Das Richtige zu wollen reicht nicht

Claudia Schmied ist keine Schlechte.
Das, was sie will und sagt ist weitgehend zu unterstützen.
Sie ist eloquent und durchaus sympatisch.
Und dennoch ist die Bilanz ihrer letzten Wochen verheerend.
Über das total unterschätzte Thema: „Politik als Handwerk“ mein aktueller Pressekommentar
Hier im Volltext:
Wer geht vertrauensvoll zu einem Arzt, der zwar unbedingt will, dass Sie gesunden, aber immer wieder die falsche Therapie anwendet? Wer wendet sich vertrauensvoll an einen Architekten, der leidenschaftlich vermitteln kann, wie wichtig ihm schöne, funktionale Häuser sind, aber bei seinen Dächern regnet es herein, und Baukosten explodieren.
Kein Arzt, kein Architekt, kein Handwerker bezieht seine Reputation daraus, dass er das Gute und Richtige will, sondern daraus, dass er es auch kann. Erfahrung, Geschicklichkeit – schlicht „handwerkliches Können“ ist entscheidend.
Ist es in der Politik nicht ähnlich? Claudia Schmied will das Richtige, liest man Interviews, individuelle Förderung, mehr Autonomie den Schulen, Sprachförderung, ganztägige qualitätsorientierte Betreuung. Was ist die Bilanz? Marginal veränderte „schulautonome Tage“ und die BIG stundet dem Unterrichtsministerium die Mietkosten. Jedoch: Das Image der Lehrer ist schlechter als je zuvor, die Lehrerschaft frustriert, und das Schlimmste ist: Österreich scheint letztlich nicht reformierbar zu sein.
Meist kritisiert die Opposition eine Regierung, weil sie die falsche Richtung einschlägt. Zur Frage, ob alle Menschen, die sich legal in Österreich aufhalten, auch arbeiten dürfen, sagt jetzt die EU (endlich) Ja, fast alle österreichischen Parteien Nein, auch die ÖVP. Das ist ein Streit über Ziele. Bei Claudia Schmied ist es anders. Ihre Intention ist zu unterstützen, die politisch-handwerkliche Umsetzung war ein totales Desaster. Wenn man Großes verändern möchte, und das ist in Bildungspolitik ebenso notwendig wie höchst schwierig, braucht man besonderes handwerkliches Geschick: Bündnispartner finden, v.a. die innovativen Teile der Lehrerschaft und der Eltern; positive Pilotprojekte hervorstreichen (die gibt es zuhauf, auch im öffentlichen Schulwesen), um so das Ziel greifbar zu machen; Gegner einbinden; Finanzierungsfragen und inhaltliche Reformen trennen; ja, das schreibt sich leicht, ist jedoch die hohe Kunst der Politik.
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Gerade Qualitätsmedien wären gut beraten, statt sich mit plumpem Politikerbashing dem Boulvard anzubiedern, die handwerkliche Kunst des Politischen zu analysieren.

7 Gedanken zu “Das Richtige zu wollen reicht nicht

  1. Da haben Sie ja so Recht, Herr Chorherr Sicher eines der wichtigsten und richtigsten Dinge, die man zu Politik und Politikern in der Demokratie, sagen kann.

    Leider wird es ungehört verhallen…

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  2. Für mich… … riecht das alles mehr nach einer Einsparmaßnahme, die sie den Eltern als Verbesserung verkaufen wollte. Dass die Lehrer mitnichten mehr für die Schüler da sein sollen, hat ja auch die Aussage gezeigt, dass es in den nächsten Jahren einen Aufnahmestopp geben hätte sollen.

    Tut mir leid, für mich ist das ganze ca. so sehr eine Verbesserung wie die Studiengebühren. Die sind nämlich auch kein „zusätzliches“ Geld für die Unis, sondern ersetzen eben einen Teil der normalen Finanzierung.

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  3. Was mich stört ist dieses sofortige Nachgeben der Politiker, wenn eine Interessensgruppe – wie z.B. die Lehrer – mal etwas herumpoltert. Die Schmied hat es sogar so weit gebracht, dass sie jetzt schon bei Schülerstreiks einknickt. Ähnliches gab es vorher schon mal bei der Gesundheitsreform.

    Ich bin übrigens der Meinung, dass es eine echte Schulreform erst geben wird, wenn die ÖVP in Opposition ist. Die Lehrergewerkschaft ist in der ÖVP einfach zu Stark, als dass sich mit der ÖVP eine echte Reform machen ließe (ähnlich wie z.B. bei der Pensionreform, die es nur geben konnte, weil die SPÖ in Opposition war).

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  4. ad „schulautonome Tage“: ad „schulautonome Tage“:

    der 22.Mai wurde vom Ministerium als schulautonom verordnet!
    Das nennt man Autonomie 😉

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  5. Know-How Danke für diese überaus zutreffende Differenzierung. „Die handwerkliche Kunst des Politischen“ ist ein schöner Begriff. Wert, danach bei AMAZON zu stöbern! (Ob Herr Hahn das ähnlich sieht?) Ich würde Obama und Schwarzenegger noch als öffentlich sichtbare Meister dieses Fachs nennen.

    Wa die heimischen Qualitätsmedien betrifft, orte ich einen Hang zur Großartigkeit ohne Taten, genauer noch, Selbstüberschätzung von Halbwissenden. Ich würde mir vorerst aus dieser Ecke nicht zu viel erwarten.

    Deshalb: keep blogging, lieber cc!

    AH

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  6. Mir tuts zugegeben etwas weh, wenn man ausgerechnet Claudia Schmied vorwirft, dass sie ihre Reformansätze mangels „handwerklichen Könnens“ vergeigt hätte. Denn der Vergleich mit anderen Regierungsmitgliedern macht mich ziemlich sicher: Claudia Schmied ist eine Managerin, die – so Österreich mit einigem Geschick politisch reformierbar wäre – auch erste Erfolge verzeichnen würde. Einige wichtige Voraussetzungen bringt sie auf alle Fälle mit: Sie will was. Sie traut sich was. Und sie weicht nicht so schnell von der Stelle. Allein: Österreich ist von innen heraus nicht reformierbar. Daran kann alles „politisches Geschick“ einer/s Einzelnen nichts mehr ändern.

    Wenn wir aber ausgerechnet jenen, die sich trotzdem noch was trauen und die kleinen Chancen auf Minischritte versuchen wollen zu nutzen, dann im Nachhinein ihr mangelndes Geschick vorwerfen, dann tragen wir doch nur dazu bei, dass all die anderen Angsthasen, die sich kraft ihres überlegenen Realitätssinns gar nicht erst der Gefahr aussetzen, irgendein Geschick einsetzen oder nachweisen zu müssen, in der Politik immer mehr werden. Und die letzten Mohikaner wie Schmied sich auch noch zurückziehen. Und genau in die Richtung gehts ja auch.

    Unser Problem reicht viel viel tiefer als dass es mit zufällig mangelnder Qualität politischen Personals erklärbar wäre.

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  7. Schmied hat versagt. Und auch inhaltlich kann ich von ihrem Projekt der neuen Mittelschule nichts abgewinnen. spätestens am Geld wird dieses Projekt scheitern!
    auch in Schweden zahlen die Gemeinden gutes Geld für die Bildung.

    Es gehört vielmehr Autonomie an die Schulen.

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