6 Gedanken zu “Alles Gfraster

  1. ständisches Ausbeutungssystem Dass Lehrer de facto einen Halbtagesjob bei gleichzeitiger Fulltime-Honorierung ausüben, dafür können sie zwar nichts, dass sie sich dann aber ob jeder sanften Korrektur empören, ist nun doch ein bisserl stark. Als Berufstätiger, der von einer 40-Stundenwoche real nur träumen kann, der sich in seiner Freizeit fortbildet und vorbereitet, der seine fünf Wochen Urlaub mit dem Studium liegen gebliebener Fachliteratur zubringt, habe ich für die unfassbaren Standesprivilegien der Lehrer einfach nur Null Verständnis.

    Ich zahle gerne hohe Steuern für einen maßvollen Sozial- und Wohlfahrtsstaat. Ist es jedoch beabsichtigt, mein Steuergeld für schon mehr als großzügig dimensionierte Standesprivilegien zu verschwenden, schwindet meine Bereitschaft. Die unverschämte Lehrerschaft stellt alles in Frage. Bei einem ständischem Ausbeutungssystem spiele ich nicht mit. Steuerboykott gegen ständische Ausbeutung! fällt mir dazu ein.

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  2. Danke Danke für das unaufgeregte Statement
    natürlich gibt es – wie in jedem Beruf – gut und schlechte, fleißige und faule Lehrer.
    Aber, der ständig wiederholte und trotzdem nicht richtiger werdende Mythos vom privilegierten Lehrer, der einen Halbtagsjob mit unendlich viel Ferien ausübt, geht einem manchmal doch auf die Nerven. Besonders wenn die eigene Chefin das recht trocken ständig wiederholt.
    Nein, im Schulsystem ist vieles nicht in Ordnung, aber nach 20 Jahren als Lehrer in den verschiedenesten Bildungseinrichtungen (mein jüngster Schüler war 9, meine älteste Schüler 54) trau ich mich zu sagen, dass die LehrerInnen in diesem System nicht das größte Problem darstellen.

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  3. 1. Hier geht es um ein Sparpaket, eine Reform kann ich keine erkennen. Die Verknüpfung dieser beiden Themen ist äußerst unglücklich!
    2. Der Arbeitsmarkt hat längst entschieden: Viel zu wenig junge Leute wollen noch Lehrer werden – sie sehen, dass die Bezahlung im Verhältnis zum Aufwand einfach zu schlecht ist.
    3. Die Ferien werden eigentlich nicht bezahlt – ich verdiene einfach übers Jahr entsprechend weniger. Ich wollte das so – in Freizeit statt in Geld bezahlt werden. Jeder andere hätte auch diese Wahl gehabt und hat sie immer noch – bloß wollen die allermeisten nicht. Dafür kann ich keine Karriere machen, und keine stock options kassieren.
    4. Das Image wurde bewusst ruiniert – so lässt es sich (mit Kronenzeitungs-unterstützung) herrlich polemisieren.
    5. Warum wird nicht – wie im Bankenbereich – im (unproduktiven)Backofficebereich gespart und die tausenden Bildungsbeamten in die Klassen geschickt? Nein, die Führungsriege spart an den kleinsten Mitarbeitern direkt am Kunden. Die Frau Minister könnte doch als Vorbild ihren Einkommen zur Diskussion stellen – vielleicht bei einer kleinen Umfrage?
    6. Von einer Qualitätsverbesserung oder besseren Schülerbetreuung wird doch nicht einmal gesprochen.
    7. Konkret würde mein nächstes Schuljahr so ausschauen: Eine zusätzliche Klasse übernehmen (von einer jüngeren Kollegin), d.h. weniger Zeit für die Kinder und die Eltern. Statt bezahlter Überstunden unbezahlte Pflichtstunden.
    Statt Fortbildung, Vorbreitung, Korrekturen, Qualitätsmaßnahmen mehr Gangaufsicht, mehr frontalen Unterricht und alte Vorbereitungen.
    8. Solche Pakete treffen die engagierten, guten Lehrer und demotivieren sie. Die anderen werden einfach 2 Stunden länger diktieren, schreiben und lesen lassen. Bis alle erschöpft erkennen, dass sich Engagement nicht rentiert.
    9. Ich schäme mich für mein Image, nicht für meine Arbeit. Wir haben eine furchtbar schlechte Presse und ebensolche Kommunikationspolitik. Mit den Gewerkschaftsvertretern kann ich gar nichts anfangen.
    10. Wir brauchen klare Visionen, Strategien und Ziele. Hier wird nur herumgemurkst, alle drei Jahre wieder. Das würde selbst das beste Unternehmen der Welt in den Konkurs treiben.

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  4. Erstaunlich… …dass sogar hier – wo man eigentlich intelligente, denkende Menschen vermutet – von den meisten nur simple, dümmliche Vorurteile gedroschen werden. Anstatt vielleicht einmal, nur einmal über ein Argument der „Gegenseite“ nachzudenken.

    Bspl. 1: Ferien – eine engagierte (Sprach-) Lehrerin, die Schularbeiten und Hausübungen verbessern muss, kann dies nicht so nebenbei zwischen 14h und 16h (wie das Ganztagsschul-Argument suggeriert), sie kommt nicht selten auf eine 50-60 Stunden-Woche. Damit ist die unterrichtsfreie Zeit nichts anderes als Zeitausgleich.
    Bspl. 2: Privilegien – die haben bzw. hatten die Lehrer der 60er-80er. Seit Lehrer nicht mehr pragmatisiert werden und oft die ersten 10 Dienstjahre (!) nur Jahresverträge haben, gibts keine Privilegien mehr.
    Bspl. 3: Einkommen – ein AHS-Junglehrer beginnt mit netto ca. 1.200 Euro. Soviel wie eine Supermarktangestellte bekommt. Gleich viel Qualifikation? Gleich viel Verantwortung?
    Bspl. 4: Zusatzarbeit – Lehrer in Ö. müssen neben ihrer eigentlichen Aufgabe Administrationskram erledigen (Unterrichtsmaterialkaufen, Autobusbestellen, Rot-Kreuz-Spenden-Einsammeln, Gangaufsichtmachen, Computer-Reparieren, etc. etc.), den in anderen Ländern eigene Angestellte (Nicht-Akademiker logischerweise) übernehmen.

    Denkt mal nach, bevor ihr solche ressentimentgeladenen Postings abschickt.

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