Wer hat eine Wirtschaftskrise


Das sind zwei von 2,6 Mrd Menschen.
Zwei, die nicht einmal eine irgendwie hygienische Toillette in ihrem Umfeld haben.
Zwei von einem Drittel der Menschheit.
Oder:
Mehr als die Hälfte aller weltweit Arbeitenden, verdient weniger als 2 US-Dollar pro Tag.
Trifft diese die Finanzkrise?
Oder ist nicht ihr gesamtes Leben von Geburt an eine einzige Wirtschaftskrise?
Die jetztige, „unsere“ Wirstchaftskrise wird in Horrorbildern gemalt.
„Sie wird uns wie ein Tsunami treffen.“
Das ist nicht falsch, und trotzdem v.a. ein Problem jener (Minderheit) die viel zu verlieren hat.
Warum ich das grad heute schreib?
Jetzt denken die USA daran, ihrer Autoindustrie 25 Mrd Dollar Subvention zu geben.
Mit einem Bruchteil dieses Geldes könnte wenigstens ein Menschenrecht weltweit sichergestellt werden.
Nicht mehr vors eigene Haus scheissen zu müssen.

6 Gedanken zu “Wer hat eine Wirtschaftskrise

  1. du hast recht – uns allen geht es sehr, sehr gut, zumindest im Vergleich mit all den vielen Menschen, die nichts zu verlieren haben weil sie nichts haben.

    BTW: wegen den US-Autokonzernen – ich habe gestern berichtet, dass eine Gesundschrumpfung bzw. ein abrupter Innovationsdruck gar nicht so schlecht sein kann…. siehe: http://blog.autolos.com/stories/32917

    Liken

  2. Wie immer sehr treffend.

    Ich verstehe auch nicht ganz warum jetzt auf einmal ganz problemlos die milliarden purzeln 😉

    Aber wie immer gilt hier offensichtlich: Jeder ist sich selbst der Nächste…..

    Liken

  3. So hat die Menschheit hunderttausende Jahre lang gelebt, ohne was dabei zu finden. Wenn Entwicklungshelfer Toiletten bauen, dann werden die häufig nicht akzeptiert. Da muss erst einmal erklärt werden, dass das unhygienisch ist und eine Schamhaftigkeit gegen das öffentliche Defäkieren aufgebaut werden.
    Es macht auch wenig Sinn, in Regionen in denen akuter Wassermangel herrscht, das Wasser für WCs zu verschwenden. Eine Grube, die zugeschaufelt wird, sobald sie voll ist, reicht. Aber dafür reichen eine Schaufel und ein paar Bretter. Den Zusammenhang zu aus der Luft geschaffenem Zentralbankgeld zur Stützung westlicher Banken sehe ich nicht.

    Die Hälfte der weltweit Arbeitenden verdienen nicht 2 Dollar pro Tag, die sie dann im Billa ausgeben, sondern sie leben in einer vorindustriellen Subsistenzwirtschaft. Sie essen das, was sie in primitiver Land- oder Viehwirtschaft an Nahrungsmitteln erwirtschaften und sie leben in Lehmhütten, die sie selbst gebaut haben. Die 2 Dollar sind soweit ich weiß lediglich Schätzwert für diese Wirtschaftsleistung, der aber absurd ist, wenn man das nicht nach Kaufkraft bereinigt, sofern das überhaupt denkbar ist. Denn in Österreich kann man sich mit 2 Dollar pro Tag nicht einmal die Miete für ein Stück Land für eine Lehmhütte leisten.

    Erhard Fürst von der Industriellenvereinigung hat gestern im Club 2 auf den Vorwurfsschwall von Jean Ziegler und den anderen überzähligen eifernden Wirtschaftsfeinden in der Runde auf den Vorwurf, dass das Wasser in der dritten Welt verschmutzt ist, prägnant gekontert. Und zwar mit der Frage: „War das Wasser dort früher besser?“

    Und das entlarvt auch das Absurde an solchen Gegenüberstellungen. Die Finanzmarktkrise basiert darauf, dass Amerikaner, Iren, Isländer, Briten, Australier, Spanier und auch Südafrikaner auf Kosten anderer entwickelter Länder konsumiert haben und nun die Kredite nicht mehr begleichen können. Es ergibt überhaupt keinen Sinn, das in einem gemeinsamen Kontext mit Entwicklungspolitik zu diskutieren. Der westliche Reichtum basiert nicht darauf, dass Kinder in Afrika, Indien und Teilen Südamerikas wie seit eh und jäh ihr Geschäft hinter dem nächsten Baum verrichten.

    Liken

  4. ja, legen wir diese meldung von cc mal ad acta. sie ist für mich ein beispiel dafür, dass die (aus der urzeit menschlicher entwicklung stammenden) völlig richtigen sozialen emotionen nur allzuleicht zu den (einer komplexen global industrialisierten zivilisation nicht mehr 1:1 angemessenen) falschen schlüssen führen können.

    in diesem spannungsfeld bewegen sich ein grossteil unserer politischen debatten – nicht nur hier, aber auch hier.

    und insofern ist der eintrag ein weiteres zeichen dafür, dass cc’s herz trotz jahrelanger parteipolitischer erosionsgefahren völlig intakt tickt. und das reicht mir fürs erste. heftige emotionen stehen am anfang alles wirklich guten.

    Liken

  5. nicht ad acta liebe Leute, jetzt muss ich nachlegen
    und einigen von Euch widersprechen.
    Dass Jahrtausende „aufs Feld geschissen wurde“, darf ich es so ausdrücken, ist aus einem Grund kein kluges Argument:
    Wenn sich einige wenige Menschen riesige Flächen zur Besiedelung teilen, braucht man in der Tat keine geordnete Entsorgung von Fäkalien.
    Wenn heute mehr als die Hälfte der knapp 7, bald 9 Mrd Menschen in Städten wohnt, geht das eben nicht mehr.
    Hunderttausende erkranken an verschmutztem Wasser, das auch und ganz wesentlich aus Verunreinigungen durch Fäkalien stammt.
    Toiletten verhindern Erkrankungen, und verbessern die Qualität des lokalen Wassers.
    Aussderdem.
    Ich hab nirgendwo von Wassertoiletten geschrieben.
    Bei unserem Ithubaprojekt haben wir ein ziemlich klug entwickeltes Trennsystem für Trockentoiletten gebaut; bin gespannt, wie das kulturell funktioniert.
    Und warum ist die Gegenüberstellung der möglichen Finanzierung von Tioletten und jener der US Autoindustrie unzulässig.
    Was (politisch) wichtig ist, wird finanziert.
    So einfach ist das.
    Die USA wie Österreich haben sich wie alle Länder verpflichtet, 0,7% des BIP für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben.
    Die USA erreicht diesen Wert ebensowenig wie Österreich.
    Weil in beiden Ländern anderes anscheinend wichtiger scheint.
    Skandinavische Länder erfüllen diesen Wert.
    Weil er ihnen politisch wichtig ist.
    Anderes Beispiel:
    Arabische Länder (unter Führung von Saudi-Arabien) bauen auf der ganzen Welt Koranschulen.
    In Pakistan kann man sich anschaun, was daraus entsteht.
    Weil es den Saudis wichtig ist.
    Wir (die unglaublich reiche westliche moderne Welt) könnte es leicht finanzieren, Grundschulbildung in allen afrikanischen Ländern finazielll zu unterstützen und so sicherzustellen.
    Grundideologie: Die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte.
    Warum liebe Leute, soll soetwas nicht möglich sein?
    Geld ist ja, wie wir dieser Tage sehen, mehr als genug da.

    Liken

  6. Ich frag mich was aus der Enteignung von „Sachen“ geworden ist.
    Jede Bank, jedes Unternehmen, dass Mrd. in den Sand setzt, könnte so einfach vom Staat „kostenlos“ übernommen werden, und somit wirtschaftlicher gemacht werden. Und das beste: Der Staat verliert keinen Cent durch Zuschüsse. Natürlich investiert dann der Staat auch Geld, um die Bank wieder zum Laufen zu bringen. Aber der Staat wäre Garant dafür, dass Kredite für Unternehmen wieder leichter möglich gemacht werden.
    Derzeit: Die Banken kassieren, aber in den Medien erfährt man, dass die Banken vorsichtiger sind bei der Kreditvergabe. Wozu werden die Banken dann „gerettet“?

    Ich bin weder Befürworter für: Mehr Staat, weniger Privat, noch für: Mehr Privat, weniger Staat. Beides ein Schwachsinn. Es kommt nämlich immer auf die leitenden Personen ab, also auf Persönlichkeiten, was sie aus einem Unternehmen machen.

    Was mir auch fehlt: Wo bleiben NEUE REGELN für den Finanzmarktplatz weltweit, in der EU, in Österreich, … ???
    Auch jetzt kann jede Bank noch jede Menge Geld verspekulieren. Da war ja der Bawag-Skandal ja gar nichts dagegen.

    Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.