Was ist das für ein Land ?

Zurück aus Südafrika.
Viele Eindrücke,Ideen und Pläne.
Darüber wollte ich hier schreiben.
Dann lese ich (alte Gewohnheit) Zeitungen der letzten Woche.
Schau mir die ORF Berichterstattung nach Jörg Haiders Tod an.
Und frage mich: Was ist das für ein Land?
Deswegen dieser Pressekommentar
Afrikabericht folgt.

26 Gedanken zu “Was ist das für ein Land ?

  1. Landeshauptmann im Amt Haider war Landeshauptmann im Amt. Dass Gusenbauer eine Grabrede hält und der ORF überträgt, ist wohl angemessen bei einem derartigen Ereignis. Man kann bestenfalls die Art und Weise kritisieren. Nach dieser Woche wird man von Haider eh nichts mehr hören.

    Solange so wir uns Trauungen von blaublütigen, aristokratischen Übermenschen (z. B. aus Belgien oder Spanien), Papstemssen und Religionssendungen im ORF ansehen müssen, kann ich ein Landeshauptmannbegräbnis verkraften.

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  2. Haiderei In seinem letzten Interview brandmarkte Haider mit Betroffenheitsmine die Finanzhaie und meinte zur privaten Pensionsäule, die sei zu weit gegangen. Mit keinem Wort erwähnte er dabei (bzw. wurde vom Interviewer darauf hingewiesen), dass es KHG war, der mit Riess-Passer diese Säule propagiert hatte. Wohl damals nicht gegen den Willen Haiders.

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  3. Genau!! Herr Chorherr, Sie schreiben mir aus der Seele!
    Was habe ich gelitten die letzten Tage, doch außer dem moderierten Forum im Standard gab es bisher kaum eine Öffentlichkeit für eine verbale Gegenwehr. Alles wurde mit „Pietät“ zugekleistert …
    Ich finde, man müsste was „Lautes“ machen – nur was?
    Was Parlamentarisches, was Außerparlamentarisches?
    Schon die Wahl rief wieder deutlich in Erinnerung, wie brach unsere Demokratiekultur liegt, doch diese Haiderwoche schmerzte noch mehr – wir brauchen ein Demokratieprojekt!!!

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  4. Lieber Herr Chorherr,

    wenn ein Mensch abtritt, der niemanden kalt gelassen hat, zu dem fast jeder Österreicher eine wie auch immer geartete emotionale Beziehung hatte, dann ist das schon alles ganz okay so. Haider war halt keinem egal, warum sollte das nicht zum Ausdruck kommen dürfen? Wär doch auch irgendwie verlogen, oder?

    Und natürlich ist die öffentliche Darstellung – auch in weitgehend objektiven Medien – in so einer Zeit verzerrt: Seine Verehrer und „Lebensmenschen“ dürfen ihn in den höchsten Tönen lobpreisen und den erbittertsten Gegnern bleibt statt offenem Widerspruch nur, posthum Respekt zu zollen. Da bleibt ein Ungleichgewicht in der öffentlichen Darstellung, das viele unerträglich und dem Ausland schwer vermittelbar finden mögen. Aber gegen einen Toten kommt man hier nicht an. Nicht, so lange er noch nicht mal unter der Erde war. Das verbietet der Anstand. Ein Anstand, denn Jörg Haider vielleicht selbst nicht immer aufgebracht hätte. Aber das soll hier nicht der Maßstab sein.

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  5. Asylwerber Die Unterbringung auf der Saualpe ist eindeutig nicht rechtswidrig. Etwas mehr Seriosität in Ihrem Pressekommentar wäre gefragt.

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  6. Christoph Bobo Lieber Herr Chorherr,

    Sie leben vermutlich tatsächlich in einem (sozial hochstehendem) Ghetto das mit den
    Lebenswelten vieler nichts zu tun hat – wie der Presse-Artikel zeigt.

    Ich war und bin auch kein Freund von Jörg Haider und der TV-Übertragung im ORF. Aus
    meiner Sicht hätte eine Übertragung des ORF Kärnten vollkommen ausgereicht (das
    wäre als LH auch legitim gewesen), die bundesweite Übertragung kann ich auch nicht
    nachvollziehen.

    Ich denke, Sie haben die Mehrheit für Ihre Meinung nicht hinter sich – die Sie in Ihrem Artikel
    für sich vereinnahmen. Ich habe selbst zig Gespräche geführt und die wenigsten
    Kommentare kommen Ihrer Meinung gleich. Aber das liegt vielleicht an meinen „Ghetto-
    bedingungen“.

    Weiters bin ich auch nicht autoritär geprägt, die pauschale Verurteilung derer, die nicht in
    Ihrem linken Eck stehen ist typisch und bezeichnend und trägt im übrigen auch zum
    schlechten Abscheiden der Grünen bei. Weiter so.

    Leute wie Sie, Pilz und Konsorten tragen die Grünen mit Stetigkeit hinunter. Nicht
    nur Haider ist sich selbst oft im Wege gestanden, auch Sie und Ihre Genossen folgen
    dieser Linie.

    Besten Gruß.

    Ihr

    Martin Wimmer

    Besten Gruß.

    Ihr

    Martin Wimmer

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  7. perspektiven-wechsel? s.g. herr chorherr!

    möchte vorausschicken, dass ich immer grün gewählt habe und auch hitzige diskussionen in der höhle der löwen (z.b. burschenschaftslokale in graz) gegen zahlenmäßige übermachten nicht gescheut habe. bin in kärnten aufgewachsen, lebte 8 jahre in wien und 8 jahre in graz.

    ad ghetto: ja, man kann es durchaus eine art ghetto nennen – die 9 inneren bezirke in wien; da ist die welt z.t. grün, da finden sich im schnitt gebildetere, globaler denkende menschen. aber, man muss auch über den tellerrand hinausschauen können. es reicht schon der blick nach favoriten …

    was in wien keiner versteht – haider hat in kärnten nicht nur jedem persönlich die hand geschüttelt in diesen 25 jahren (ja auch ich kam vor 20 jahren nicht aus …), er hat der bäurin aus dem mölltal auch zugehört (die natürlich vollkommen von den socken war, dass „der HERR LANDESHAUPTMANN“ zu ihr in den ort kommt). ja, und er hat sich die sorgen der bäurin aufgeschrieben und in den nächsten tagen geantwortet, geholfen oder erklärt, warum er nicht helfen könne. habe ja noch kontakt mit kärntnern – kaum einer, der nicht eine ähnliche persönliche episode erzählen kann. er war offen, leutselig, ist auf jeden zugegangen und hatte ein unglaubliches gesichtergedächtnis. auch diesbezüglich war er ein phänomen.

    klar, für mich, für sie war das fürstliche gehabe, als er die 100-euro-beihilfe persönlich auszahlte zum kotzen (und das völlig zurecht). ein protziges almosengeben. wer wollte, ließ sich die 100 euro überweisen. aber für die alte mindestrentnerin waren die 100 euro viel geld und war dies auch die möglichkeit, dem landeshauptmann persönlich zu danken („weil sich das ja gehört“). er war der einzige von denen da oben, der den persönlichen kontakt nicht nur nicht scheute, sondern bewusst suchte.

    deshalb liebte ihn der „kleine mann“ – egal ob es gegen „die da oben“ an den konzernspitzen oder die da oben in der regierung in wien ging, er stellte sich auf die seite der verlierer. ja klar, sie und ich wissen ganz genau: er selbst war reicher großgrundbesitzer, ermögliche in der schwarz-blau-orangen regierungszeit orangen postenschacher im allerschlimmsten ausmaß, verschleuderte öffentliche gelder, hat „uns“ mehrfach belogen usw. aber er verschleuderte das geld für den kleinen mann. er war in diesem sinne zutiefst sozial. und nachdem er im stubenmief eines braunen elternhauses und entsprechender burschenschaften sozialisiert wurde war er auch zutiefst chauvinistisch, deutschnational. er war national und sozialistisch. national-sozialistisch.

    er war aber auch jung im denken (=spontan-unüberlegt, partygeil, kreativ), fesch (=eitel), frech (=revoluzzer, menasse hat das gut beschrieben), aktiv (=auf jedem fest, auf jedem berg), kurz ein attraktiver rattenfänger, ein robin hood, ein che (auf den zb die jungen linken reinfallen, weil das bildchen so „cool“ und weil er gegen die da oben …..). er revoltierte gegen das wiener parkett (was bei den 6 bis 7 mio „provinz“-österreichern natürlich blendend ankommt), bediente (wie der standard üübrigens auch, gääähn) das „wir sind die einzigen gallier“ gefühl der kärntner, die (berechtigterweise, meine meinung) die „schönheit ihres landes so lieben“ (zitat winkler). nachsatz, weil es ja sonst wenig zu lieben gibt in einer krisenregion.

    wie blass sahen dagegen die vranitzkys, die molterers, die faymanns und alle anderen „da oben“ aus. ihr blasiertes, kraftloses auftreten, ihre hin-und-rücksichtel-attitüde usw. ich glaube, dass haider im grunde in JEDEM bundesland derart abgeräumt hätte, außer vielleicht in wien, mit seiner sozialistischen tradition (obwohl ich mir da nicht so sicher bin, wenn sogar ein strache derart an stimmen gewinnt). im grunde hat noch JEDER erfolgreiche LH so agiert – siehe die prölls, krainers, wallnöfers, wagners …

    und jetzt die große frage: WARUM kann das sein? warum lassen sich so viele menschen derart blenden? warum konnten zb die grünen nicht einen einzigen, der hunderttausenden wechselbereiten wähler überzeugen? liegts an unserem bildungssystem? an der krone? klar, die große koalition wurde ein zweites mal abgewählt, es war also eine protestwahl. aber wieso dann nicht grün??

    kann es sein, dass der durchschnittliche österreicher einfach nur will, dass gearbeitet und nicht ständig über ideologien gestritten wird? kann es sein, dass der durchschnittliche österreicher nicht ständig als faschist, austro-faschist oder nazi beschimpft werden will, nur weil er beim fussballspiel im stadion oder beim skirennen eine rotweißrote fahne schwenkt oder stolz auf seine „heimat“ (hui, laut menasse ein neues unwort…) ist. ja klar, auch ich mag übertriebenen nationalstolz nicht, weder den österreichischen, noch den italienischen oder den brasilianischen. aber warum wird das bei uns „faschistisch“ beschimpft, was bei anderen einfach „lieb“ ist.

    die (austro-)faschisten-keule macht jede vernünftige diskussion zunichte, auch wenn sie 100mal berechtigt ist. haider hat zurecht viele zustände angeprangert. das ist ja das problem!!! und er hat die menschen menschlich berührt – deshalb wird jetzt auch derart berichtet.

    die linke reichshälfte hat aufgrund der faschisten-keule jede selbstbeschau arrogant vernachlässigt – das ist das hauptproblem. druck erzeugt gegendruck erzeugt gegendruck. warum sind gerade die antiautoritär geprägten linken gerade in diesem punkt so autoritär? jaja, ich weiß schon warum, wehret den anfängen usw – aber ist das auch „weise“? warum ist man dann, wenn es um die echten probleme der menschen geht (dem geld) so scheinbar passiv. kann es sein – und ich möchte das jetzt ganz bewusst drastisch ausdrücken – dass der durchschnittliche österreicher einem braungebrannten (einmal nicht doppelbödig gemeint …) robin hood mehr kraft zur veränderung zutraut als einer bongo-trommelnden bauchtänzerInnen-runde am selbstfindungstrip (als die die grünen teilweise immer noch gesehen werden)???

    ich glaube, haider war viel mehr als nur ein faschist. das chauvinistische war nur ein teil seines spektrums, möglicherweise seine basis aber sicher nicht alles. ihn nur auf den faschisten zu reduzieren, war der strategische grundfehler der österreichischen austro-intellektuellen („austro“ – denn mehr sind sie nicht). wie auch ihr kommentar zeigt, wurde haider vom „wiener linken-ghetto“ bis über seinen tod hinaus in seiner vielschichtigkeit unterschätzt.

    ich schreibe das alles als widerstandskämpfer (va zw. 89 und 95), als grün-wähler, zukunftsgerichteter, aber auch als provinz-österreicher, markt-befürworter und eher sachlich als ideologisch verbrämt denkender, der das lokale tun haiders in dieser form genauso unterschätzte wie sie.

    lg

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  8. *** Wann da wann net war,
    war kuadreck butta.

    sehr veehrter herr Chorherr, ich weiss, ich darf es wissen und ich will es so wissen, dass ihnen ein weiterer toter beim unfall von Jörg Haider natürlich nicht recht gewesen wäre. ihrer argumentation – im presseartikel – könnte man das aber unterstellen. DAS ist Ihrer nicht würdig.

    die darstellung, ausgesprochen durch die frage „was ist das für ein land?“, „alle“ würden in scheinheiligkeit, und einer für Sie „zu grossen trauer“, in diesem land verstummt sein, ist schlicht nicht wahr.

    ich für meinen teil etwa habe – das geziemt mir mein anstand, mein benehmen und meine erziehung, keinen wie immer gearteten gedanken zum tod eines menschen (in meinem blog) laut werden lassen. journalisten und medien in diesem land (das sie hier in sehr übertriebener und marktschreierische weise hinterfragen) haben dies sehr wohl; weil die das dürfen, sollen und wahrscheinlich müssen. (Misik, Klenk, u.v.a.m.) von den viel zu vielen blogs (aufruf zu gegendemos „gegen“ ein begräbnis etwa; da frage ich mich, was für ein blog?) ganz zu schweigen. (die darf es geben, natürlich. ob es die geben soll oder muss, brauche ich nicht zu entscheiden.)

    und jetzt zum kern: JA! wir brauchen ein „demokratieprojekt“! (ich denke, die posterin Katrin hat das gefordert.) immer und immer wieder. wo menschen lernen, dass kritik, protest, ja sogar aufstehen „gegen regierende“ immer und immer wieder wichtig sind und sein werden. UND wo sie lernen, dass ein gewählter Landeshauptmann selbstverständlich und ganz ohne jeden zweifel mit allen ehren, die ein land aufzubringen hat – also auch mit militärischen, lieber jürgen, zu begraben ist. und das ganz ohne jeden zweifel in der zeit multimedialer möglichkeiten dieses begräbnis im fernsehen zu übertragen ist. der kärntner landeshauptmann wurde nicht durch einen putsch inthronisiert. er wurde von der mehrheit der abgeordneten zum kärntner landtag in dieses amt gewählt.

    DAS IST demokratie. wenn etwa anderenorts vom „vielen geld“, von „privilegien“ und von was weiss ich „geschimpft“ wird, wird oft person mit dem amt verwechselt. (natürlich hat der bundeskanzler firstclass zu fliegen, natürlich der präsedent einen chauffeur zu haben, natürlich der wiener landtagsabgeordnete immun zu sein. …) amt IST NICHT gleich person. der landeshauptmann eines österreichischen bundeslandes IST nicht „du und ich“. und das muss natürlich auch gelten bei einem landeshauptmann, den man etwa nicht gewählt hat. den man nicht unterstützt hat. ansonsten ist man kein halt schlicht kein demokrat.

    vielen dank und mit lieben grüssen aus graz,
    christian

    ps.: in welcher position ich zum leben und wirken des Jörg Haiders stehe, steht nicht zur disposition, es spielt keine rolle. der vollständigkeit halber sei angemerkt, dass mich die vorvergangenen samstag früh nicht „kalt“ gelassen hat; dass ich gegen Haider in vielen situationen „demonstriert“, „opponiert“ habe (im rahmen meiner möglichkeiten); und dass ich – als mensch, der immer versucht ist und bedacht darauf legt, auch an das gute im menschen zu hoffen, zu zählen – seine letzten jahre als eine zeit empfinde, in der er auch positive seiten entwickelt hat. (und ich gehe davon aus, dass ich ihn wohl nie gewählt hätte. wissen kann ich das nicht.) aber das spiel wie geschrieben keine rolle.

    pps.: Hans (hans|k) hat gute worte gefunden.

    ppps.: den worten des Martin Himmer will ich mich nicht vollinhaltlich anschliessen. wenn ich auch sein bild gut gezeichnet sehe, dass sich nicht nur Jörg Haider oft selbst im weg gestanden ist.

    unkorrigiert gepostet.

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  9. betr. Afrika und die Frage: „was ist das hier für ein Land?“:
    gibts ein besseres? (Ich arbeite seit 7 Monaten im Magistrat einer Stadt in Benin.)
    im übrigen stimme ich greg zu. Was Haider konnte und den Grünen fehlt, sind gebildete Menschen, die auch die Sprache der sprechen und verstehen.
    lg

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  10. Volle Zustimmung mit einer Ausnahme. Gusenbauers Auftritt war wohl angebracht (beim Begräbnis eines amtierenden LHs), und ich finde, er hat das auch ziemlich unpeinlich gemacht, und durchaus auch Haiders negative Seiten erwähnt (was in Kärnten sicher nicht überall goutiert worden ist).
    Nichtsdestotrotz sollten sich die Grünen intensiv mit dem Phänomen Haider auseinandersetzen, und sich überlegen, was ihn vor allem bei der Jugend so beliebt gemacht hat. Ich glaube nämlicht einmal, dass das in erster Linie seine ausländerfeindlichen Parolen oder seine freihändig verteilten Almosen waren. Vielmehr hatte er ein Talent, auf die Leute zuzugehen, und ihnen zu vermitteln, das er ihre Sorgen ernst nimmt (wie weit er das wirklich getan hat, ist eine andere Frage). Was den Grünen meines erachtens beim letzten Wahlkampf am meisten gefehlt hat, war die Präsenz vor Ort. VdB konnte im Fernsehen noch so überzeugend sein, wenn dann auf der Strasse niemand ist, der das weiter vermittelt, nützt das letztlich gar nichts. (Am Rochusmarkt hatten wir vor der Wahl jeden Samstag die Blauen mit einem Riesenaufgebot, auch das BZÖ war häufig vertreten, nur die Grünen waren nur am allerletzten Samstag zugegen. Das ist einfach zu wenig.)

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  11. Schande für Österreich Es ist meiner Meinung eine Schande für Österreich dem Haider und seinem Buberln oder Lebensmenschen wie sein design Nachfolger Ihn nennt so viele Ehrungen mit Hilfe des Militärs zu erteilen.
    Es ist Schade um jeden Menscher der ums Leben kommt aber dies ist er sich SELBST SCHULD
    1.Unerhört hohe Geschwindigkeit.Gefahren wie ein Idiot war mein erster Gedanke.
    2.Alkoholisiert
    3.Nur Glück das kein anderer verletzt oder zu Tode gefahren wurde.

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  12. Es gab in der letzten Zeit „bereits“ sehr wenige Kommentare zu Haider. Ich selber habe mich noch manchmal aufgeregt. Ich war aber sehr positiv überrascht, als ich von den bekannten Grünen nichts vernahm.
    Trotz 1,8%, trotz, trotz, trotz, …
    Das Begräbnis war eine Pflichtschuld im Rahmen des politischen Geschehens. Einige Reden habe ich gehört und fand sie ausreichend diplomatisch formuliert. (t.B. Gusenbauer)
    Die einzig mögliche Reaktion erscheint mir wenigstens im posthumen Ignorieren. Haider hat davon profitiert, dass er die Meinung richtig zu nehmen wusste. Er war für Schlagzeilen gut. Ganz im Sinne: „Auch negative Werbung ist gute Werbung.“

    Insoferne halte ich Ihren Artikel, so sehr ich ihre Enttäuschung verstehe, für politisch überflüssig. Sie werden nur Verteidiger auf den Plan rufen.

    Die Frage nach dem Land lässt sich leicht beantworten. Nicht schlechter oder besser als die vergleichbaren. Irgendwo habe ich allerdings einen sehr gescheiten Artikel gelesen, in dem der Rummel um Haider mit dem Rummel um Le Pen verglichen wurde. Der letztere existierte nicht. Man hatte ihn medial ausgegrenzt.
    Und Haider hat wenigstens nicht ganz so viel kaputt gemacht wie Bush.

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  13. Christoph Chorher spielt sich hier wie Moses auf, der vom Berg Ithuba zurückkam und nun feststellt, dass sein Volk das goldene Kalb Haider verehrt.

    Nur stimmt halt die Diagnose nicht. Es gab nach Haiders Tod jede eine Menge fairer, aber kritischer Analyse von Journalisten und Politologen, die auch seine negativen Seiten klar ansprachen. Armin Wolf war meiner Meinung nach sogar herzlos übereifrig, als er dem sichtlich gezeichneten Stefan Petzner schon als Einleitungsfrage eine Frage an den Kopf warf, in der er unterstellte, Haider hätte politisch versagt. Das hätte er etwas später fragen sollen.

    Was es im Vergleich zu früher kaum zu hören gab, war die Sichtweise der Florian Klenks, die hinter Haiders populistischem Schafspelz einen einen klassischen Nazi-Wolf vermuteten, der die Pläne für das nächste Auschwitz schon in der Schublade hat. Aber diese Sichtweise war schon vor Haiders Ableben ein Auslaufmodell, weil sie schlicht und einfach nicht zutrifft.

    Der Eindruck einer Haider-Mythologisierung ergibt sich nur für jemanden, der diese alte, paranoide Fundamentalkritik immer noch teilt und jedes positive Wort und jede differenzierte Beurteilung als gleich als Haider-Verehrung und Affront betrachtet.

    Eine Veränderung in der Kommunikation ist mir persönlich allerdings schon bei gewisen ehemals kritischen weiblichen Journalistinnen aufgefallen, bei denen sich nun eine gewisse Schwärmerei für den feschen, gut gekleideten Alpha-Mann Haider offenbart.

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  14. Deine Eindrücke aus deinem Artikel kann ich bei Gott nicht nachvollziehen.
    Es wurde sehr wohl oft seine Laufbahn im ORF wiedergegeben, wie er von „Österreich als Missgeburt …“ sprach, … also in allem viele negative Zitate wurden auch von ihm wiedergegeben. Dass z.B. der Herr Petzner auch zu Wort kommt, wenn er der Nachfolger ist, und dabei sagt, dass „die Sonne untergegangen ist“, dann ist das keine positive Berichterstattung, sondern ein Statement eines Politikers. Auch sein politischer Erzfeind und früherer Bundeskanzler Franizky kam dazu zu Wort, und hat seine Politik kritisiert.

    Und auch dass er Alkohol getrunken hatte, wurde immer wieder auch vom ORF kritisiert.

    Wenn man lange in nicht in Österreich ist, dann erhält man wohl ein falsches Bild von den Medien, wenn man sie nicht täglich liest, sondern nur in den letzten Tagen wo die Trauerfeierlichkeiten in der Öffentlichkeit stattfanden. Und an solchen Veranstaltungen (Begräbnis,…), wo auch die Familie teilnimmt, wäre es doch absolut geschmacklos über einen Toten herzufahren und nicht vor allem seine positiven Dinge hervorzuheben.
    Und dass es ein Landesbegräbnis für einen Landeshauptmann gibt ist, finde keineswegs übertrieben.
    Auch für einen Bundespräsidenten Klestil gab es ein Staatsbegräbnis, und das war 10x mehr in den Medien vertreten als Haider in den letzten Wochen.

    Ein bißchen Denken vor dem Schreiben schadet nie!!!

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  15. Einbahnstrasse Wahrscheinlich sollte ich das besser auf meiner eigenen Seite schreiben, denn wie ich hier wiederholt feststellen konnte, ist das, was hier kommentiert wird, selten eine Antwort wert.
    Da hat sich einer seinen Frust von der Seele geschrieben. Wobei es im wesentlichen um ein Bundesland und nicht um das Land per se geht, wie ein Kommentator treffend bemerkt hat.
    Das mag erleichternd wirken, ist aber politisch vollkommen wirkungslos. Wenn die Grünen aus der 5. Position herauskommen möchten, dann sollten sie jetzt mit ihren Programmen herauskommen. Strategisch wird sich vielleicht hinsichtlich blau und orange etwas ändern. Dahingehend sind Überlegungen angebracht. Gegen einen Haider war vielleicht schwer anzukommen. Doch jetzt könnte man unter Beweis stellen, dass die Grünen die besseren Galionsfiguren aufzuweisen haben.
    Das geschieht aber nicht mit Jammern über eine Woche Haider-Betrauerung, die sich ebenso in Luft auflösen wird, wie die Klage über unsere Fußball-Resultate.
    Ich habe in der letzten Woche sehr gute Kommentare gelesen, sowohl was die Wirtschaft angeht, wie den Umstand, dass Haider nichts wesentliches hinterlässt. Ganz im Gegenteil.
    Da würde ich doch einmal ganz im Stile Haiders hervorkehren, was die Grünen in den Landes-Koalitionen bewirken konnten. In jeder Wahldiskussion haben wir gehört, was er in Kärnten „gemacht“ hat. Das war eine ziemlich gute Strategie, selbst wenn die eigentliche Substanz gar nicht stimmt.
    Soll ich eine Partei wählen, die raunzt und jammert?
    Da finde ich ja eine große Koalition in Neuauflage noch effizienter, die wenigsten zugeben, dass sie sich anstrengen müssen.
    Nein, ehrlich, meine Stimme ist vermutlich sowieso unwichtig. Um die muss man nicht kämpfen. (Obwohl sie jetzt im LIF-freien Raum durchaus verfügbar wäre:)

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  16. Ihre Kolumne in der gestrigen Presse entspricht genau meiner Meinung und ich verstehe nicht, warum nicht mehr Leute diese Meinung teilen.

    Das ganze Theater um den Tod und Begräbnis von Haider war zum Kotzen!

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  17. Völlig daneben Sehr geehrter Herr Chorherr!

    Zum besagten Kommmentar bezüglich Haiders Tod möchte ich Ihnen auf gut österreichisch ganz offen mitteilen, dass ich ihn einfach als „völlig daneben“ empfinde.
    Ich komme nicht umhin, dahinter den Neid und die Missgunst eines letztlich völlig gescheiterten Grün-Politikers zu wähnen (dem die Fußstapfen des Vaters bis heute zu groß sind) auf einen außergewöhnlichen Menschen und großen Charismatiker über seinen Tod hinaus. Ein Mann wie Jörg Haider, voller Widersprüche, aber mit großartigen Talenten und Fähigkeiten ausgestattet, stellt mit seinem unbändigen jugendlichen Elan und seinen nimmermüden Aktivitäten so ziemlich das genaue Gegenteil von Ihnen dar, der für mich langweilige Blässe und politische Ineffizienz schlechthin verkörpert.
    Fazit: Ihr „Senf“ war völlig entbehrlich, Jörg Haider wird deswegen aber ohnenhin auch im Grab keinen „Zucker“ machen.

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  18. Naiv und unreif Herr Chorherr,

    dass Sie sich über „dieses Land“ wundern liegt nicht am Land,
    sondern an Ihnen selbst, wie Sie ja schon selbst erkannt haben.

    In der ersten Zeile Ihres Kommentars in der Presse schreiben
    Sie: „Vielleicht lebe ich in einem sozialen Ghetto.“

    Damit treffen Sie bereits den Kern Ihres Problems. Noch genauer
    formuliert sollte man sagen: Sie leben nicht in einem asozialen
    Ghetto, sondern SIE sind asozial.

    Warum?

    Ganz einfach weil Ihnen ein mitfühlendes Herz fehlt.

    Sie schreiben: „Ich bedaure den Tod dieses Politikers [Haider] nicht“.

    Wenn Sie ein Herz hätten, dann hätten Sie verstanden, dass wir alle
    in erster Linie MENSCHEN sind, und nicht Politiker, Journalisten, etc.

    „Den Politiker“ von dem Sie reden, den gibt es gar nicht, sondern
    es gibt nur Menschen, denen man Titel wie diesen verliehen hat.

    Schade, dass man Ihnen das erst sagen muss.

    Die mitfühlende Bevölkerung, die den Tod von Haider betrauert, hat
    eben ein Herz, und hat damit besser als Sie verstanden, dass hier
    nicht ein Politiker, sondern ein Mensch zu Tode kam – mit all seinen
    Vorzügen und auch Fehlern.

    Dass Sie, Herr Chorherr, diese Trauer nicht nachempfinden können,
    wundert mich nicht, dazu müssten Sie ja ein Mensch sein.

    Die Bevölkerung kann Haider seine Fehler verzeihen. Es lautet der
    Spruch: „Wer frei ist von Fehlern, der werfe den ersten Stein.“

    Dass Sie mit dem Steinewerfen so schnell bei der Hand
    sind, sagt uns, was wir von Ihnen zu halten haben: NICHTS.

    Dass Sie die Menschen in ihrer Trauer mit Ihren Aussagen verletzen,
    spricht ebenfalls gegen Sie, und zeigt, wie unreif Sie in Wahrheit sind.

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  19. Warum kommen die Grünen nicht über ihre mageren 10% hinaus?
    Der Artikel Chorherrs zeigt warum. Die Grünen sind intolerante, opportunistische, heuchlerische, ideologische Schwätzer. Dieses verlogene Gutmenschentum spricht vielleicht verwirrte Urbofreaks (v.a. in der Josefstadt) an, die sich über ihren peinlich unechten, durchsichtigen, u. neurotischen Berufsantifaschismus definieren. Da fühlt man sich auf der ´richtigen´, auf der ´guten´ Seite, da kann nix passieren, da widerspricht niemand, gell? Herr Chorherr: Wahre Toleranz beginnt dort, wo das Verständnis aufhört. Das, was Sie Haider vorwerfen ist ein Spiegel Ihres eigenen Faschismus, den Sie feig und kriecherisch als ´korrekte Gesinnung´verkaufen. Die wahren Nazis sitzen heute nicht dort, wo Sie mit geheucheltem Ekel hinzeigen. Ihr widerwärtiges Pharisäertum ist eine der Hauptursachen, warum die Grünen v.a. bei den Jungen immer weniger Chancen haben. U. wie war das denn mit Ihnen als Chef der Grünen? Sind Sie bei irgendwem angekommen? Na – merken Sie noch immer nichts?

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  20. Warum bleiben Sie nicht in Südafrika? Herr Chorherr,
    es steht Ihnen frei, auszuwandern, wenn es Ihnen in Österreich nicht gefällt und es Ihnen nicht passt, was die ÖsterreicherInnen denken und tun!
    Am besten nach Israel, denn dort leben ja so kreuzbrave Leute, die mit ihren Nachbarn in völliger Harmonie leben!
    Und natürlich generell nicht an Vergangenes denken und ständig erinnern…

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  21. Vielen Dank Wenn es nicht Leute wie sie oder Robert Menasse gäbe, könnte man fast das Gefühl bekommen, Österreich hat aufgehört über Geschehenes nachzudenken. Vielen Dank für diesen wichtigen kritischen Presse-Kommentar!

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  22. Was ist das für ein Land? Eines, das nicht einmal mehr ein Minimum an Geisteskälte erträgt, in dem der Betroffenheitskitsch als kollektive Grundbefindlichkeit in jede Ritze dringt.
    Wie der überwältigenden Mehrheit der Österreicher ist auch mir Herr Haider persönlich nie begegnet. Jemanden, der einem nie begegnet ist, den man ausschließlich als mediales Simulakrum wahrnimmt, kann man nicht betrauern. Den kann man nur be-denken. Ist meine konkrete Lebenssituation als Bürger dieses Landes besser oder schlechter geworden durch Haider? Diese Frage hat Chorherr mit „schlechter“ beantwortet. So wird es vielen ergangen sein mit dieser Frage. Viele andere werden mit „weder noch“ antworten. So what? Warum das außerhalb des Vorstellungsvermögens einiger Poster hier liegt, bleibt ein Rätsel. Ich vermute, ER hat sie BERÜHRT. Nur mit rationalen Argumenten hat das nichts zu tun, die hat Chorherr auf seiner Seite. Bitte: Bloß weil die Sonne in den Wörthersee gefallen ist, muss einem ja nicht gleich das Hirn in die Hose rutschen.

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