Milliardengewinn. Staatlich finanziert

Ich kann mir nicht vorstellen, dass „sie “ sich das noch lange gefallen lassen.
„Sie“, damit meine ich die US-Staatbürger/innen.
Ganz kleines Finanz/Macht 1×1:
„Zur Überraschung aller“ schreibt Goldman-Sachs wieder Milliardengewinne
Woher kommt das Geld?
Direkt vom amerikanischen Steuerzahler!
Absolut lesenswert (und ein eindrucksvolles Dokument, wozu es professionellen Journalismus braucht) ist dazu die aktuelle Spiegel-Titelgeschichte:
Die gefährlichste Firma der Welt: AIG
(leider noch nicht online verfügbar)
Darin plaudert der ehem. Staatsanwalt Eliot Spitzer aus dem Nähkästchen.
Er untersuchte jahrelang AIG, deckte unglaubliche Bilanzfälschungen auf und zwang den Konzern zu Milliarden Strafzahlungen.
(Spitzer wurde dann Gouverneur von New York und stolperte über eine Prostitutions-affaire)
Woher kommen die Gewinne von Goldman Sachs?
Spitzer in einem Interview:
Befragen würde ich sie (u.a. den Chef von Goldman Sachs, Anm.) nach den Geldgeschenken durch den Staat, nach all den Milliarden. E-Mails und Dokumente müssten beschlagnahmt werden, ich hoffe sehr, dass der Kongress das noch macht. Die erste 70 Milliarden-Infusion für AIG zum Beispiel wurde nie wirklich hinterfragt. Warum so viel? Warum ohne Auflagen? Warum konnte AIG 12,9 Milliarden Dollar gleich weiterreichen an Goldman Sachs, mit all den einstigen Goldman-Leuten in der Regierung und obwohl Goldman Sachs hinterher erklärte, das Geld gar nicht zu benötigen; Goldman Sachs sitzt auf 100 Milliarden Dollar Bargeld. Ist Steuergeld für solche Deals gemacht? Sollte Steuergeld im Verhältnis 1:1 all die Verträge über Derivate erfüllen, 100 Cent pro Dollar also, auch wenn es absurd dumme Verträge waren?“
Beantworten Sie bitte Ihre Frage: Sollte Steuergeld das tun?
Nein. Verträge werden in diesen Tagen links, rechts und in der Mitte gebrochen, und Steuergeld hat nicht die Aufgabe, Vertragssicherheit zu schaffen. Steuergeld sollte auch nicht für Bonusgelder für leidende Manager dienen, weil in dieser Zeit leider auch alle anderen leiden: Angestellte, Arbeiter, Anleger. Steuergeld sollte ausschließlich für die Stabilisierung des Finanzmarktes herhalten – und Ende.“
Ende?
AIG (derzeit ca 6,6 Mrd Dollar „wert“) erhält nach massiven Betrügereien und unfassbaren „Versicherungsgeschäften“, die mitverantwortlich für den Finanzcrash sind, kaum vorstellbare 182 Mrd Dollar aus öffentlichen Kassen.
Und ein Großteil davon wird unverzüglich an die Brüder im Geiste weitergeleitet, weil ehem. Goldman Leute in der Regierung sitzen.
Und heute klopft sich Goldman Sachs auf die Schulter.
Und legt 6,7 Milliarden Dollar für Kompensationen und Zusatzleistungen (Boni etc.) zur Seite.
Irgendwann werden die massiven Schulden des Staates zurückgezahlt werden müssen.
Von wem wohl?
Ich bleibe bei meiner Vermutung:
Das werden „sie“ sich nicht mehr lange gefallen lassen.

5 Gedanken zu “Milliardengewinn. Staatlich finanziert

  1. nicht nur Goldman Sachs Naja, das war ja logisch, dass das so passiert. Der Grund, dass AIG (fast) bankrott gegangen wäre war, dass haufenweise Kredite ausgefallen sind, die AIG besichert hat (also diese CDS). Und wer hat Kredite Versichert? Natürlich die großen Banken wie z.B. Goldman Sachs. Und die bekommen jetzt halt diese „Versicherungen“ ausbezahlt – das sind bestehende Verträge von AIG, die nicht einfach so geändert werden können (bzw. nur dann, wenn AIG in Konkurs geht).

    Aber nicht nur Goldman Sachs – von den ca. 100 Milliarden, die AIG bis März bekommen hat gingen 44 Milliarden an US-Banken und 58 Milliarden an Nicht-US-Banken. Man sieht also, dass AIG nichts davon „behalten“ hat, sondern alles sofort an die Kunden ausbezahlte (aus bezahlen musste). Hier befindet sich eine Liste der Banken und wie viel sie erhalten haben. Österreichische sind nicht darunter, deutsche Banken haben aber insgesamt 16,7 Milliarden erhalten.

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  2. Wie lange lassen wir uns das noch gefallen? Ja, die Frage stell ich mir, wie lange lassen wir es uns noch gefallen,
    * das unsere Politiker absolut nichts davon verstehen, was auf den Finanzmärkten dieser Welt passiert?
    * das unsere Politiker versuchen aus Ihrem Unverständnis mit billiger Polemik Kapital zu schlagen? (ja, ich muss Ihnen leider jetzt unterstellen, das Sie nichts davon verstehen).
    * das unsere Politiker genauso Wetten auf die Zukunft abschließen wie die Banken? Das Krisenpaket unserer Regierung ist nicht mehr als die Wette darauf, das es unserer Wirtschaft gleich wieder gut geht, sobald die Milliarden (Wetteinsatz:-)) reingebuttert sind. Wenn es ihr dann doch nicht gut geht, Wette verloren, Pech gehabt. Konsequenzen wie bei den Bankern null, Bonis gibt es bei Politikern nicht, kann man daher nicht streichen und die fürstlichen Pensionen kann man auch nicht streichen, Stichwort Vertragssicherheit (im Zusammenhang mit AIG nicht ganz unwesentlich).
    * das wir dann den Wetteinsatz unserer Politik die nächsten Jahrzehnte dank massiv höherer Staatsschulden abdienen dürfen?
    * das wir durch die Fingern schauen werden, wenn Österreich bankrott geht? (praktisch wird das wegen der EU nicht passieren, de facto wette ich jedoch darauf).

    Antworten darauf herzlich willkommen.

    Kleine Randbemerkungen: zu AIG, es gab schon vor langer Zeit in der Zeit einen sehr bemerkenswerten Artikel und Beweis dafür, das es sehr professionellen Journalismus gibt, siehe http://www.zeit.de/2009/08/AIG.
    Eine sehr lesenswerte Einführung in die Finanzwelt ohne Finanzjargon ist das Buch von Nassim Nicholas Taleb Narren des Zufalls.

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  3. @dieter und @martin.k
    Danke für die Links!

    @Fabian
    Ich stimme Ihnen zu, das Politiker sehr wohl verstehen, was welche Geschäfte sie mit Banken machen, aber dafür ist es nicht erforderlich, das sie etwas von Finanzmärkten verstehen. Sie müssen ja auch nichts über Swaps, Optionen usw. wissen, wenn Sie sich einen Kredit bei der Bank holen, um Ihre Wohnung oder was auch immer vor zu finanzieren, oder?

    Die Beziehung zwischen Politik und Banken ist für mich irgendwie das gleiche wie zwischen Junkies und Dealern: der Junkie = Politiker braucht mehr Stoff = Geld, das er nicht hat, das er sich vom Dealer = Banken holt. Neben Zinsen holen die Banken dann auch noch sonstige sie begünstigende Regelungen raus.
    Oder anders, solange die Politik Geld ausgibt, das sie nicht hat, hat sie immer die schwächere Verhandlungsposition gegenüber den Finanziers.

    @chorherr
    Eine interessante Frage ist doch, was passiert wäre, wenn die US Regierung AIG in den Konkurs geschickt hätte? Ich denke, dann hätten sie jede Menge zu tun gehabt, viele Banken zu retten. Und nicht nur sie, sondern auch die europäischen Regierungen…

    Und zu Goldman Sachs der Hinweis auf Krugman, der schreibt: First, it tells us that Goldman is very good at what it does. Unfortunately, what it does is bad for America.

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