Kärnten versteh ich nicht

Wahrscheinlich bin ich nicht allein. Aber wie diese unsägliche BZÖ Truppe auch noch dazugewinnen kann, ist mir völlig unverständlich.
Vielleicht kann uns in einem Posting ein Kärntenkenner (oder eine Kennerin natuerlich) dieses so schöne aber politisch jenseitige Land erklären.
Worüber ich mich sehr freue:
Inhaltliche Sacharbeit lohnt sich.
Die urbane Grünen in Salzburg Stadt haben gegen allgemeine Erwartungen dazugewonnen.
Johann Padutsch bleibt Stadtrat.
Ich kenne und schätze ihn sehr in seiner beharrlichen, konsequenten Verkehrs- und Planungspolitik.
Gratulation!

18 Gedanken zu “Kärnten versteh ich nicht

  1. Als Kärntner wundere ich mich auch über meine Landsleute. Ich hoffe auf die 5 %-Schwelle durch die Wahlkarten.

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  2. Ich bin kein Kärntner.

    Ich tippe mal auf drei Faktoren:
    1. Taktisches Wählen aufgrund der grotesk schlechten Umfragen.
    2. Lokalpatriotismus. Die Kärntner haben eine eigene Partei und das BZÖ nutzt das auch geschickt aus. Kritik an dem BZÖ und an der Kärntner Regierungspolitik wird als Angriff auf „die Kärntner“ und Verunglimpfung Kärntens umgemünzt.

    Nicht Kärnten-spezifisch:
    3. Die meisten Menschen tendieren im Regelfall zu der Partei, die in ihrem Millieu gewählt wird. Die Arbeiterklasse ist ganz klar kollektiv zu FPÖ und BZÖ übergewechselt. Die Wählerstromanalysen sind hier irreführend, da sie Verstorbene und Jungwähler nicht berücksichtigen. Wenn also der treue Sozi-Opa stirbt und der 16-Jährige Enkel FPÖ/BZÖ wählt, dann wird das als Wechselstimme gezählt, was vortäuscht, dass diese Stimme wieder zurück wechseln könnte.

    Ich erwarte also prinzipiell bei jeder zukünftigen Wahl einen leicht realisierbaren Zugewinn von FPÖ/BZÖ zuungunsten der SPÖ, bis dieser Generationenwechsel abgeschlossen ist.

    Das Lager Grüne/LIF profitiert meiner Meinung nach in ähnlicher Weise auf Kosten der ÖVP, wobei das aber nicht genügend realisiert wird, da die ÖVP nicht genügend attackiert wird. Das Thema Säkularismus wäre hier ein guter Tipp für eine wedge issue, mit der man den Unterschied zw. jungen und älteren Bürgerlichen akzentuieren kann.

    Die Attacken der Grünen auf die FPÖ sind meiner Meinung nach total sinnlos. Das mobilisiert vielleicht die eigenen Wähler, aber man gewinnt dadurch keinen einzigen Wähler.

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  3. eine nicht ganz ernst gemeinte Analyse Wahrscheinlich stehen die Kärtner ganz einfach auf schlechte Witze. So gesehen, macht der Wahltermin am Wochenende nach dem Faschingsfinale in Kombination mit der Fettnäpfchenhüpfweltmeisterschaft durchaus Sinn.

    Und das Konzept ist aufgegangen.

    Und jetzt ernst gemeinter:
    Wenn man glaubt, es gehe einem schlecht (ob tatsächlich oder nur gefühlt ist egal), dann tendiert man zu jenem, der das Problem KURZFRISTIG lösen möchte. Das ist die Taktik des BZÖ. Denkende Menschen, wollen Probleme auch MITTEL- und LANGFRISTIG lösen, die denken dann auch unter anderem an die Schulden, die irgendwann einmal schlagend werden. Aber wer zählt heutzutage schon zu den denkenden Menschen?

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  4. Die Roten haben sich aus dem Rennen genommen, weil sie dachten, ein konturloses Kuscheln flankiert von einer wohlwollenden, „gekrönten“ Berichterstattung ließe sich beliebig oft wiederholen. Geht nicht, die Menschen durchschauen, dass im Cerruti – Sackerl die Ausverkaufsware drin ist.
    Die Orangen verstehen es perfekt, die nationalen Komplexe der Kärntner zu schüren. Das teigige Vorgehen aus Wien in der Ortstafelfrage hat in Kärnten das Gefühl vermittelt, „Wir und unser Jörg und jetzt seine Buam haben es denen in Wien so richtig gezeigt, wos langgeht. Weiter so, wir lassen uns von den Weanern noch lange nicht auf den Kopf sch…“
    Die Schwarzen grundeln so dahin und reden ihren Misserfolg in Salzburg gechickt schön.
    Zur FPÖ fällt mir nichts ein, da wird mir einfach nur schlecht.
    Die Grünen müssen zuerst ihr Führungsproblem in der Bundespartei lösen, bevor sie an vergangene Erfolge anschließen können.

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  5. Neuer alter Tribalismus Niemand hat so intensiv in Theorie („ideologische Mißgeburt“) und Praxis (demonstratives Ignorieren von Bundes-Gesetzen und Normen) das Exterretoriale seines Bundeslandes forciert wie Haider. Zuerst kam der Stamm, dann kam die Nation und jetzt kommt der Neue Tribalismus, das wußte Haider und gab den Kärntnern ihre Einheitspartei – rot, schwarz, grün oder sogar blau wählen, heisst: den Bund wählen, Wien wählen, Brüssel wählen, ergo die Geborgenheit des Stammes zu verlassen, Landes- und Stammesverrat zu begehen.
    Dieser hochbegabte Oberösterreicher hat vom Unbewussten und seiner politischen Macht deutlich mehr verstanden als CC und aus Kärnten ein kollektivpsychologisches Großexperiment gemacht, das sein eigentliches Lebenswerk ist.

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  6. die schwäche der anderen das kärtner problem bleibt die absolut müde performance von rot, schwarz, grün.
    nur als beispiel:
    Reinhard Rohr:: „Wir müssen das Ergebnis zur Kenntnis nehmen. Es sind viele Irrationalitäten dabei, die so nicht erklärbar sind.“
    Also der Herr Rohr versteht die Kärntner nicht. Er hält sie eher für irrationale Volld….
    Aber zurücktreten tut er auch nicht.
    Gegen solche Typen isses natürlich leicht ein Wahl zu gewinnen.
    Egal ob du Dörfler oder Goofy aufstellst.

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  7. Ein kollektiver Minderwertigkeitskomplex? Ich nehme den (BZÖ wählenden) KärntnerInnen weder ab, dass sie Gerhard Dörfler für politisch und persönlich attraktiv halten, noch dass sie alle ein Zeichen für ihren geliebten rechtsextremen Alkoraser Jörg Haider setzen wollten. So dumm sind die nicht, hoffe ich.

    Viel mehr meine ich, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Kärntner Bevölkerung in seiner Rolle innerhalb Österreichs unter einem kollektiven Minderwertigkeitskomplex leidet. Diese Wahl war ein Schrei der Hilflosigkeit: Die bösen RestösterreicherInnen (und allen voran die WienerInnen) mischen sich ein, wie wir mit dem Tod Jörg Haiders umzugehen haben, machen Witze über Personenkult, erfinden ein Kopf-An-Kopf-Rennen und wollen uns sagen, wen wir wählen dürfen: Sicher nicht. Mia san mia.

    Diese KärntnerInnen erscheinen mir wie pubertierende Kinder, die beweisen wollen, dass sie „schon selbst Entscheidungen treffen können“. Die Eigenständigkeit der Entscheidung erscheint hier offensichtlich wichtiger als der Inhalt.

    Mehr Überlegungen dazu gibt’s hier:
    http://franzjoseph.twoday.net/stories/5550889/

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  8. ERklärung Lieber Christoph

    Österreich wählt traditionell Rechts. In Kärnten haben sie Haider gehabt und das war halt noch rechter als rechts. Kreisky war die rühmliche ausnahme. Wieso sind alle so verwundert. Die linke versagt in Österreich seit dreißig Jahren. Die Sozialdemokratie sowieso. Warum sollte Kärnten nicht 45% BZÖ abholen. Ob da nun BZÖ, FPÖ oder irgendwie draufsteht es ist immer rechts drinnnen.
    Erst wenn die Linke ein wenig Populismus lernt, wird sie zu Wahlgewinnen zurückkehren. Lernenw ir von Kreisky und machen wir uns die Hände schmutzig. Wühlen wir im Schlamm der Macht, dann werden auch die Grünen wieder ein Stück weiter kommen.

    Lg
    Raimund

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  9. Überrascht? Mich überrascht das Kärtner Ergebnis überhaupt nicht. Einfache Scheinlösungen sind für Menschen, die Angst vor der Krise haben, leichter verständlich, als Komplexe. Ein Bundesland, dass über beide Ohren verschuldet ist (wie auch ihre Einwohner) Und ein Riesenfehler aller anderen Parteien. KEINER MACHT SICH DIE MÜHE, DIESE INKOMPETENZ ZU ENTTARNEN. Warum hat keiner den Mut, Strache und Co wirklich auf den Zahl zu fühlen. Warum nur immer die rechte Keule schwingen, wo dies doch jeder weiss. Damit überraschen die Grünen keinen FP/BZÖ Wähler. Das wissen sie eh. Aber viele dieser Wähler glauben, dass Strache und Co unser Land besser regieren würden. Macht doch Strache endlich auf wirtschaftspolitischer Ebene zum Affen. Der Typ hat doch von Volkswirtschaftslehre soviel Ahnung, wie die Grünen von Zahnkronen. Greift ihn an. Nagelt ihn fest. Das heisst allerdings wirkliche Konfrontation und vor allem ein Ernstnehmen des politischen Gegners. Denn sollte dies nicht bald passieren, dann versrpreche ich den Grünen eine schlimme Niederlage in Wien.

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  10. Es geht nicht um Kärnten Das Ergebnis ist nicht überraschend. In einer Politlandschaft, wo es keine grundsätzlichen Alternativen gibt, gewinnt natürlich der Populist, vor allem in Zeiten der Krise.

    Die Grünen sind inzwischen soooo realo, dass es keinen Unterschied mehr macht, ob einer grün, blau oder rot daher redet. Die Farben verschleiern das Grau der Politfassaden. Jeder verspricht nur die bessere Verwaltung der Megamaschine.

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  11. Man macht es sich zu einfach, wenn man alles, was in Kärnten gestern passiert ist, auf den Andreas-Hofer Effekt des Herrn Haider schiebt. Obwohl das sicher auch eine Rolle gespielt hat.
    ÖVP und SPÖ haben derzeit eine so dünne Personaldecke, dass sie nicht einmal die Regierungsbank mit Persönlichkeiten besetzen können: Ein Studienabbrecher gibt den Kanzler, ein Diplom-Bauer den Finanzminister, ein Kammer(!)-Funktionär den Wirtschaftsminister, etc. Kein Wunder, dass sich die Leute enttäuscht abwenden.
    Und die Grünen haben sich mit der völlig unnötiger Weise vom Zaun gebrochenen Affäre Voggenhuber selbst so stark beschädigt, dass nur lokale Platzhirschen vereinzelt gegen den Trend punkten konnten.
    Bleibt ein Hoffnungsschimmer: Die SPÖ hat die EU-Wahl schon im Vorfeld aufgegeben, hier können die Grünnen jetzt punkten. Wenn sie die ehemaligen SPö-Wähler nur ansprechen.

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  12. Man muss endlich den Mut haben, etwas zu riskieren. Wenn man beobachtet wie zahnlos SPÖ, ÖVP und die Grünen das BZÖ im Wahlkampf behandelt haben, dann kann einem nur schlecht werden. Das BZÖ macht eine derart grottenschlechte Politik, dass es ein Leichtes wäre, die Herrschaften aufzublatteln. Was tut man stattdessen? Man schickt mit Rohr einen Apparatschik ins Rennen, der nichtmal gscheit reden kann, einen Martinz, der dem BZÖ speichelleckend hinterhergeifert und einen viel zu netten Grünen. Keiner hat es gewagt, heisse Eisen anzugreifen und dem BZÖ kontra zu geben. Weder in der Budget-Frage, noch in Menschenrechts- und Asylfragen und schon gar nicht in der Ortstafelfrage. UNd keiner hat es gewagt, den nordkoreanisch anmutenden Personenkult um Jörg Haider zu hinterfragen. Und das ist definitiv Feigheit. Feigheit, potentielle Wähler zu verschrecken, statt den Versuch zu unternehmen, den noch klar denken könnenden Teil der Bevölkerung durch konträre Positionen für sich zu gewinnen.

    Warum soll man denn eine Partei wählen, die eh ungefähr dieselben Meinungen vertritt wie das BZÖ, aber viel farblosere politiker hat? Die Menschen wollen sich entscheiden können zwischen unterschiedlichen Positionen. Und die Menschen benötigen (auch populistisch) aufbereitete Informationen darüber, dass die BZÖ-Politik ein Graus ist. Der Versuch, ja nicht anzuecken, der ging kräftig in die Hose. Warum beim nächsten mal nicht endlich den Mut aufbringen, den Gegner dort anzugreifen, wo er angreifbar ist?

    P.S: Spezielle Kritik an den Grünen: Als langjähriger Grünwähler überlege ich im übrigen auch, in Zukunft anders zu wählen, denn statt dass man sich auf wichtige Themen konzentriert, die auch in der Bevölkerung mehrheitstauglich sind, werden die Grünen immer mehr zur Sektierer-Partei, über die man sich lustig macht. Jüngste Beispiele: Das auf die Wahl-Liste setzen des in U-Haft gesessenen Tier-Aktivisten (in der Sache haben die Grünen da wohl recht, als Signal an die Öffentlichkeit war es aber eine Katastrophe, einen U-Häftling auf eine Wahlliste zu setzen) und der Wunsch nach einer Rathausfrau. Das ist einfach lächerlich und kindisch. Wenn man mit Nicht-Grün-Wählern diskutiert, so sind diese unpopulären Themen das Wenige, was in deren Köpfen hängenbleibt. Und das ist einfach zu wenig.

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  13. schön, aber jenseitig Lieber Christoph,

    solange Du „Das Schöne , aber Jenseitige“ an der Politik nicht verstehst, wirst du auch nicht verstehen, warum wir Grüne immer noch katastrophalerweise bei unter zehn Prozent herumdümpeln. Das zu ändern ist unsere wahre Aufgabe. Alles Andere ist Wixerei.

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  14. grüne Wirklichkeitsverächter Nachdem sich der grüne Spitzenkandidat in höchst fragwürdiger Weise mit Herrschaften solidarisiert hat, die nach unserer Rechtsordnung zwar als „unschuldig“ gelten müssen, deren Lebensweise jedoch das Gegenteil mutmaßen lässt („Saualm“), sind -1,5% an Wählerzuspruch eh noch sanft ausgefallen. Ich kenne einige Kärntner, und wer sie pauschal als ‚braunes Pack‘ denunziert, wer ihre Ängste und Sorgen geringschätzt, darf sich nicht wundern, wenn sie ihm bei den Wahlen die Gefolgschaft verweigern. Die Grünen werden zusehends nur noch als Wirklichkeitsverächter und sohin als Sicherheitsrisiko eingestuft. Diesmal ging es sich für die Grünen noch knapp aus. Das nächste Mal ist Schluss mit Lustig.

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  15. Eine Lanze für die Kärntner muss man endlich brechen. Es ist schon sonderbar wie hier seit Jahren den Kärntnern pauschal eine eine Anfälligkeit für (um es einmal klar auszusprechen, was da immer im Hintergrund mitschwingt) faschistische politische Ideen umgehängt wird. Diese angedichtete (für manche angeborenene) politische Rechtslastigkeit der Kärntner – sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen – ist durch nichts aber auch gar nichts begründbar.
    Dass diese Meinung in der Öffentlichkeit entstanden ist und dass so viele Menschen einschlägige Wortspenden so unhinterfragt eifrig nachplappern hat natürlch seine Gründe. Was ist passiert?
    Ein genialer Populist hat sich in Kärnten erfolgreich politisch betätigt. Wäre er in Salzburg aktiv geworden oder gar in seinem Heimatland Oberösterreich, er wäre ebenso erfolgreich gewesen. Das Potenzial ist überall vorhanden. Vorallem in Salzburg, wo die FPÖ bei den letzten Europawahlen sogar die stimmenstärkste Partei im Lande gewesen ist , wenn ich mich recht erinnere. Wäre Haider selbst angetreten, hätte er dort womöglich die absolute Mehrheit gemacht.
    Zurück nach Kärnten. Vor der Übersiedlung Haiders nach Kärnten gab es jahrzehntelang stabile Mehrheiten für die SPÖ, die knapp an die 50 % Marke heranreichten. Niemand kam damals deshalb auf die die Idee, die Kärntner pauschal als Sozialisten oder/und als dem Gedankengut Marxens verfallen zu bezeichnen.

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