Schaut so die Zukunft der Schule aus?

dieses posting ist wieder aus Suedafrika geschrieben, wo ich weitere sarch-Projekte vorbereite.
Sowohl die TU-Muenchen, als auch die Fachhochschule in Dessau (Sachsen Anhalt) sind derzeit in der Planungsphase.
Die einen wieder mit einem Kindergarten, die anderen mit einer Bibliothek.
Wieoft ich in den naechsten zwei Wochen den Weg ins Internt-Cafe finde weiss ich nicht, und oftmals ist dann dort die Verbindung „down“.
mal sehen.
Heute hab ich mir ein grosses Schulbauprojekt angesehen, und obwohl mir viel an kritischer Bewertung dazu einfaellt, will ich hier bloss die fakten schildern.
Denn mich laesst das Gefuehl nicht los, dass so in einem Grossteil der Welt die Zukunft der Schule aussehen wird.
Ort:Southdown zwischen Johannesburg und Pretoria gelegen. Ein riesiges Immobilienprojekt mit taisenden Wohnungen, Einkaufszentrum,etc.
Aber heute gehen solche Projekte weiter: Da die Wohnungen vermarktet werden muessen, und der Staat mit dem Schulbau weder quantitativ noch qualitativ nachkommt, gruendet die Immobilienfirma eine Tochter heuert einen sehr faehigen ehemaligen Direktor an und „developt“ einen riesigen Schulkomplex, der wirklich alle Stueckerl spielt (taeten wir in Wien sagen) riesige Sportareale (Fussball Schwimmbad, Tennis, etc), Kindergaerten, wunderschoene Freibereiche,Raum und equipment fuer vielfaeltige Kunstaktivitaeten.
Von der Lehrerauswahl bis zum Management der Schule wird auf hoechste Qualitaet Wert gelegt.
Und das „Konzept“: viele der Eltern, die auf der Suche nach einer neuen Bleibe sind, schauen genau,welche Schulen es fuer ihre Kinder gibt.
Und da die meisten (beide Eltern ) ganztags arbeiten, bevorzugt man Schulen, die alle Freizeitaktivitaeten anbieten.
Das ganze hat seinen Preis, ca 25000 Rand im Jahr, das sind ca 3000 Euro.
Weniger Kilometer suedlich in den townships.
Auch eine high school, „public“ gefuehrt.
Kaum ausreichend Lehrer, die Gebaeude heruntergekommen,Unterricht findet statt oder auch nicht, hier wird sichtbar Zukunft vernichtet.
Man koennte sagen, die Erkenntnis ist banal:
Wenn der Staat nicht in der Lage oder willens ist, fuer qualitaetsvolle Schulen zu sorgen, weiss der Kapitalismus genau, dass heir Nachfrage besteht.
Und so verschaerfen sich die gesellschaftlichen Unterschiede weiter.
Insofern kann man nicht genuegend argumentieren, der enormen zivilisatorischen Errungenschaft, einem breiten, qualitaetsvollen oeffentlichen Schulwesen sowohl die ausreichenden ressourcen zu geben, aber auch genuegend Freiraum fuer Vielfalt, Experimente und „Kundenwuensche“ (z.b. ganztaegige Betreuung oder flexiblere Ferienregelungen)
Gerade weil mich das heute gesehene Beispiel wegen seiner offensichtlichen hohen Bildungsqualitaet beeindruckt hat, und fuer Schulen in freier Traegeschaft sehr viel Sympathie verbinde, darf sich der Staat m.E. in diese Bereich nicht zurueckziehen.
Jedoch:
In den meisten der „emerging economies“ duerfte das heute Gesehene nicht die Ausnahme sondern die Regel darstellen.
Dort ist das die Schule der Zukunft-fuer jene, die es sich leisten koennen.

4 Gedanken zu “Schaut so die Zukunft der Schule aus?

  1. Gerade in Ländern mit schwachen oder korrupten Regierungen müsste sich die Kraft der Privaten doch auch positiv nutzen lassen: Zum Beispiel indem man private Schulbetreiber dazu verpflichtet, 50% ihrer Plätze per Stipendium an begabte aber bedürftigte Schüler zu vergeben? Gerade in Südafrika liegen Reichenviertel und Townships ja oft direkt nebeneinander, am Schulweg sollte es also nicht scheitern.

    Ich kenne in Burkina Faso ein (vom Land Südtirol mitfinanziertes) Privatgymnasium, dessen Schülerschaft sich je zur Hälfte aus Oberklassekindern und aus begabten Stipendienbeziehern zusammensetzt.

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  2. Die schlimmsten Beispiele privater Schulen kenne ich aus Uganda: Schule ist zum business geworden. Es gibt tausende davon, mit Werbungen in allen Medien – aber Qualität gibt es nur für die zahlende Oberschicht. Oder man gewinnt bei Coca-Cola die school fees (nur unter die Kapsel schauen, bitte). Ja, Kredite für die Schulen werden auch angeboten.
    P.S.: Viele der Absolventen können mit ihren Abschlüssen nichts anfangen, weil es keine Jobs dafür gibt. Manche verstecken dann ihre Zeugnisse, damit sie wenigstens als Hilfsarbeiter am Bau engagiert werden.

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  3. Vielfalt und Gleichheit. „… einem breiten, qualitaetsvollen oeffentlichen Schulwesen sowohl die ausreichenden ressourcen zu geben, aber auch genuegend Freiraum fuer Vielfalt, Experimente und „Kundenwuensche“ (z.b. ganztaegige Betreuung oder flexiblere Ferienregelungen) …“

    Das einzige Problem an diesem Satz ist für mich das Wort „öffentlich“.

    Kurzer Ausflug in die Maschi-Philosophie: „vielfältig“ ist – wie mans auch dreht und wendet – ein Gegenpol zu „gleich“ – und im übrigen auch ein Gegenpol zu „demokratisch“ und „öffentlich“. Im Zweifel ist der Erhalt der Vielfältigkeit aber ein noch wichtigerer Wert als das Streben nach Gleichheit. Philosophie Ende und zurück in die konkrete Welt.

    Was wollen wir denn? Ich denke, wir wollen eine vielfältige und experimentelle Schule, die sich weiterentwickelt, weil sie sich an einer sich stetig ändernden Umwelt und den sich damit entwickelnden „Kundenwünschen“ orientiert. Gleichzeitig wollen wir faire Chancen für alle. Und nicht nur für jene, deren Eltern „es sich leisten“ können.

    Ich habe vor einiger Zeit gelesen, leider weiss ich nicht mehr wo, dass wir für unser öffentliches Schulsystem in Österreich pro Kind bereits etwas mehr ausgeben als die international angesehensten, privat geführten und „alle Stückel spielenden“ „Eliteschulen“ pro Kind kosten. Wenn das auch nur einigermassen stimmt, sollte es jedem Verfechter eines öffentlichen Schulsystems massiv zu denken geben, denn: Gesetzt den Fall, wir würden

    a. das Geld, das wir heute schon für öffentliche Schulen ausgeben den Eltern in Form eines Schulschecks in die Hand drücken
    b. gesetzlich festlegen, dass über den Wert des Schulschecks hinaus Schulen für 6 bis 19-jährige kein zusätzliches Schulgeld kassieren dürfen
    c. gesetzlich festlegen, dass alle österreichischen Schulen mit Öffentlichkeitsrecht 6 bis 15jährige Kinder, die die Aufnahme beantragen nicht abweisen dürfen…

    ja, gesetzt den Fall, was würde dann passieren? Der oben zitierte „Kapitalismus“ würde wissen, dass hier Nachfrage besteht. Und diese Nachfrage mit Schulen befriedigen, die in vielfältigster Art und Weise gestaltet sind und denen in Summe gemein ist, dass sie die weltweit begehrtesten, bestausgebildetsten, sowohl sozial als auch ökonomisch denkenden Menschen hervorbringen. Bei fairen und gleichen Chancen für alle.

    Sowas würde ich unter schlauen „politischen Rahmenbedingungen“ verstehen: Ein Gesetz mit maximal drei Seiten Länge.

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  4. ad Lingens-Vergleich Wer regelmäßig die Lingens-Kolumnen liest, wird merken, dass die Meinungen des guten Mannes mit erhöhter Vorsicht zu genießen sind… Es geht sicher einiges an Steuergeld den Verwaltungsbach hinunter, ob jedoch die Gesamtkosten für eine Luxusprivatschule (Bspl. in Wien: VIS) nicht wesentlich höher sind als die Pro-Kopf-Schulausgaben per Steuer wage ich zu bezweifeln.

    Die Idee mit einem Bildungsscheck klingt an sich nicht schlecht, solange alle Eventualitäten gesetzlich geregelt sind (Ausstattung der Schulen, Zusatzangebote, Standort, Schulbusse etc etc), sonst siedeln sich private Schulen genau dort an, wo das Geld zu holen ist – in den Villenbezirken! Prinzip: „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllen wir ja; für die extrakurrikularen Angebote muss halt leider, leider eine entsprechende Gebühr eingehoben werden.“ – Und wieder hätten wir eine Benachteiligung finanziell Schwächerer!

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