Grüne Liste-mein Resume

“Wir” haben gewählt.
Unsere Listen für die NR-Wahl sind vollzählig.
Hier mein kurzes Resume:
1.) Grüne Wahlversammlungen sind immer unberechenbar. Es überlagern sich derart viele Motive, dass selten ein Ergebnis vorhergesagt werden kann.
2.) Oft kann die “Tagesform” entscheiden. Eine sehr gute Rede kann v.a. jene ansprechen und überzeugen, die im ersten Wahlgang einen Kandidaten unterstützen, der dann nicht in die Stichwahl kommt.Wenn dann “mein” Kandidat nicht mehr zur Wahl steht, muss ich „aus anderen“auswählen.
3.) Platz drei. Korun vor Achaleke: Da ist vielen die Wahl sehr schwer gefallen. Zwei hervorragende Frauen.Beide haben in ihrer bisherigen Arbeit hohe Kompetenz gezeigt; Korun hielt eine ausgezeichnete Rede, Achaleke hatte das Handicap, von der Parteispitze unterstützt zu werden.So absurd das ist, in (kleinen) Teilen der grünen Kultur gibts immer eine Stimmung “gegen die da oben”.
4.) Härter traf es Michaela Sburny. In ihrer Rede sprach sie exakt an, wo viele Delegierte ein Problem sehen: Machtanballung als Bundesgeschäftsführerin und Mandatarin in einer Person, mögliche Interessensgegensätze. Auch nur für Insider verständlich: Hier Parlamentsklub dort Bundespartei mit ihren Gremien, was dürfen die einen, was müssen die anderen, das ist eine unendliche Geschichte von Konflikten und politischem Ausgleich.
Und hier seh ich ein Kernproblem grüner Strukturen: Das, was für die Wählerschaft attraktiv ist, Mandatar/innen, die neue Ideen einbringen, Althergebrachtes in Frage stellen, das kommt “in den Gremien” meist schlecht an.
Wie oft hab auch ich gehört: “Warum muss ich das von Dir in den Medien lesen, wo wurde das intern besprochen”.
Michi Sburny hat den notwendigen Konflikt in ihrer Arbeit nicht gescheut, und stark dazu beigetragen, dass es jetzt bei den Grünen ein starkes Zentrum gibt.
Da blieben über die Jahre viele Rechnungen offen.
Ausserdem nahmen viele die Kritik mangelnder personeller Erneuerung sehr ernst.
Das Burgenland ist das letzte Bundesland, das noch nie eine grüne Vertretung im Parlament hatte (das liegt am Wahlrecht, wir bräuchten dort 14%).
Mit der jungen Gemeinderätin Christiane Brunner (Spitzenkandidatin im Bgld), die im “Energiemekka” Güssing arbeitet, stand auch eine attraktive Kandidatin zur Verfügung.
Meine These: Wenn Michi Sburny das nächste Mal als Bundesgeschäftsführerin zur Wahl steht, wird sie eine sehr hohe Zustimmung bekommen. So ticken eben Grüne Versammlungen.
5.) vdB, Eva Glawischnig, Peter Pilz. Man schiesst sich zum Glück nicht mehr ins eigene Knie. Die Zustimmungsraten (über 80%) für die erstere sind für grüne Verhältnisse extrem hoch, und den meisten war klar, wie das Echo in der Wählerschaft und bei den Medien sein würde, bekäme Peter Pilz kein Mandat mehr.
6.) Schade, dass Bruno Rossmann kein fixes Mandat mehr hat. Er ist ein extrem kenntnisreicher Ökonom, der in der sperrigen Budgetpolitik (dort wo sie abseits der Slogans real wird) hohe politische Expertise einbringt.
Aber auch hier gilt: Wenn man Erneuerung (neue Gesichter auf sicheren Plätzen) will, muss auch jemand zurückrücken. Anderts geht sichs einfach nicht aus.That`s life.
7.) Mit Helene Jarmer, Präsidentin des Gehörlosenbundes, auf Platz 7 (mögliches Mandat) haben wir gezeigt, dass es bei Kongressen tolle Überraschungen geben kann.
Wir sollten jedenfalls versuchen, diese beeindruckende Frau, und damit ihre Welt und ihre Sprache ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Ich glaube ihr Wahlergebnis ist rekordverdächtig: 89% in offener Wahl.
8.) Dass weitere Kandidat/innen mit grossen politischen Talenten (ich erlaube mir hier Marie Ringler und Volker Plass zu nennen), die gezeigt haben, was sie öffentlich bewegen können, nicht gewählt wurden ist schade. Aber auch hier gilt: Alles kann sich nicht ausgehen. dazu bräuchten wir deutlich mehr Mandate.
9.) Und nocheinmal mein “ceterum censeo”: Sosehr unsere internen öffentlichen Wahlen ein Riesenfortschritt gegenüber der Mauschelei bei allen anderen Parteien sind. Die wirkliche “Basis” sind unsere Wähler/innen. Diese sollten eigentlich entscheiden,wen sie ins Parlament schicken wollen.
Deswegen müsste eine (gar nicht so grosse) Wahlrechtsreform das Vorzugsstimmen massiv ausbauen, dass die letztgültige Entscheidung die Wählerinnen der Partei treffen.
Das würde das Parlament massiv aufwerten und die politische Kultur in diesem Land enorm bereichern.

4 Gedanken zu “Grüne Liste-mein Resume

  1. Plan oder Zufall? Ja, du hast Recht. Überraschungen sind immer wieder möglich und das ist gut so.
    Weniger gut ist dabei, dass es auch mehr oder weniger dem Zufall überlassen ist, ob an sicherer vierter Stelle ein Demokratie- und Bürgerrechtsexperte oder ein Sozialpolitiker gewählt wird. Oder – wie in Wien – das Thema Kultur oder Sozialpolitik mit fixem Ticket in den Nationalrat geschickt wird.
    Alle diese Themen sind wichtig. Was wäre also, wenn wir zweierlei Listen erstellen: In einem ersten Schritt könnte festgelegt werden, welche Themen wichtig sind und an welcher Stelle abgesichert werden. Also z.B. ein Ranking: Platz 1: BundessprecherIn, Platz 2: SozialsprecherIn, Platz 3: UmweltsprecherIn etc.
    Und in einem zweiten Schritt könnten sich dann für diese fachlich definierten Aufgaben jene Personen bewerben, die meinen, diese Aufgabe jeweils am besten erfüllen zu können.
    Zu überlegen ist da noch, wie das der Genderquote in Einklang gebracht wird, die sich meiner Meinung nach sehr bewährt hat, aber im Grundsatz könnte damit eine strategisch professionellere Politik gewährleistet werden.
    LG,
    Peter Drössler

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  2. Die schlechteste Wahl der Grünen Delegierten Die schlechteste Wahl der Grünen Delegierten

    Der grüne Bundeskongress hat die schlechteste Wahl getroffen, seit den ersten Tagen im Parlament.
    Die Bundesliste zeigt Vertreterinnen von MigrantInnen und einer Sprachminderheit und keine behinderten Menschen.
    Die Anliegen von rund einem Viertel der Bevölkerung, sind den Delegierten keine ExpertIn wert. Sind Menschen weniger wichtig als Gletscher und Tiere? Ja so sieht es für uns aus. Die Grüne Politik hat leider keine Kompetenz mehr, für die Breite Gruppe behinderter, eingeschränkter und alter Menschen zu sprechen.
    Die Arbeit im Parlament prägen Personen, daher ist Politik auch Personalpolitik. Was bedeutet das für die Wahlergebnisse?
    Für die Öffentlichkeit haben Grüne ihre Kernkompetenz Menschenrechte, Minderheiten- und Selbstvertretungsrechte verloren.
    Für die grüne Politik bedeutet es den Verlust an Glaubwürdigkeit.
    Die fehlte den großen Parteien seit Jahrzehnten. Wer ist glaubwürdig?
    Ist Österreich nun auch an der politischen Wende angelangt, wo keine Inhalte, keine Sachpolitik, nicht Glaubwürdigkeit und Vertrauen, wo nicht mehr die Menschen sondern Medien, Macht, Verkleidung und Geld zählen.
    Mich interessiert nicht die gesamtpolitische Frage. Ich sehe die Bedeutung für die Sachpolitik.
    Ich denke, die grüne Opposition hat 22 Jahre lang Unruhe geschaffen und dadurch die Politik bewegt. Nur, die Unruhe ist es, die in Uhren die Zeiger bewegt.

    Ich sehe einen grünen Zug abfahren, ohne Basis, ohne Menschen nur ein kleines buntes Grüppchen.
    Ich sehe in der Antidiskriminierung, Gleichstellung, bei den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen Pflegender (Frauen), Integration, Ausbildung, Selbstbestimmung, Baukultur, Design für Alle, im Kampf für Barrierefreiheit einen riesigen Berg an Arbeit.
    Leider gähnende Leere in der grünen Kompetenz.
    Schade um die Glaubwürdigkeit.

    Das grüne Fischernetz für die NR-Wahl 2008, ist plötzlich sehr klein geworden und hat dazu, viele große Löcher bekommen!

    Bernhard Hruska
    Architektur B4, Besser Beraten Barrierefrei Bauen

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  3. sburny 1) michaela sburny ist sicher ein wichtiger teil der grünen, aber ich finde sie hat nix auf einer wahlliste der grünen verloren – oder weis irgendwer was sie im nationalrat bisher gemacht hat? auf der wahlliste müssen menschen stehen die themen besetzten – dies ist mAn gut gelungen.
    2) zum mandat für eine/n behindertensprecherIn:
    lieber hr. architekt der tierschutz liegt noch weit hinter dem thema behinderung und wenn die wählerInnen alle anliegen vertreten haben wollen, dann sollen sie die grünen auch wählen. mehr mandate= mehr möglichkeiten

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