Zur Kultur des Rücktritts

…oder: hier irrt Alice Schwarzer
In Deutschland wird heftig und sehr kontrovers über die Alkofahrt und den darauf folgenden Rücktritt der Bischöfin Margot Käßmann diskutiert.
Alice Schwarzer, DIE Ikone des dt. Feminismus, hat in einem Kommentar für spiegelonline ihren Rücktritt als Fehler bezeichnet.“Falsch für uns Frauen, falsch für sie selbst“.
Was mich an dieser Diskussion interessiert:
Wann soll eine Person des öffentlichen Lebens, ob Politiker oder hohe Vertreterin einer Kirche persönliche Konsequenzen ziehen und zurücktreten?
Um es kurz zu machen:
Ich halte Frau Käßmanns Schritt, ebenso wie ihre Begründung für absolut richtig. Beides ringt mir Respekt ab.
Ihre Autorität, ihre Glaubwürdigkeit wäre maßgeblich beeinträchtigt gewesen, meint sie.
Gerade weil sie sich mit viel Leidenschaft (die der öffentlichen Debatte allzusehr fehlt) auch durchaus kontrovers immer wieder zu Wort gemeldet hat, ob Afghanistan-einsatz oder Hartz IV, muß man Konsequenzen ziehen, wenn man mit über 1,5 Promille als Lenkerein bei rot über eine Ampel fährt.
Und hier irrt die von mir sehr geschätzte Frau Schwarzer fundamental, wenn sie dies mit „ein Glas zuviel getrunken“ verharmlost.
Nein, sturzbetrunken Autofahren (1,5 Promille muß man erst einmal ersaufen) ist kein Kavaliersdelikt, auch dann nicht, wenn es eine engagierte Frau tut.
Gerade weil es leider stimmt, daß viele Männer nicht zurückgetreten wären, ehrt es diese offensichtlich sehr konsequente und mutige Frau sehr, daß sie diesen Schritt gesetzt hat.

5 Gedanken zu “Zur Kultur des Rücktritts

  1. Käßmann-Rücktritt Ich stimme voll und ganz zu. Wäre Frau Käßmann geblieben, wäre ihre Glaubwürdigkeit bei Null gelandet.
    Nur bitte: die Bezeichnung „Ikone“ für Frau Schwarzer….wir Emanzen haben keine Ikonen. Wir sind Gleiche unter Gleichen und beten niemanden an.

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  2. Klugheitserwägung Käßmanns Rücktritt ringt Respekt ab, weil er zeigt: Betrunken Autozufahren ist eben kein Kavaliersdelikt, sondern – ab einer gewissen Promillegrenze – eine Straftat.

    Inwieweit Ihre Begründung – wie Sie schreiben – Respekt abringt, weiß ich jedoch nicht: Sie tritt zurück, weil ihr Fehler ihre Autorität schwächen würde. Sie könnt sich nur noch schwer zu moralischen Konflikten äußern und den Zeigefinger erheben, wenn sie als Person „moralisch“ vor der gesamten deutschen Gesellschaft in diesem Einzelfall „versagt“ hat. Es handelt sich also zuvörderst um eine Klugheitserwägung, und nicht um eine ethische Begründung.

    Dennoch schade um sie: Ihre Verschwesterung mit dem Boulevard hielt ich zwar für eine üble Strategie, aber alles in allem war sie ein interessanter Player im kirchlichen Bereich.

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  3. Alice Schwarzer nicht nur hier irrt Alice Schwarzer…

    spätestens seit die Bildzeitung mit ihr Werbung machen durfte hab ich den letzten Rest Respekt verloren, egal wie wichtig ihre früheren Aktionen waren.

    Schönes, netzweltig sehr bekanntes Beispiel für Alice-Schwarzer- (bzw Emma-) Irrtum ist auch unter http://www.gattinnen-im-netz.de

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  4. Ach Schwarzer darf mal irren 😉 Was die gute Alice Schwarzer vermutlich meint und cc ja schon geschrieben hat, ist, dass ein Mann in ihrer Position nicht zurückgetreten wäre.

    Wenn ich da zb an den Dörfler und ähnliche denke, dürfte frau Schwarzer recht haben…

    Ein echter mann findet doch auch mit 2 promillen im auto den weg nach hause oder etwa nicht 😉

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