Pensionisten als 5.Sozialpartner? Gründe für mein NEIN

Die koalitionären Pensionistenvertreter Khol und Blecha wollen vieles für ihre Klientel.
V.a. sie als 5 Sozialpartner etablieren.
Das hat mich ziemlich aufgeregt, und ich hab auf mich twittermäßig auf 140 Zeichen darüber alteriert.
Zu meinem großen Erstaunen haben einige zurückgezwitschert sinngemäß mit der Botschaft:No hallo, ist doch ganz OK diese Forderung, wollen halt auch mitreden, die Pensionietn, wie es denn um mein Demokratieverständnis bestellt sei.
Gut, auf 140 Zeichen kann man schlecht argumentieren, dafür gibts einen blog.
Deswegen halte ich es für absurd und schädlich, „die Pensionisten“ zum 5. Sozialpartner zu befördern:
1.) Interessen junger Menschen werden immer mehr vernachlässigt.
Klar: denn bereits 50% aller Wahlberechtigten ist 50 plus.
2.)Bildung wird politisch vernachlässigt, Jungendliche werden immer stärker in präkere Beschäftigungsverhältnisse abgedrängt, weitgehend ohne soziale Absicherung, und oft zu „Hungerlöhnen“.
Da es sich um geburtenschwache Jahrgänge handelt, sind diese Fragen für SP/VP, die stark bei Pensionisten punkten, und extrem starke Pensionistenvereinigungen haben kaum ein Thema. Auch nicht für die Sozialpartner, weil diese ja jene vertreten, die “drinnen” sind im System.Sozialpartner verteidigen auch I deren Privilegien, zulasten derer die “draussen” sind. Gutes Beispiel: Journalisten mit KV versus junger als „freier” Mitarbeiter.
3.) Wozu sind Sozialpartner da/entstanden? es sind die Beteiligten des Produktionsprozesses, und sollen Konflikte lösen (Lohn, Arbeitszeit etc.), die unmittelbar in diesem Prozeß entstehen.
Tatsächlich leisten sie der Entdemokratisierung Vorschub, indem sie Entscheidungen arrogieren (Energie/Umwelt/allgem. Steuerfragen) die eigentlich ins Parlament (DAS ist die Vertretung „des Volkes“) gehören. Übrigens: Vollsvertreter sind gewählt. Sozialpartner wenn, dann nur sehr mittelbar.
4.)Schon jetzt werden über immense Staatsschulden die heute Jungen über Gebühr belastet. Denn sie werden zurückzuzahlen haben, was heute ausgegeben wird. Z.B. steigende Zuschüsse zu heutigen Pensionen. Denn: das tatsächliche Pensionsantrittsalter liegt bei 59 (bei Männern,58 bei Frauen) obwohl die Lebenserwartung steigt und steigt (was für sich genommen ja wunderbar ist).
Diese laufend steigenden Pensionsausgaben auch des Staates finanzieren heute schon die Jungen, obwohl sie wissen, dass sie „diese“ Leistungen niemals erhalten werden
5.) Pensionsvertreter als 5. Sozialpartner ist doppelt fatal: Es fördert die weitere Entdemokartisierung: Entscheidungen werden aus dem öffentlichen Parlament hinter die verschlossenen Türen nicht unmittelbar gewählter „Sozialpartner“ verlagert.
Ausserdem zementiert es weiter die Umverteilung zulasten der Jungen.Ein rasches Auslaufen der extrem ungerechten „Hacklerregelung“ und das unvermeidliche und auch wünschenswerte Ansteigen des tatsächlichen Pensionsantrittsalters wird so noch mehr blockiert.
6.) Oder sollen in Zukunft auch Vertreter der „Jugend“ Sozialpartner werden? Und dder Arbeitslosen? Und der Auto bzw Radfahrer? Das ist doch verrückt?
7.) Oder sind wir längst verrückt?

11 Gedanken zu “Pensionisten als 5.Sozialpartner? Gründe für mein NEIN

  1. Ach weisst Du: früher wollten mal die Bauern ein Verfassungsgesetz dass Sie als Erhalter des Nährstands aufrechterhalten werden müssen.
    Jeder Gruppe hat immer mal eine (für Sie) faszinierende Idee.
    Es wird fast nie was draus.

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  2. Demokratie darf nicht erst mit 16 beginnen 7.) Ja!

    Über ausreichende demokratische Gewichtung braucht sich die ältere Generation (der wir auch bald angehören werden) keine Sorgen machen.

    Zwar etwas OT, gehört aber m.E. dazu:
    Ich plädiere als Gegengewicht zur demographischen „Kopflastigkeit“ die Einführung eines „Familienwahlrechts“, sprich Kinder bekämen in irgendeiner Form ein passives Wahlrecht.

    Es hat ja auch (richtigerweise) noch niemand gefordert, Demenzkranken ab 100 Jahren das Wahlrecht abzuerkennen. Warum sollen die Interessen von Kindern und Babys nicht auch entsprechend ihrer demographischen Präsenz demokratisch abgebildet werden?

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  3. Ihre Aufregung ist mir zu eindimensional 1. Von einer Interessensvertretung erwarte ich, dass sie auch Interessen vertritt.
    2. Zu den demokratiepolitischen Bedenken wäre dann aber auch noch hinzuzufügen: wie demokratisch ist das Lobbying der Wirtschaft (besonders wenn es NICHT öffentlich passiert!) und wie demokratisch ist die Nichtoffenlegung von Parteienfinanzierungen.
    3. Dass der Generationenvertrag im neolibealen Wirtschaftsdenken keinen Platz hat, weil keiner daran verdienen kann ist nicht verwunderlich. Ich wundere mich aber, dass auch von den Grünen ständig der Generationenvertrag madig gemacht wird (und die Generationen gegeneinander ausgespielt werden), aber man nichts dabei findet, dass Versicherungskonzerne und Finanzdienstleister bei der Privatpensionsvorsorge mit öffentlichem Geld gefördert werden.
    5. Von den kleinen Pensionisten mehr Rücksicht und freiwilligen Verzicht zu verlangen, wenn gleichzeitig die Rettungsmilliarden für Banken den Handlungsrahmen des Staates enorm einschränken und diese Banken nun wieder genauso verantwortungslos weitermachen wie vorher, weil sie wissen, dass sie von der Politik als so „systemrelevant“ bewertet werden, dass ihnen gar nichts passieren KANN und für die Verluste wieder die dummen Steuerzahler (übrigens auch die Jungen) blechen werden, ist blanker Hohn.
    4. Dass die Pensionisten schon 50% der Wahlberechtigten ausmachen ist ein bequemes Argument, aber dass es den Parteien (außer der untergriffigen FPÖ) nicht gelingt, die Jungen zu motivieren an demokratischen Entscheidungen aktiv teilzunehmen, ist ein Armutszeugnis für die Politik. Lobbying kann kein Ersatz für demokratische Wahlen sein!

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  4. Stimme vollkommen zu Da haben Sie völlig recht, Herr Chorherr.
    Die Problematik liegt generell in der Abschottung von Interessensgruppen, die sich dem „Zugriff“ der berühmten „Menschen“ entziehen. Wenn man das mit den IGs konsequent verfolgt, braucht man ohnedies keine demokratischen Institutionen (vom Gedankengut reden wir nicht einmal) mehr, sondern nur mehr demographische.

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  5. Ich finde es ganz lustig von den Oberpensis in einem Atemzug den im profil recht reisserisch vorgetragenen Gerontokratie-Vorwurf als Hirngespinst von Journalisten abzutun und anschliessend mehr Macht durch Aufnahme in die prädemokratische Machtzentrale „Sozialpartnerschaft“ zu verlangen.

    Von der Systematik der Sozialpartnerschaft haben sie dort nichts verloren, genausowenig wie Kinder und über mangelnden Einfluss brauchen wir uns wirklich keine Sorgen zu machen.

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  6. Sozialpartner schaffen friedliches Klima!!! Das Parlament als auch die Regierung ist gut beraten, wenn sie die Sozialpartnerschaft nicht über Bord werfen, denn sie lösen tatsächlich Konflikte und können auch mehr lösen, als es jemals das Parlament oder die Regierung zwischen den Interessen tun können.

    Pensionisten kann man durchaus in die Sozialpartnerschaft integrieren, sie werden nämlich von niemanden in der Sozialpartnerschaft vertreten.

    Die Jungen werden ja über die Arbeiterkammer bzw. Wirtschaftskammer unterstützt und dort vertreten.

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    und zum Thema Pensionserhöhung:
    eine Pension bis zu 2000 EUR sollte sehr wohl von den 1,9% profitieren. Alle anderen Pensionen sollten 0% erhalten.
    Ja es geht um Umverteilung. Kleinere Pensionen sollen besser gestellt werden. Die Pensionisten mit höheren Pensionen sollen Abstriche machen oder gleich bleiben.
    Und in Zukunft sollte man Maximalpensionen einführen, d.h. egal ob Mangager, Politiker oder Arbeiter: vom Staat sollte es eine indexgebundene Maximalhöhe von Pensionen geben, sonst ist das Pensionssystem nicht mehr finanzierbar in Zukunft. Es kann ja nicht sein, dass der Staat Luxuspensionen auszahlt z.B. >5.000 EUR netto und Mindestpensionisten sich dafür das Leben nicht mehr leisten können.

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  7. Danke Ich bin froh, wenn sich ein etablierter Politiker für Jugendliche und Kinder einsetzt.
    Vergessen wir nicht: Wir zahlen weltweit die besten Pensionen – die besten Verhältnisse für Schule und Unis haben wir bei weitem nicht.
    Die heutigen Pensionisten nehmen wesentlich mehr aus der Solidaritätskassa heraus als sie eingezahlt haben. Das ist gegenüber der nächsten Generation einfach schäbig und unverantwortlich.
    Aber 2 Mio Pensionisten wählen … Kinder nicht.
    Ich bin mir sicher, dass viele Pensionisten sogar verstehen würden, wenn man eine Pensionserhöhung heuer ganz aussetzen würde.

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  8. Lieber Christoph!

    Tatsache ist, daß Du ab einem bestimmten Alter – Frauen früher als Männer – praktisch entmündigt wirst. Nicht nur daß man auch bei den Grünen praktisch sein passives Wahlrecht verliert und mitsamt seiner in einem langen Leben erworbenen Kompetenz ins Altenteil übersiedelt wird. Viele möchten länger arbeiten, es fehlen aber die entsprechenden Jobs und auch die Arbeitszeitmodelle für Ältere.Einer Gruppe von künftig 30 % der Bevölkerung wird auch die Kreditwürdigkeit abgesprochen, ganz abgesehen von unzählichen alltäglichen Diskriminierungen. Und da meinst Du, daß es keine adäquate Interessens-Vertretung braucht? Daß diese etwas demokratischer aussehen müßte, als Khol und Blecha sich vorstellen, ist klar. Den Grünen SeniorInnen ist auch klar, daß Interessensvertretung nicht heißt, die Generationen gegeneinander auszuspielen. Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber der Jugend ebenso wahr, wie wir erwarten können, daß wir als wertvoller Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden.

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