starker Tobak

gut gebrüllt Löwe!
Ein andere Blick auf das Thema Gewalt von Jugendlichen.
Er formuliert zwar alles andere als „politisch korrekt“, im Kern hat er, glaub ich, recht.
..Bergmann: Hier hat sich eine Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik eingeschlichen, die den kleinen Jungs gewaltig auf die Nerven geht.
SPIEGEL ONLINE: Weil in Kindergärten und Grundschule fast nur Frauen arbeiten?

Bergmann: Das hat sicher damit zu tun. Es geht aber mehr um diese generelle Antigewalt-, Antikörperlichkeit-, Antimännlichkeitserziehung. Auch die männlichen Pädagogen haben ja dieses seltsame Umhüllungs- und Friedensideal soweit übernommen, dass es schnurz ist, ob ein Mann oder eine Frau verantwortlich ist. Wenn heute im Kindergarten beim Ballspielen eine Fensterscheibe zu Bruch geht, wird doch sofort der Morgenkreis einberufen. Jungen haben heute kaum noch die Fähigkeit, sich selbst in ihrer Körperlichkeit, in ihrer männlichen Durchsetzungsfähigkeit kennenzulernen. Sie werden mit Teilen ihrer Männlichkeit überhaupt nicht mehr bekannt.
SPIEGEL ONLINE: Welche männlichen Eigenschaften oder Verhaltensweisen meinen Sie?


Bergmann: Es geht um die einfachsten Dinge: Wenn zwei Jungs im Kindergarten raufen, um die Hierarchie untereinander festzulegen, dann hat ein Pädagoge da nichts zu suchen. Jungs machen ihre Sozialisierungs-Erfahrungen anders. ..
SPIEGEL ONLINE: Sollen etwa Eltern, Erzieher, Lehrer aggressive Jungs einfach prügeln lassen?

Bergmann: So lange es ungefährlich ist, unbedingt. Das ist Erlernen von sozialen Verhaltensweisen. Jungs sind schon im zarten Alter von zwei bis vier Jahren völlig anders als Mädchen. Sie müssen ihre Erfahrungen mit dem Raum um sie herum auch mit männlicher Wucht machen können. Wenn das blockiert wird, wird die kognitive und soziale Entwicklung eines Jungen gehemmt. Gleichzeitig werden sie dann eingehüllt in diese weibliche harmonische Lebenswelt, die ihnen unendlich auf den Keks geht. Im Grunde ist es ein Wunder, dass es noch so viele seelisch gesunde Jungen gibt.

oder über Das „Computerspielen“:
Bergmann: Gut, dass Sie das ansprechen. Das ist nämlich auch so eine Entwicklung, die völlig falsch verstanden wird. Schauen Sie sich doch mal die moderne Kultur an: Internet, globale Wirtschaft, Börsengeschehen, die ganze digital durchwirkte Gesellschaft – das ist eine reine Männerproduktion. Es gibt bei der Entwicklung des Internets und den digitalen Technologien keine bedeutenden weiblichen Anteile. Unsere Wirklichkeit besteht aus reinen Männerfantasien. Es ist nämlich gerade nicht so, dass die Gesellschaft die Männer an den Rand gedrängt hat, im Gegenteil: Was wir heute erleben, ist die Fortsetzung und Zementierung der Männerkultur mit digitalen Mitteln. Die Frauen sind nicht zufällig noch immer nicht in den Spitzenpositionen angekommen. Sie bewegen sich lediglich hervorragend in einem Bildungsideal, das gar nicht mehr zeitgemäß ist. Die Jungs sind da schon längst wieder weiter. Das wird die männliche Dominanz fortschreiben.
das wäre eine spannende Debatte.

6 Gedanken zu “starker Tobak

  1. gefährliche gegenbewegung Genauso, wie es falsch ist, sich an Mädchen als Normschüler zu orientieren, ist es falsch, einzelne jugendliche Gewaltäter und Schulversager, die auf Wehrlose eintreten, nun zum normalen Burschen zu machen und den Unterricht aller Burschen auf diese medial präsente Gruppe zuzuschneiden.

    Dass unter Burschen Hierarchien mit Raufereien festgelegt werden, mag eine nüchterne soziologische Feststellung sein. Das gleiche Phänomen findet man ja auch im Tierreich.

    Das heißt aber nicht, dass die körperlich unterlegenen Schüler eine derartige „Festlegung von Hierarchien“ wünschen. Es ist klar, dass die skrupelosesten und stärksten in dieser Hierarchie an der Spitze landen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Psychopathie
    „Es wird angenommen, dass Psychopathen weniger als 5 % der Bevölkerung ausmachen, aber mehr als 70 % der schweren Verbrechen begehen.“

    Es ist durchaus plausibel, dass angehende Psychopathen eine härtere Gangart brauchen. Solche Leute verstehen „Tu einem andern nicht, was du nicht willst, dass er dir tut“ nicht. Da muss es wohl eher „Tu anderen nichts Böses, sonst kriegst du was von oben (Staat, Lehrer) auf den Deckel“.

    Harmlose Raufereien sind doch eher solche unter Freunden, die einfach mal so aus Spaß rangeln, aber sich eben nicht gegenseitig unterwerfen wollen.

    Kann Wolfgang Bergmann belegen, dass diejenigen, die später auf wehrlose eintreten, als Kinder überhaupt nicht raufen konnten; auch nicht am Schulweg oder am Spielplatz? Kann er belegen, dass diese Gewalttäter keine Väter zuhause hatten?

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  2. Der Mann weiß pointiert zu formulieren!
    Im Grunde gebe ich ihm recht: Lasst den Buben körperliche Erfahrungen machen, die sie brauchen – dann werden sie nicht gewalttätig.
    Die Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik geht ihnen wirklich schwer auf den Keks, Burschen wollen sich nicht in „weiblichen Umerziehungslagern“ zu braven Sprechpuppen degradieren lassen – und reagieren auf ihre Weise: Sie ziehen sich zurück (z.B. zu Playstation und Computer), verweigern sich, werden gewalttätig, lehnen Schule komplett ab, versagen … ihre Werte und Vorteile werden gering geschätzt.
    Leider tendiert Hr. Bergmann zur Schwarz-Weißmalerei und unterschätzt dabei Schule und LehrerInnen, die dieses Problem auch schon erkannt haben. Er unterschätzt auch die junge weibliche Generation, die in der Wirtschaft, an den Universitäten, auch im IT-Bereich längst führende Rollen übernommt hat. Dort wird man die männliche Dominanz bald nicht mehr spüren!

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  3. Wann ist ein Mann ein Mann? Ähnliche Thesen, wie jene, die Herr Bergmann in diesem Interview vertritt kommen mir immer wieder unter und ärgern mich jedes mal aufs Neue. Zum einen wird die Schuld an männlichem Fehlverhalten (zunehmende Gewalt) wieder einmal Frauen gegeben, die nicht einmal in der Lage sind Buben zu erziehen und damit selbst Schuld sind, wenn sie gewaltbereite Männer ernten. Als ob Männer gehindert würden sich aktiver an der Erziehung der Kinder zu beteiligen (zu Hause, im Kindergarten, in der Volksschule). Sie ziehen nur besser bezahlte und prestigeträchtigere Tätigkeiten vor. Zum anderen, weil sie ein Männer- und Frauenbild aufwärmt, das schon vor langer Zeit überholt war. Buben bräuchten im Gegensatz zu Mädchen Raum zur Bewegung und die Möglichkeit körperlicher Erfahrungen. Zweijährige Kinder unterscheiden sich in diesem Punkt keineswegs. Sie alle brauchen diesen Raum und diese Möglichkeiten. Was hat aber das Erleben des eigenen Körpers und seiner Grenzen mit Gewalt zu tun? Fünf- bis sechsjährige lieben Wettkämpfe, die ihnen spielerisch, sportilich ermöglicht werden sollen. Jüngere können mit Wettkämpfen meist noch weniger anfangen. Bewegungsfeiheit brauchen sie natürlich. Konflikte unter zweijährigen werden mit Körpereinsatz ausgetragen, weil Kinder in diesem Alter sich noch nicht sehr differenziert ausdrücken können. Mit zunehmenden sprachlichen Fähigkeiten sollten die Kinder auch die soziale Kompetenz erwerben, Konflikte auf einer anderen Ebene zu lösen.
    Die Forderung sich die Rangordnung auszuraufen, befremdet mich aus grüner Sicht sehr. Wo sind Gewaltfreiheit und Feminismus als Grundwerte geblieben? Sind Männer, die nicht schlagen, keine Männer? Für mich sind diese Thesen kein starker Tobak, sondern verstaubte alte Hüte!

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  4. Zum Thema „Gewaltspiele“ ist im Bootsektor ein spannender Beitrag erschienen, der sich (lobeswerte Ausnahme!) auch die Faktenlage genauer ansieht: http://www.bootsektorblog.de/2008/04/gewaltspieledis.html

    Sein Fazit:

    Da Kriminalität gesamtgesellschaftlich betrachtet zurück geht, müssen neue Politikfelder gefunden werden, um ein Bedürfnis nach mehr Ordnung und mehr Kontrolle zu repräsentieren (Ob das auch einen realen Nutzwert hat, sei dahin gestellt). Die Ausgrenzung von interaktiver Unterhaltung (wie zuvor des Films, der Kriminalerzählung, des RocknRoll, des Jazz, des bürgerlichen Romans, der Dichtung und freien Kunst überhaupt) dient nur der Erhaltung von Sicherheitsbefindlichkeit eines Bevölkerungsteils. Nämlich desjenigen, der sich durch Veränderungen gleich welcher Art bedroht sieht.

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  5. nachhaltig zerstörerisch Lieber Christoph,

    Also zuerst ein Outing: Ich bin Feministin!
    und gleich das zweite: ich habe einen Sohn!

    Interviewauszüge wie diesen finde ich nachhaltig
    zerstörerisch!
    1. Weil da ein super taditionalistisches Männerbild beschworen wird.
    2. Weil Raufen allein noch nicht Körper-Erfahrung bedeutet.
    3. Weil Hierarchiebildung in jeder Gruppe erfolgt, mit und ohne blaue Augen.
    4. Weil wir als Grüne doch – soweit ich informiert bin – für eine
    Demokratisierung der Gesellschaft eintreten, d.h. wir wollen dass die
    Menschen in rechtlich geregelten Prozessen durch Argumentieren und
    Austausch von Meinungen zu einer hoffentlich sinnvollen Lösung einses
    Problems kommen und im Falle vielleicht auch noch ein Gesetz für eine
    sinnvolle Maßnahme beschließen. Dafür ist es notwendig schon im zarten
    Alter zu lernen, das Konflikte mit Wortäußerung ausgetragen werden
    können und müssen.
    5. DAS HAT ABER NICHTS MIT DER EBENSO NOTWENDIGEN KÖRPERERFAHRUNG ZU TUN
    6. Die ist auch notwendig kann über Bewegungsfreiheit, von mir aus
    Kampfsport (auch dort gibt es Regeln und vorallem auszeichen für
    Unterlegene!!!!,) und „Grenzerfahrungen “ (Klettern, Tauchen, Rennen,
    Ballspiele…).erreicht werden. IST ÜBRIGENS AUCH FÜR MÄDCHEN
    INTERESSANT und notwendig. Hat aber nur wenig mit der Rangordnung in der
    Gruppe zu tun.
    7. Wir sind ja zum Glück nicht im Tierreich, sonst würden wir nämlich
    alle Schwächeren verkommen lassen, Behinderte töten, Alte ins Jenseits
    befördern und Sex pflegen wann und wo wir wollen. Soweit ich weiß tun
    wir das nicht und soweit ich informiert bin, sind das auch nicht
    unbedingt zentrale Forderungen der Grünen.
    8. Was also ist meine Frage, willst du mit diesem Interview von Mister
    Bergmann erreichen?
    Ich habe nicht das Gefühl das mit solchen Beiträgen konstruktiv über
    Gewalt unter Jugendlichen diskutiert werden kann.
    Die üben Gewalt nämlich nicht aus, weil sie intern die Rangordnung
    ändern wollen, sondern um sich an einer Gesellschaft zu rächen, die sie
    perspektivenlos zurück läßt.
    Die kämpfen ums Leiberl, vielleicht sogar ums Überleben und wir alle
    sehen betroffen und auch ratlos zu. Da ist der Ruf nach neuen
    ordentlichen Autoritäten – quasi der Gsunden Watschen – schnell getan.
    Aber ist der wirklich sinnvoll?
    9. Niemand interessiert eine „Kuschelpädagogik“, ganz im Gegenteil echte
    Pädagogik verlangt von den PädagogInnen Verantwortung zu übernehmen und
    die Konflikte auszutragen, statt sie nur zu überspielen. Neben den
    angeblich liebesbedürftigen PädagogInnen kann ich im punkto
    Verantwortung übernehmen übrigens auch nur wenig von seiten der Politik
    wahrnehmen. (auch die Grünen Forderungen diesbezüglich sind eher dünn).
    Hier scheint es eher darum zu gehen die die nicht so adequat sind zu
    vertuschen, sie beiseite zu schieben und die Augen zu zu machen. Das
    sich sowas rächen wird, wissen wir spätestens seit Dr.Freud. Das
    Verdrängte setzt sich immer durch, leider meist nicht mehr kanalisiert,
    sondern zur falschen Zeit am falschen Ort und dafür auch noch
    ungebremst.(siehe Frankreich!)
    10. ES STIMMT : Die „alles wird gut“ – Variante ebenso wie die „Wir sind
    alle Freunde“ Variante der 68er hat nicht funktioniert. Es braucht neue
    Konzepte, die eine Erziehung hin zu einem demokratischen Menschen mit
    der Verbindung zu positiv besetzten Verständnis von RECHT als allgemein
    akzeptierte und notwendige Grundlage einer Gesellschaft vermittelt. Die
    aber gleichzeitig den kritischen und revolutionären Geist der Jugend
    nicht mit Autorität bricht.
    Es geht darum die MENSCHENWÜRDE als ACHTENSWERT zu vermitteln und den
    Jungen und Mädchen Handwerkszeug zu geben, damit sie sich mit
    konstruktiven statt desdruktiven Mitteln „einen Rang erarbeiten“ können.

    Ich würde mich freuen alternative Konzepte in dieser Richtung auf deiner
    Homepage zu finden, wenn Du dich schon zu dem Thema äußern willst.
    DAS WÄRE DANN ECHT REVOLUTIONÄR UND ZUKUNFTSWEISEND und vielleicht auch
    starker Tobak 😉

    So, ist a bißl lang geworden…

    Lg Ursula

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  6. Ich halte Wettkämpfe für eine gute Methode, der körperlichen Betätigung Raum zu verschaffen. Das mit dem spielerischen Raufen kann ich persönlich nicht nachvollziehen.
    Ich hatte in meiner Jugend nur drei Raufereien und wurde danach nie mehr angegangen. Was viele nicht bedenken, ist Folgendes: nicht die Geschicklichkeit entscheidet beim Raufen sondern die Skrupellosigkeit. (Im Krieg gehen ja auch zuerst die Edlen unter.) Ich bin froh, dass ich noch nie in die Situation gekommen bin, als Erwachsener wo einzuschreiten. (z.B. Jugendliche verprügeln älteren Mann oder Frau.) Es würde mein Leben entscheidend verpfuschen. Ich sehe die einzige Möglichkeit, hier etwas zu erreichen, im Töten der ersten und vielleicht der zweiten Person. Danach würde ich vermutlich selbst draufzahlen. Ich habe nämlich weder Lust, nachher lebenslang Schmerzensgeld zu zahlen, oder mich davor fürchten müssen, dass sich ein Betroffener selbst rächt. Da ziehe ich ihn lieber selbst aus dem Verkehr.
    Dafür war meine Bundesheerausbildung (die ich ursprünglich zu vermeiden gesucht hatte) durchaus geeignet, mir die notwendigen, taktischen Überlegungen zu liefern.
    Ich bin nicht besonders sportlich und auch nicht sehr geschickt. Aber bei mir setzt ein Erhaltungstrieb wesentlich früher ein, welcher zu Sonderleistungen befähigt. Spielen tue ich gern – mit eingrenzenden Regeln- doch Raufen ist für mich kein Spiel. Körperliche Gewalt tut mir irgendwann weh, – und dann setzt bei mir nur mehr Tötungsabsicht ein.
    Aber wie gesagt, kann ich dankbar sein, dass ich nicht in eine solche Situation geraten bin.
    Was man aber wohl heraushören kann, ist meine Meinung, dass ich dieses sich-spielerischeimKampfdieRangfolgeErobern für einen Atavismus halte, der mich daran zweifeln lässt, ob die Verfechter einer solchen Meinung sich selbst über das Primatenstadium erhoben haben.

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