es wird eng, sehr eng

Über diese Grafik hab ich sehr lange nachgedacht:


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Dann hab ich diesen Kommentar für den falter geschrieben:
ES WIRD ENG,SEHR ENG!
Ob Öl oder Gas, Stahl oder Kupfer, Reis oder Weizen; deren Preise haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Ursachen werden viele genannt: Agrartreibstoffe vulgo Biosprit, Finanzspekulation auf den Rohstoffbören, Trockenheit in Australien, je nach Interessenslage wird ein Schuldiger gesucht.
Noch schrecken viele zurück, die eigentliche Ursache zu benennen. Geschweige denn, daraus auch politische Konsequenzen zu ziehen.
Diese Ursache ist schlicht, radikal und erschreckend:
Die Ursache ist schlicht: Es ist die weltweit immer stärker steigende Nachfrage nach Rohstoffen.
Weitergedacht ist es radikal:
Denn es zeigt sich, dass die Art und Weise, wie wir im wohlhabenden Europa/Nordamerika/Japan unseren Wohlstand erwirtschaften, nur dann funktioniert , wenn wir exklusiv unter uns bleiben.
Wenn auch nur die Hälfte der Menschheit ihren Verkehr, ihr Energiesystem, ihren Konsum so organisieren will wie wir, wird es extrem eng.(von der anderen Hälfte ganz zu schweigen)
Im Grunde, steht nicht weniger als unser fossil betriebenes Wohlstandsmodell auf dem Prüfstand. Und es beginnen alle Alarmlampen zu blinken.
Am Beispiel des Zweigespanns Öl und Auto.
In Österreich kommen auf 1000 Menschen rund 500 PKW. Tendenz noch immer leicht steigend.
Im Reich der Mitte, welches viele durchaus zurecht für die immer stärker wachsende Nachfrage mitverantwortlich machen, kommen derzeit knapp 20 PKW auf 1000 Einwohner.
Ob VW, Toyota oder Fiat. Alle bauen sie derzeit in China eine Autofabrik nach der anderen.
Es ist nur zehn Jahre her, da war China ein Ölexporteur. Heute ist dieses Land der zweitgrösste Ölimporteur.
Der Autobestand in China verdoppelt sich jetzt alle zehn Jahre.
Würde sich China auch nur halb so stark motorisieren wie Österreich (und warum sollte es das nicht?) die Nachfrage nach Öl und Stahl (Koks!)würde jedes denkmögliche Angebot übersteigen.
Die Situation in Indien, welches bald China als bevölkerungsreichstes Land ablösen wird, ist ähnlich; und in Pakistan, Südafrika, Brasilien, Russland, Indonesien auch.
Man kann es auch ganz positiv formulieren: Sehr viele Menschen in weiten Teilen der Welt sind in den letzten Jahren in einem Tempo, das einmalig in der Menschheitsgeschichte ist, zu einem bescheidenen Wohlstand gekommen.
Und diese hunderten Millionen Menschen beginnen, ohnehin erst in Ansätzten, das zu tun, was uns selbstverständlich scheint:
Sie wollen und bekommen Strom, welcher wie bei uns, vor allem aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Sie kaufen Eiskästen und Glühbirnen, die Strom verbrauchen, bauen Häuser, da sie nicht mehr in Wellblechhütten leben wollen, und sie kaufen Autos.
Ausserdem ändern sie ihre Essgewohnheiten.Immer mehr bescheiden sich nicht mehr mit ein paar Körnern Reis, Hirse oder Mais, nein, sie essen gelegentlich sogar Fleisch.
Wie entfuhr es Angela Merkel jüngst? Die Inder essen jetzt zweimal am Tag, gab sie als Ursache der steigenden Nahrungsmittelpreise zu Protokoll, und hat trotz des unfassbaren Zynismus nicht ganz unrecht.
Das tiefgreifende Problem, welches die globale Wirtschaft fundamental herausfordern wird, ist ihr Erfolg:
Immer mehr Menschen kommen zu Wohlstand, und streben ein fossiles Wirtschaftsmodell an, an welchem sich die reichen Industrieländer festklammern und gar Krieg zu führen bereit sind (Irak, Land der zweitgrössten Ölreserven der Welt).
Die Antwort heisst nicht Wohlstandsverzicht, nicht zurück nach irgendwohin.
Die Antwort muss auch nicht erst erfunden werden, sie ist, dissident zwar, gerade in Europa ansatzweise zu finden.
Klar möchte im Winter niemand frieren.Nirgendwo auf der Welt. Um das bereitzustellen, kann man entweder fossile Brennstoffe verheizen, oder Häuser so klug bauen, dass sie keine oder kaum Fremdenergie brauchen.
Eine andere technisch intelligente Generation von Koch-und Kühlgeräten lässt sich mit heute käuflich zu erwerbenden Solarmodulen betreiben.
Der Verkehr kann gerade in einer sich zunehmend urbanisierten Gesellschaft besser, billiger und klüger als durch das benzinbetriebene Auto organisiert werden.
Das kann in der gewachsenen, durchmischten, und dichten europäische Stadt, (welche aus vielen Gründen ein Wunderwerk der Zivilisation darstellt) sicher leichter gelingen, als in den suburbanisierten Flächenstädten a`la Los Angeles.
Die reiche westliche Zivilisation muss sich rasch die Frage stellen: Wer, wenn nicht sie selbst muss vorzeigen, dass allgemeiner Wohlstand möglich ist, ohne von fossilen Brennstoffen und einem enormen Materialdurchfluss abhängig zu sein.
Die Alternative wäre schrecklich:Ein globaler Kampf um knappe Ressourcen wird ausbrechen, und wohin derartige Kämpfe führen, dafür hat die Menschheitsgeschichte viele Beispiele.
Geld ist genug da. Erst jüngst hat der angesehene “Scientific American” seine Titelgeschichte dem “Masterplan für das Solarzeitalter” gewidmet. Da rechnen Wissenschafter ganz trocken vor, wie innerhalb extrem kurzer Zeit die gesamten Ölimporte der USA durch den Aufbau grosser Solarkraftwerke ersetzt werden kann, zu Kosten, die deutlich unter jenen des Irak-Krieges liegen.
Innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahrzehnten muss und kann dieser Umstieg gelingen. Jene Länder, welche das zuerst begriffen haben, werden auch die sein, die dabei viel gewinnen können.

3 Gedanken zu “es wird eng, sehr eng

  1. Stimmt alles! Nur leider sind Photovoltaikzellen dzt um´s Vierfache zu teuer, um sich zu rentieren, und Silizium ist auch nicht unerschöpflich vorhanden (wird also mit zunehmender Nachfrage noch teurer werden). Die Energiepreise steigen sowieso und wir könnten bequem warten, bis sich die Sonnenkraft konkurrenzfähig wird – zahlen müssen wir sowieso.

    Es gäbe aber auch die Möglichkeit, den Knebelvertrag zu kündigen und das Geld, welches via Kioto Al Gore und Konsorten in den Allerwertesten gestopft werden wird, in die Umrüstung der Energieversorgung stecken. Da könnte ganz schön was bewirkt werden, aber wer will das schon…

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  2. Online-Befragung Sehr geehrter Herr Chorherr!

    Im Rahmen unseres Studiums an der Karl-Franzens-Universität Graz befragen wir momentan Internet-Blogger. Ich habe mich in diesem Zusammenhang für Politikblogs entschieden und verfolge seit längerer Zeit aufmerksam Ihre Beiträge. Die Befragung ist natürlich anonym und wird auch nicht veröffentlicht. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie sich kurz Zeit nehmen könnten und den unter dem Link http://www.befrager.de/befragung.aspx?projekt=6308 online abgelegten Fragebogen auszufüllen. Ich darf mich bereits im Vorhinein für Ihre Bemühungen bedanken!

    Mit freundlichen Grüßen aus Graz

    David Kessler, Bakk.rer.soc.oec.

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  3. @leckse Das war kein Argument gegen, sondern für Photovoltaik, die ich für die Zukunft als den einzigen gangbaren Weg halte.
    Soviel ich weiß, wird reines Silizium benötigt und das liegt nicht so einfach herum – zZt wird es hauptsächlich durch Recycling gewonnen. Weil ich annehme, dass die Siliziumproduzenten nichts zu verschenken haben, wird das Recycling wohl die kostengünstigste Produktionsform sein. Wenn das nun infolge steigenden Bedarfes bald nicht mehr ausreicht (wie ich kürzlich wo gelesen habe wird es bald soweit sein – leider finde ich die Quelle nicht mehr), wird man wohl auf teurere Produnktionsformen zurückgreifen müssen…

    Wie wir von Kioto profitieren sollten, erschließt sich mir leider nicht. Die Ziele sind (wahrscheinlich mit Absicht) so gesetzt, dass sie zwar theoretisch, nicht aber praktisch (politisch durchsetzbar) zu erfüllen sind. Dh, den Verhandlern (damit meine ich die Geschäftemacher und Profiteure des Ablasshandels und nicht unsere Weihnachtsmänner, die man über den Tisch gezogen hat 🙂 ) war das voll bewusst. Man braucht zum Abcashen ja zahlende Deppen – anders gehts nicht. Ich meine halt, dass man mit dem Geld, das da zum Fenster hinausgeschmissen werden wird Photovoltaik konkurrenzfähig und populär machen könnte.

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