonsten die Geldmenge dauerhaft zu gross ist (auch wenn sie irgendwo „geparkt“ werden sollte). Wie das gehen soll, weiss niemand.

    Der Unterschied zwischen den USA und bspw. Griechenland besteht vor allem darin, dass die USA eine höhere Kreditwürdigkeit besitzen. Das ist alles Psychologie. Niemand rechnet ernsthaft mit einem Kollaps der USA; niemand wünscht ihn (außer ein paar Linke in Europa, die von Stipendien leben). Sollten die USA an der Zinsschraube drehen, müssen die Kredite teurer bezahlt werden. Ähnliches gilt für den Euro-Raum. Daher hat eigentlich derzeit niemand Interesse an höheren Zinsen. Das Dilemma besteht darin, dass Investoren mit niedrigen Zinsen dauerhaft nicht angelockt werden können. Daher erlag man (s. o.) in den USA der Versuchung, Geld zu drucken. Auf Dauer geht das nicht mehr; die Zinsen werden also in den nächsten zwei Jahren steigen.

    Die Gefahr in 2009 war nicht die der Inflation, sondern einer Deflation. Eine Deflation ist weit schlimmer als eine gemässigte Inflation, weil sie praktisch zum ökonomischen Stillstand führt. Niemand konsumiert mehr, da die Preise laufend fallen. Was das bedeutet, sieht man an Japan heute noch. Diese Gefahr ist weitgehend gebannt. Wenn nun überlegt wird, die Zinsen wieder anzuheben, droht tatsächlich mittelfristig eine Inflation. Eine geringe Inflationsrate (bis 5%) ist nicht schlimm. Es kann jedoch ein Taumel beginnen, der die Verlockung enthält, eine Hyperinflation zuzulassen, um mit billigem Geld die Schulden zu tilgen. Faustregel bei hoher Inflation: Kredit aufnehmen – und mit „Dreck“ zurückzahlen. Das wäre tatsächlich ein großes Problem, weil es Sparvermögen vernichten würde (insbesondere in Deutschland, wo sehr viel gespart wird).

    Dass Banken derzeit Unternehmen weniger Geld zur Verfügung stellen, hat in der Hauptsache zwei Gründe: 1. Sie verdienen an Anleihen und anderen Geldgeschäften viel mehr als im Kontokorrentgeschäft. Und 2. ist dieses Geschäft viel risikobehafteter geworden, da die Kreditversicherer reihenweise Unternehmen herunterstufen.

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  4. Zur Eurozone gut versteckt auf Seite 89 des jüngsten EZB-Monatsbulletins
    http://www.ecb.int/pub/pdf/mobu/mb201003en.pdf
    ist eine Grafik, wonach die Verschuldung in der Eurozone erst wieder bis zum Jahr 2028 unter das Konvergenzkriterium von nicht mehr als 60% des BIP zurückkehren wird. Das ist aber nur beim best- und middle case Szenario der Fall. Das worst case scenario sieht die Eurozone-Verschuldung auf bis zu 150% ansteigen. Zurzeit liegt die Eurozone-Verschuldung bei über 82% und nur 3 Länder bleiben unter Neuverschuldungsgrenze von 3%. ausführlicheres dieses Wochenende in meinem Blog.

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  5. „Oder lieg ich völlig falsch?“
    Ich glaube dein Beitrag ist zu inkohärent um überhaupt falsch sein zu können.

    Ich greife einzelne Behauptungen heraus.

    „Niemand, der zwei und zwei zusammenzählen kann, glaubt, daß die USA ihren riesigen wachsenden Schuldenberg irgendwann abtragen werden.“

    Die USA könnten einfach die Steuern erhöhen, sehr viel beim Militär sparen oder bei den staatlichen Krankenkassen. Das Problem der USA ist kein ökonomisches, sondern die politische Handlungsunfähigkeit. Außerdem können die USA immer noch ihre eigene Währung drucken, im Gegensatz zu Griechenland.

    „Und ihre fragile politische Stabilität erkaufen sie mit Exporten, die sie v.a. in die USA liefer. Dafür brauchts die Kredite.
    Aber irgendwann ist Schluß mit diesem völligen Ungleichgewicht.“

    Nein. Die USA können noch eine Million Jahre lang ein Handelsdefizit haben, ohne Pleite zu gehen, solange es nicht zu groß ist. Man kann nämlich die Schulden für den Importüberschuss von gestern mit den Exporteerlösen von heute begleichen.
    Österreich hatte bis vor wenigen Jahren während der gesamten 2. Republik ein Handelsbilanzdefizit und wir sind trotzdem immer reicher geworden.
    Die allermeisten Unternehmen haben auch unentwegt Schulden, weil sie immer schon das nächste Projekt oder die nächste Investition finanzieren.

    Im Übrigen steigt in China der Binnenkonsum schon seit Jahren noch schneller als der Export.


    Private halten heute enorme Vermögensbestände.
    Diese Menschen sind derzeit zurecht ziemlich nervös.
    Mit ihnen müßte es einen “big deal” geben.
    Gelänge es, einen kleinen Teil dieser Vermögen in die reale Wirtschaft zu bringen (z.B. grosse Energiewende, Bildungsinfrastruktur, Wasserversorgung in weiten Teilen der Welt etc) gäbe es ökonomische Impulse ohne weiter Schulden machen zu müssen.“

    Das ergibt wenig Sinn. Einerseits handelt es sich bei den Vermögen um reale Werte, wie Grundstücke, Zinshäuser, Fabriken und dergleichen. Diese Vermögen können nur den Besitzer wechseln. Man kann sie aber nicht magisch in „Bildungsinfrastruktur“ verwandeln.
    Erdäpfel um 100€ kann man nicht in Reis um 100€ verwandeln, nur weil die gleiche Zahl am Preisschild draufsteht.

    Oder aber bei dem Vermögen handelt es sich um Geldvermögen. Das sind aber auf der anderen Seite gleichzeitig Schulden. Die Summe aller Forderungen entspricht der Summe aller Verbindlichkeiten.

    Missverständnis der Kritik an der Finanzwirtschaft?
    Ich glaube, dass viele Leute die Kritik von Ökonomen wie Paul Krugman, Joseph Stiglitz oder Dean Baker an der Finanzwirtschaft im Vergleich zur Realwirtschaft falsch verstehen.

    Der erste Kritikpunkt ist der, dass ein zu großer Teil realer wirtschaftlicher Aktivität mit dem Verschieben von Geldern beschäftigt ist. Damit ist also nicht das Geldverschieben an sich gemeint, sondern die vielen intelligenten, motivierten und arbeitsamen Investmentbanker, Analysten, Vertreter, Anwälte, Werbeagenturen usw., die sich mit der Geldverschieberrei beschäftigen anstatt sinnvolleres zu tun.

    Der zweite Kritikpunkt ist der, dass die Geldverschieber das Geld nicht in sinnvolle Wege zu leiten scheinen als früher, als die Finanzwirtschaft noch kleiner war.

    Viele scheinen aber zu glauben, dass quasi tatsächliche Reichtümer und Wertschöpfung in der Parallelwelt der Finanzwirtschaft herumzirkulieren würden, die man in Reis und Stahl umwandeln könne.

    Nehmen wir Roulette als Beispiel. Roulette entzieht der sonstigen Wirtschaft das Material für den Roulette-Tisch und die Arbeitskraft die Croupiers aber nicht die Millionen, die unter den Spielern die Hände wechseln.

    Es gibt hier also kein großes Ungleichgewicht, keine gigantische Schieflage, keinen tipping point.

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