Konsequenzen aus einer Niederlage


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Meine Schlüsse aus der EU-Wahl:
1.) Die europäische Perspektive: Die Grünen haben (mit Ausnahme Österreichs) nahezu überall gewonnen.Teilweise sogar sehr deutlich. Wähler goutieren unsere Inhalte. Auch und gerade in der Krise; das ist neu und ermutigend.
Es ist ein grosser Fortschritt für die grüne Idee, dass jetzt im Europaparlament, welches immer stärker wird, grüne Themen deutlich an Gewicht gewonnen haben.
2.) Unser Ergebnis in Österreich ist eine deutliche Niederlage.Gerade der Vergleich zu anderen Ländern (Frankreich, Belgien, etc.) sind wir sehr weit unter unseren Möglichkeiten geblieben.
3.) Wir konnten , entgegen vielen Vorhersagen , trotzdem ganz knapp unsere zwei Mandate halten konnten.Das verdanken wir der Klugheit vieler unserer Wähler/innen, die trotz Kritik und Enttäuschung wussten worum es ging: Um die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments, und die Frage, ob Eva Lichtenberger, oder z.B. Ewald Stadler Parlamentarier wird.
Dafür ein aufrichtiges „Dankeschön“
4.) Aus dieser Niederlage müssen wir Konsequenzen ziehen.Diese sind vielfältig.
5.) Das Ergebnis der ÖVP soll uns zu denken geben.
Dazu eine These (deren Wahrheitsgehalt sich in den nächsten Tagen zeigen wird): Die zugelassene innere Pluralitätder VP-Liste hat zu enorm vielen Vorzugsstimmen geführt (das vermute ich).Kritik, auch an der Parteispitze (v.a. durch die Nominierung von Ernst Strasser) wurde in Vorzugstimmen für andere Kandidaten umgemünzt.
Strasser wird weit nach hinten gereiht werden.Das gab zwar innerparteilichen Zwist, hat aber der VP enorm genützt. Diese Chance hatten wir auch. Eine Vorzugsstimmenkampagne von Johannes Voggenhuber hätte ebenso mobilisiert, wie eine von Ulrike Lunacek oder Eva Lichtenberger.
Der erweiterte Bundesvorstand hat das abgelehnt.
Das soll uns nie wieder passieren.
Vielfalt und Pluralität auf unseren Listen ist zwar schwierig, hilft aber für den Wahlausgang enorm.Und entspricht der heterogenen Zusammensetzung unseres Elektorats.
6.) Interessierte Wähler/innen müssen verstärkt eingebunden und deren Potential genutzt werden. Für Wien muss das heissen: Die Grünen Vorwähler/innen müssen, ausser es liegen bei Einzelpersonen eindeutige und klar nachvollziebare Gründe vor, endlich aufgenommen werden.
7.) Es gewinnen Kandidat/innen, die mit Leidenschaft und Klarheit eine politsiche Geschichte erzählen können. Daniel Cohn Bendit, ein glühender, wenn auch umstrittener Europäer (ich schätze ihn enorm) hat damit im nicht gerade grünaffinen Frankreich ein sensationelles Ergebnis erreicht.
Deswegen warne ich davor, allzu vereinfachend auf HPMs Wahlerfolg zu reagieren. Klar war hier die Kronenzeitung entscheidend. Aber er hatte auch eine Geschichte zu erzählen, hat sich die Mühe gemacht, ein Buch über seine Ideen und Vorstellungen zu schreiben.
Es war klar, was er wollte.
Auch Johannes Voggenhuber gelang es über die letzten Jahre, in hunderten Vorträgen klar seine Vision von Europa zu vermitteln.
Uns gelang das nicht ausreichend.
Das ist keine persönliche Kritik an Ulrike Lunacek oder Eva Lichtenberger, sondern geht an uns alle, auch an mich.
8.) Es gibt ein grosses Bedürfnis nach grundlegenden politischen Debatten. gar nicht selten finden sie hier auf diesem Blog statt.
Neue Medien bieten dafür eine hervorragende Plattform.
Das wirksamste Kommunikationstool ist jedoch das persönliche Gespräch.
Ich bin sehr viel zu Diskussionen eingeladen. Ich nehme diese gern an. Gerade an Schulen.
Da ist von Politikverdrossenheit nichts zu spüren. Im Gegenteil:Es gibt unendlich viele Fragen. Und Bereitschaft sich mit dem umbekannten „Tier“, das Politik heisst auseinanderzusetzen, wenn jemand bereit zum Gespräch ist.
Das können und müssen wir verstärken.Sehr sehr deutlich sogar.
9.)Stärker als jede Kritik ist die konkrete Alternative. Die auch mit Hoffnung verbunden ist. Diese Alternativen (im Bildungs- Energie- Stadtplanungs- oder Wirtschaftsbereich, etc.)gibt es. Sie gehören vor den Vorhang.
Wir haben die Scheinwerfer.
Ermutigung ist der wirksamste Kampf gegen rechts, und Empörung allein keine Politik.
10.) es gibt viele weitere Schlüsse aus diesem Wahlausgang.Was sind Eure?
Sie interessieren mich, und die inzwischen sehr vielen, die hier mitlesen sehr.

53 Gedanken zu “Konsequenzen aus einer Niederlage

  1. 100: Grüne Wähler sind intelligente Leute, die sich informieren.
    Viele von ihnen sind „Internet-Fuzzis“ und wissen was sie wollen und was nicht. Und die Signale im Internet dieser Grün-Wähler war mehr als eindeutig. Nur wurden sie von der Partei-Chefin Glawischnig und vielen anderen ignoriert.

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  2. VdB muss weg! (leider) Nach Voggenhuber, platzt nun VdB der Kragen:

    http://derstandard.at/?url=/?id=1244460296835

    Gut, ich will alten Männern ihren Grant nicht verbieten, immerhin sind beide beim Dampfablassen nicht ganz unwitzig.

    Aber Voggenhuber macht in seinen Tiraden zumindest streckenweise Sinn.

    VdB liegt mehrfach radikal daneben.

    1) Niemand mehr kann bestreiten, dass die Europawahl eine Katastrophe war. Grün gewinnt überall, nur hier nicht.
    2) Den Parteiausschluss für parteischädigendes Verhalten gibt es sehr wohl, er wird nur halt im Fall V. nicht angestrengt.
    JedeR kann sich denken warum und es hat mit Toleranz nichts zu tun.
    3) Weitere Zentralisierung von Listenwahlen, etc. ist genau falsch, zunächst einmal weil wir offenbar keine Führungspersönlichkeiten haben, die mit mehr Verantwortung umgehen können. Aber aus vielen anderen Gründen auch. Bundeslisten sollten über bundesweite Urabstimmungen gewählt werden, basta.
    4) Wenn Grün statt Rechts gilt, dann hätten VdB & Co. diesen Wahldebakel, der aus dem selbst gesuchten internen Machtkampf resultiert hat, vermeiden können.
    Mit 9% von 43% der WählerInnen wird man bei noch so reiner Gesinnung gegen Rechts kaum was ausrichten können. Und: es ist eine furchtbare Beleidigung jener Leute, die sich dieses Mal schwer getan haben Grün zu wählen, zu implizieren, dass sie die Bewegung gegen Rechts unzureichend unterstützen.
    5) Sobald die Grünen eine Person haben, die Europapolitik so inhaltlich treffsicher und leidenschaftlich wie Voggenhuber artikuliert, ab dem Augenblick nehme ich seinen Namen nie wieder in den Mund. Es tut mir leid, Herr VdB, aus ein paar herablassenden Bemerkungen über Gartenzwerge ist keine Vision für Europa gebaut!
    6) Voggenhuber verbrudert sich mit Karas und Bösch während des Wahlkampfes, und ist parteischädigend – Van der Bellen ist mit Plassnik ein paar Tage vor der Wahl ein Herz und eine Seele, und das ist nicht parteischädigend?!

    Für eine neue politische Ausrichtung kann ich nur empfehlen, das Interview von Hans Rauscher mit Ariel Muzicant zu schauen:
    http://www.derstandard.at/rau-tv
    Und besonders am Ende Muzicant sehr, sehr gut zuzuhören. Dort liegt der Anfang von Poltik gegen Rechts – in der Kombination aus Massnahmen, die jene Probleme aus der Welt schaffen, an denen sie ihre Hetze aufhängen – und der Ehrlichkeit darüber, welche Spiele eingespart werden, um dem Volk dieses Brot zu geben.

    Voggenhuber ist weg.

    Aus meiner Sicht sollte jetzt Van der Bellen folgen. Ich habe langsam das Gefühl, dass er die Partei hintenrum mehr schädigt, als Voggenhuber in aller Öffentlichkeit tut.

    Sburny sowieso. Und Glawischnig so bald wie irgend möglich.

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  3. konsequenzen.. selten aber doch kann ich einem politiker in gut 90% seiner aussagen zustimmen…
    als grün interessierter, aber nicht grünaktivist, wähler würde ich es sehr begrüßen auf der liste für die nächste wahl in wien den namen christoph chorherr oben auf der liste zu sehen. dafür gäbe es meine vorzugsstimme..

    ich weiss schon, das wird schwierig. traditionellerweise sind die vernünftigen köpfe (aller parteien; es gibt sie fast in jeder gruppierung) nicht in der ersten reihe zu finden. leider.

    meine bitte: mehr chorherr…mehr wähler.

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