Klimaschutz: Gebäudesanierung – Verpflichtung kommt!

Für große politische Erfolge braucht man Geduld und Zähigkeit.
Heute darf ich endlich über einen berichten, auf den ich wirklich stolz bin.
Zufälligerweise grad rechtzeitig zur Kopenhagenkonferenz.
And that`s it:
Die Sanierung von Altbauten ist die billigste, klügste, effizienteste Maßnahme um (importierte fossile) Energie zu sparen, das Klima zu schützen und auch: Heizkosten zu sparen.
So weit, so bekannt und dennoch, bisher ging es schleppend voran.
Denn es gibt zwar Förderungen, aber nur für jene, die auch sanieren wollen.
Wer kein Interesse hat, mußte nicht.
Das hatte zur Folgen, daß die Sanierungrate in Wien in den letzen Jahren gesunken ist: Auf knapp 1% des Gebäudebestandes. Das ist viel zu wenig!
Dabei ist der technische Fortschritt bei der Sanierung beträchtlich.
Derzeit werden bereits bei jeder Sanierung, so sie durchgeführt wird im Durchschnitt 50% Energie eingespart. Dieser Wert lag noch vor einigen Jahren bei bloß 35%.
Hervorragende Beispiele wie dieses hier sind, weil Sanierungen bisher bloß freiwillig waren, leider allzu selten:
vorher:

nachher:

Nun verhandle ich seit zwei Jahren mit der SPÖ sowie den anderen Parteien die Fortschreibung des Wiener Klimaschutzprogramms (KLIP2), welches ab 2012 in Kraft treten soll.
Darin sind viele vernünftige Sachen, trotzdem bleibt es, v.a. was den Verkehr betrifft, deutlich hinter dem zurück, was möglich und notwendig wäre. Hier haben SP und wir ziemlich konträre Anschauungen.
Trotzdem: Viele Maßnahmen, die im KLIP stehen sind durchaus sinnvoll (deutliche Steigerung der Solarenergienutzung in Wien,, etc,…), und „nur“ ablehnen schien mir wenig nützlich.
So war meine Strategie: Ein grosser, wichtiger Punkt, der wirklich etwas ändert muß hinein.
Und der lautet: Verpflichtende thermische Althaussanierung,wenn die Energiekennzahlen schlecht sind.
Reaktion der Verhandlungspartner: Aufstöhnen.
Das gehe rechtlich nicht, denn hier habe Wien keine Kompetenz, außerdem sei es verfassungsrechtlich unmöglich, weil es das Eigentumsrecht verletze.
Mühsame weitere Verhandlungen: Wir einigten uns dann darauf einen Universitätsprofessor zu beauftragen, der dies klären solle.
Hier ist das Rechtsgutachten, es ist eindeutig:
rechtsgutachten_sanierung_geb_s (pdf)
Zuhilfe kam mir dann die deutsche Energiesparverordnung, die eine ähnliche Verpflichtung vorsieht.
Und so kam es dann doch.Auch in Wien.
Der Fairness wegen möchte ich anmerken, dass sich Umweltstadträtin Sima dann sehr bemüht hat,diesen so wichtigen Punkt auch wirklich aufzunehmen.
Konkret: Jedenfalls soll die einfachste Sanierungsmaßname, die Dämmung der obersten Geschoßdecke verpflichtend realisiert werden.
Eine weitere „Ausdehnung“ kann dannn folgen.
Noch im kommenden Jahr soll diese Verpflichtung in der Bauordnung verankert werden.
Wien ist dann das erste Bundesland, das eine solche Verpflichtung vorsieht.
Hoffentlich werden weitere folgen.
Konsequenz: lokale Wertschöpfung und Arbeitsplätze statt importiertem Öl oder Gas, geringere Heizkosten und weniger Emissionen.
Und das endlich verpflichtend.
Ist wirklich ein „big shot“.
Das Klip 2 wird am 18. Dez vom Gemeinderat beschlossen.

11 Gedanken zu “Klimaschutz: Gebäudesanierung – Verpflichtung kommt!

  1. immerhin mal gute neuigkeiten aus der politik, danke! bleibt zu hoffen, daß die eigentümer gleich freiwillig mehr machen… mal schaun wie sich das entwickelt.

    nur die vorher/nachher bilder kann ich nicht ausstehen… das „vorher“ rein zufällig in triestem schwarz/weiß, wolkenverhangenem himmel und mit tiefstehender sonne, das „nachher“ in farbe mit blauem himmel. vl nur zufall… jedenfalls beschiß 🙂

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  2. Na großartig – für euch Politiker gibts offensichtlich überhaupt keine Schamgrenze mehr. Aber irgendwann wird sich die Auffassung, dass es für die Politik überhaupt keine Grenzen gibt, was sie der Bevölkerung aufzwingen können gegen euch wenden.

    Heute sind es die Glühbirnen und die Wärmedämmung, aber schon morgen kann es ganz was anderes sein. Und Du (ja, Du Christoph Chorherr) wirst einer der sein, die den Weg dafür geebnet haben.

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  3. Die Fotos sind echt super. Nicht nur, dass das alte Haus absichtlich dargestellt wurde, so haben die optischen verbesserungen ja nix mit der thermischen Sanierung zu tun. Trotzdem: Ja, machen, optisch UND thermisch aufwerten! Für ein schönes Stadtbild.

    Dass Wien hier Vorreiter ist, ist schön, aber auch kein Wunder. Am Land besitzen viel mehr Leute das Haus, in dem sie wohnen. Da wird dann einfach selbst saniert. Leute, denen diese klassischen Wiener Zinshäuser gehören, wohnen ja oft nicht selbst drin.

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  4. tolle sache das!
    Gratuliere!
    das mit den vergleichsbildern versteh ich zwar auch nicht so ganz, weil man die dämmung ja nicht sehen kann..!? aber schön bewachsen ist das haus am 2. bild 😉

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  5. Kosten/ Nutzen für Eigentümer Freut mich, dass so eine Maßnahme kommt.
    Gerade in Wien macht die thermische Sanierung jedenfalls Sinn, da hier mehr als 2-3 Personen pro Haus leben.

    Bisher ist die thermische Sanierung nach meinem Verständnis hauptsächlich daran gescheitert, dass der Eigentümer keinen unmittelbaren Nutzen davon hat, wenn für den Mieter die Energiekosten sinken. Wird diesbezüglich auch etwas getan? (Damit auch noch weitreichendere Maßnahmen als die oberste Geschoßdecke umgesetzt werden.)

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  6. „Wer kein Interesse hat, mußte nicht. Das hatte zur Folgen, daß die Sanierungrate in Wien in den letzen Jahren gesunken ist: Auf knapp 1% des Gebäudebestandes. Das ist viel zu wenig!“

    Ganz ehrliche Frage: Reicht Dir das – ich sags jetzt verschärft: „Die (depperten Eigentümer) wollen halt nicht“ – wirklich als Erklärungsmodell, warum Menschen nicht so handeln wie Du Dir das wünscht? Kann ich mir bei einem diplomierten Volkswirtschaftler eigentlich überhaupt nicht vorstellen.

    1. Ich würde wirklich gern mal von Dir wissen, warum Du dem Modell der „Verpflichtung“ oder nennen wir es Zwang in diesem Bereich so grossen Spielraum einräumst. So richtig glücklich darüber bist. Oder in anderen, meinen Worten ausgedrückt: Warum Du dem Schwarz-Weiss, dem Alles-Oder-Nichts dem Vorzug gibst vor den Grautönen, den feinen Schattierungen. Den Vorzug vor dem Glauben daran, dass Menschen im Grunde vernünftig handeln wollen – und auch daran, dass auch Hauseigentümer solche Menschen sind. Dass sie aber nur im Rahmen des Umfelds das sie vorfinden handeln können.

    2. Ich werde versuchen zu erklären, warum mir das hier gar nicht behagt, obwohl ich auch glaube, dass viel zu wenig saniert wird. Soll in meiner Lesart heissen: viel weniger saniert wird als gesamtökonomisch und -ökologisch Sinn ergibt. (Zwei Begriffe, die für mich keinerlei schicksalhaften Gegensatz bilden, und die ich nur deshalb im Doppelpack verwende um Missverständnisse zu vermeiden)

    Meine Antwort ist im Grunde simpel, nennt sie neoliberal oder ideologisch, stört mich nicht, entscheidend ist für mich nur, ob sie richtig ist oder nicht.

    Die Antwort lautet: In einer weitgehend funktionierenden, schlau geordneten Marktwirtschaft (die wir so wie ich sie mir denke nun nicht vollständig haben) ergibt für den Einzelnen im Wesentlichen jenes Handeln Sinn das auch für die Allgemeinheit Sinn ergibt. Problematisch wird der „Markt“ ja immer dann, wenn der Einzelne durch sein Tun oder Nicht-Tun sich ökonomische Vorteile verschaffen kann, denen anderorts umso grössere Nachteile gegenüberstehen. Mit anderen Worten: Situationen in denen manche reicher werden, wir insgesamt dadurch aber leider ärmer werden. Das gilt es durch einen schlauen den Markt verstehenden Rahmen zu vermeiden.

    Ich denke dabei nicht so sehr an irgendwelche „da oben“, die sich „bereichern“, auch wenn sich manche gerne daran abarbeiten spielt es gesamtwirtschaftlich eine untergeordnete Rolle. Ich denke vielmehr an viele andere Dinge, wie zB den Autoverkehr. Ich habe rein gar nichts dagegen, dass Auto gefahren wird, fahre selbst ab und zu auch wenn ich kein eigenes habe. Aber ich habe was dagegen, dass der Autofahrer die Gesamtkostens seines Tuns nicht selbst trägt. Das ist 100fach verkehrswissenschaftlich belegt. Ich als Nicht-Autobesitzer zahle für jeden gefahrenen Kilometer mit. Infrastruktur, Verbrauch von hochwertvollem (insb städtischem) Platz der auch mir gehört, Umwelt- und Folgekosten, Subventionierung für Autogrossfirmen undundund.

    Und das alles (also zu einem guten Teil auch politisch verursacht!) ist der eigentliche Grund dafür, dass es mehr Autos gibt als gesamtökomisch und -ökologisch Sinn ergibt. Und auf den Punkt gebracht: einige profitieren hier auf Kosten der Allgemeinheit. Das macht uns als Volkswirtschaft betrachtet ärmer.

    Wir müssen uns mit den (auch politischen) Ursachen für solche Phänomene ehrlich auseinandersetzen. Und die können wie gerade in diesem Beispiel auch darin begründet liegen, dass demokratische Mehrheiten ökonomisch über Minderheiten einfach drüberfahren. Raubbau in dem Sinn: ich nehm Dir Deinen öffentlichen Lebensraum einfach weg. Warum? Ich hab die Mehrheit.

    Ich fordere soetwas wie ökonomische Grundrechte zur Verteidigung gegenüber meiner Beobachtung nach schamloser und unvernünftiger werdenden rein ökonomisch motivierten Mehrheitsinteressen.

    Aber zurück: Der Immobilienbereich in Wien ist das vielleicht beste Beispiel für einen völlig zerstörten und strangulierten Markt. Was für den einzelnen Eigentümer ökomonisch irgendwie Sinn ergibt ist allzuoft das Gegenteil von dem was insgesamt sinnvoll wäre. Einer hat einen Aspekt bereits erwähnt: Warum soll der Eigentümer sanieren, wenn nur die Mieter davon profitieren? Es ist so gut wie unmöglich bzw. nur mit einem 10 jährigen bürokratischen Hürdenlauf und 100 Auflagen freie und ökonomisch sinnvolle Vereinbarungen zwischen Vermieter und Mieter zu treffen. Motto: Wir sanieren und profitieren am Ende beide.

    Das wäre ein wesentlich sinnvolleres Betätigungsfeld als Sanierungszwang. Der sich meiner Vermutung nach bei vielen Häusern, wenn er zu stark werden sollte, auch ökonomisch einfach nicht ausgehen wird. Weil immer noch viele Häuser nichts abwerfen. Weil sie nur von drei neuen Mietern halbwegs finanziert werden und sieben andere auf deren Kosten leben. Schon wieder so ein Fall der mit Mehrheiten und Politik zu tun hat und schreiend ungerecht ist. Und der Eigentümer, der das Haus aus Liebhaberei bisher noch hält wird es eben an irgendeinen Hai abgeben müssen. So what, oder?

    So – jetzt ist das leider abstrakt und den meisten irgendwie nicht greifbar – und jetzt kommen daher die Grünen mit ihren berechtigten Sorgen um die Zukunft unseres schönen Planeten und sagen: Wieso können wir das was Sinn ergibt nicht gleich vorschreiben! Warum erst kompliziert warten bis es für irgendjemand subjektiv dann endlich auch Sinn ergibt.

    Nein. Können wir nicht. Das heisst: können wir schon, aber sollten wir nicht. Das ist allerdings die nächste philosophische Baustelle und ich muss jetzt zum Ende kommen. Das Problem hat damit zu tun, dass wir mittel- und langfristig zentral die Informationen nicht haben um wirklich gesamtwirtschaftlich kluge Entscheidungen treffen zu können. Auch damit dass Detailregulierungen immer viel länger leben als sie sinnvoll sind. Denn: Natürlich kann so eine Massnahme wie hier vorgeschlagen im konkreten Fall im Gefüge dieses strangulierten Marktes nun konkret mehr Gutes bewirken als Schlechtes. Zugestanden. Aber von der Tendenz her, von dem Signal her wie wir an die Dinge herangehen halte ich es einfach für fatal.

    Bitte bitte fangt an den Markt zu verstehen und zu nutzen. Wir werden ihn nicht abschaffen. Wir sollten ihn für uns NUTZEN. Und klug verbessern, indem wir das Abladen von Kosten auf Mitbürger und/oder kommende Generationen in die Preise desjenigen hineinbingen, der den Vorteil aus seiner belastenden Tätigkeit hat. Das ist eine Mammutaufgabe und ein Jahrhundertprojekt. Durch tausendfach regulierendes Stückwerk machen wir on the long run alles nur schlimmer… davon bin ich überzeugt.

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  7. Hat das KLIP eigentlich überhaupt eine reale Auswirkung ? Oder ist es nicht nur eine papierene Ersatzhandlung (Beispiele STEP, Verkehrskonzept, Masterplan Verkehr 2003), ein Papier zum Papierln halt, zum Auswischen ?

    Ich meine ein Muster zu erkennen:
    1) Der Gemeinderat beschließt ein
    2) Es hat keine Gesetzeskraft (im Gegensatz zum Tabakgesetz, sorry, could not resist!)
    3) Es ist niemand verpflichtet es einzuhalten, bzw. seine Einhaltung zu überwachen.
    4) Die betroffenen Organe (z.B. Bezirksvorstehung) müssen erst (von der Opposition) „ins Boot geholt“ werden.
    5) Ist ihnen dann in der Regel 1 PKW – Stellplatz wichtiger als „2m Mindestgehsteigbreite“ (wie im Masterplan Verkehr 2003 gefordert, um ein reales und vor allem recht häufiges Beispiel zu nennen).
    6) obwohl es ihre eigenen Parteifreunde, die sie in den Gemeinderat entsandt haben, beschlossen haben.

    Und darum meine ich, daß es von Anfang an eine bloße Ersatzhandlung gewesen sein muß, ein solches Papier zu verfassen. Eine Hättiwari – Parallelwelt – Aktion, gewissermaßen.

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  8. Etwas, was die „Gemeinde Wien“ ohne rechtliche Eingriffe tun kann… ist die thermische Sanierung der Gemeindebauten.
    Wie sieht es denn da aus ? Wie hoch ist da die jähliche Quote, wieviel ist da noch unerledigt ?
    Hier würden sich noch dazu die eher Bedürftigen Heizkosten sparen..

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  9. Gratulation! Dies darf man getrost einen »wirklich großen Wurf« nennen!
    Endlich wird erstmalig erkannt, wer die eigentlichen Umweltsünder in einer Stadt sind. Seit Jahren schon frage ich mich Tag für Tag, woher diese abenteuerlichen Zahlen bezüglich des Individualverkehrs mit KFZ herkommen. Jeder, der sich auch nur ein wenig mit diesem Thema beschäftigt, weiß genau, dass diese Zahlen nicht die »wahren Zahlen« sein können. Sie stammen lediglich von einer Lobby, welche die persönliche Freiheit auf das Gröbste missachtet. Und das Anliegen dieser Lobby war eben ausschließlich, von ihren eigenen Verfehlungen (z.B.: im Wohnbereich) abzulenken. Dem wäre hiermit endlich ein Riegel vorgeschoben. Und genau dadurch sind für mich die Grünen wieder wählenswert.
    Danke.

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