Audimax – Nukleus einer neuen Demokratiebewegung?

Meine aktuelle Pressekolumne, zur neuen Studentenbewegung.
Hinweis: Zielgruppe sind Presseleser/innen, drum hab ich die so wichtigen
Web 2.0 Aspekte weggelassen: da hätte ich zuviel erklären müssen.
Zu allen Zeiten waren Universitäten Brennpunkte gesellschaftlicher Neuerungen. Was derzeit im Audimax der Uni Wien ihr Zentrum findet, hat irreversible Veränderungen angestoßen. Endlich, und allein dafür sei den Studierenden gedankt, werden kraftvoll und lautstark die richtigen Fragen gestellt, nämlich jene nach Aufgaben und Zielen der Universität in unserem Gemeinwesen. Die Zustände sind derart unerträglich, dass es unverständlich ist, wie lange sie ertragen wurden.
Ausgangspunkt ist eine im Vergleich zu fast allen anderen reichen Industrienationen chronische Unterfinanzierung. Es bedürfte einer Milliarde Euro mehr, um an jenes Niveau anzuschließen, das international Standard ist. Aber es geht um mehr als nur ums Geld.
Als Fragen gestellt:
Muss eine Studieneingangsphase wirklich langweilig und „multiple-choice-orientiert“ sein, mit dem offensichtlichen Ziel, möglichst viele junge Menschen abzuschrecken, statt ihnen Lust aufs Denken und Forschen zu machen?
Welchen Sinn hat es, weite Teile des angehenden Uni-Personals mit prekären Dienstverhältnissen kurzzuhalten und so die Besten unter ihnen zur Emigration zu zwingen?
Wie lässt sich das Ziel, viele internationale Studierende in Österreich zu haben, ohne Qualitätseinbußen und soziale Selektion finanzieren?
Sollten nicht in allen Studienrichtungen Geistes- und Sozialwissenschaften auch als Orientierungswissen Eingang finden?
Sollten nicht statt zunehmender Verschulung wieder mehr Freiräume beim Studieren geboten werden?
Wie kann inneruniversitäre Demokratie auch im Alltag wiederbelebt werden?
Kurz: Was sind eigentlich die Rolle, die Ausgestaltung und der Stellenwert der Universitäten in Österreich?
Die Beantwortung dieser Fragen ist wichtig und bedarf vor allem eines: Zeit. Darum an dieser Stelle ein konkreter Vorschlag: Die Regierung ist weder willens noch fähig, eine solche Debatte sinnstiftend zu führen. Sollte da nicht das Parlament die Initiative an sich reißen und eine Enquete-Kommission gründen, die über Monate hinweg gemeinsam mit Studierenden und Lehrpersonal neue politische Grundlagen unserer Universitäten ausführlich diskutiert und am Ende ein großes Reformpaket vorlegt?
Wenn solches gelänge, könnten die Spätherbsttage 2009 als Beginn einer neuen Demokratiebewegung in die Geschichtsbücher eingehen.

2 Gedanken zu “Audimax – Nukleus einer neuen Demokratiebewegung?

  1. Neue Welle Hainburger Au schau oba !
    Ich hoffe auch das alle Beteiligten was für Ihr Leben mitnehmen (ausser den Politikern). Das es keines wiklich dramatischen Grundes bedarf, sondern die Probleme sich peu a peu einschleichen. Das man in kürzesteer Zeit vieles bewegen kann, was im Rest des Lebens oft nicht mehr so vorkommt. Das es nichts ausmacht (fast) nicht érreicht zu haben, man hat ein Systemem entwicklet, das immer wieder verwendet wwerden kann. Sanft, gewaltlos, aber orgnanisiert ohne zntralisiert zu sein. Die gute Ausbildeund der Beteiligen macht alles möglich; neu Medien nutzen, spontan zu reagieren, kien Porblem mit einfachen Handreichungen zu haben (Essen. putzen). Der morderne intellektuelle Mensch kann alles und macht auch alles, organisieren, poliitisieren, demokratisieren, aber auch versorgen.
    Wenn die Jugend das so problemlos anpackt sollte uns um die Zukunft des Staates nicht allzu bang sein !

    Gefällt mir

  2. Gefällt mir auch gut die Idee GeWi und SoWi als Orientierungswissen in alle Studien, oder griffiger:
    Politische Bildung in alle Studienpläne (statt wie derzeit GRAS-Forderung „nur“ Feminismus in alle Studienpläne)

    Auch ihre Darstellung, dass die Uni in vielem langweilig ist, vom Denken ablenkt, es einem schwer macht, sich mit den eigenen Interessen auseinander zu setzen stimmt, und wird vielleicht in der Kommunikation von außen der audimax-Bewegung zu wenig bildhaft vor Augen geführt (auch für StudikollegInnen)

    Und zur inneruniversitären Demokratie: Wenn wir nur fordern, dass in jedem90-minütigen Seminar die ersten 15 minuten die Studis reden dürfen, was sie wollen, sich austauschen, kennen lernen, vernetzen, mal auch vom Wochenende erzälen, von einander lernen, sich über Schwierigkeiten austauschen – da wär schon einiges gewonnen, weil der uns schwächenden Anonymität vorgebeugt wäre.
    das sollt ich wo anders publizieren.

    hab jedenfalls in die rednerInnengruppe mal Ihren namen eingebracht, könnten Sie sich das vorstellen? z.B. zu ihrem bildungsmanifest? oder positivem engagement (nicht ständig sich über fpö empören oder was sonst schlecht ist, was auch oft genug vorkommt, sondern strategisch an eigenen projekten arbeiten)
    istvan_piggalotov@gmx.at

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.