Lernen aus Kopenhagen

Kopenhagen ist ein politisches Desaster.
Aber trotzdem, oder viellcht sogar deswegen:
Zwei mir wichtige Anmerkungen, besser gesagt Konsequenzen fuer die Zukunft.
1.) Es ist schlicht unmoeglich, dass sich 193 Staaten mit total unterschiedlichen Interessen in einem so relevanten Politikbereich einstimmig zu etwas verpflichten.
Wer schon einmal an politischen Verhandlungen teilgenommen hat, bzw. in einer Schulklasse mit, sagen wir 30 Schueler/innen versucht hat einstimmig z.B. das Ziel der Maturareise festzulegen weiss.
Einstimmigkeit ist totale Strukturkonservierung, gibt jedem einzelnen eine Vetomacht und so kann nur das allerkleinste Gemeinsame herauskommen.
Deswegen gabs ja u.a. den Lissabonvertrag, um weite Teile der EU-Entscheidungen aus der Einstimmigkeitsblockade herauszunehmen.
Wir sollten nun nicht nur empoert ueber die unfaehigen Politiker schimpfen, sondern lernen, dass soetwas (Einstimigkeit bei 193 Nationen) niemals zu wirklich einschneidenden und verbindlichen Entscheidungen fuehren kann.
Denn es geht um ziemlich Relevantes.
Wer ein wenig nachrechnet, wird erkennen, dass 25-30% CO2 Reduktion bis 2020 bzw Halbierung bis 2050 einen voelligen radikalen Umbau unserer Industriegesellschaft bedeutet.
Ich halte ihn fuer moeglich und widme einen Grossteil meines Berufes genau dem.
Einfach geht es sicher nicht.
Ergo: forget Monsterkongresse a la Kopenhagen, die Einstimmigkeit verlangen
Noch wichtiger ist mir
2.) Solange die Energiewende (genau darum gehts ja beim Klimaschutz) als Last empfunden wird, die man moeglichst gerecht verteilen muesse, wo man schauen muss, moeglichst wenig zugeteilt zu bekommen, solange wird sich kaum etwas aendern.
Das Gegenteil ist richtig, und das muss in die Koepfe:
Die Energiewende bringt nicht v.a. Belastungen sondern Chancen und ein besseres Leben.
Beispiel Guessing.
Dort gelang es weitgehend zu 100% auf erneuerbare Energietraeger umzusteigen.
Nicht weil man musste, sondern wollte.Und die Vorteile davon im Auge hatte.
Der (jetzt auch wirtschaftliche) Erfolg macht sie zurecht stolz.
Andere Beispiele:
Ein hoher Radverkehrsanteil ist keine Belastung, sondern macht das Leben in der Stadt schoener und besser.
Optimal gedaemmte Haeuser sind keine Belastung, sondern schonen die Geldboersen und stimulieren die lokale Bauwirtschaft.
Biologisch hergestellte Lebensmittel sind kein Problem sndern gesuender und schmecken besser.
Die Solaranlage am Dach statt Oel, Gas oder Atomstrom macht einen zufriedener nicht ungluecklicher.
DAS haben die Klimaverhandler nicht begriffen.
Dass Deutschland mit einem klugen EEG eine maechtig e Industrie im Solar-, Wind -und Biomassebereich geschaffen hat, ist ein Erfolg, und heute beschaeftigt dieser Sektor mehr Menschen als die Autoindustrie.
Deswegen stuerzt mich das Kopenhagendesaster nicht in Depression.
Sondern ermutigt mich, die vielfaeltigen Vorteile der Energiewende fuer Kommunen, Staaten und die Einzelnen hervorzustellen, damit die Energiewende immer mehr gewollt wird.
Also traeumen wir nicht von einer notwendigen Weltregierung, sondern staerken all jene, die dort arbeiten und leben, wo dei Energiewende entschieden wird. In jeder Gemeinde, in jeder Stadt.
Nur wenn die Vorteile erkannt werden, wird sie sich durchsetzen.
V.a. das sollten wir aus Kopenhagen lernen.

17 Gedanken zu “Lernen aus Kopenhagen

  1. Was ich an der CO2-Reduktions-Debatte nicht verstehe: es zweifelt ja kaum jemand daran, dass früher oder später alles Öl und Gas das – auch zu deutlich höheren Preisen als den heutigen – förderbar ist, auch gewonnen und verbrannt werden wird.

    D.h. die zukünftige CO2-Konzentration in unserer Atmosphäre ist ohnehin im Wesentlichen vorgegeben.

    Die jetzige Debatte dreht sich kurioser Weise nur darum, wer welchen Anteil des Restöls verbrennen darf und ob dieser Prozess z.B. durch aggressive Förderung nicht-fossiler Energiequellen ein paar Jahre früher oder später seinen Endzustand erreicht.

    Das kann ich ja noch nachvollziehen, denn mehr gibt es ohnehin nicht zu entscheiden: dass die CO2-bedingte Klimaerwärmung kommt können wir nicht ändern. Entsprechend entspannt kann man auch die nicht-Einigung in Kopenhagen sehen.

    Mich interessiert viel mehr, wie die Welt mit den Folgen der Klimaänderung umgeht. Schenkt man den Klimaforschern Glauben, sind durchaus Szenarien drinnen, die in relativ kurzer Zeit einen sehr hohen Anpassungsdruck erzeugen werden. Von der plakativen Frage, wo denn dann die Holländer wohnen werden angefangen.

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  2. ich stimme größtenteils zu, auch dem zweiten punkt. allerdings ist das nur unsere perspektive, die wir schon die industrialisierung mit all ihren guten und schlechten seiten hinter uns haben. einem chinesen, der lange in bitterer armut gelebt hat, und jetzt auch in diese lage kommt, das zu vermitteln, ist denke ich ungleich schwieriger, als uns europäern.

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  3. Beides werden wir brauchen…. Wenn es bei diesen oben genannten Reduktionszieken bliebe… Aktuelle Klimaforschung geht von noch deutlicheren Reduktionszielen aus.
    Mit den Kommunen alleine wird das nicht gelingen.
    Wir brauchen daher schon globale Rahmenbedingungen aber auch lokale Pioniere, eine gesellschaftliches Selbstverstaendnis dass diesePioniere keine SpinnerInnen sind und eine Politik, die Nachhaltigkeit foerdert statt bestraft.

    Als Zivilgesellschaft müssen wir aber auch lernen, dass die bisherigen Mobilisierungs- und Protestformen nicht ausreichend geeignet sind, tatsaechliche Ergebnisse zu erzwingen.

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  4. Tja, dass sowas nicht klappt, sagt uns die Spieletheorie voraus. Jeder Teilnehmer würde am meisten profitieren, wenn alle anderen Co2 sparen, während er weiter konsumiert.

    Es gibt nicht nur 193 Akteure. Schön wär’s. Es gibt 6,5 Mrd auf dieser Welt. Ein Beschluss wäre daher nicht viel wert.

    Interessant ist dein Widerspruch zur Lissabon-Frage. Einerseits sagst du „forget Monsterkongresse a la Kopenhagen, die Einstimmigkeit verlangen“, andererseits gehst du beim Monsterstaat EU (von dir einst als supranationalistisch tituliert) in die andere Richtung und verlangst den Zwang der Mehrheit über die Minderheit.

    Dieser Zwang führt glücklicherweise nicht unbedingt zu mehr Beschlüssen (im Sinne der Mehrheit).

    Lissabon könnte durchaus dazu führen, dass es weniger Beschlussfassungen im Rat gibt, weil eine Gegenstimme weniger Bedeutung hat und somit leichter fällt. Ein Veto im Rat gilt ja praktisch als Verrat an der europäischen Sache.
    Wollen wir es hoffen, dass der Plan der EU per Lissabon ihre finsteren Machenschaften zu beschleunigen, somit nach hinten losgeht.

    „Biologisch hergestellte Lebensmittel sind kein Problem sndern gesuender und schmecken besser.“

    Biologisch hergestellte Lebensmittel sind nicht nachweislich gesünder und niemand schmeckt einen Unterschied bei Blindverkostungen. Sog. biologische Lebensmittel können in der Herstellung durchaus mehr fossile Energie verbrauchen als möglichst effizient hergestellte. Bei Milch habe ich eine derartige Berechnung gesehen. Dass Ökoprodukte, als die Ölpreise anstiegen, ebenfalls tw. überproportional teurer wurden, ist ein guter Hinweis darauf.
    Was der Ökobauer beispielsweise nicht an Öl in Form von Kunstdünger auf den Acker kippt, muss er in den Tank des Traktors kippen um die größeren Flächen zu pflügen, die er benötigt um den gleichen Ertrag zu erwirtschaften, wie der Profit maximierende und Ressourcenverbrauch minimierende Bauer.

    Nun, wenn das Öl wieder teuer wird, entweder von selber, oder per Ökosteuer, dann wird der Markt von selbst erweisen, ob und in welchen Fällen sog. biologische Lebensmittel besser für das Klima sind.

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  5. Bevölkerungszahlen reduzieren … … statt nur immer am CO2 herumreiten? Wir diskutieren ewig um CO2-Reduktion, reduzierten Footprint, …. warum wird nicht ebenso intensiv und konstruktiv über die Reduktion der Weltbevölkerungszahl diskutiert? Ist das Bevölkerungswachstum nicht primär das Problem? Weniger Menschen auf der Erde = weniger Ressourcenverbrauch … Sollte man da nicht beginnen zu bremsen? Der CO2-Ausstoß wird dann automatisch geringer. Ebenso der Verbrauch an anderen Rohstoffen, der Flächenbedarf usw.

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  6. Förderungen Alles schön und gut, nur gerade Österreich verhält sich was den Klimaschutz oder besser gesagt die Förderung von Klimaneutralen und/oder CO2-senkenden Maßnahmen betrifft mehr als schlecht. Jeder der schonmal um eine Förderung angesucht hat, weiß wovon ich spreche. Unzählige Hürden werden einem in den Weg gelegt.

    Und weshalb werden meist nur Kredite gefördert? Und weshalb sind Kontingente so schnell erschöpft? Ahh, versteh schon – Klimaschutz sowie Bildung sind ja nicht „Systemrelevant“, Banken schon…

    Fakt ist, dass wir uns weltweit das geforderte Leisten könnten und im Endeffekt davon auch profitieren würden, nur passieren tut zu wenig. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt.

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  7. Solange man Unternehmen nicht verpflichtet bestimmte Kriterien einzuhalten, um klimafreundlich zu produzieren, wird sich da nichts ändern!
    Das wäre eigentlich ein viel wichtigeres Ziel, als irgendwelche Reduktionsziele zu definieren, die eh nie eingehalten werden.
    So wie bei der Glühbirne müssten eben auch andere Wirtschaftszweige mit Kriterien belegt werden.

    Die EU könnte da den Anfang machen. Auch ein Import-Verbot von China-Ware, etc. würde da weiterhelfen. Schließlich dürfen Gesundheitsgefährliche Produkte auch nicht importiert werden. Man könnte somit auch Umweltgefährdende Produkte z.B. mit Strafzöllen oder Einfuhrverbot belegen.
    Zusätzlich müsste die EU aber Vorreiter im Einsatz von erneuerbaren Energiequellen, von 0-Energiehäusern, … sein, damit sie auch glaubwürdig ist.

    Ein gemeinsames Verhandlungsziel ist meiner Meinung gar nicht notwendig. Es muss nur einer der Industrieländer das vorantreiben.

    Noch dazu war es ja eigentlich eine Frechheit die Schwellenländer usw. für das Abschlusspapier auszugrenzen!!! Da ist zurecht von Diktatur der Industrieländer gesprochen worden!

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  8. In Bezug auf den Einfluss von Konzernen, sei gesagt: Die EU hat auch Microsoft Parole bieten können.
    Warum sollte sie das nicht vor anderen Konzernen tun.
    Man soll nicht vergessen, dass die Industrieländer die größten Absatzmärkte für diese Konzerne sind, und damit auch viel abhängiger als es die EU ist.

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  9. Elektroautos als CO2-Sünder http://help.orf.at/?story=9737

    ob das so einfach anhand diesem einem Beispiel aufhängbar ist, ist einfach fraglich.
    Aber generell habe ich schon öfters falsche Aussagen auf help.orf. gelesen, wo ich wirklich das zu 100% wusste. Dabei sollte der ORF ein Bildungssender sein. Ich finde ihn extrem oberflächlich und fälschlich, gerade was auch die Klimaberichtserstattungen anbelangt.

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  10. Ich finde das sowieso schwaschsinn, hier in Deutschland wir schon fleißig investiert in neue Technologien und umgerüstet auf Umweltbewusste Technologien währen in anderen Länder noch nichtmal das grundliegendste gemacht wird wie z.B. ein Kat am Auto usw. was z.B. in China viel ausmachen würde. Aber was will man den erwarten jeder denkt an erste Stelle an Sich und an zweiter Stelle an Geld, dsa sieht man besonders bei Politiker. Ich könnte noch Stunden darüber schreiben, aber ich lass es lieber sien. Ich sag nur auf dieser Welt leben wir alle zusammen, und wenn diese Welt zugrunde geht betrifft das uns alle. Ich hoffe das wird denen mal klar.

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  11. Jeder kann einen Beitrag leisten … … habe ich mir gedacht. Diese Idee, gepaart mit der Unzufriedenheit bei meinem alljährlichen Holzpelletseinkauf hat mich dazu bewegt, die Plattform http://www.pilexa.com zu gründen.

    Nun, nach 4 Monaten des Onlinedaseins, gibt es rund 100 Besucher täglich. Das bedeutet dann wohl, dass es die Verstrickung von Internet und Erneuerbarer Energie wohl gebraucht hat. Mal sehen, ob dadurch der Markt auch ein bisschen mehr Schwung bekommt.

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