Meine erste Wahlanalyse

Auch, wenn man es kommen sieht, ists ein Schock, wenn es da ist:
Mein Wahltip (vom letzten Freitag) war:
Grüne 9,5%
BZÖ: über 10%
Geirrt hab ich mich bei der SPÖ, die hatte ich (Kronenbrainwash) stärker eingeschätzt.
Dieser Sonntag ist eine Wahlniederlage, ein Debakel; für uns ebenso wie für die Grossparteien.
Die Krise ist tief, und es ist eine Legitimitätskrise unsere Demokratie.
Bevor jetzt “möglichst rasch”, wie viele meinen, eine “stabile Regierung” gebildet wird, sollten wir den Mut haben, das Ausmass der Krise zu benennen.
Ich beginne mit uns Grünen.
Wenn ich nur ein Wort hätte, die Emotion sehr vieler unsere “Gerade Noch-oder Nicht Mehr-Wähler/innen” zu beschreiben, es würde heissen: Enttäuschung.
Machen wir uns nichts vor:
Viele, die uns diesmal gewählt haben, taten das ohne grosses Engagement, ohne politischer Leidenschaft, schlicht und einfach, weil: “was verdammt noch mal, soll ich sonst wählen”.
Der Glaube, dass eine Stimme für Grün wirksam etwas ändert in diesem Land, hatten diesmal wenige.
Enttäuschung.
Dieses Grundgefühl betraf aber nicht uns allein.
Es hat sich über viele Jahre tief in die politische Kultur hineingefressen.
Wenn sich Enttäuschung mit Wut paart, dann gewinnen v.a. jene, denen es gelingt, den Stimmzettel zu einer Abrechnung umzufunktionieren.
Gegen die da oben.
Gegen die Ausländer.
Gegen die EU.
Vielleicht ist sogar das Wort “gegen” falsch.
Kürzer ist noch “Nein”.
“So nicht!”
Die Gruppe jener, die vermitteln können, dass Politik Probleme zumindest teilweise lösen kann, Verbesserungen bringt, ist derzeit in Österreich extrem klein.
Woran das liegt?
Genau darüber sollten wir diskutieren, und ein paar grundlegende Fragen zulassen, auch wenn sie unangenehm sind, ja politisch wehtun.
Was mich gestern z.B. wirklich geärgert hat:
Da wird bei jenen Parteien, die massiv verloren haben, auch noch heftig geklatscht;
worüber bitte?
Um nur ja zu zeigen, dass man nichts kampiert hat.
Dass man eh wieder erster ist?(SPÖ)
Dass man gar nicht soviel verloren hat? (Grüne)
Den Applaus der VP Funktionäre kommentier ich jetzt nicht.
Ganz grundsätzlich zum Wahlkampf:
Wie soll soetwas wie Engagement fürs “Politische”, für die “Öffentliche Sache” entstehen, wenn im Jahre 2008, wo so viel, soviel Wesentliches, Grundsätzliches zu diskutuieren wäre, eine Frage alles andere überlagert:
“Soll die Mwst.auf Lebensmittel von 10% auf 5% gesenkt werden?”
Ich hab es schon im Wahlkampf kaum “derpackt”.
Eine andere politische Kultur.
Da müssen wir auch über Medien reden, und damit mein ich nicht nur die Kronenzeitung.
Wir haben es zumindest versucht, offenbar mit allzu untauglichen Mitteln, ein paar wenige Zukunftsfragen, die in sehr vielen Ländern im Zentrum der Politik stehen, in den Wahlkampf zu tragen:
Wir haben über Klimapolitik und Energiewende gesprochen, wir haben über reformierte Schulen und Unis gesprochen, um nur zwei Theman anzusprechen.
Ersters löste bei den meisten Journalisten Gähnen aus, samt Hinweis, das sein “ka Gschicht”, wie das so schön heisst, zweiters wurde auf “pro oder contra Studiengebühren” reduziert.
Viele gerade engagiertere, gebildete Menschen erwarten keine einfachen Antworten, platte Slogans, sie sind einer differenzierten Argumentation zugänglich.
Gerade diese wenden sich dann ab, wenn sie sehen, welche simplen Angebote ihnen angeboten werden.
Und nochmals Medien:
Wenn Wahlkampf zum Boxkampf wird, und die Erwartung vorherrscht, dass Politik vornehmlich unterhalten muss, bekommt man exakt das, was man jetzt beklagt.
Mein Eindruck ist völlig anders.
Nicht nur hier auf diesem blog, dessen Leserzahlen deutlich gestiegen sind (ein ziemlich schwacher Trost), sondern auch bei den vielen Schuldiskussionen, an denen ich immer gerne teilnahm, eines zeigte sich immer:
Politik interessiert.
Der Watschentanz nach dem Motto, Politiker A haut Politiker B in die Gosch´n`schreckt ab.
Gespräche über Politik faszinieren, Kontroversen werden gerne ausgetragen, 16, 17 jährige beteiligten sich zwei Stunden und mehr aufmerksamst an einem politischen Gespräch.
Warum nicht öfter, wurden häufig Lehrer gefragt.
Ja, genau!
Warum nicht öfter Raum und Zeit für politische Debatten, statt fernsehgerechte Inszenierungen, die das genaue Gegenteil von Politik sind.
Ein letztes Mal (für heute) Medien:
Leitartikel und Kommentare fast aller Medien gefallen sich darin, “die Politiker” in ihrer Gesamtheit als unfähig, machtgierig und überbezahlt darzustellen.
Michael Fleischhacker, Chefredakteur der Presse hat dieses schlichte Ressentiment in ein ganzes Buch verpackt: “Politikerbeschimpfung”, nennt er dieses Pamphlet.
Und dann beklagen eben diese, dass sich kaum interessante Menschen für den Berufsweg der Politik entscheiden.
Denn es ist in der Tat ein grosses Manko der Politik, dass zwischen den Funktionären & Mandatar/innen der Parteien auf der einen, und “dem Volk”, von dem das Recht laut Verfassung ausgeht, eine immer grössere Kluft besteht.
Bevor das jetzt noch länger wird:
Leisten wir uns eine Debatte über den Zustand unserer Demokratie.
Die steckt in einer Krise.
Jetzt ist ein paar Wochen Zeit.
Wir haben eine Bundesregierung (samt Bundeskanzler), die wird die nächsten Wochen schon keinen allzugrossen Schaden stiften.
Also:
Bitte jetzt nicht “rasch” eine “stabile Regierung auf breiter Basis”.
Eine Fortsetzung dessen, was uns hierher geführt hat.
Sonst haben FP/BZÖ das nächste Mal noch 10% mehr.
Es gibt ganz viele Möglichkeiten und Alternativen.(darüber in den nächsten Tagen mehr)
Die politische Debatte findet heute zum Glück nicht mehr ausschliesslich “in den Gremien” oder auf den Kommentarseiten jener Zeitungen statt, die gehörig Mitverantwortung darüber tragen, dass wir sind, wo wir sind.

46 Gedanken zu “Meine erste Wahlanalyse

  1. Danke Christoph,
    danke, der Rausch des Kommentariats um ja wieder dieselbe Koalition zu haben wir bisher ist kurzsichtig und gefaehrlich.
    Was Du meines Erachtens unterschaetzt ist, dass viele Buerger weder Zeit noch, ueber die Jahre, Geduld haben, sich viel um Politik zu kuemmern (das ist bei 16-jaehrigen einfacher). Das ist legitim, und eine wesentliche Daseinsberechtigung der repraesentativen Demokratie.
    Das Problem ist, dass wenn ich dieses Mal Faymann, Leitl, oder auch van der Bellen oder Rosenkranz abwaehlen moechte, gibt es in unserer Demokratie dazu keine Moeglichkeit. Du kennst Grossbritannien oder die USA, wo immer wieder Minister oder Senatoren spektakulaer abgewaehlt werden (auch in sogenannten „sicheren“ Wahlkreisen).
    Solange das bei uns nicht geht, wird der Frust strukturell bleiben und steigen, da Politiker eine durch sich selbst geschuetzte Spezies bleiben werden, die wenige Konsequenzen fuer Ihre Taten erleben — oder doch nur sehr indirekt.
    LG
    Veit

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  2. Sehr geehrter Herr Chorherr,

    ich möchte Ihnen Mut und Dank aussprechen. Sie haben es sich in dieser Partei vermutlich am allerwenigsten verdient, so eine Niederlage zu erfahren. Sie haben schon eine recht gute Analyse dargestellt.

    Ich selbst habe 2006 die Grünen mit Stolz gewählt, diesmal aber das Liberale Forum, und ich bereue es nicht, zähle ich mich doch zu humanistisch gesinnten Liberalen. Aber es gab natürlich auch andere Beweggründe, die ich Ihnen mitteilen möchte. Die Oppositionsarbeit seit 2006 war für mich leider nicht sehr zufriedenstellend, hier hätte ich mir mehr Aktivität erwartet.
    Dazu war der Wahlkampf natürlich schwierig, aber auch doch etwas unglücklich geführt. Auch hat man den rechtzeitigen Absprung von Van der Bellen verpasst. Van der Bellen ist eine Legende, aber Legenden müssen wissen, wann es Zeit ist, zu gehen. Sehr geärgert hat mich, wie Peter Pilz mit Datenschutz umgeht, wenn es seinen Zwecken dient. Hier wünsche ich mir ebenfalls Besserung!

    Aber ganz besonders schockiert hat mich das LIF-Bashing einiger Grüner. Es kamen Unterstellungen und Behauptungen auf (Omofuma, Balluch etc.), die so nicht stimmten. Man darf sich im Wahlkampf mit anderen Parteien kritisch auseinandersetzen, aber nur mit Vorwürfen, die auch bereits erwiesen sind.
    Besonders negativ aufgefallen sind mir einige grüne Nachwuchs-Blogger, die ziemlich aggressiv und unverfroren gegen das LIF vorgegangen sind. Das hat mich ehrlich gesagt angewidert, und dieses Gefühl war mir bis dato bei den Grünen fremd.

    Nun unterstützte ich im Geiste und im Herzen nach dem Rechtsruck selbstverständlich wieder die Grünen. Aber die Partei muss nun analysieren, verändern und neue Wege einleiten. Man muss weiter offener werden, erwachsener werden, und man muss sich als eine Partei der hohen Kultur präsentieren, als Alternative für – ich sage es ungern – Protestwähler.

    Mit freundlichen Grüßen
    Philip

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  3. Ich frag mich schon seit Ewigkeiten woher die Legende kommt, dass die Kronen-Zeitung so einen Einfluss aufs Wahlergebnis hat. Nur weil sie anno dazumal die FPÖ gepusht hat? Die wär so auch groß geworden.
    Die Krone war auch für den Hans Peter Martin, der hat nix gerissen, und jetzt wars genauso. Die können vielleicht ein paar Prozentpunkte zwischen Rot und Blau hin und her schachern, aber das wars.

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  4. Diese erste Analyse unterscheidet sich fast möchte ich sagen „wie immer“ wohltuend von den „Wir sind eben zu gut für diese Welt“- über die „Man versteht eben unsere hervorragenden Konzepte nicht“- bis zu den „Mehr geht eben offenbar nicht“-Weisheiten.

    Es gibt jetzt eine Chance, gerade auch für die Grünen, sich neuaufzustellen und ernsthaft zu fragen, was euch fehlt, damit ihr für (wesentlich) mehr attraktiv werdet. Ich knüpfe mal an eine Diskussion an, die ich mit laurenzennser vor ein paar Tagen geführt habe: zB ein/e Unternehmer/in, zB ein/e Hackler/in, zB eine Pensionist/in, zB ein/e Student/in den eigenen Abgeordnetenreihen? Es wäre nur einer von vielen Ansatzpunkten für einen notwendigen Neuanfang…

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  5. „Gegen die da oben.
    Gegen die Ausländer.
    Gegen die EU.“
    Naja. Seien wir uns mal ehrlich. Damit konnte sich Grün auch etablieren.
    Gegen Atom
    Gegen Gentech
    Gegen verseuchte Flüsse
    Gegen Haider
    und nicht zu vergessen:
    Gegen EU (vor 1995 und das mit praktisch den gleichen Argumenten, die die FPÖ heute nutzt.)

    Und die Grünen appellierten auch in Umweltfragen an Emotionen und Bauchgefühle und nicht unbedingt mit nüchternen Umweltbilanz-Analysen.

    „Die Gruppe jener, die vermitteln können, dass Politik Probleme zumindest teilweise lösen kann, Verbesserungen bringt, ist derzeit in Österreich extrem klein.“
    Was mich an diesem Wahlkampf störte ist eher, dass die Politiker vermittelten, dass sie alle Probleme lösen könnten. Z.B. die Teuerung der Rohstoffe.

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  6. Ich verstehe nicht, warum die Demokratie in Gefahr sein soll. Weil ein Grossteil der Leute nicht so gewählt hat, wie man das vielleicht erhoffte oder erhoffen darf? Weil die Mehrheitsgesellschaft ihre Fratze gezeigt hat?

    Als Piefke sehe ich Österreich als Kosmos dessen, was in Deutschland noch passieren wird. In Österreich besteht die „Grosse Koalition“ jetzt aus 55%; in Deutschland (noch) aus 70%, ab 2009 vermutlich nur noch knapp 65%. Der Trend wird dahingehen, dass diese „Grosse Koalition“ nicht mehr funktionieren wird, weil selbst sie nicht mehr 50% der Stimmen erreichen wird. Was dann? Dann noch die Grünen ins Boot (in Deutschland die FDP, die nicht rassistisch ist, sondern „nur“ wirtschaftsliberal) – das hilft dann noch eine Legislatur.

    Welche Projektionen lassen die Wähler in Österreich zu FPÖ und BZÖ fast flüchten? Soll eine andere Partei deren Parolen übernehmen? Das kann doch wohl nicht mit „Demokratie“ gemeint sein.

    Es ist eine Binsenweisheit, dass bei der Zusammenrottung der beiden grossen Parteien diese irgendwann einmal per se diskreditiert sind. In Deutschland haben wir das Phänomen auf der anderen Seite des politischen Spektrums in Form einer sich Linkspartei nennenden Gruppierung, die letztlich auch nur als Sammelbecken enttäuschter Linkssozialisten agiert und protektionistisch agitiert. Die Frage hier: Schwenkt die SPD auf die Programmatik der Linkspartei ein, um ihr das Wasser abzugraben oder versucht sie einen eigenständigen Kurs? Was schwierig ist, weil sie mit der CDU/CSU in einer Regierung ist und von ihr damit fast erpresst wird.

    Vielleicht sind Koalitionsregierungen aber auch von egstern. Vielleicht sollte man sich Punkt für Punkt Mehrheiten suchen, ohne jegliche Verpflichtung. Ein Alptraum für den Deutschen – für den Österreicher auch? In Skandinavien funktionieren die politischen Systeme schon einmal so – ohne, dass dort die Welt zusammenbricht. Denn wo es keine Koalition gibt, gibt es keine Bruchstellen. Es ginge wenigstens teilweise wieder um Politik (freilich wäre das Geschachere im Hintergrund spürbar – aber ist es das nicht auch jetzt schon?) und nicht um pure Eitelkeiten in Koalitionen.

    (Vom Mehrheitswahlrecht will ich nicht reden; das ist nicht konsensfähig.)

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  7. Traurig Das es arg wird, war mir klar, aber das es SO schlimm wird haett ich mir nie träumen lassen.

    aber wenn man sich rasistischen österreichische Foren ansieht wunderts ja nicht.
    die putschen sich dort ja mehr auf als strache die bürger.

    Schlimm das grundehrliche Menschen wie vdb so im Stich gelassen werden von den Bürgern.

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  8. Natuerlich hatten nur wenige die Hoffnung dass die Stimme fuer die Grünen was ändert, nichteinmal du hattest sie. Weil am 5. Platz gehört man nicht zu denen die etwas ändern können. Es hat sich leider mal wieder gezeigt dass in Österreich mit sachlichen Politikern und ohne Populismus kein Staat zu machen ist. Und da machen die Grünen eben nicht mit. (Find ich gut, nur mehr als 10-12% sind so leider nicht zu holen.)

    Für mich liegt die Wurzel für die Situation darin dass in Österreich die Politik eben doch in den Gremien gemacht wird. Früher bei den Sozialpartnern hinter verschlossenen Türen wo kein Streiten an die Öffentlichkeit drang, und die Jahrzehnte der Rotschwarzenkonsenspolitik haben die Österreicher was Politik betrifft konfliktscheu gemacht, bzw von der Politik entfernt. In einer guten Demokratie würde es ja „die da oben“ denen man eins auswischen muss weil sie nicht immer einer Meinung sind (was nicht immer gleich zu Neuwahlen führen zu braucht, aber die ÖVP macht ja immer gerne Neuwahlen wenn sie sich an erster Stelle wähnt) gar nicht geben.

    Leider kann die Bundesregierung auch wenn (oder wie die vielen Beschlüsse der letzten Tage zeigen gerade weil) sie nicht regiert viel Schaden anrichten. (Inzwischen würd sich die Mehrwertsteuersenkung auch ausgehen.)

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  9. die Medien haben schon immer das berichtet was spannend war. Den Medien die Schuld zu geben, ist absolut absurd. Der Umgang der Grünen mit den Medien hat nicht funktioniert, und nicht umgekehrt.
    Wenn man den Wahlkampf von 2007 sich von den Grünen anschaut, war er eindeutig besser geführt. Es war eine klarere Linie zu erkennen.
    VDB hat im heurigen Wahlkampf eher müde und alt ausgesehen.

    Und eines noch: Populismus und Aktionismus sind nichts schlechtes. Auch die Grünen sollten sich dazu trauen ihn zum Teil einzusetzen.
    Und das Wahlkampfveranstaltungen Unterhaltung bieten sollen, versteh ich auch, weil ich würd auch nicht aus reiner Informationslust dort hin pilgern. Informationen und Berichte über die Sache erfährt man ja auch im Internet und in sachlicher geführten Printmedien, wo nicht alle paar Sekunden jemand mein Ohr „vollquatscht“.

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  10. Neue Politik gefordert S.g. Herr Chorherr,

    ich möchte Ihnen nur kurz mitteilen, dass ich von diesem Wahlergebnis ebenso geschockt bin wie Sie!

    Dass es für die Grünen sehr, sehr schwer werden würde, hatte ich erwartet! Aber dass sie sogar hinter die „Provinz-Partei“ zurück fallen werden, wollte und konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen!

    Ich denke das Grundübel in diesem Land ist, dass es einfacher ist der Bevölkerung das „Mehrheitsfähige zu verkaufen als das Notwendige“! Leider waren die Grünen – neben dem LIF – die einzige Partei, die ihr „Heil“ nicht im billigen Populismus suchte! Die Rechnung hierfür wurde der Partei gestern präsentiert!

    Ich hatte gestern erstmals – von den ÖH Wahle abgesehen – den Grünen meine Stimme gegeben, weil ich mich mit dem Programm der Grünen zu 90% identifizieren konnte! Allen voran sind die Grünen mittlerweile die einzige Partei in Österreich, die an das Thema Rauchverbot in Lokalen mit Sachverstand herangeht und sich für die Verbannung des „Blauen Dunstes“ einsetzt. Auch in Fragen der Einwanderung, Steuerreform oder Umwelt führt meines Erachtens kein Weg vorbei!

    Ich wünsche mir, dass sich die Grünen nicht unterkriegen lassen! Schade finde ich, dass die „Marke“ Van der Bellen nicht (mehr) zieht, obwohl ich Ihn unglaublich schätze, weil er sich mit seiner professoralen Art angenehm von den „Marktschreiern“ Strache oder Haider unterscheidet!

    Gleichzeitig muss ich den Grünen der Vorwurf machen, in den letzten Jahren „zu brav“ geworden zu sein! Ein Rot-Grüne-Minderheitsregierung wäre 2006 vielleicht doch die bessere Variante gewesen! Hin und wieder muss man Mut zeigen und nicht auf dem sicher geglaubten Platz der Opposition „versumpern“!

    Ich hoffe, dass die Grünen in den nächsten Wochen und Monaten bzw Jahren versuchen mehr ihre Themen in den Vordergrund zu stellen und sich aktiv als Gegenpol zu den Populisten „outen“!

    Die Zukunft meines, unseres Landes will ich mir nicht von Haider, Strache, Molterer, Faymann kaputt machen lassen!

    BG
    Thomas Ritter

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  11. Schock vs. Herausforderung lieber herr chorherr,

    auch mir sitzt der schock noch in den knochen, wie die gestrige wahl ausgegangen ist. dass in Ö zwei parteien des rechten lagers zur stärksten partei geworden sind, tut mir in der seele weh.

    als politisch interessierter mensch und grünwähler der ersten stunde habe ich natürlich alles rund um die wahl verfolgt. mit einer 100%-igen überzeugung bin ich allerdings nicht in die wahlurne gegangen.

    ich denke, auch die grünen müssen sich mal den vorwurf gefallen lassen, ob sie wirklich die ‚menschen da draußen‘ noch ansprechen. lt. wählerstromanalyse sind die meisten zu den nichtwählern abgewandert, und das zeigt aus meiner sicht, dass sich ein großteil der (jetzt ehemaligen) grünwähler ganz einfach mit themen und/oder personen nicht (mehr) identifizieren kann. aus meiner sicht wäre es auch schon längst an der zeit, über die führungsperson der grünen nachzudenken.

    ich hoffe, dass sich die grünen diese absage zu herzen nehmen und dieses ergebnis als herausforderung sehen.
    liebe grüße
    michael

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  12. Schade …. Es ist wirklich schade, dass soviele Menschen, Strache ihre Stimme gegeben haben. Untergangsstimmung … vllt wärs wirklich besser wenn blau/orange wiedermal in die Regierung kommen damit die Leute sehen, dass die absolut keine Lösungen parat haben.

    Gestern Abend wars lustig: Thurnher zu Strache: Was wären für sie die Punkte in ihren Koalitionsverhandlungen, welche unanfechtbar sind.
    Straches Antwort: Geschwafel, Anders als bis jetzt die Großpartein blabla, viel besser aber keine Ahnung wie …. so wie im Wahlkampf eben

    Er hat keine vernünftigen Aussagen getroffen, keine Lösungsvorschläge oder irgendwelche konkreten Dinge, sondern hat wie im Wahlkampf betont, dass die letzte Regierung alles falsch gemacht hat.

    Haider ist auch nicht sehr viel besser, aber er hat seriöuser gewirkt und die Leute davon überzeugt, dass in Kärten alles perfekt ist. Aber Kärnten ist doch gar nicht dermaßen wohlhabend!!

    Wie ich finde ist Oberösterreich ganz gut dran (4,8 % Wirtschaftswachstum, 30% des BIP, Schwarz-Grün!!)

    Das der Wahlkampf nicht zu einer Show ausartet ist mir persönlich ein Anliegen. In den TV-Duellen hätte VdB, aber vllt wirklich etwas mehr überzeugen sollen und vllt auch mit Zahlen kommen sollen, also mit konkreten Vorschlägen.
    Trotz allem finde ich es gut, dass ihren Wahlkampfstil nicht den Roten/Blauen angepasst hat. Aber anscheinend funktioniert das in Österreich einfach leider nicht.

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  13. Der Wahlkampf medienmässig zu plakativ Man hat in den letzten Wochen bei gewissen Themen zu plakativ agiert und kommuniziert. Die Grünen sind dafür bekannt, dass sie Randgruppenthemen vertritt. Ein Beispiel ist die Behindertenpolitik. Denn Menschen mit Behinderung machen fast 40 % der Bevölkerung aus. Das ist ein Faktum, das völlig unterschätzt wird. Der Wahlkampf ist unglücklich verlaufen und auch die Kommunikation war verunglückt. Viele, die früher die Grünen gewählt haben, haben sich nun abgewendet. Der Wechsel von Haidlmayr zu Jarmer ist mißglückt. Jemanden an Bord zu holen, der sich plötzlich über Barrierefreiheit usw. äußert, obwohl diese Person in der Vergangenheit dieses Thema ignoriert hat, ist leider nicht glaubwürdig (ein ehrliches Statement wäre ausreichend gewesen). Natürlich wäre der Wechsel ein neues Signal gewesen. Dass Haidlmayr nicht mehr erwünscht war bei den Grünen, ist aufgrund ihres Stiles nachvollziehbar. Ein ehrliches Zugeständnis vom Anfang an hätte den von den Grünen erwünschten Effekt gebracht. Nun gilt es, hier sorgfältiger zu werden, denn Menschen mit Behinderung sind nicht so dumm, wie viele glauben.
    Auch das ist ein Zustand der Demokratie.

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  14. Wahlergebnis Geschätzter Herr Chorherr,
    Sie haben Recht. Wie viele andere habe ich gestern die Grünen gestern ohne jegliche Begeisterung gewählt. Der Mangel an Emotion liegt – auch da liegen Sie richtig – nicht am grundsympathischen Spitzenkandidaten, an grundlegend kritikwürdigen Themen oder einer grundlegend misslungenen Kampagne.

    Was den Grünen meines Erachtens fehlt ist eine glaubwürdige, verbindliche „Basis“. Das ist einerseits durchaus personell gemeint – die Grünen Funktionäre hinterlassen mit erschreckend hoher Häufigkeit den Eindruck eines mühsam zusammentherapierten Haufens von Salonextremisten, denen die zu Ende gedachten Konsequenzen ihrer gesellschaftspolitischen Anschauungen dann doch ein bisserl zu streng sind. Bei viel zu vielen ist hinter den mühselig erzielten Konsenslösungen, die dann das lustlose „Programm“ darstellen, eine „eigentliche“ Agenda (radikaler Tierschutz, radikaler Feminismus, Rückkehr zum Arbeiter- und Bauernstaat, …) spürbar, die für eine Mehrheit jenseits der 10% unwählbar ist.

    Dabei gebührt den „kleinen“ Parteimitarbeitern und -funktionären aus meiner Sicht größter Respekt für ihren Einsatz, die Zeit und die Energie. Was der Basis in personeller Hinsicht fehlt ist schlicht die kritische Masse für echte Konkurrenz.

    Zweitens ist mit „Basis“ auch Ideologie gemeint. Aus dem o.a. Mechanismus ergibt sich die immer wieder vorgetragene „Abgrenzung zu Rechts“ als einzig greifbares machtpolitisches Thema der Grünen. Dabei wird übersehen dass
    a) die p.t. Wählerschaft der Grünen keinerlei Abgrenzungsbedarf zu Strache & Co hat. Um sich von diesen Leuten abzugrenzen brauche ich und viele andere weder die Grünen noch meinen Zahnarzt, das erledige ich schon selber.
    b) wird dadurch ein himmelschreiender Mangel an POSITIVEN machtpolitischen Ansprüchen sichtbar, der die Grünen noch immer kennzeichnet: Wenn es den Grünen nicht mittelfristig gelingt, darzustellen, DASS und WARUM sie politische Gestaltungsmacht wollen, werden sie untergehen, Punkt.

    Daraus ergibt sich bei Wahlgängen regelmäßig, dass die Grünen mangels gemeinsamer ideologischer Plattform entweder Platitüden wie Pelletsheizungen oder abstrakte Ideen wie „Energiewenden“ in den Wahlkampf tragen, aber keine KONKRETEN, an der Lebensrealität der Menschen orientierten politischen IDEEN, die parteiintern abgesichert sind.

    Darüber hinaus sind die Grünen nun mittlerweile alt genug, dass Ihnen wie allen anderen „Altparteien“ eine wenig Realitätskontakt emfohlen werden muss: Das hypnotisierten Staunen über einen „Rechtsruck“, den die Wahlen gestern angeblich wieder gebracht hätten und der Stolz auf die Grünen als letztes Bollwerk gegen die Auflösung der Zivilgesellschaft im heimischen Politsumpf mag moralisch tröstlich sein: Das macht diese Einschätzung jedoch weder treffend noch produktiv für ein paar Dinge, über die die Grünen selbst nachdenken sollten. Dass die Partei z.B. bei jungen Wählern so schlecht abschneidet, hat wohl weniger damit zu tun, dass denen Pelletsheizungen herzlich wurscht sind, sondern mit dem objektiv feststellbaren Migrationsdruck, der keine Erfindung der Rechten, sondern Lebenswirklichkeit der Jugendlichen vom Spielplatz bis zum Lehrplatz ist.

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  15. langsamen wandel versteht der mensch nicht hallo christoph,
    danke für deinen impuls zur diskussion. auf dich ist eben verlass.
    drei aspekte möchte ich einbringen

    erstens: ÜBERRASCHT? matthias horx hat einmal zur resistenz gegen ökologie gemeint: „wir stecken mitten drin im wandel. deshalb verstehen wir ihn nicht!“ genauso geht es den politischen parteien: schaut man sich seit jahren die
    entwicklungen an, erkennt man deutlich die trends. nur reagiert man halt erst, wenns schockt. so auch gestern (wieder einmal). es geht seit jahren abwärts, auch bei den grünen (die gewinne der letzten jahre sind entgegen des statements fr. sburny NICHT stabilisiert)

    zweitens: CHANGE! erneuerung tut not. gerade auch und doch besonders bei den grünen. vdb sollte gehen. punkt. aber auch sonst tut bei den grünen refreshment not. viel zu lasch sind sie geworden. in vielerlei hinsicht. ich war
    ja selbst jahre in der wiener landeskonferenz. ich hab mich irgendwann vertschüsst, weil ich mit meiner zeit auch was besseres anzufangen weiß. gute leute sind bei den grünen leider wenig gefragt. und bräuchten ohnehin eine immense leidensfähigkeit.

    drittens: POLITIKER IMAGE: die grünen hatten mit ihrer politikerprivilegiendebatte (peter pilz) seinerzeit einen nicht unwesentlichen anteil am miesen image des politikerberufs. wer dauernd die politikerprivilegien in den vordergrund stellt darf
    sich nicht wundern, wenn das genau das ist, was irgendwann mal übrig bleibt. kein leistungsbereiter mensch (ohne parteikarriere) wird sich heute das politikerleben antun. imagesteigerung wird harte aufbauarbeit. mit medien und vor allem mit leistungsfähigen, mutigen, visionären menschen, die bereit sind, das risiko eines karriereknicks einzugehen.

    günter strobl

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  16. Rot/Grün/Orange Als pragmatischer Altgrüner plädiere ich für:

    Rot/Grün/Orange

    DAS BRINGT:

    Z.b.:Eine Schulreform.

    Die GRünen können bei dieser Regierungskoalition auch trotz des BZÖ vieles erreichen!

    Ja Haider ist „böse“ – aber es geht um mehr.

    Haider wird in die Mitte gezogen und das Dritte Lager gespalten.

    Liebe Grüne, springt über euren Schatten!

    Oder wir bleiben für die nächsten 20 Jahre im Oppositionsnirvana.

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  17. Eine bürgerliche Krise Dieses Wahlergebnis ist Ausdruck einer bürgerlichen Krise, wobei man „bürgerlich“ nicht nur als gesellschaftliches Lager sehen sollte, sondern in seiner eigentlich Bedeutung: beim Citoyen. Über Jahre wurde seit der Kreiskyschen Bildungsreform in Österreich ein Anti-Establishment-Reflex eingeübt, den die Großparteien und die mit ihnen befreundeten Medien (übrigens mehr noch als die „Krone“ der ORF) permanent bedient haben. Wenn der Bereich „bürgerlich“ ein paar kleinen Blättern überlassen wird, dann können wir ermessen, auf welch schmalen Band wir uns bewegen. Österreich hat, gerade auch ob der Volkspartei, keinen positiven Elitenbegriff – und Österreich hat, aus einer Summer historischer Gründe, kein (oder kaum ein) bürgerliches Lager (mehr). Neu nachgewachsen ist von Bregenz bis zum Burgenland eine Generation, die eines mit ihren Eltern teilt. Einen Grundreflex gegen „die da oben“. Und deshalb wählt man die feschen Burschen mit dem ewigen Rebellionsversprechen. Österreich ist in der Dorfdisco angekommen. Die schaut zwar nicht mehr so scheiße aus wie in den 80er Jahren, weil sie mittlerweile durchfeschesiert ist. In diesem Land wird seit Jahren nur noch unter Niveau diskutiert. Wer die Statements zur Außenpolitik, etwa in der „Elefantenrunde“, gehört hat, dem konnte nur schlecht geworden sein, ob des primitiven Selbstbildes, das Österreich von der Welt und sich selbst hat. In Österreich dominiert nur noch der kleinbürgerliche Reflex: Wenig Steuern zahlen (weil kein Interesse an „Allgemeinheit“ und „Öffentlichkeit“), billigere Lebensmittel – und bitte keine Tschuschen. Und natürlich: billig Tanken und im Zweifelsfall gute Kontakte „mit dem Putin, sonst hamma kein Gas“ (Haider).

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  18. Mit BZÖ?! Wäre vermutlich wirklich nicht schlecht.

    Haider zeigt sich seriöuser und die Grünen müssen endlich mal zeigen was sie können.

    Am besten wärs wirklich wenn FPÖ und BZÖ mal im Versuch regieren würden. (hat VdB mal gesagt)
    Dann würde keiner mehr diese Parteien wählen. Allerdings kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass diese beiden Parteien wirklich die (direkte) Demokratie stärken wollen …

    Wenn nochmal eine derartige große Koalition kommt (hoffentlich raufen die sich mal ordentlich zusammen) dann werden die rechten bald in Österreich regieren. (Falls es mal wirklich, trotz aller Anstrengungen soweit kommen sollte, werd ich mir die Frage stellen ob ich nicht auswandere …)

    Leider hatten wir in der Gemeinde nicht soviele Zuwächse. Aber mit 20,5 Prozent für die Grünen kann sich Gallneukirchen schon sehen lassen!!

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  19. Applaus Ich habe gestern auch geklatscht – und sei es nur, um mir selbst Mut zu machen angesichts des Triumpgheuls der Rechten.

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  20. Seien sie mir nicht böse aber… dieses ewige gesudere nervt langsam: die bösen medien, die böse krone, die bösen politischen gegner, alle sind sie daran schuld, dass die grünen ihre lösungen nicht an den mann bringen konnten. die hauptbotschaft des grünen wahlkampfes lautete: vdb 08. und der grüne wahlkampf arbeitete mit genauso viel schlagwörtern wie die anderen auch. selbst wenn sie es nicht wahr haben wollen aber: „raus aus gas und öl“ ist genauso popolistisch wie all die anderen slogans im. es ist vielleicht moralisch nicht so verwerflich wie andere, die ich hier gar nicht zitieren will, aber es bleiben schlagworte.

    als langjähriger grünwähler und politisch interessierter mensch sage ich es nicht gerne aber: ich habe von faymann und haider (ja sogar von dem!) mehr konkrete vorschläge (wie gut oder schlecht sie auch immer waren) gehört als von den grünen.

    und deshalb stimmt ihre analyse: ich habe diesmal nur deshalb grün gewählt weil die linken alternativen fehlen und dem rechten sumpf dringend einhalt geboten werden muss.

    noch was zur mehrwertsteuer senkung: die mehrwertsteuer (auf lebensmittel) ist die aufkommensstärkste nicht progressive steuer österreichs. sie nimmt damit in den kleinen gehältern einen, relativ betrachtet, weitaus größeren anteil als in den großen ein. sie ist damit die, im gegensatz zur lohnsteuer, sozial weit ungerechtere steuer. es möge mir einmal jemand erklären wie die senkung solch einer steuer „sozial ungerecht“ sein kann, selbst wenn davon auch ein paar wenige wachteleier betroffen sind (man kann ja im gegenzug eine höhere maximallohnsteuer einführen)!

    mfg, sennierer

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  21. Kritik der Kritik Oder des Kommentars…
    1) cc fasst recht gut zusammen. Hinter den Text könnte ich mich stellen.
    2) das in einigen Kommentaren erwähnte LIF-Bashing hat mir auch nicht gefallen. Genauso richtig finde ich den Hinweis eines anderen Kommentators, dass die FPÖ und das BZÖ genauso gegeneinander geschleimt haben und trotzdem so erfolgreich waren. Also waren LIF und die Grünen irgendwie ungeschickt.
    3) In einem Kommentar war von der Möglichkeit die Rede, VdB durch cc austauschen zu lassen. Dem könnte ich folgen. cc ist genauso wählbar wie VdB.
    4) Ich hätte es zwar lieber gesehen, wenn die SPÖ mehr verloren hätte als die ÖVP, aber ich habe auch selber nicht die ÖVP gewählt.

    5) Ich denke, dass das ÖVP-Bashing sehr verständlich ist, was bestimmte Personen angeht. Dass aber das Argument, dass sie nur etwas für die Reichen tun, so gut ankommt, ist das Resultat eines mir sehr verhassten Neidprinzips. Dieses wird immer wieder in Tests nachgewiesen.
    Man biete einem Mitarbeiter 500 € mehr an, informiert ihn aber, dass sein Kollege 800€ mehr bekommt. Es gäbe allerdings die Alternative, dass beide gleich behandelt werden und keiner mehr bekommt.
    In den Tests entscheidet sich die Mehrheit dafür, dass beide nicht mehr bekommen. Das ist das typische Verhalten von „ja nichts dem anderen gönnen.“
    Das ist irgendwie für mich symptomatisch, wenn immer das Ranking Österreichs im internationalen Vergleich schlecht gemacht wird. „Es geht uns gut, aber nur weil die Konjunktur so gut war.“ Das kann ich nicht glauben. Da sich die Grünen dieser Argumentation aber genauso angeschlossen haben, halte ich das schlechte Ergebnis der Grünen für so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigung.

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  22. *** gewohnt (ungewohnt) interessanter kommentar. danke. und der aufruf, eine debatte über den zustand unserer demokratie zu führen (zuzulassen), der ist auch zu unterstützen. (zudem bin ich schon gespannt, was ihre in den kommentaren – nur klein – angedeuteten „ideen“ betrifft.)

    in der frage „Medien“ (insbes. Michael Fleischhacker) teile ich nicht ihre einschätzung. medien „verstärken“ lediglich; gutes zum guten (dies natürlich tendenziell „weniger“) und schlechtes zum schlechten (mehr).

    danke nochmals, christian

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  23. tja… ich kann das vorstehende fast zu 100% unterschreiben. wir grünen sollten endlich zähne zeigen. ein weichgespülter vdb lockt niemand hinterm ofen hervor, da kann er fachlich noch so brillant sein. man mag das glauben oder nicht, aber leider ist die ruhige art oft einschläfernd und mehr als einmal hab ich mir in diskussionen mit nicht-grünen genau diese einschätzung anhören müssen.
    kann ja sein, dass die fachargumente bestens sind – für mich ein grund meiner politischen arbeit – aber wer nicht danach sucht, wird nicht gerade zugeschüttet mit informationen und konzepten…
    in einer profil-umfrage kurz vor der wahl wurde ein schockierender wert angegeben: rd 30% der wähler halten die grünen für unwählbar… wer das mit dem „tja, die rechten“ abtut, verkennt die tatsache, dass wir es geschafft haben, uns selbst an den rand zu argumentieren.
    ich muss nicht von allen geliebt werden. aber ich sollte wenigstens akzeptanz schaffen, den bonus des ehrlichen erhalten.
    für ein drittel der österreicher unwählbar zu sein, bedeutet, dass wir auf dem besten weg sind, aus dem parlament zu fliegen. klingt vielleicht schlimm, fürcht ich aber trotzdem
    CHANGE ist, was wir brauchen. erneuerung an haupt und gliedern. bitte jetzt nicht das ergebnis schön reden. bitte nicht die andren beschuldigen. es ist UNSER ergebnis. und das ist gar nicht gut.
    schön wäre, an den trend in vorarlberg anschliessen zu können. ich hab selbst einige jahre dort verbracht und bin versucht, wieder dorthin zurückzuziehen, wenn ich mir das ergebnis anschau‘: das angeblich so konservative vorarlberg…

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  24. also ein

    gegen die da oben
    gegen das derzeitige EU System (kaum demokratische Elemente)
    gegen Ausländerhass
    gegen Kriminalität
    gegen Armut

    all das hätten z.B. die Grünen auch auf den Plakaten haben können.

    man muss das rechte Lager mit den gleichen Mitteln schlagen!
    nicht umsonst hatte Haider und Strache der SPÖ durch das Thema Teuerung und durch die
    sozialen Ideen Stimmen weggenommen, obwohl diese Themen alle von der SPÖ in den Wahlkampf gebracht wurden.

    die Grünen hätten da „mitschwimmen“ können, um am „Stimmkuchen mitzunaschen“.

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  25. Sehr geehrter Herr Chorherr,

    ich will man ganz spontan mir den frust von der seele schreiben.

    mindestens 50% der bevölkerung(eine eher schmeichlhafte schätzung) sind latent ausländerfeindlich, mit gutem schüren der ängste kann man da schon einiges mobilisieren.
    so gesehen sind die 30% eh noch nicht das ende.

    linkswähler in österreich: max. 20% traurig aber wahr.

    ich selbst als kind 2. generation, hier studiert und aufgewachsen werde in wenigen monaten das land verlassen, das hatte ich zwar unabhängig vom wahlausgang schon vorher geplant, nun aber kann ich es kaum erwarten.

    so leid es mir tut, ich denke in österreich ist kaum mehr drinnen für die grünen….da wird das ganze herumdebattieren nix nützen…

    mfg

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  26. Danke schön, dass es auch grünen-politiker gibt, die das genauso sehen!

    gestern war einfach ein sehr, sehr trauriger tag für österreich.

    hoffen wir, dass bei den koalitions-verhandlungen kein zu hroßer schmarn rauskommt!

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  27. nachher ist es natürlich leicht klüger zu sein aber ich würde einen baldigen rücktritt von van der bellen – trotz aller persönlichen sympathie – für sehr zweckmäßig halten. und zwar um jemand jüngeren und weiblichen nachfolgen zu lassen. das hätte nämlich auch bei diesem mal für durchaus mehr aufmerksamkeit und andere zusätzliche wählerinnen sorgen können.

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  28. „Fundis“ und „Realos“ auch mich hat es schon sehr getroffen, dieses Resultat. Es ist eine Tatsache, dass in Gesprächen mit Mitmenschen im Wahlkampf das hohe Alter von VdB ein Thema gewesen ist. Reden wir doch Klartext: Schwerer Raucher, entsprechendes Alter, da gehts dann oft schnell. Diese Frage muß man sich einfach stellen. Seit Hitler halte ich nichts mehr von Personenkult. Und wer kommt nach? Was hat der grüne Mittelbau denn zu bieten? Was mir fehlt bei den Grünen ist, ähnlich wie bei den Deutschen, eine Diskussion und Trennung zwischen „Fundis“ und „Realos“ bei den österreichischen Grünen, und zwar in breiter Öffentlichkeit. Ich habe den Eindruck, dass VdB und Eva G. sehr gute Realos sind, um bei diesen Ausdrücken zu bleiben, aber der grüne Mittelbau zu großen Teilen aus Grün-Fundamentalisten besteht.

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  29. Schüler Ich habe in meinen Klassen auch Vorwahlen veranstaltet. Die Grünen waren früher viel stärker (bei den Jungen), die Blau-Orangen haben stark zugenommen. Das Ausländerproblem beherrscht die Jungen (und viele Schulen in den Großstädten), ihr unmittelbares Leben (!) … und sie haben Angst, Zweifel, Zukunftssorgen.
    Solange da keine Lösungen gefunden werden, wird die Rechte immer stärker werden.

    Ich selbst habe mich diesmal bewusst gegen Grün entschieden, weil ihr nicht Grün sondern Rosarot geworden seid, für bürgerliche Grüne wie mich einfach unwählbar.

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  30. Mein Senf Ich finds schon erstaunlich wie hier alle erstaunt und schockiert sind.
    Hat keiner mehr ein Gespür für die Meinung in der Bevölkerung und gibt sich nur mit seinesgleichen ab? Rot und Schwarz haben Mist gebaut, VdB und Heide Schmidt sind völlig verstaubt, klar profitieren dann FPÖ und BZÖ.

    Ich möchte mich den Meinungen nach einem Führungswechsel bei den Grünen anschließen, denn VdB hat zwar viel für die Grünen geleistet, ist aber inzwischen schon sehr angestaubt und lockt überhaupt keine junge Menschen mehr an, auch wenn er selbst meint einen guten Wahlkampf geliefert zu haben.

    Generell sollte ein Spitzenpolitiker meiner Meinung nach eher ein „Sprücheklopfer“ als ein „Experte“ sein. Ein Spitzenpolitiker ist wichtig fürs TV und wie er bei der Bevölkerung ankommt, siehe Strache, Haider. Die großen Konzepte und Ideen für die Zukunft sollen Experten in der zweiten Reihe machen.

    Daher wäre für mich zb. Glawischnig als Parteivorsitzende ok und cc würde ich mir als „Experten“ für gute Ideen in der Bundespolitik wünschen.

    Und bitte hört mit dem ausgrenzen anderer Gruppierungen auf, das ist absolut kleinkariert und bringt dem Land gar nichts!
    Wenn man was bewegen will muss man Kompromisse machen. Mit SPÖ und BZÖ könnte man sicher das eine oder andere umsetzen und es würde sicher kein Drittes Reich entstehen. Haider hat sich in den letzten Jahren stark verändert.

    Ich hab diesmal sehr widerwillig Grün gewählt und verstehe die vielen Nichtwähler absolut, es kommt heutzutage eben nicht nur auf die ach wie vernünftigen „Inhalte“ an!

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  31. BZÖVPGRÜN? Warum immer diese Ausgrenzungen zu anderen Parteien?
    Um GRÜNE Politik zu verwirklichen, muss man alles daran setzen um in die Regierung zu kommen!!!
    das BZÖ hat bereits in der Regierung ihren Fingerabdruck hinterlassen. Die Grünen verstauben schön langsam im Parlament. Da fragt man sich wozu man grün wählt, wenn sie eh NIE und NIEMALS in eine Regierung (mit BZÖ oder/und FPÖ) gehen. Ich kann mir jede Koalition vorstellen, wo die Grünen beteiligt sind. Koalition ist ja dazu da, um Kompromisse zu schließen.
    BZÖ SPÖ GRÜN
    oder BZÖ ÖVP GRÜN
    oder SPÖ FPÖ GRÜN
    alles ist möglich
    die Umwelt wäre dankbar, wenn zumindest das Umweltressort die Grünen erhalten.

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  32. Denkzettel für die Grünen Dass die Grünen sogar in den „Hochburgen“ (5.,6.,7. Bezirk) und vor allem bei den unter 30jährigen z.Tl. massiv verloren haben, sollte alle Alarmglocken läuten lassen! Und bitte nicht die Schuld dem LIF geben…

    Hauptursache ist der unmögliche Spagat, den die Grünen seit einiger Zeit versuchen: Es soll ein Spektrum von linksextrem (Antikapitalismus, militanter Tierschutz, Polizeistaatsparanoia) bis zu bürgerlich liberal (neureiche Bobos) abgedeckt werden – das kann nicht gut gehen. So haben die Grünen an beiden Enden verloren und nichts neu dazu gewonnen.

    Die Grünen müssen sich endlich entscheiden, was sie wollen und wo sie sich positionieren. Entweder eine linke Alternativpartei (wie in Dtld.) oder eine bürgerlich, liberale, wirtschaftlich pragmatische Partei. Beides geht nicht.

    Die nächste Bewährungprobe wird die Landtagswahl in Wien, dann wird sich entscheiden, ob die Grünen eine wirkliche Alternativwahl sein WOLLEN oder ob sie in der Bedeutungslosigkeit versinken. Ich bezweifle allerdings, ob die oben schon angesprochenen basisdemokratischen Strukturen so eine Entscheidung erlauben werden. Ich habe die Konsequenzen gezogen: der Weg, den ich gemeinsam mit den Grünen gegangen bin, endet hier.

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  33. Kreisky heute: 10% Es gibt zwei Formen von Charisma. Die eine meint einen ganz aussergewöhnlichen, unverwechselbaren (Quer-)Kopf, zu dem (viele) andere aufsehen. Die andere, jüngere Form des Charismas meint einen idealtypisch durchschnittlichen, extrem verwechselbaren Kopf, in dem sich (viele) wiedererkennen, weil er – in Marshall McLuhans Worten – die „Gemeindschafts-Maske“ trägt. Die elektronischen Medien, allen voran das Fernsehen, forcieren dieses „neue“ Charisma, das besonders gebildete, verschriftlichte Menschen nicht kapieren, weil es in ihren Augen sozusagen das Gegenteil von Charisma darstellt.

    Die klassische Form von Charisma war bis in die 70er Jahre mehrheitsfähig (Kreisky), ab den 80ern regierte die neue Gemeindschaftsmaske: Von Vranitzky bis Grasser (ohne dessen Charisma-Leihgabe Schüssel schon längst Geschichte wäre).

    Haider war für ein großes Segment der österreichischen Gesellschaft die „Gemeindschafts-Maske“ der 90er Jahre, Strache ist es in diesem Jahrzehnt. Beide verkörpern das moderne Charisma einer herausragenden Durchschnittlichkeit, die sich für das Fernsehen deutlich besser eignet als die Ecken-und-Kanten-Köpfe Gusenbauer, Molterer, Schüssel, Van der Bellen (und andere), die immer nur sie selber sind und nicht – als Projektionsflächen – über sich hinausweisen können.

    Faymann, dem Jahre an Fernsehpräsenz fehlen (die eben kein Printeinsatz kompensieren kann), wird das diesbezügliche Gusi-Defizit abarbeiten, Pröll jenes von Molterer, fragt sich nur, bis zu welchem Grad. Der schwer definierbare Hipness-Vorsprung von Strache/Haider auf Faymann/Pröll ist in der populärkulturellen Präferenz für Bad-Boy-Image versus Angepaßtheit zu suchen, die sich bei den Unter-40jährigen stärker niederschlägt.

    Van der Bellens klassisches Charisma der unverwechselbaren Einzelerscheinung passt (nur) zum literalen und gebildeten Elektorat der Grünen, vermutlich würde Kreisky heute auch nur mehr 10% erreichen. Kreisky würde aber vermutlich ohne Zögern an Van der Bellens Stelle auf Haider zugehen, um ein Stück gemeinsamen Weges in der Regierung gehen. Aber das hat nichts mit Charisma und Medien zu tun, sondern mit Macht- und Gestaltungswillen.

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  34. Wahl Sehr geehrter Herr Chorherr!

    Sie haben es treffend formuliert. Viele Wähler haben ohne Überzeugung „Grün“ gewählt. Nach dem Motto:
    „Was verdammt noch mal, soll ich sonst wählen“. Ich habe mir die Partei ausgesucht, die „keinen – oder wenig Schaden
    anrichten kann“.
    Ich bin Protestwähler – habe aber für mich beschlossen (bereits das 2. Mal nach 2006) „Grün“ und nicht
    „ungültig“ zu wählen.
    Auch wenn es sehr hart klingt. Die Grünen haben äußerst ehrenwerte Themen. Problem: Diese interessieren nur
    sehr wenige Österreicher. Woran liegts? An den „dummen“ Menschen? Kaum. Eher an der Vermittlung der
    politischen Botschaften. Ich kann ihnen nur zustimmen: Öffentliche politische Diskussionen können ein Umdenken
    bzw. ein „sich Beschäftigen“ mit Politik bewirken. Immer aus der sicheren Anonymität agieren schafft Misstrauen.
    Es gibt in der Öffentlichkeit meines Erachtens nach nur 2 Themen mit denen die Grünen in unmittelbare Verbindung
    gebracht werden: 1. Humane „Ausländerpolitik“ (automatisches Bleiberecht etc.), 2. Alles tun um den Autoverkehr
    unattraktiv zu machen.
    Bei diesen Standpunkten MUSS die Partei mit Gegenwind rechnen.
    Für mich persönlich sind diese Standpunkte im Vergleich mit der Politik von FPÖ und BZÖ das kleinere Übel.
    Aber mit „Grün-Inhalten“ identifizieren kann ich mich (noch) nicht.
    Liebe Grüße und viel Erfolg bei der nächsten Wahl (Vielleicht schon bald).

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  35. Medien Zum Thema ‚Medien‘ möcht ich kurz was kommentieren: Klar ist es frustrierend wenn die Medien die eigenen Themen nicht aufgreifen oder simplifizieren. Aber dabei darf’s man doch nicht bleiben lassen. Wenn ich Politik mache muss ich doch die Medien auf meine Seite ziehen, und versuchen die Medien von meinen Themen zu überzeugen, anstatt sich die Themen vorgeben zu lassen. Eine Methode die mir jetzt ganz naiv einfällt ist, die Wahlplakate ein bissl aggressiver zu gestalten. Wenn die Themen nicht von den Medien aufgenommen werden, warum plakatiert man sie dann nicht wenigstens? Die diesmaligen Plakate hätten für eine Regierungspartei gepasst, zur Mobilisierung von Stammwählern, nicht für eine Oppositionspartei. Wo waren die Plakate, die Wähler von den Grünen Zielen und der Grünen Kraft zur Veränderung überzeugen? Klimapolitik und Schulreform kann man interessant verpacken. Warum kein Plakat „Dein Haus brennt! Untertitel: Täglich werden x kg Öl und Gas durch fehlende Wärmedämmung verbrannt. Wir planen… usw“. Warum kein Plakat „Dein Kind wird Nobelpreisträger! Untertitel: Mit einer gemeinsamen Schule, aber individueller Förderung ist Erfolg kein Wunder“. Damit hätten die Medien auch was (einfaches) zu kommunizieren und zu fragen, anstatt die Grünen Themen selbst analysieren zu müssen und dadurch zwangsweise zu verfälschen.

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  36. Sehr geehrter Herr Chorherr!

    Ihre Analyse finde großteils sehr gut und zutreffend. Und dass Diskusionsbedarf besteht – und man nichts schönreden sollte – zeigen ja auch die vielen Kommentare!

    Nur: Wegen einem für uns schlechtem Wahlergebnis (und sooo viel besser wird es trotz Wahlkarten nicht mehr werden) und dem starken Abschneiden der Rechten gleich wieder eine Krise der Demokratie auszurufen halte ich für überzogen!

    Die Frage ist eher, wie man sich künftig strategisch positioniert – denn da ist ja offensichtlich einiges im Vorfeld des Wahlkampfes schief gelaufen?! Kernfrage muss mM nach sein, wie man es endlich schafft, unzufriedene SPÖ und ÖVP Wähler anzusprechen, damit die eben nicht daheim bleiben! (jene die nach rechts laufen sind ohnehin eine andere Zielgruppe) Und das sind dann die entscheidenden Prozente die man für bundesweite 15% + benötigt – viel mehr als das ehrenwerte Grüppchen Grün/Liberaler Wechselwähler!! So etwas kann aber nur gelingen, wenn man es auch wieder schafft (neben allen guten Konzepten) die Leute auch emotional anzusprechen!!

    MfG,
    Thomas (Zeltaktivist)

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  37. Danke fuer den Text Es gibt einen Begriff dafuer, was die Gruenen brauchen: Fehlerkultur. Ich hab mich ebenfalls geaergert ueber die Ansagen a la „die boesen Faschos haben mir meinen Schlecker gestohlen“ und „es gibt fuer eine Partei wie uns eben keine besseren Ergebnisse“.

    Bitte liebe Gruene, werdet wieder relevant und seids thematisch weniger mit Tierschuetzern und Homoehe praesent — das ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Leuten eher egal. Wird sich Otto Protestwaehler denken „Pfah ich fuehl mich von RotSchwarz verar***t ich waehl jetzt Gruen weil die sind fuer die Tiere“? Ich glaube nicht.

    peter ein altgruenwaehler.

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  38. Reflexion und wirkliche Änderungen sind vonnöten Das Ergebnis ist ernüchternd – aber es war zu erwarten. Wir müssen das als eine klare Niederlage einstufen und uns in vielen Bereichen hinterfragen, auch wenn wir mit einem blauen Auge davongekommen sind. Wir dürfen die Schuld nicht aussen suchen (BZÖ, LIF, böse Medien, …), sondern Wege finden, unsere Performance zu verbessern.

    Wir müssen mit neuem Schwung dran gehen, und man muss das merken bis zu den Funktionären in den Ländern. Wir müssen das Gefühl bekommen – jetzt weht ein neuer Wind bei den Grünen.
    Das geht aber nicht mit ein paar Standardreden beim Buko, das erfordert auch die Einbindung von uns Aktiven in den Erneuerungsprozess. Sonst wird dem einen oder anderen bald die Lust vergehen – das hört man auch bei Randgesprächen am Buko immer wieder. Wir müssen es schaffen, dass wir wieder eine BEWEGUNG sind, dass wir uns verbunden fühlen. Das geht aber nicht, wenn wir das Gefühl haben ‚…die da oben…‘, sondern durch gemeinsames schaffen, gemeinsames erleben und arbeiten.

    Viele Menschen haben den Eindruck, dass sich bei den Grünen lange nichts verändert hat, dass sie nicht wissen, warum sie grün wählen sollten. Es stellt sich die Frage, warum wir es nicht schafften, von den 14% Verlust der ÖVP-SPÖ, einige Prozent der Protestwähler zu gewinnen. Es war oft “Langweiligkeit” und “fehlende Aggressivität” zu hören wenn man mit den Leuten diskutierte.
    Sind wir mit den 10-12 Prozent zufrieden die wir glauben, maximal erreichen zu können? Ich bin absolut NICHT der Meinung, dass unser Potenzial damit erschöpft ist. Ich denke dass wir durchaus bei 15% bis 20% einzustufen wären, wenn wir die Menschen abholen, die darauf warten.

    Die Personen an der Spitze haben das im Wahlkampf auch – soweit von mir einschätzbar – gut gemacht. Wie das weitergeht ist jedoch offen. Eine personelle Erfrischung und Erneuerung wäre sicher ein Gewinn (Zeit nach Sascha und Eva). Das hat jetzt aber noch Zeit und braucht solide Vorbereitung und einen geordneten Übergang.
    Sicher müssen wir uns auch fragen: Was machen wir für eine Personalpolitik? Bauen wir Leute auf um in führende Positionen nachzurücken? Oder leben auch wir Grünen in einer Neidgesellschaft wo sich die ‚Oberen‘ abschotten gegenüber den ‚Gefahren‘ von unten?

    Viel wichtiger erscheint mir, dass wir jetzt die Inhalte und unser Vorgehen durchforsten. Was haben wir transportiert – wo scheinen wir nicht auf? Welche Wählergruppen können wir bisher nicht ansprechen (2 Millionen Pensionisten, Junge Menschen, …)?

    Was können wir tun, dass wir die Menschen mehr erreichen und auch mehr in der Öffentlichkeit (Medien) aufscheinen? Gibt es Möglichkeiten, in die Medien zu kommen um unsere Anliegen zu transportieren (sanfter Aktionismus, Internet, – siehe Johannes Rauch, Chorherr und Pilz…)?
    Es geht darum, neue und zusätzliche Strategien zu überlegen, auszuprobieren, altbewährtes wieder auszugraben, …
    Warum scheinen nur die beiden Spitzenkandidaten auf? Warum sieht und hört man das ganze Jahr nichts (oder wenig) von den anderen 19 Abgeordneten? (Ausnahme Peter Pilz)?

    Bei der Information der Menschen ist es wichtig, dass wir so reden wie diejenigen, denen unser Statement gilt. Wir müssen die Menschen dort abholen wo sie sind, nicht dort wo wir sind!!!
    Wir sind oft zu kompliziert, zu intellektuell – das hört man immer wieder – und wirken dadurch oft auch abgehoben. Ich weiss, die Themen sind ja so komplex – trotzdem müssen wir es schaffen, diese einfach zu erklären (verdichten) – sonst kommen sie nicht an, werden nicht verstanden.

    Plakate: Die erste Negativ-Plakatwelle ist mir nach wie vor absolut unverständlich. Jeder Psychologenlehrling erklärt das schon, dass das verkehrt rum ankommt. Die zweite Plakatwelle hat mir gut gefallen – die kam auch bei den Leuten an.
    Die Inhalte und Themen sind wieder ein eigenes Kapitel. Die gehen oft an den Sorgen und Interessen der Menschen vorbei. Aber hintennach ist man meistens klüger…

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  39. Ich bin der Meinung, daß die Grünen in einzelnen Ziel-Themen nicht auch Wahrheiten aussprechen, oder auch diese Wahrheiten nicht wahrhaben wollen, um die eigene Basis nicht zu vergraulen. Aber die Grünen leben nicht nur von ihrer Basis, und sie verunsichern Wechselwähler.

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  40. Und immer wieder: Agenda setting Es passiert ja jedes Mal, aber diesmal war es eklatant. Die Grünen haben keine Themen besetzt. Bei den Duellen und Elefantenrunden musste ich mich jedes Mal ärgern, dass vdb ewig lang die MwSt-Pläne der SPÖ kommentiert und auf die Benzinpreisfrage (teurer oder billiger) nur unzusammenhängendes Zeug von wegen Heizöl und Pellets daherfaselt. Schließlich schienen die Kärntner Lösungen konkreter als die der Grünen. In Kärnten gibts wenigstens ein paar Solaranlagen.
    Stattdessen hätte vdb doch, von mir aus auch professoral, auf den Tisch hauen müssen und erklären, dass der Klimawandel uns alle umbringt, wenn wir nicht die Grünen wählen. Ganz wurscht, bei welchem Thema.
    Auf den Plakaten stand ja auch so gut wie nichts. Ich weiß schon, dass ist modern, aber gerade tendenziell linke Menschen sind mehr Text gewohnt, und denen hätte man doch durchaus das eine oder andere Thema zusätzlich zumuten können. Z.B. Überwachungsstaat, illegales Downloaden, Sexismus, LKW-lawine,…

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  41. Beschämt Beschämt muss ich gestehen, zwischen dem LIF und den Grünen geschwankt zu haben, und mich schließlich für das LIF entschieden zu haben. Sehr sehr schade. Das nächste Mal aber wieder…. (wenn die Grünen weiterhin so super bleiben!)

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  42. ein kleines mosaiksteinchen, aber meines erachtens bezeichnend für das abschneiden der grünen:

    bin nicht ganz zufällig (da selbst teilweise betroffener) auf folgende meldung der fpö wien gestoßen:

    „FP-Mahdalik: A 22-Überplattung – Erfolg der FPÖ für Donau-City

    Lärmschutz muss ausgebaut werden

    Die FPÖ hat in der gestrigen Sitzung des Gemeinderates folgenden Antrag, der einstimmig angenommen wurde, im Interesse der Bewohner der Donau-City eingebracht:
    Die amtsführenden Stadträte für „Stadtentwicklung und Verkehr“ bzw. „Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke“ mögen in Zusammenarbeit mit Infrastrukturministerium, ASFINAG, WED und Bewohnern der Donau-City die Möglichkeiten der Finanzierung und Realisierung der weiteren Überplattung der A-22 im Anschluss an den Kaisermühlentunnel zumindest bis zum Knoten bei der Brigittenauer Brücke idealer Weise aber bis zur Floridsdorfer Brücke prüfen.
    Den Tausenden Anrainern, die unter dem höllischen Lärm der A-22 leiden, wurde vor dem Erwerb bzw. vor der Anmietung ihrer Wohnungen die Verlängerung der Überplattung der Donauufer-Autobahn zugesagt, also muss dieser Lärmschutz auch realisiert werden, fordert Mahdalik.“

    http://www.fpoe-wien.at/index.php?id=2147&backPID=2143&tt_news=22248

    die überplattung an sich hätte neben dem lärmschutz den charme donaupark und donauinsel eins werden zu lassen. dadurch würde ein ansehnlicher erholungsraum geschaffen…

    wieso wurde dieser antrag nicht schon längst von den grünen eingebracht, nachdem ja alle diesbezüglichen initiativen im 22.bezirk „niedergebügelt“ worden sind? hätte man nicht schon längst erkennen müssen, dass mit dem spö bezirkskaiser keine vernünftige zusammenarbeit möglich ist und daher dieses thema auf eine höhere ebene gehört?

    -> womit wir dann auch wieder beim thema medien und ua.kronenzeitung wären…

    ich denke gerade im 21/22 bezirk wär’s wichtig jede nur mögliche stimme zu bekommen (grünenanteil um die 9%).

    eine gute dokumentation zu diesem thema gibt’s witzerweise auf der donaustädter kpö(!) seite
    http://kaktus.kpoe.at/news/index.php?topic=Windplage-Donaucity

    bzw. auf der aktion 21 hp

    http://www.aktion21.at/index.html?menu=103&id=512

    wirklich viel erwarte ich mir durch den antrag zwar nicht, aber immerhin wird (durch die fpö) ein zeichen gesetzt.

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