eine „Trängselskatt“ auch für Wien

Ein klares Ja zur City Maut hat es in Sonntag in Stockholm bei einer Volksabstimmung gegeben.
Die “Trängselskatt”, die Gedrängeabgabe war anfangs sehr umstritten.
Aber dann ging die Stadtverwaltung einen mutigen Weg.
Wir werden eine Volksabstimmung durchführen, versprach sie.
Damit aber nicht über Vermutungen und Verdächtigungen abgestimmt wird (wie bei uns gabs Horrorszenarien, was dann an Schrecklichem alles passieren wird) wurde die “Staumaut” bereits am 3. Jänner dieses Jahres probeweise eingeführt.
Der Testlauf dauerte bis Juli.
Der Erfolg liess sich sehen, und hat auch die Stockholmer überzeugt:
Der Autoverkehr ging im Stadtzentrum um 20-25% zurück, die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel stieg um 4,5%.
Die Gebühr ist saftig: 60 Kronen am Tag, das sind 6,49 Euro, die an 18 Kontrollstellen überprüft werden.
Die positive Abstimmung zeigt einmal mehr, dass die Bevölkerung klüger ist, als viele Politiker meinen.
In Wien werden wir einen neuen Anlauf versuchen:
Es soll als erster Schritt ein – oder mehrere Modelle – ausgearbeit werden, wie eine derartige Staumaut in Wien aussehen könnte, und welche Auswirkungen sie hat.
Warum Staumaut und nicht “City”maut?
Sie soll dort wirken, wo es die grössten Verkehrszuwächse gibt.
Und das ist in Wien eben nicht innerhalb des Gürels, sondern am Rande der Stadt.
Auf allen Ausfahrtsstrassen wächst der Autoverkehrs überproportional.
Gerade um die Kaufkraft in Wien zu halten und die Nahversorgung zu stärken, wäre eine derartige “Staumaut” ein wirksames Instrument gegen Einkaufszentren am Stadtrand und generell gegen die Zersiedelung.
Also konkret:
Her mit einem schlüssigen Modell, damit einmal sachlich diskutiert werden kann.
Und als Sofortmassnahme: Ausdehnung der Parkraum-bewirtschaftung. Zeitlich und räumlich.

9 Gedanken zu “eine „Trängselskatt“ auch für Wien

  1. Staukatze Sehr geehrter Herr Chorherr,

    Ein in Wien wohnender Stockholmer dankt Ihnen für das erste (und wohl das einzige) Schmunzeln des Tages. Eine „Trängselkatt“ (Staukatze) für Wien wäre wohl sehr interessant und passend zum tierfreundlichen Image der Stadt, eine „Trängselskatt“ (Stausteuer) jedoch vermutlich mehr zielführend 😉

    Mit freundlichen Grüße

    Liken

  2. Etwas konkreter? Die Ideen klingen ganz gut, nur fehlt mir irgendeine konkrete Ansage wie man das ganze in die Praxis umlegen könnte. Daher mal gleich ein ganzer Fragenkatalog:

    Die Parkraumbewirtschaftung ausweiten, räumlich und zeitlich.

    Heißt das ganz Wien? Heißt das wie gehabt plus z.B. im Umfeld von U-Bahn Stationen? Oder Ausweitung auf alle Dichtverbauten Gebiete (ganz grob gesagt ein Streifen entlang/außerhalb des Gürtels)? Soll ein Parkpickerl weiterhin für einen ganzen Bezirk gelten oder würde es nicht Sinn machen diese auf das eigene Wohngebiet zu beschränken (um bei einer Ausweitung Bezirksbinnenverkehr, z.B. von Essling nach Leopoldau zu verhindern)? Sollte man vllt auch den Zugang zum Parkpickerl erschweren (z.B. nur meines pro Haushalt)?

    Zeitlich, geht es um die Abende (z.B. Ausweitung bis 22:00 oder gar 24:00?) oder um die Wochenenden? Oder warum nicht einfach 24/7, dann könnte man ja die maximale Parkdauer über Nacht aussetzen (aber eben nicht die Gebührenpflicht)?

    Staumaut – wie wird Stau definiert, einfach die Zeiten zu denen der höchste Verkehr ist (z.B. unter der Woche 7:00 bis 9:00 sowie 16:00 bis 19:00) oder nur wenn tatsächlich schon Stau ist? Wie wird das gemessen, wie wird es abgerechnet, wie verhindert man Ausweichverkehr, wie setzt man es um ohne jeden Autofahrer komplett zu überwachen (Stichwort Datenschutz)? Welcher Verkehr soll damit in erster Linie reduziert werden? Sind es Pendler, dann wäre wohl einfach ne Gebühr bei jeder Stadteinfahrt machbar, sind es aber auch Binnenfahrten, ins besondere Kurzstrecken, dann wird es kompliziert. Von welchen Beträgen reden wir? Was passiert mit den Einnahmen?

    Viele Fragen, ich weiß, aber ich würde mich einfach freuen mal etwas Konkretes zu hören. Ein durchdachtes Konzept, nicht nur Ideen, auch wenn man damit vllt manche Leute schockt.

    Die Fragen sind natürlich unvollständig, einfach nur ein paar Sachen die mir auf die Schnelle dazu eingefallen sind.

    Liken

  3. Was ich in Wien vermisse, sind öffentliche Autobusse, die mit Strom fahren.
    In Salzburg ist dies schon lange der Fall.
    Erstens ist soetwas wesentlich billiger, als Schnienen zusätzlich verlegen zu müssen. Zweitens auch Umweltfreundlicher als die Erdgas-Autobusse!!!

    Liken

  4. Freie Fahrt für reiche Bürger! Wunderbar, endlich macht Autofahren auch in der Stadt wieder Spaß! Die einen können sich’s leisten, und werden sich über jeden der sein Auto daheimlässt freuen. Mir entgeht der Sinn der Aktion, außer eine neue Steuerquelle zu erschließen: Verstopfte Straßen sind die gerechteste Form der „Staumaut“, trifft alle gleichmäßig, und wer will soll ruhig im Stau verkommen.

    Liken

  5. Individualverkehr reduzieren! Das ist das übergeordnete Ziel, weil sich immer wieder einige Bleifuß-Piloten nach dem Sinn einer City-Maut fragen. In den letzten 10, 15 Jahren ist der Verkehr in Wien dermaßen stark angewachsen, dass in meinen Augen die Lebensqualität massiv beeinträchtigt wurde. Und zwar nicht nur durch den „fließenden“ Verkehr sondern auch durch geparkte Fahrzeuge. Wo gibt es noch Gassen oder Plätze, die nicht völlig durch Autos verstellt, ja verschandelt sind? Ich genieße die wenigen Wochen, in denen aufgrund von Bauarbeiten eine Straße durch Parkverbote temporär autofrei wird – so weit sind wir schon!

    Daher:
    1. City-Maut zw. Donaukanal und Gürtel, optimalerweise gestaffelt nach Insaßenanzahl.
    2. Prohibitiv hohe Abgaben für ein 2. oder 3. Fahrzeug pro Haushalt.
    3. Hohe Abgaben für „Straßenparker“, Begünstigungen für „Garagenparker“.
    4. Sinnvolle P&R-Zentren an den Einfallstraßen – die gibt es zur Zeit überhaupt nicht! (Erdberg ist ein schlechter Witz.)
    5. Dramatische Verbesserung des öffentlichen Verkehrs: U-Bahnen bis an die Stadtgrenzen, Invervallverdichtung auf 30 bis 60 Sekunden, Optimierung der offenbar notorisch überforderten Leitstellen der Verkehrsbetriebe.

    Aber das sind halt die Träume eines Jahreskartenbesitzers (Führerschein ja, Auto nein)!

    PS zur Idee mit den E-Bussen: Nicht vergessen sollte man dabei, dass der meiste Strom in Wien durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen hergestellt wird (ca. 2/3)!

    Liken

  6. „Ein klares Ja zur City Maut“ sehr geehrter herr chorherr,

    ich schätze ihre kolumnen und ihre vorschläge sehr – als konstruktiv und vernünftig. viele ihrer ideen teile ich, wie zb. den massiven ausbau an alternativen rohstoffen: österreich als das neue dubai; allerdings statt ölreserven bio – know how.

    aber bitte, verspielen sie diesen guten eindruck nicht mit phrasen wie „ein klares ja zur city maut“! natürlich haben die stockholmer mit ja gestimmt – allerdings nur die zur volksabstimmung zugelassenen innenstadtbewohner. die, die an den stadträndern leben, haben bei weitem nicht so eindeutig zugestimmt. afaik sogar ziemlich schroff dagegen. es ist jetzt halb zwei uhr nachts, man verzeihe mir also die nachlässigkeit in bezug auf quellen und genaue daten; ich kann mich jetzt nur mehr bruchstückhaft an den zugehörigen standard-artikel erinnern.

    natürlich stimmen die innenstadtbewohner dafür. genauso wie jede landgemeinde für die müllverbrennungsanlage und die 380kv-leitung stimmt, solange sie nicht durch den eigenen garten/grund/sichtbereich führt. ich lebe jetzt seit ein paar jahren in wien, und mein auto steht die GANZE zeit irgendwo (in einer günstigen tiefgarage) geparkt. bis auf die wenigen male wo ich etwas schweres transportieren muss, bleibts auch dort. ansonsten wird es vielleicht alle 4-5 wochen einmal reaktiviert, um zu den eltern ins heimische bundesland zu fahren. zur arbeit, zur uni, zum fortgehen: ubahn, bus oder bim.

    allerdings, sobald ich zu hause am land bin, bin ich ohne auto ziemlich aufgeschmissen, und ich denk, da geht es einem, der in wien am stadtrand wohnt, nicht viel anders. ich hab halt das glück, meine arbeit am und viel der freizeit computer zu verbringen, – muss also nicht einmal vor die haustür.

    klarerweise kommt jetzt das argument, dass die citymaut dafür eingesetzt wird, um die defizitären öffis zu finanzieren, und damit widerspricht man meiner meinung auch nicht – mein alle-2-monate-auto ist sicher um einiges defizitärer als jeder öffi.

    also: ich bin nicht gegen die citymaut. aber ich bin auch dagegen, dass sie ihre artikel so begrenzt zitieren. sonst wirds arg populistisch, und das schadet dem guten ansehen. viele grüße.

    Liken

  7. Man könnte sich auch überlegen, dass man den gesamten 1.Bezirk autofrei macht,d.h zur Fußgängerzone. Das wäre ein guter Anreiz für das Shopping.
    Stattdessen dürfen aber alle Radfahrer die Straßen benützen.

    Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.