3 Gedanken zu “Schicksal Kindergarten

  1. Der Versuch fand in den frühen 60ern statt, als in den USA noch die Rassentrennung galt.

    Im Buch Freakonomics wird eine ähnliches Projekt genannt, das in Chicago seit 1980 durchgeführt wird. (CPS school choice program). Dieses Programm hatte keinen Effekt.

    Nachdem keine Gruppe in Europa heute derartig benachteiligt ist, wie Schwarze im Amerika der frühen 60ern, kann man nicht davon ausgehen, dass der damalige, von extrem niedrigen Niveau ausgehende Effekt, im 21. Jhdt. auf höherem Niveau reproduzierbar ist.

    Die finnischen PISA-Sieger schulen ihre Kinder überhaupt erst mit sieben Jahren ein. Schweden, wo schon seit langem massiv auf Frühförderung gesetzt wird, liegt hingegen hinter Österreich. Woher die Unterschiede kommen, weiß in Wahrheit kein Mensch. Vielleicht spielt das Wetter, die Ernährung und hundert andere Faktoren eine kleine Rolle.

    Was die USA in Wahrheit braucht, sind berufsbildende Schulen und Lehrlingsprogramme/Facharbeiterausbildung. Denn die dort und auch im Perry Preschool Project genannten high school dropouts sind nichts anderes als Kinder, die eben keine (etwas abgeschwächte) AHS-Matura schaffen. In den USA ist man damit unten durch.

    > Denn eines zeigt unser Bildungsystem mit ungeheurer Brutalität:Sag mir den
    > Bildungsstand deiner Eltern, und ich sage dir, wie dein Bildungsweg verlaufen > wird.
    Die größte Vorhersagekraft auf den Bildungserfolg ist immer noch der IQ und der ist zu 70% erblich. Dann ist die von Grünen geschätzte Natur wohl noch brutaler als das Bildungsystem.

    Von Brutalität kann man aber nur dann sprechen, wenn man Menschen, die eben keine Kopfarbeit leisten, als armselig betrachet. Wenn ein derartiger Eindruck vermittelt wird, dann ist es kein Wunder, wenn die Grünen über das Bildungsbürgertum als Wählerpotential nicht hinauskommen.

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  2. Die ersten 10 Jahre entscheiden und nicht das magische Alter von 10, bei dem angeblich Spreu von Weizen getrennt wird. Die ersten 10 Jahre der familiären Sozialisation (IQ-Vererbung ist nur von marginaler Bedeutung), der Kindergarten-Sozialisation und primären Schuljahre entscheiden über den erfolgreichen Lebensweg. Die 20% Analphabeten, die aus den Hauptschulen kommen, haben ja nicht Lesen in der HS verlernt, sondern dieses Defizit schon aus der VS bzw. dem bildungsfernen Elternhaus mitgebracht.

    Ergo: Geld für die Frühföderung im Kindergarten – nicht zuletzt um elterliche Defizite zu kompensieren – ist um Welten wichtiger als ein Gratisstudium. — Aber blöderweise haben die Grünen unter den Studis halt mehr Wähler als unter den Kindergartenkindern…

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  3. Tatsächlich ist das Experiment nicht neu und die Klassenunterschiede im heutigen Europa lassen keine so gravierenden Verbesserungen der Unterprivilegierten durch passenden Stützmaßnahmen erwarten.

    Trotzdem würde ich genau dort ansetzen: Im Kindergarten!
    1. Für alle gratis, (freiwillig) ganztägig.
    2. Im letzten Jahr verpflichtend (öffentlich oder privat)
    3. Beste Ausbildung der BetreuerInnen (+ bessere Bezahlung)
    4. Sprachförderung für Immigrantenkinder

    Diese Investition würde sich mehrfach rechnen!

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