Verbund privatisieren?

Das Politgetöse rund um Gusis unglückliche Zukunft überdeckt eine ziemlich wichtige Frage.
Wirtschaftsminister Bartenstein hat heute vorgeschlagen, die Verbundgesellschaft, an der der Bund mit 51% beteiligt ist, zu privatisieren.
Es muss m.E. sehr gute Gründe geben, warum ein Unternehmen in staatlicher Hand bleiben sollte.
Bei der Verbundgesellschaft gibt es 2 Gründe:
1.) Die Verbundgesellschaft besitzt einen Grossteil der österr. Wasserkraftwerke.
Die meisten davon wurden vor Jahrzehnten gebaut, sind wirtschaftlich weitgehend abgeschrieben, und liefern ziemlich günstig Strom. Gleichzeitig steigt der intern. Strompreis.Deswegen wachsen die Gewinne des Verbundes, und wachsen und werden in Zukunft weiter wachsen.
Die Dividende erhält der Eigentümer, fliessen also derzeit dem Staat, also uns allen zu.
Warum also verkaufen? Nur damit diese Gewinne in Zukunft privaten Anlegern zufliessen?
Nein.Gut dass der Staat neben Steuern auch ein paar lukrative Beteiligungen hält, die einnahmen bringen.
Viel gewichtiger noch halte ich dieses Argument:
2.) Wenn der Stromverbrauch weiter wächst, und sowohl fossile wie nukleare Stromerzeugung zurecht unter heftiger Kritik steht, ist Strom aus „unseren Flüssen“, ohne Emissionen erzeugt , das mögliche Rückgrat einer veränderten Industriegesellschaft.
Wenn es in den nächsten Jahren zu Stromabschaltungen kommt, soll diese notwendige Infrastruktur „der Öffentlichkeit“ zur Verfügung stehen.
Darüber die Verfügungsmacht abzugeben, wäre eine unverzeihliche Dummheit, die nur purer Ideologie (privat ist immer super, staatlich immer schlecht) geschuldet ist.
Deswegen von meine Seite ein schlichtes kräftiges Nein zu Bartensteins Privatisierungsplänen.
Ganz anders sehe ich das bei der AUA.
Hier sehe ich keinerlei zwingende Notwendigkeit eines staatlichen Eigentums.
Ob die AUA mehrheitlich der Lufthansa, oder gar der Aeroflot gehört, ist vielleicht eine symbolisch emotionale („rot-weiss-rote Heckflosse“) Frage, für Österreichs wirtschaftliche Zukunft ist sie irrelevant.
Ganz anders als bei der Frage der Verfügungsmacht über Wasserkraftwerke.

4 Gedanken zu “Verbund privatisieren?

  1. Argument 1 ist das unentwegt wiedergekäute „Tafelsilber“-Argument. Es ist deshalb obsolet, weil eine „Beteiligung zu halten“ bedeutet Kapital zu binden, das man auch anderweitig gewinnbringend einsetzen kann – es ist daher allein vom möglichen Kaufpreis abhängig, ob es sinnvoller ist, gebundenes Vermögen zu verflüssigen (und anderweitig und damit also „für uns alle“ hoffentlich besser wieder anzulegen) oder eben zu halten. Wer also dafür eintritt Beteiligungen – schon aus diesem Grund – auf jeden Fall zu halten, handelt für mich mindest ebenso ideologisch wie jene, die dafür eintreten auf jeden Fall zu verkaufen.

    Argument 2 kann ich etwas abgewinnen – wobei ich vermute, dass man das dahinterstehende Sicherheitsbedürfnis durch entsprechende Regulierung und Auflagen für diese Bereiche ebensogut befriedigen könnte. Der Staat hätte ja – rein theoretisch – fast alle Werkzeuge zur Verfügung, kennt aber eben in der Praxis immer wieder nur den Holzhammer… und dann muss es eben staatliches Eigentum sein – das kommt dann eben auch samt der damit im konkreten Fall verbundenen Totalverpolitisierung. Aber das ist ja wohl auch gewollt so.

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  2. Ich habe meine Ansicht zu den Energieversorgern ja schon mal kundgetan, siehe http://chorherr.twoday.net/stories/4956720/#comments. Leider habe ich damals den Verbund dabei vergessen. Sorry, der muss auch weg, auch nur ein Interessenskonflikt mehr.

    Die Politik interessiert sich nur fürs Kohleschaufeln solange es gut läuft, dann muss es irgendwie weg. Oder anders gesagt, der Staat ist wohl der Eigentümer, der seine Verantwortung nicht wahrnimmt gegenüber seinen Shareholdern (den Wähler) für das Eigentum der Shareholder (staatliche Unternehmen). Und von Markt versteht keine Partei in Österreich was, alle wollen zocken im Interesse einiger, aber nie der Allgemeinheit dienen. Ärgerlich.

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  3. Verbund neu ausrichten Die Verbund soll nicht verkauft werden, schon allein, weil sie nicht vor dem Konkurs steht.
    Das Argument, käme es zu Stromabschaltungen werden die Eigentümer begünstigt, ist Unsinn und Panikmache. Speziell in Zeiten von Knappheiten zählt der Preis und derjenige bekommt das Produkt, der zahlen kann. Auf potentielle Knappheiten ist aber anders zu reagieren, als mit Ohnmacht gegenüber den weiteren Zuwächsen des Stromverbrauchs. Wie kann nachfrageseitige Energiepolitik, speziell im Strombereich, im Falle der Liberalisierung der Märkte organisiert werden, wurde in den letzten Jahren nie mehr angedacht.
    Die Frage zur Verbund ist daher anders zu stellen: Was macht die Bundesregierung mit der Verbund. Gut, sie hat abgeschriebene Wasserkraftwerke. Sie gibt sich als grün aber auf der anderen Seite hat sie stets die KWK sabbotiert, Hochspannungsleitungen zum Atomstromdealen beworben und betrieben. Sie betreibt klimaschädliche Kraftwerke (z.B. Dürnrohr) und will sogar noch mehr davon. Klimaschutz al la Verbund und Verbund-Eigentümer: Agree and Ignore.
    Vermisst habe ich auch nur ansatzweise grüne Debattenbeiträge im Vorfeld der Wahl des neuen Verbund GD. Da haben die Grünen geschwiegen, als es darum ging, was der/die Neue kann und tun soll.
    z.B.: Negawattkraftwerke bauen, Effizienz bei den Kunden vorfinanzieren (bei den Differenzen zwischen Erzeugungskosten und Marktpreis, wäre doch genug Manövriermasse hierfür vorhanden), gute Bilanz bei sinkenden CO2-Ausstoß, mehr grüner Strom statt Etikettenschwindel mit norwegischen Wasserkraftzertifikaten – das wäre ein Anfrageprofil gewesen, dass Grün einfordern hätte können. Dies vor allem auch, da Rot und Schwarz hierfür der Sinn fehlt. Sie taten es nicht. Warum eigentlich?
    Übrigens: Das Gejammere, dass der Staat keine Unternehmen führen kann, ist ideologisch verfestigter Unsinn.

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  4. Na ja, die ausgezeichneten Verbindungen der AUA in den MOEL-Raum sind schon ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil für Wien. Das Geld, das die AUA verschlingt, kann man allerdings sicher auch anders zum Erhalt dieser Verbindungen einsetzen.

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