Wir brauchen eine Neubelebung unsere politischen Kultur

Die „Wertestudie“ ist mir ordentlich in die Knochen gefahren.
Möchte demnächst meine Gedanken dazu formulieren, brauche aber noch bisschen mehr Ordnung und Klarheit im Kopf dazu.
Finde es wichtig, dass das jetzt zum öffentlichen Thema wird.
Zwar leider (noch) nicht bei den politischen Führungskräften,
auch (noch) nicht bei Print und TV/Radio
dafür in diversen blogs.
Diese klugen Ausführungen von Georg teile ich fast vollständig.

3 Gedanken zu “Wir brauchen eine Neubelebung unsere politischen Kultur

  1. Durchatmen bitte Wer an seinen Erinnerungsrändern das Österreich der 60er und 70er Jahre präsent hat, der weiss, was eine wirklich dumpfe, autoritätsgläubige, xenophobe Untertanen-Gesellschaft ist, von den 50ern ganz zu schweigen.

    Von den 90ern könnte man behaupten, dass sie 1989, mit dem Fall der Mauer und dem „Endsieg“ des Kapitalismus begonnen haben und unlängst mit dem Crash des neokonservativen Weltbildes/Aktienmärkte abgeschlossen wurden.

    Diese Studie ist also krass ahistorisch, sie untersucht nur die Stimmungsfluktuationen innerhalb einer in die Gegenwart hineinreichenden „Epoche“, nicht aber beschreibt sie den Unterschied zwischen dem alten neuen Österreich und dem jüngeren neuen Östereich. Und sie kommt daher zu Schlüssen, die der Alltags-Empirie widersprechen.

    Wir leben in einer Gesellschaft, die ödipale Konflikte weitgehend entschärft hat; der Vater, der Lehrer, der Pfarrer, der Chef sind als Schreckgespenster unseres Lebens abgeschafft. Und mit ihnen die strukturelle Prägung zum klassischen Untertan, dem österreichischen Prototypen schlechthin.

    Unsere Sehnsucht nach mehr „Ordnung“ ist eine, die aus einem Übermaß an Permissivität und Freiheit und postmodernem „Chaos“ erklärbar ist – also aus dem Gegenteil dessen, was in den 20er, 30er und 40er Jahren einen „starken Mann“ möglich gemacht hat. Zum post-modernen Chaos gehört eben auch die Unwissenschaftlichkeit und mangelnde Gedankenkälte, die solche „Studien“ und noch mehr die von ihnen ausgelösten Alarmismus erklärbar macht.

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  2. Mädels for President! Wenn man Dokumentationen wie „Die Machtergreifung“ gesehen hat, kann man die Parallelen zur derzeitigen Entwicklung kaum übersehen. Wen da nicht das kalte Grausen packt, der/die erhofft sich davon zu profitieren egal wer, wie viele und wie sehr andere dabei zu Schaden kommen. Oder er/sie fühlt verängstigt und hilflos und hofft und betet, dass es nicht so schlimm kommen wird.
    Die größte Gefahr kommt m.E. von jenen, die sich nicht für die Absichten und wahren Hintergründe interessieren, die Trittbrettfahrer. Hinterher haben sie von nichts gewusst, waren natürlich nicht bei der Partei, haben aber die Vorteile des bösen Treibens gerne in Anspruch genommen (von Flüchtenden die größere Wohnung, Möbel und Kunstgegenstände um einen Bruchteil des Wertes übernommen usw.).
    In friedlicheren Zeiten wird fröhlich drauflos gelogen, betrogen und skrupellos nur der eigene Vorteil durchgesetzt und die Schwäche anderer beinhart ausgenutzt – kein Problem, man kann ja hinterher zum Pfarrer beichten gehen. Und man fühlt sich ja so wunderbar überlegen dabei. Warum sollte man die eigene Scheinheiligkeit auch hinterfragen, das machen doch alle – auch und insbesondere die lieben Politiker. Nur kein Risiko eingehen und weiter das bekannte Übel anstatt das Unerprobte wählen, auch wenn es noch so logisch, vernünftig und zukunftsweisend klingt – sicher ist sicher. Wenn es dann doch so schlimm kommt, siehe oben…
    Doch die gewählte Unwissenheit schützt nicht vor der Verantwortung für das, was wir alle dann ausbaden müssen.
    Ja, wir sind eh schon mittendrin – die Manager, Bankster und Politiker, die uns die Krise beschert haben, plagen keine finanziellen Probleme, der breiten Bevölkerung und ihren Kindern bleibt doch eh nix anderes übrig, als zu arbeiten und zu zahlen.
    Der Ruf nach dem „starken Mann“ erinnert mich irgendwie an ein Kleinkind, das nach den Eltern schreit. Ob der Führer dann wirklich wieder alles gutmacht? Könnte gut sein, dass er sich als der Fremde mit den Süßigkeiten entpuppt…
    Die beiden Mädels mit ihrer Initiative für die Lichterkette finde ich absolute Klasse! Sonst kann ich nur bei den Grünen positive Aktivitäten orten. Die Aussage von Heinz Fischer vor einiger Zeit, dass er das Lästern über die Gutmenschen nicht gut findet, war mehr als schwach. Warum hört man so wenig von prominenten Persönlichkeiten? Sind das wirklich alles Mitläufer und Profiteure?
    Mädels an die Macht, Mädels for President!!! Auf Euren zarten Schultern scheint die Hoffnung der Österreicher mit Herz und Hirn zu ruhen.

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  3. Das Problem, das ich mit der Studie habe, ist, dass autoritäre Politik mit „starken Männern“ gleichgesetzt wird. Autoritär sind auch die ständigen Verbotsforderungen in letzter Zeit (Glühbirnen, „sexistische“ Werbung, Warenterminbörsen, Grillverbot, Handys, „Killerspiele“ ….).

    Ich stimme tetrade zu. Alleine schon die Forderung nach starken Männern kann man als antiautoritär auffassen, denn viele fordern starke Männer, nicht um sich ihnen unterzuordnen, sondern, damit er anderen die eigene Meinung vorschreibt. Den Ausdruck „XY soll endlich ein Machtwort sprechen“ hört man häufig (auch von Grünen) und er entkräftet sich selbst, denn Machtworte funktionieren nur in einer Gesellschaft, in der diese nicht frech eingefordert werden.

    Selbst die konservativen Laien-Katholiken ziehen heute häufig über Bischöfe und Pfarrer her, wenn deren Auffassungen ihnen zu liberal sind. Das wäre früher undenkbar gewesen.

    Wenn man Autoritätsgläubigkeit messen will, dann müsste man eher die Frage „Wenn der Pfarrer/die Partei etwas sagt, dann wird das schon stimmen“ stellen.

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