something went wrong, terribly wrong

Gestern hat es mich „aus den Socken gehaut“.
Niemals hätte ich gedacht, daß in der wohlhabenden, friedlichen und weitgehend toleranten Schweiz eine klare Mehrheit für das Minarettverbot stimmt.
Nahezu alle Parteien, Kirchen, Medien waren dagegen.
Klar: Es wäre verfassungswidrig, menschenrechtswidrig (Religionsfreiheit), politisch total vertrottelt (da es die Fundis auf der Seite Nahrung gibt), einen sinnlosen Religionskonflikt schürt, ja und letztlich:
Total gegen die wirtschaftliche Interessen der Schweiz gerichtet ist, da viel Geld aus arabischen Ländern auf schweizer Bankkonten liegt.
Und da die Schweizer jedenfalls eins sind, nämlich geschäftstüchtig, kann dieses Minarettverbot doch nur abgelehnt werden.
Und jetzt das: Hohe Wahlbeteiligung und ein klares JA.
Selten lag ich mit einer Einschätzung so daneben.
Die Auswirkungen dieser Entscheidung in ganz Europa sowie in der arabischen Welt können gar nicht groß genug eingeschätzt werden.
Viele Fragen sind zu diskutieren.
Natürlich auch jene über die Grenzen direkter Demokratie, jedenfalls dort, wo es Minderheitsrechte betrifft.
Heute gehts mir aber v.a. um eins:
Darüber nachzudenken, was wir falsch machen.
Offensichtlich total falsch machen.
Mit „wir“ meine ich jenen Menschenschlag, der für ein weitgehend konfliktarmes Mit-und Nebeneinander verschiedener Kulturen eintritt, der Einwanderung als bereichernd und unausweichlich betrachtet, und Xenophobie bekämpft, wo sie nur auftritt.
Offensichtlich gibt es eine tiefsitzende ANGST vor DEM Islam.
Da können wir tausendmal erklären, das es DEN Islam gar nicht gibt, dass dieser ebenso vielschichtig ist, wie andere Religonen, dass viele Islamgläubige auch bei uns für eine Trennung von Kirche und Staat eintreten, überzeugt gegen die Scharia sind, bla, bla, bla…
Das machen wir seit Jahren, und was ist das Ergebnis:
Siehe gestern.
Angst sitzt tief, sehr tief
Angst wovor, müssen wir uns fragen?
Vor Verlust der Identität?
Verlust dessen, was man als „Heimat“ versteht?
Wenn rationale Argumente nicht reichen, was dann?
Streiten mit den Ängstlichen?
Empathie?
Jedenfalls: So einfach zur Tagesordnung übergehen wäre grundfalsch.
Gestern waren es „nur“ die Minarette.
Morgen kann es alles Mögliche sein.
Apartheid hatte auch lange die Mehrheit unter der weißen Bevölkerung.
„Something went wrong, terribly wrong“
Die Schuld bei den anderen suchen ist immer leicht.
v.a.: Demagogen wird es immer geben.
Was haben „wir“ falsch gemacht?
Und deswegen: Was müssen „wir“ anders machen?
Heute v.a. Fragen.
Wagt jemand erste Antworten?

19 Gedanken zu “something went wrong, terribly wrong

  1. MInderheitenrechte Ich glaube die wichtigste Frage wirft nur noch mehr Fragen auf: Wie konnte in der Schweiz von einer Mehrheit über Minderheitenrechte enschieden werden?

    Liken

  2. Ich wage eine erste Antwort Ich habe mir bevor die Abstimmung zu Ende war oft gedacht, dass sie wohl dem Vorschlag zustimmen werden, die Schweizer. Warum? Weil es sich ähnlich verhält wie bei Umfragen betreffend der FPÖ – keiner will zugeben, dass er/sie diese Partei wählt und tut es in der Wahlzelle doch, aus den verschiedensten Motiven.

    Als gestern dann das Ergebnis der Abstimmung in den Medien verbreitet wurde, habe ich mich bloß darüber gewundert, dass von den jeweiligen Seiten immer wieder die erwarteten Reaktionen kamen. Von rechts Genugtuung, von Links die große Empörung, Angewidersein, Scham.

    Nun, ich denke, dass dies alles am Ergebnis vorbeizielt, da es eines nicht berücksichtigt: diese große Angst vor dem Islam ist de facto da! In den Bevölkerungen der westlichen Länder, in Österreich und Deutschland genauso wie in der Schweiz. Und es ist m.E. nach fatal, wenn man den Leuten nicht die Gelegenheit gibt, diese Ängste zu artikulieren. Entweder sie werden dann ins rechte Eck gestellt oder eben völlig ignoiert und mit einem Bann belegt. Ich las gestern Kommentare wie „ich schäme mich für die Schweiz“ – ganz ehrlich, ich glaube auch in Österreich würde eine derartige Abstimmung durchgehen, du erinnerst dich sicher an das Ausländervolksbegehren.

    Meine Lösung? Es hat schon der Kommentar des deutschen Thilo Sarrazin gezeigt, dass dieses Thema Sprengstoff birgt. Es wäre fatal, wenn man sich noch länger hinter dieser Totschweigehaltung verbirgt. GERADE die Linke sollte sich dieses Themas annehmen und zwar in realistischer und sachlicher Weise. Fakten auf den Tisch und niemandem den Mund verbieten, wenn es darum geht Ängste zu ergründen und zu artikulieren. Jemanden einen Rassisten schimpfen ist leicht, es geht darum diese Rassisten wieder in die Mitte zu holen. Dieses Thema darf nicht der FPÖ überlassen werden, ÖVP und SPÖ fischen ohnehin schon im rechten Teich. Aber es wäre fatal, wenn man die Augen verschließt und weiterhin von einer kunterbunten, lustigen Welt träumt, in der sich alle lieb haben. Das wird den Grünen am meisten angekreidet, immer wieder höre ich im Bezug auf sie die Worte realitätsfremd. Es gibt Probleme, aber man sollte sie endlich auch auf der Linken sachlich und ernsthaft behandeln.

    Liken

  3. Kirche dagegen? Die Kirchen mögen vielleicht dagegen gewesen sein. Die Gläubigen waren jedenfalls großteils dafür. Die Schweiz ist zu 80% christlich.

    Groß kann die Mobilisierung der Kirchen gegen das Minarettverbot jedenfalls nicht gewesen sein.

    Liken

  4. Verfassungsdurchbrechung Es gibt noch einen Aspekt: Die Verfassung eines Landes, die zulässt, dass sich Verfassungsbestimmungen untereinander widersprechen. (Denn ja auch die Europäische Menschenrechtskonvention, gegen die das Minarettverbot verstößt, steht in der Schweiz in Verfassungsrang.)

    Das Thema ist auch für uns sehr relevant, denn im Gegensatz zu Deutschland und den USA ist das auch bei uns möglich. Und im Gegensatz zur Schweiz ist das bei uns Alltag.

    Mir stinkt das ganz massiv, denn das heißt dass die Politik in schlechter Verfassung ist. Ich hab mich gestern mal hingesetzt und der Wikipedia diesen Artikel spendiert – vielleicht trägt’s ja zur Meinungsbildung bei: http://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungsdurchbrechung

    Liken

  5. Ich wiederhole mich hier zum gefühlten 2.000. mal, schreibe es aber gerne noch einmal:

    Ich war so lange glühender Multikulti-Anhänger und Internationalist, bis ich in meinem Haus der einzige Österreicher war und rundherum nur noch von Kaftanen, Kopftüchern und anderen Vermummungen umgeben war. Selbst kleine Mädchen laufen hier im 2. Wiener Gemeindebezirk tief verschleiert herum. Wer das als „Bereicherung“ empfindet hat meiner Meinung nach einen Vollknall.

    Ich will als schwuler Mann nicht von Menschen umgeben sein, deren Polit-Religion allem widerspricht, was mir wichtig ist:

    – Gleichberechtigung von Frauen und Männern
    – Gleichstellung Homo,- Trans-, Bi- und Heterosexueller
    – Freiheit der Religion aber auch Freiheit von Religion
    – ein freies, selbstbestimmtes Leben

    Ich möchte auf der Strasse nicht länger von muslimischen Jugendlichen umzingelt und angepöbelt werden, wenn ich mit meinem Mann Hand in Hand spaziere!

    Ich kann nicht gleichzeitig für Vielfalt und Diversität sein und andererseits Ideologien tolerieren, die Menschen in wertvolle „Gläubige“ und weniger wertvolle „Ungläubige“ einteilen.

    Ich kann nicht für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sein und gleichzeitig die Geschlechter-Apartheid des Islam schön reden.

    Das geht einfach nicht zusammen!

    Ich versteh es einfach nicht, wie jene, die sich sonst so sehr für Gender Mainstreaming und Diversity Management einsetzen, vor dieser rückschrittlichen, frauen- und menschenverachtenden Ideologie aus der Wüste des 7. Jahrhunderts so einknicken können.

    Liken

  6. Ich bin zwar gegen das Minarettverbot. Sich aber über die Reaktion der arabischen Welt gedanken zu machen ist einigermaßen seltsam. Weil das arabische Land, in dem ein Krichturm errichtet werden kann wurde bisher noch nicht entdeckt.

    Liken

  7. Mein Senf Versuch einer Antwort

    Was bei uns „falsch“ läuft: Die FPÖ hat Narrenfreiheit und kann behaupten was sie will. So auch bei ihrer Hetze gegen den Islam. Österreichs unkritische Medienlandschaft läßt diese Hassparolen quasi ungefiltert und unkommentiert durch (vor allem die Krone) und trichtert diese „Informationen“ den Menschen ein (bei denen „kritisch Hinterfragen“ ohnehin ein Fremdwort ist).
    Und die Politik sieht dem Treiben schon ewig mehr oder weniger sprach- und tatenlos zu. Somit tummeln sich in den Köpfen der Österreicher haufenweise Halbwahrheiten, Lügengeschichten und Falschinformationen – genährt durch diverse Parteien und Personen. Alles in allem ein Zustand zum Kotzen!

    Was getan werden muss: (Positive) Informationspolitik, den Bürgern entsprechende Werte vermitteln (beispielsweise diesen Artikel hier) und den Islam darstellen, als was er ist – eine Religion wie andere auch. Jahrelange (bzw. Jahrzehntelange) Aufklärungsarbeit ist dafür nötig, welche schon im Schulunterricht beginnen muss.

    Das Problem: Wie soll das in Österreich geschehen? Es fehlt die schillernde, medienwirksame Figur aus dem linken Lager. HC hat quasi keine Konkurrenz – weshalb? Und über die Einstellung von Krone & Co. braucht man ohnehin nichts mehr zu sagen. Was hinzukommt ist die große Politik(er)verdrossenheit mit der Einstellung „Denen glaub ich gar nix mehr“. Selbst wenn uns SPÖVP/Grüne etc. reinen Wein einschenken, was Islam usw. betrifft – dies wird nicht gehört und von den Medien auch nicht in entsprechendem Ausmaß wiedergegeben. Gegen den Islam zu hetzen ist eben viel einfacher – Only bad news are good news sozusagen.

    Und es geht auch darum, den Menschen genau auch folgendes klarzumachen: „Es wäre verfassungswidrig, menschenrechtswidrig (Religionsfreiheit), politisch total vertrottelt (da es die Fundis auf der Seite Nahrung gibt), einen sinnlosen Religionskonflikt schürt, ja und letztlich: Total gegen die wirtschaftliche Interessen der Schweiz gerichtet ist, da viel Geld aus arabischen Ländern auf schweizer Bankkonten liegt.“

    -> Man muss die Menschen auch über die Folgen ihres Handelns (in dem Fall eben die Volksabstimmung) informieren.

    Wie man diese Informationen letztendlich in die Köpfe der ÖstereicherInnen bringt – keine Ahnung. Preis der Kronenzeitung verdreifachen; Standard+Presse gratis an alle Haushalte…

    Liken

  8. @cc:
    *** Und was ist, wenn du Unrecht hast? ***
    Vielleicht wird die Überzeugungskraft des „rationalen“ Menschenschlags deshalb nicht, weil die Argumente gar nicht so rational und schon gar nicht empirisch belegt sind? Was ist mit den vielen Islamgläubigen, die sich in Umfragen sehr wohl für die Scharia aussprechen?

    Auch, wenn die Gefahr einer Islamisierung nur 10% beträgt, sollten wir da nicht auf Nummer Sicher gehen? In der Frage der globalen Erwärmung dürfen wir ja auch nicht nur die Wahrscheinlickeit des Eintretens eines Szenarios betrachten, sondern müssen sie mit den jeweiligen Kosten des Szenarios multiplizieren.

    *** Islam-Apolegetik auf dem Rückzug ***
    Noch vor wenigen Jahren war der Grundtenor der rationalen Meinungseliten, dass der Islam eine Religion der Wissenschaft, des Friedens und der Toleranz sei. Damals gab es DEN Islam sehr wohl. Nachdem diese Auffassung historisch, als auch zeitgeschichtlich nicht haltbar war, wird nun dem Islam seine Natur abgesprochen. DEN Katholizismus gibt es eigenartigerweise aber sehr wohl.
    Welche relevante islamische Rechtsschule oder Sekte kennt denn die Gleichberechtigung von Frau und Mann, das Verbot von Körperstrafen, die Trennung von Religion und Staat oder die Gleichbehandlung von Ungläubigen?

    *** Utilitarismus oder Deontologie? ***
    Die meisten Moscheevereine werden von fremden Staaten oder Monarchen bezahlt und geleitet. Wo bleibt da die Trennung von Religion und Staat? Ein Verbot dieser Praxis wäre also rechtlich wesentlich prinzipientreuer, als ein Minarett-Verbot. Dem Scharia-Banking in der Schweiz würde ein solches aber noch stärker schädigen.
    Ist die Kritik am Minarett-Verbot nun eine Frage des Prinzips oder des Utilitarismus? Oder suchst du dir nur bedarfslogisch die „rationalen“ Argumente zusammen?

    *** Sein und Bewusstsein ***
    Dass die Eliten hier einmal völlig neben der Volksmeinung stehen, wundert mich nicht. Ein Banker, der von Scharia-Produkten profitieren wird, wird wohl kaum zum Minarett-Verbot tendieren. Und bei dir cc, sieht es ja auch nicht viel anders aus. Wärst du als Grün-Politiker überhaupt überzeugungsfähig? Wenn du für eine andere Meinung eintreten würdest, wäre deine politische Karriere bei den Grünen beendet.
    Der Durchschnittsbürger ist hingegen wesentlich freier in seinem Sein als auch seinem Bewusstsein, als ein etablierter Politiker, hochrangiger Beamter, Journalist oder Wirtschaftstreibender.

    *** Was tun? ***
    Hinter dem grobschlächtigen Minarett-Verbot steht im wesentlichen die Botschaft „Wir haben hier das sagen.“ durch das Schweizer Volk.
    Wenn den Eliten diese Lösung nicht passt, dann müssen sie andere anbieten. Sie müssen klar aussprechen, dass sie eine Islamisierung niemals zulassen werden und bessere Maßnahmen überlegen, die das bewerkstelligen können.

    Liken

  9. Gar nichts ist falsch gegangen. Alles geht seinen natürlichen Weg der Eskalation und des Wegschauens, bis es zum Knall kommt.
    Ob das beim Nationalsozialismus so war, oder beim Enron-Skandal – immer gab es untrügliche Anzeichen, dass etwas auf eine Kulmination zusteuert, die nicht gut war.
    Die Menschen glauben an die Katastrophe erst dann, wenn sie passiert ist. Mangel an Vorstellungsvermögen, Sensationslust, mangelndes Selbstbewusstsein, wer weiß?
    Die einen glauben an eine Klimakatastrophe. Die anderen halten es für eine Geschäftemacherei von Krisenpropheten. Bevor nicht ernsthaft das Öl ausgeht, bevor nicht die ersten Eisberge in der Arktis abbrechen, gibt es keine Katastrophe.

    Dass die Menschen kein Gefühl für die Trägheit haben, bestätigt sich in kleineren Unfällen, wenn der Bremsweg nicht ausgereicht hat. (Bildlich und wörtlich)

    Etwas falsch machen? Ich gebe ein ganz kurzes Beispiel: ich glaube z.B., dass Peter Pilz wirklich viel arbeitet, dass er als Politiker viel arbeitet und in vielem Recht hat. Wenn er jetzt davon spricht, dass sich Pröll drückt, mag das vielleicht sogar richtig sein. Doch es ist falsch (sage ich jetzt einmal ganz plump), von einer kurzfristigen Flucht zu sprechen, weil die Optik des Anlasses einfach in diesem Fall für Pröll spricht. Daher erscheint der Anwurf von Pilz nur zweckdienlich. Oder wenn Eva Glawischnig auf einem Wahlplakat mit „gleiches Recht für alle – Vorfahrt für die Frau“ zitiert wird, dann ist das der falsche Ton. Und leider gerade ein polarisierender Tonfall, der – so leid es mir tut – genau zur Sprache derjenigen gehört, die auf anderer Seite für ein Minarettverbot eintreten.
    Bitte das nicht als „Grün“-Bashing zu verstehen. Das ist in anderen Parteien teilweise noch viel schlimmer. Die Frage ist allerdings dann die, nicht was machen „wir“ mit einer impliziten Bezeichnung der Grünen, der Intellektuellen, der Versöhnlichen, der Nicht-Xenophilen falsch, sondern was machen „wir“, die Politiker falsch.
    Und darauf gibt es nur eine Antwort (mit ganz wenigen Ausnahmen): ihr gebt kein gutes Beispiel.

    Die Frage nach den Ausnahmen beantworte ich einmal so: (Mock, Van der Bellen, und auch Feymann. Ein paar noch, aber zehn bringe ich nicht zusammen.)

    Liken

  10. Hintreten Es gibt viele gute Gründe, die Mehrheit nicht über Minderheitenrechte abstimmen zu lassen. Im schweizer System ist das offenbar möglich – ein Glück, dass unser Staatssystem besser konstruiert ist.

    Ich glaub das ist ein ganz typischer Fall von Hass auf „das Andere“. Und gerade jetzt, wo es vielen Menschen schlecht geht, ist es ihnen angenehm, auf jemanden hintreten können, dem es noch schlechter geht. Eines zeigt die Diskussion jedenfalls: es geht nicht um Minarette. Die sind nur ein Symbol, und Rechtspopulisten sind im Umgang mit Symbolen bekanntlich sehr geschickt (bzw. das ist das Einzige, was sie interessiert).

    Wir haben Krise, den Menschen geht es schlecht. Die Moslem, finanziell schlecht gestellt, sind zwar nicht Ursache, aber Bild dieses Abstiegs – und indem man sie tritt, verusucht man sich gegen den eigenen Abstieg zu wehren, oder zumindest dafür zu sorgen, dass es „noch weiter unten“ auch noch wen gibt.

    Ich bin zwar kein Schweizer, aber zumindest Mensch. Und als solcher bin ich beschämt. Traurig und beschämt. Der Menschheit wird durch das Ergebnis der schweizer Abstimmung kein gutes Zeugnis ausgestellt.

    Liken

  11. Orientierung „Wir“ müssen klar artikulieren, dass wir uns nicht an Staaten wie Saudi-Arabien orientieren wollen. Auch wenn Christen in einigen islamischen Ländern diskriminiert werden, so sind wir stolz darauf, dass der Islam in Österreich schon seit 1912 eine anerkannte Religionsgemeinschaft ist.
    Einige Fakten:
    * In Istanbul stehen 200 Kirchen (mit Kirchturm) für 50.000 Christen. In Wien gibt es nur eine Moschee (mit Minarett) für 350.000 Muslime.
    * Europa hat ein reiches islamisches Erbe. (Grundlagen moderner Wissenschaften, einzigartige Monumente islamischer Architektur in Andalusien, Sizilien und am Balkan, sprachlicher Einfluss, etc)
    Ein laizistischer Staat darf keinen „Glaubenskrieg“ führen.

    Liken

  12. Dramatisierung Was „ihr“ falsch macht?

    Na, z.B.: diese ewige Dramatisierung von ganz einfachen Vorgängen…Die Schweizer wollen nicht, dass in ihrem Land Minarette gebaut werden. Na und? So what? Die Mehrheit der Österreicher will das sicher auch nicht so wirklich, einem großen Teil der Menschen ist es wahrscheinlich eher wurscht, und wenn man die Deutschen oder Franzosen zu diesem Thema konkret frgaen würde, würde man wahrscheinlich auch eher auf Ablehnung stoßen…spekulativ, aber wahrscheinlich. Und das ist ja auch ziemlich normal und nachvollziehbar. Beim Standard hat einer ja so schön gepostet:“Religion ist eine kollektive Psychose die natürlich danach trachtet sich möglichst weit auszubreiten um die Realitätsflucht zu maximieren. Deshalb k a n n Religion niemals Privatsache sein, wie so oft behauptet oder gefordert wird.“

    Fragt mich, oder „die Österreicher“, „die Deutschen“, von mir aus nocheinmal „die SChweizer“, ob sie wollen, dass viele Shinto-Tempel in dem jeweiligem Land gebaut werden, oder viele Hindu-Schreine. Die Wahrscheinliche Antwort?…Nein. Nein, danke, muss nicht unbedingt sein.

    Also ist doch völlig normal, und gar nicht so beängstigend. Die Menschen haben vielleicht gar nicht so eine Angst (sorry, dass ich’s nicht fett und in Großbuchstaben geschrieben habe ;), sondern sie wollen es einfach nicht.
    Habt „ihr“ Euch das schon mal überlegt?

    Und vielleicht sind sie deswegen auch gar keine Nazis? Huch, oh Schreck! Vielleicht, sollte man speziell in Österreich und in Deutschland, und jetzt weiß schon jeder was gemeint ist….das Ganze mit dem Nationalen nicht mehr ganz so eng sehen. Und nein, ich bin kein versteckter Revisionist, oder Hitler’s 3. Enkel, und ich zerre das Ganze auch nicht ins Lächerliche, um es über die Hintertür salonfähig zu machen.
    Ich bin auch nicht übermäßig stolz darauf ein Ösi zu sein, ich mag‘ es manchmal „Wiener“ zu sein, denn da klingt so etwas mit, ein bissl was Böses, ein bissl was Habsburgerisches, was Großes, was jetzt ganz klein geworden ist, aber stolz darauf irgendwo geboren worden zu sein? Geht das überhaupt?
    Gut, ich bin froh in Österreich geboren zu sein…gepflegte Wälder, klares Süßwasser überall, seit mehr als einer Generation kein Krieg, Sozialtransfers, garantierte Pensionen…uuups…lol…, aber Stolz kann man das nicht nennen.

    Auf ganz natürliche und gesunde Art fühle ich mich aber den anderen Österreichern irgendwie verbunden. Den Wienern mehr, weil näher, und dann in Abstufungen, Restösterreich. Warum? Hmmm…ist eher so ein Gefühl…wahrscheinlich weil wir die letzten Jahre, Jahrzehnte muss man sagen, dieselben Regierungen ertragen haben, die selben Fernsehnachrichten gesehen haben, den selben Gesetzen ausgeliefert waren, die christliche Religion samt ihrer Amtskirche begonnen haben, mit sehr kritischen Augen zu sehen, in den Schulen und anderen Erziehungsanstalten des Staates Österreich, die selben Geschichten, und auch die selbe Geschichte (Historie) gehört haben, von den Medien auf ein bestimmtes Österreichbild geeicht worden sind,…. na, selber Kulturkreis halt.
    „Wir“.
    Wir Österreicher.
    Und wir wollen nicht, dass noch sehr viele Moscheen samt Minaretten, in unserem Land gebaut werden.
    Völlig normal. Da muss man nicht aufspringen und „wehret den Anfängen“ schreien, und schon die brennenden Türkenghettos an die Wand malen, denn die Türken, bei uns in Europa, die werden sich schon zu wehren wissen, und dann werden halt noch einige Moscheen gebaut, und irgendwann wird es sich einpendeln, und ganz irgendwann wird diese Zeit, in der viele (Achtung!, jetzt muss ich mich bemühen nichts missverständliches, politisch unkorrektes zu schreiben) Menschen mit muslimischer Religion nach Europa kamen und hier friedlich sesshaft wurden, und ein Großteil der bereits ansässigen Bevölkerung offenen Herzens und stolz auf ihr eigenes Land, ihre eigene, mühsam errungene Kultur, sich aber auch der Schwächen des eigenen Systems bewußt, auf die Fremden zugegangen ist, und sie möglichst gerecht, nach bewährten und bestehenden Regeln,aufgenommen hat, ja,ja, bla, bla…usw…, ein Teil der kulturellen Identität nachkommender Generationen sein.

    Wird’s nicht spielen?
    …weiß nicht…aber was ich weiß ist, dass viele „normale“ Menschen, das tuntenhafte Auszucken der „Elite“, bei völlig nachvollziehbaren (politischen, eher sozialen, kulturellen) Vorgängen, einfach schon langweilig und nachgeradezu ein bisserl lächerlich finden.

    Nicht’s für ungut, man könnte sich ja noch ewig weiterverbreitern, über das, was die Anderen so alles falsch machen. :), aber soweit, sogut…

    lG, Axel

    Liken

  13. Ich kann zwar keine Antwort auf diese sehr schwierige Frage geben, aber ich möchte kurz schildern, wie es sich wo anders auf der Welt abspielt. An einem Ort, wo wir Europäer sehr selten hinsehen, es aber vielleicht manchmal öfter sollten. Diesen Ort habe ich zu meiner neuen Heimat erklärt, weil ich es in Österreich einfach nicht mehr aushalte – diese „Kleinkariertheit“. Ich spreche von Kanada, um genau zu sein, Montréal, einer der multikulturellsten Städte, in der ich jemals war. Ich lebe hier erst seit 8 Monaten, packte also kurz nach meiner Matura meine Sachen und zog hierher. Jetzt möchte ich alles daran setzten zu bleiben – und zwar ganz. Was ich bis jetzt mitbekommen habe von der Lebensweise der Québecois und überhaupt vom allgemeinen Umgang miteinander (ich spreche jetzt weniger von der Staatspolitik, die hier leider auch nicht zufriedenstellend ist): In all der Zeit, in der ich hier war, kamen mir keine einzigen rassistischen Bemerkungen, Gewalttaten oder dergleichen unter. Auch hier gibt es viele Moslems und auch hier gibt es Probleme, aber es wird einfach immer alles ausgesprochen, es ist offen und, was meiner Meinung nach das Wichtigste ist: ALLE Menschen, egal welcher Religion oder Kultur, halten wenn es hart auf hart kommt zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Es wird kein „Sündenbock“ gesucht oder Tatsachen einfach abgestritten, sondern es werden in den meisten Fällen wirklich versucht klare Lösungen zu finden.

    Ich weiß leider wirklich nicht, warum so etwas in Österreich nicht funktioniert, wage also zu raten: Es liegt an unserer Geschichte (dies hindert uns aber keineswegs daran zu handeln – denn das ist das einzig Sinnvolle!). Aber wie? Das ist die Frage, und vor allem: Was kann der Einzelne tun? – denn darum geht es.

    Was also eine Lösung für Österreich anbelangt, muss ich ganz offen und ehrlich sagen: Da bin ich leider überfragt… Ich wüsste selber gerne eine Antwort, habe diese aber nicht gefunden, darum bin ich am Auswandern.
    Doch eine Antwort, eine etwas sarkastische (nehmen Sie sie also bitte mit Humor :-)): „Leute, warum geht ihr nicht nach Kanada?“

    Liken

  14. Möglicherweise sollte die Frage …. in umgekehrter Richtung gestellt werden?

    Ein Beispiel:
    Er tat, was ein Fernsehsprecher eben tut und wurde wegen Hexerei zum Tode verurteilt. Ali Sibat wurde im November letzten Jahres in Saudi Arabien verhaftet, weil er als Sprecher im libanesischen Fernsehen Dinge sagte, die der Religionspolizei missfielen. Die Begründung des Gerichts: Ali Sibat gab generelle Ratschläge über das Leben und machte Zukunftsvorhersagen, die als Hexerei bezeichnet werden können. Das Urteil des Gerichts: Todesstrafe.
    Steinigung von Ehebrechern oder Hexenverfolgung: Wo die Scharia, das islamische Recht gilt, regiert das Mittelalter.
    „Die Saudi-Arabischen-Gerichte rechtfertigen ihre Hexenjagd mit religiösen Motiven,“ berichtet Sarah Leah Whitson, Direktorin bei Human Rights Watch für den mittleren Osten.

    [Quelle]

    Solange solche Fälle, die – ohne einen sofortigen Aufschrei der sogenannten „gemäßigten“ Muslime zu provozieren – durch die Presse gehen, wird man wohl kaum auf eine ’neutrale‘ Betrachtung des Islam und der ihm innewohnenden weltlichen Gesetzgebung hoffen können.

    Ich meine daher, daß es die Aufgabe der Muslime ist ihr Religionsverständnis dem Fortschritt von Wissenschaft und Kultur des 21. Jahrhunderts anzupassen (so, wie es die ‚christlichen‘ Religionen ansatzweise gemacht / geschafft haben.)

    Noch besser fände ich es allerdings, wenn jedwede Form von Religion bzw. jedweder Einfluß von Religionen aus politischen Entscheidungen herausgehalten würde:
    Nicht nur in muslimischen Ländern hat die Verquickung von weltlichen und religiösen Einflüssen fatale Folgen ….

    *edit*
    Es mögen immer nur eine Handvoll Muslime sein die ‚Extreme‘ vertreten, das mag auch ‚ungefährlich‘ erscheinen wenn man die große Zahl der weltweit vorhandenen Islamgläubigen sieht – aber die Vergangenheit hat doch sehr deutlich gezeigt (Bsp. Iran, Bsp. Afghanistan), daß es genau diese extrem denkenden (und handelnden!) Vetreter des Islam sind die die Massen beherrschen und damit Richtung und Ziele ‚vorgeben‘ – davor die Augen zu verschließen und auf ‚die gemässigten Massen‘ zu hoffen ist – gelinde gesagt – weltfremd.

    Liken

  15. Religionskonflikt? Wenn man für sich eine tolerante und reflektierte Position in dieser Welt reklamiert, ist es (wie man anhand der Postings sieht) durchaus schwierig, in all die aufkommenden Gefühle und Gedanken Ordnung zu bringen. Hier ein Versuch einer Analyse:
    1.) Nur als Statement vorangestellt: es ist prinzipiell schwierig, sich einem Themenbereich anzunähern, in dem von der Rechten schon so viel Porzellan zerschlagen wurde. Hier kommt die Angst auf, in das gleiche, rechte Eck gestellt zu werden und man ist in seinen Gedanken nicht mehr so frei, wie man es sich wünschen würde.
    2.) Jetzt direkt zur Sache: wir stammen wir aus einem Kulturkreis (geprägt von der christlichen Religion), der nie wirklich tolerant mit anders Denkenden umgegangen ist. Hier haben wir die Aufgabe, diese kulturellen Schranken geistig zu überwinden.
    3.) Aber mit der offenkundigen Ablehnung von Muslimen, haben wir es meiner Meinung nach nicht vorrangig mit einem religiösen, sondern mit einem sozialen Problem zu tun. Die Muslime sind der Reibestein, weil sie erstens unter der Bevölkerungsschicht mit Migrationshintergrund einen hohen prozentuellen Anteil haben und zweitens durch ihre Symbole erkennbar werden (Kleidung und eben Gebäude).
    4.) Wenn wir bei dieser Auslegung bleiben, wird evident, dass wir nicht Angst vor einer fremden Religion haben, sondern Angst, die offensichtliche Armut dieser Menschen könnte uns mitreißen und auf die gleiche soziale Stufe stellen.
    5.) Dies kommt natürlich in Zeiten einer Depression (in einer solchen befinden wir uns) besonders zum Tragen.
    6.) Somit war (aus der Sicht der Initiatoren) der Zeitpunkt für die Volksabstimmung in der Schweiz perfekt gewählt.
    7.) Solange man die alltägliche Angst der Menschen, den Job zu verlieren und sozial abzusteigen oder sogar ganz vernichtet zu werden, weiter schürt (genau das passiert mit Horrormeldungen aus der Wirtschaft auf der einen und publizierten Terrordrohungen als Bedrohung des nackten Lebens auf der anderen Seite), braucht man sich nicht zu wundern, dass die Menschen beginnen zu differenzieren. „Fremde“ sind dann eine potentielle Gefahr und werden zunächst abgelehnt, dann bekämpft.
    8.) Hier wäre die Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik und einer verantwortungsvollen Berichterstattung, nicht alles sofort hysterisch hochzuspielen, sondern mit sachlichen Lagebeurteilungen und konkreten Lösungsvorschlägen den Menschen zu sagen, was gerade passiert und wie sie mit den Gegebenheiten am besten umgehen können.
    9.) Wenn ich mich aber umschaue in der Welt, kann ich leider nur zu dem Schluss kommen, dass genau dies nicht erwünscht ist. Eine panische, angeblich von allen Seiten bedrohte Herde, lässt sich offensichtlich leichter führen als eine starke, selbstbewusste.
    10.) Somit ist das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung ein logisches Resultat einer bewussten Politik.

    Liken

  16. Ich versuchs mal mit max 140 persönlichen Zeichen. Na gut: oder so.

    Ich kann meine beiden Töchter leider nicht in die Schule „um die Ecke“ geben, weil sie dort als einzige Ungetaufte unter bis zu 100% zumeist tiefgläubig erzogenen MuslimInnen sein würden. „Klosterschulen“ lehne ich aber grundsätzlich ab. Auch wenn sie öffentlich sind. Mit bis zu 100% internationalem Publikum habe ich aber keinerlei Problem. Auch nicht mit „mangelnden Deutschkenntnissen“. Sie sollen eh Sprachen lernen. Und jetzt fällts ihnen noch leicht. Und im Grunde kommts eh nur drauf an, sie unbeschadet bis zur Matura zu bringen. Alles was sie brauchen werden sie inner- und ausserhalb der Schule schon lernen…

    Damit trage ich also mit zum Entstehen einer „Parallelgesellschaft“ bei.

    Wenn wir in Europa für die Werte der Aufklärung stehen wollen dann müssen wir sie auch hochhalten. Und dürfen die Kinder nicht der religiösen Ideologie ihrer Eltern überlassen. Und vielleicht steht uns hier beim klaren Benennen das ambivalente Verhältnis zu unserer eigenen meist unüberwundenen religiösen Erziehungsgeschichte massiv im Weg…

    Liken

  17. Unbedingt lesen – Artikel bei Telepolis http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31635/1.html

    Aus dem Text: „Zunächst einmal ist meine ernüchternde Beobachtung, dass die Islamfeindlichkeit aus den Mainstream-Diskursen kommt und nicht vom Rand. Die medienkritische Arbeit von Irmgard Pinn in den 80er Jahren, meine Arbeit in den 90er Jahren, die von Kai Hafez und vielen anderen belegen, dass islamfeindliche Ressentiments zunächst subtil, dann offener bereits seit Jahrzehnten in unseren Medien gepflegt werden – manchmal einfach nur, indem man in die Auslandsberichterstattung islamische Symbolik einfließen lässt.“

    Und noch viel mehr.

    Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.