Die übersehene Elektrorevolution

DIE Kombination der Zukunft:
Das:

mit diesen:

Dazu meine Mobilitätskolumne im aktuellen falter, leider nicht online verfügbar, drum hier im Volltext
Manche bahnbrechenden Innovationen sind ihrer Zeit leider voraus. Der Mut verlässt ihre Entwickler und erst Jahre später kommt der grosse Durchbruch.
Andere Innovationen passieren im Stillen.Man könnte, nein müsste sie deutlich sehen, so erfolgreich sind sie bereits, und trotzdem werden sie ignoriert.
Von diesen beiden Innovationen sei heute die Rede, und abschliessend eine Kombination aus beiden vorgeschlagen.
Aber langsam, der Reihe nach.
Alle Medien sind voll mit Berichten über das Elektroauto.
Dieser Hype ist nichts Neues, mindestens seit zehn Jahren wird von irgendeinem Autoproduzenten eine “serienreife” Produktion versprochen.Aus einer Vielzahl von Gründen blieb es bisher bei Ankündigungen.
Kaum wird jedoch darüber berichtet, dass in China bereits 60 Millionen Elektro-Roller in Betrieb sind.

Denn wenn schon Elektro, warum dann gleich Auto, diese Frage drängt sich natürlich auf, nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass in neun von zehn Autos genau ein Mensch, sei es mit Aktentasche und Laptop, sei es mit Sportausrüstung oder Einkaufstasche sitzt.
Die Begrenzung der Ladekapazität der Batterie, welche das Haupthindernis des E-Autos ist, stellt sich beim Elektro-Scooter nicht.
Denn warum mit dem Auto ein Gewicht (und damit Antriebskraft) von mehr als einer Tonne bewegen, wenn das Gewicht des zu transportierenden Menschens weniger als 10% beträgt.Wozu diese Verschwendung? Wozu dieser Platzverbrauch.
Ein elektrisch angetriebener Scooter wiegt etwas mehr als 100 kg, entsprechend klein “darf” dann seine Batterie sein, und die wenigsten fahren damit weiter als 60km, das ist jene Distanz, die derzeit alle chinesischen Produkte spielend bewältigen.
Bedenkt man weiters, dass der Anschaffungspreis dieser Mopeds, je nach Ausstattung und technischer Qualität zwischen 1500 und 3000 Euro beträgt (in Europa, in China sind sie deutlich billiger), dann fragt sich in der Tat, warum diesem abgasfreien Konzept motorisierter Mobilität keine grössere Aufmerksamkeit zuteil wird.
Einmal “Volltanken” mit zwei, max. drei Kilowattstunden Strom kostet weniger als 50 Cent und macht diese Form der Mobilität konkurrenzlos billig.
Warum also, fragt man sich angesichts dieses Booms in China, und jetzt auch zunehmend in Indien, Thailand, Indonesien etc, wird soviel über ein noch immer nicht existierendes Elektroauto, sowenig über ein intelligentes, abgasfreies, sowie billiges Transportmittel gesprochen.
Aber der Regen bei uns, und der Wind und überhaupt, ich mag keinen Helm.
Womit wir bei Innovation zwei wären, jener, die (leider) ihrer Zeit voraus war.
C1, so knapp hiess dieses Fahrzeug von BMW.
Ein Motorrad mit Scheibenwischer,Überrollbügel und Dach, mit Sicherheitsgurten und seitlichem Aufprallschutz, und der Freiheit, eben keinen Helm tragen zu müssen. BMW pries sie 2000, als die C1 das erste Mal produziert wurde, völlig zurecht als grosse Innovation für den Nahverkehr.
Aber einige nicht umwesentliche Kleinigkeiten verdarben das Geschäft. Da war einmal der Preis: 9980 DM kostete damals das Basismodell, rechnet man die Inflation ein, müsste man heute rund 7000 Euro dafür berappen, ein mehr als stolzer Preis, für den man heute bereist einen günstigen Neuwagen (Dacia, etc.) erhält.
Und dann war da noch eine stilistische Eigenart, die der optisch sehr ansprechenden C1 sehr negativ ausgelegt wurde: Ihr Motorengeräusch. Hergestellt von der Firma Rotax im schönen oberösterreichischen Gunskirchen, klang und klingt der Motor wie eine überdimensionierte Nähmaschine bei Vollgas.Kein tiefer satter Klang, den man angesichts des Konzeptes und der Anmutung erwartete, sondern verklemmt, borniert, zum “Vorfahren” gar nicht geeignet.
Es kam bitter: Die Verkaufszahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück, eingefleischte Fans gab es zwar viele, vor allem in Deutschland, England und Italien, aber es waren trotzdem zuwenige.
Bereits 2003 wurde die Produktion wieder eingestellt, die Marke “C1” an Citroen verkauft. Die Geschichte gab jedoch den Erfindern recht. Gebrauchte C1 sind heute rar wie Edelstein und entsprechend teuer.
Zeit für einen Neubeginn: Eine preiswerte Neuauflage der weiland C1 mit Elektroantrieb. Das wäre die grosse Innovation. Mit Erfolgsgarantie.

10 Gedanken zu “Die übersehene Elektrorevolution

  1. Warum fördert Wien soetwas nicht?? Genau diese Mobilität gehört in eine Stadt wie etwas Wien! Statt feinstaub- und NOx-schleudernde SUVs, die heutzutage das Wiener Stadt/Verkehrsbild prägen, sollten genau diese e-Scooter, neben den Öffis & zu Fuß gehen, zur Mobilität Nr. 1 zählen. Warum werden z.B. CNG-Fahrzeuge mit 1000,- gefördert (was durchaus sinnvoll sein mag, v.a. in Bezug auf Schadstoffausstoß, weniger wegen Klimaschutz), aber e-Autos und v.a. e-Scooter nicht?? Wer legt sich da quer?

    Auch hier gilt wieder: Die Grünen sollten sich wieder um diese Themen kümmern und nicht um Gendering beim Rathausmann …

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  2. elektroroller und vor allem elektrofahrräder fehlen bei uns wirklich. gerade letztere hab ich vor allem in der schweiz öfter mal gesehen. irgendwie schlafen sie bei uns noch alle. fast alle. ktm experimentiert ein bisschen, aber bringt trotzdem (noch) nichts auf den markt. aber dafür hab ich gehört, bauen sie jetzt dort so autoähnliche cabrios. elektroroller sind wohl nicht statussymbol genug.
    interessanter artikel jedenfalls.

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  3. Rar sind diese Elektroscooter. Aber gibt es tatsächlich die Nachfrage danach?
    Es ist nämlich wesentlich bequemer im trockenen Auto zu sitzen, vor Wind und sonstigem Wetter geschützt. Und auch sonstige Vorteile, die Autos bieten: Jederzeit Stauraum, Musikanlagen im Auto, gemütlicher Sitz, …. Die Österreicher sind komfortverwöhnt. In China seh ich den größten Vorteil darin: Staus zu umgehen und besser voranzukommen als mit Autos.
    In Österreich ist noch nicht so viel „verstopft“ auf den Straßen, dass sich der Trend zu Scooter entwickelt, denk ich.

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  4. Der Strom kommt aus der Steckdose Herr Chorherr!

    Der Strom kommt aus der Steckdose und dort beginnen leider auch erst ihre scharfsinnigen, objektiven Analysen. Trotzdem sollten Sie zumindest zugehörige Fakten erwähnen und richtig wiedergeben.

    ZB. ihr Märchen, dass Strom konkurrenzlos billig sei. 1kWh Strom kostet ca. 17 Cent (Quelle Wien Energie). Ein Liter Benzin hat einen Energiewert von etwa 10kWh und kostet 1 EURO und ist damit mit Strom wohl vergleichbar.

    Und bevor der Strom aus der Steckdose kommt, verursacht 1kWh einen CO2 Ausstoß von 52,8g (Quelle Wien Energie) und das bei immerhin 80% Wasserkraft Anteil, auch solche Tatsachen verschweigen Sie uns.

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  5. Strom sparen Ich finde solche E-Scooter ja grundsätzlich auch gut. Aber wie ist das tatsächlich mit dem Stromverbrauch und Angebot? Alle Welt redet vom Stromsparen, da sollte doch anderswo kräftig eingespart werden (Sanierung von Häusern, Energiefresserelektrogeräte, Standby,…), damit wir den eingesparten Strom für die Scooter verwenden können.

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  6. In Graz hingegen wird man eine Elektrokonversion des Puch Maxi entwickeln müssen, bevor es zum stinken und lärmen aufhört.

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