12 Gedanken zu “Sterben, mitten im Leben

  1. leute haben bezahlt und das lokal verlassen, einige sind geblieben und haben so getan als wär nix.
    aber ich bin mir sicher jeder hatte eine empfindung, das ist sicher nahegegangen.
    ich denke wir haben verlernt gefühle auch auszudrücken und schleichen uns davon, das ist der punkt!

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  2. frage der persönlichen entwicklung ein beeindruckendes erlebnis. ich meine, dass es in derartigen situationen kein „richtig“ oder „falsch“ geben kann, nur ein „für sich selbst stimmig“ oder eben nicht.
    gerade der tod hat in letzter konsequenz nur mit einem selbst zu tun:
    sowohl als angehöriger, als passant und natürlich auch als sterbender. die gemeinschaft
    löst sich im tod auf. in diesem sinn meine ich, hilft wohl die nur die
    auseindersetzung mit dem tod und dem sterben, einen umgang für sich
    damit zu finden. ein ignorieren, dieses themas führt wohl zu dieser betretenheit,
    die du schilderst. mir ginge es auch noch nicht anders … lg günter

    ps: natürlich gibt es gemeinschaften – als waldviertler habe ich das in horn erlebt – die
    hier noch einen anderen umgang mit dem tod haben. auch hier kein richtig oder falsch,
    eher ein aufgrund der engeren verflechtung der menschen am land, ein intimerer umgang
    mit dem tod.

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  3. eine technische antwort Vermutlich wärs wohl nicht schlecht gewesen, wenn irgendjemand schon vor dem eintreffen der rettungssanitäter wiederbelebungsversuche gestartet hätte um den Blutkreislauf am zirkulieren zu halten.
    Immerhin lernt man das beim Führerschein.
    Allerdings: Nach dem Kurs im rahmen des Führerscheins hätt ichs auch nicht gemacht, gebe ich zu.

    Das wäre die korrekte reaktion in unserer technischen gesellschaft.
    Leider können wir weder dieses, noch ein lied anstimmen.
    Wer sein wissen auffrischen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Herz-Lungen-Wiederbelebung

    Man kann aber niemandem einen vorwurf machen, ausser dem Gesetzgeber. IMO sollte es für Führerscheinbesitzer in regelmäßigen abständen verpflichtend Erste Hilfe Kurse geben (alle 5 Jahre ZB). Jemand hätte dann vielleicht schon mal aus der Bank gegenüber einen Defibrillator holen können, hätte vielleicht was gebracht, je nach vorliegendem Problem halt.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Defibrillator#Automatisierter_externer_Defibrillator_.28AED.29

    Ändert aber alles nix drann, dass keienr von uns ein Lied anstimmen könnte…

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  4. sehr nahegehender, auch gut geschriebener text… ich würde meinen, man könnte daraus auch schliessen, dass wir nicht immer perfekt sein müssen, auch mal (zu uns selbst) sagen können: ich war überfordert, ich habe keine ahnung, was womöglich „richtiger“ gewesen wäre, deshalb habe ich nichts getan.

    ein schritt für einen selbst könnte sein, mal das eigene sterben ein bisschen zu gestalten. was möchte man für die eigenen angehörigen, was will man vielleicht noch an botschaft übermitteln können, was möchte man sich vielleicht sehr klar ausbedingen, dass sie (nicht) mit einem tun?

    ich habe mir fest vorgenommen, das vor meinem 40er zu tun. gar nicht mehr gar arg soviel zeit… und wer weiss schon, ob ich selbst diese zeit noch haben werde.

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  5. Sehr berührende Geschichte.

    Zur Frage, was wäre „richtig“ oder „falsch“ gewesen? Die Gäste zur Andacht mahnen, ein Lied anstimmen, den fremden Angehörigen sein Beileid bekunden…?

    In so einem Moment ist nur „falsch“, über das Richtige nachzudenken, denn richtig ist alles, was direkt aus dem Herzen kommt.

    Sag ich jetzt sehr leicht, ich weiß…

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  6. tja sich in einer solchen situation richtig zu verhalten, ist wohl äußerst schwierig. ich weiß es auch nicht. ich weiß auch nicht, wie ich mich in einer solchen situation verhalten hätte. wenn ich davon lese, dass CC seine suppe weitergelöffelt hat, denke ich im ersten momlent: wo ist hier der anstand geblieben? dann stellt sich mir die frage, was hätte er tun solln?? ich habe hier keine antwort. ich finde es sehr gut, dass dieser beitrag zum nachdenken anregt, auch dahingehend, dass wir mit sicherheit selbst mal in eine solche situation kommen werden

    michael

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  7. Die Suppe wäre mir wohl vergangen. Aber das Schwierige an der Situation wäre für mich, dass die anderen und insbesondere die Verwandten dank George Clooney&Co sich vermutlich große Hoffnungen gemacht hatten. Man kann den Verwandten wohl kaum sein Beileid aussprechen, während die Notärztin noch ihre Arbeit macht.
    Ich wäre also vermutlich dezent gegangen.

    Die Vermutung, dass andere Kulturen es besser machen würden, stößt mir etwas sauer auf. So argumentieren viele, die sich von ihrer Verantwortung lösen wollen. „Ich habe ja nur wegen meiner Kultur so gehandelt.“ So wird das Publikum beschämt und man kann sich selbst sogar noch als Gutmensch darstellen, der die anderen auf ihre Fehler aufmerksam macht.

    Außerdem stimmt es nicht. Nirgendwo wird das Leben und körperliche Unversehrtheit so hoch geschätzt wie in westlichen Kulturen. Denn es sind genau die Kulturen, in denen der Tod etwas alltägliches ist, weil ständig jemand an einfachsten Krankheiten stirbt, in denen ein Menschenleben kaum etwas zählt und Mord, Totschlag, Gewalt und Vergewaltigung an der Tagesordnung stehen. Universum, arte&Co tragen hier auch dazu bei, dass fremde Kulturen verklärt werden. Da werden „stolze“ Krieger mit ihren Speeren und ihrer Kriegsbemalung gezeigt, so als wäre das alles bloß eine Folkloreveranstaltung, vergleichbar zu einem Schützenverein.

    Insofern sollten wir doch froh sein, dass wir die Frage diskutieren, ob CC seine Griesknödelsuppe hätte stehen lassen sollen. Das ist zum Glück ein kulturelles Luxusproblem.

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  8. Sterben kann schön sein Ich arbeite seit 3 Jahren bei einer Bestattung und habe täglich mit dem Tod zu tun. Heute war eine Tochter bei uns, weil ihre Mutter vermutlich bald stirbt. Sie konnte sich aber keinen Sarg aussuchen und keine vorausschauenden Schritte setzen. Für mich war die Begegnung mit dem Tod-sein sehr bereichernd. Ich erkannte für mich den Kreislauf des Lebens, der ständige Wandel in unserem Leben bis zur größten Wandlung beim Sterben, – das Kommen und Gehen ist ganz natürlich und letztlich befreiend. Das Tod-sein gibt es für mich nicht. Entweder verlöschen wir für immer oder wir kommen wieder neu auf die Erde. Die Tröstungen der Religion geben mir nicht viel. In Wirklichkeit wissen wir nicht viel über das Davor und das Danach unseres Lebens. Um gut zu leben, sollen wir uns mit dem Tod anfreunden. Ansonsten: Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein… (Kohelet)

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  9. Ganz ehrlich: Gar nichts zu tun war wohl das Richtigste, das in so einer Situation zu tun ist.
    Gaffen und den Sanitätern im Weg rumstehen ist klarerweise am wenigsten hilfreich; wildfremden Menschen ein Beileid auszudrücken grenzt an Heuchelei, pseudo-bestürzt zu tratschen ebenfalls. Klar ist es nicht alltäglich, wenn im Restaurant am Nebentisch jemand stirbt, dann aber doch wieder, weil der Tod nun mal untrennbar zum Leben gehört und gerade bei alten Menschen nicht als die große Besonderheit dargestellt werden sollte, als die sie oft gehandhabt wird.
    Insofern hätte ich wohl genau so gehandelt: Gegessen, gezahlt, gegangen.

    (Was man übrigens noch nicht machen sollte, ist bei jeder noch so unpassender Gelegenheit Kritik an „der Gesellschaft“ zu üben. Konsumkritik schön und gut, aber was hat das mit einem sterbenden Senioren zu tun?)

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  10. wo war da die reaktion des wirts? der gastronom trägt die verantwortung für seine gäste. er hätte die möglichkeit gehabt, alle der peinlichkeit zu entheben, die entscheidung über gehen und bleiben oder eventuelle reaktionen selbst zu fällen. (in so einer öffentlichen situation gibt gruppenadäquates verhalten allen beteiligten seelische sicherheit). einfach die kurze frage: wollen sie weiteressen, ggf. an einem anderen platz? ein andermal wiederkommen? (es würde keine rechnung gestellt)
    ich würde sogar ein restaurant, in dem ein mensch stirbt bzw. gerade gestorben ist, sofort räumen und schließen! es sei denn, man könnte den sterbenden in ein hinterzimmer bringen. an einem öffentlichen platz, vor den augen unbeteiligter, zu sterben ist doch der größte horror schlechthin!

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  11. Was mich daran erinnert, dass ich letzten Freitag im Theater war, und in der letzten Viertelstunde aus dem Parterre eine Stimme hörte: Holt einen Arzt, einen Arzt bitte!!! Die Schauspieler sah man weitermachen, und immer mal wieder einen kurzen Blick zur Szenerie zu werfen, die mir verborgen blieb, weil ich ganz oben sass.
    Beschämt denke ich jetzt daran, dass ich mich nach dem Theater noch nicht mal erkundigt habe, was passiert ist. Und den Vorfall auch schon wieder vergessen hatte, und nur durch diesen Artikel daran erinnert werde.

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  12. Hmmm? Imho ist es irgendwie verkrampft, immer „passend“ reagieren zu wollen.

    Wenn im Lokal am Nebentisch jemand stirbt, gibt es keine passende Reaktion. Seien Sie einfach sie selbst, und fühlen Sie sich so, wie Sie sich eben fühlen.

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