einfach zum Nachdenken

Bevor wir über neue, erweiterte Strategien (die sind notwendig) diskutieren, schauen wir uns Wiener Ergebnisse ein bisschen genauer an.
1.) Grüne und F sind DIE antagonischen Parteien (geordnet nach den 23 Bezirken)


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2.) Hohe Anteile von „Ausländern“ (nicht österr. Staatsbürgern) kommen beinahe mehr uns Grünen als der F zugute.
Höchster Anteil im 15. Bezirk, hier liegt Grün deutlich vor F.In Simmering, bzw. in Floridsdorf unterdurchnittliche „Ausländeranteile“ hier liegt F vor Grün.


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3.) eine extrem hohe Korrelation gibts jedoch, schaut man sich die Anzahl der Gemeindewohnungen in den 23 Bezirken an.


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Simmering am einen Ende (meiste Gemeidebauten, höchste F, geringste Grünstimmen) Neubau am anderen.
hier die F-Anteile genau nach Bezirken:

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und hier F bzw Grün, sowie die Gemeindebauten in den Bezirken

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Interpretationen und Strategievorschläge sind erwünscht.

17 Gedanken zu “einfach zum Nachdenken

  1. Verschiedene Parteien haben verschiedene Zielgruppen, die Grünen sprechen klar die gebildete Schicht Österreichs an.

    In den Gemeindebauten lebt diese Schicht eher weniger.

    Siehe Wahlarithmetik –> Der ArbeiterInnenanteil der Grünen ist gleich null.

    Ich denke auch nicht, dass sich hier kurz- bis mittelfristig viel ändern lässt. Dafür haben die Grünen zu intelligente Botschaften.

    Es ist mehr an der SPÖ, diese Schichten wieder besser anzusprechen. Die Grünen können durch gezielte Arbeit bestenfalls einen ganz kleinen Anteil dieser Menschen von sich überzeugen, denke ich.
    Damit das aber möglich ist, ist es notwendig, dass sich *alle* Parteien klarer gegen die FPÖ und andere Splittergruppen aussprechen, und auch gegen dere sinnlose/nicht zielführende Fremdenpolitik.

    Der Ball liegt da glaub ich weniger bei den Grünen, außer vielleicht das Forcieren der Bildung. Da liegt unsere Chance 🙂

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  2. @Kennzahl „Ausländer“ Die Frage stellt sich, ob eine Kennzahlen-Beziehung auch dann noch hält, wenn für das Kriterium „Ausländer“ ein FP-sichtiger Indikator hergenommen wird. Dh Ausländer ist nach dieser Sicht nicht, wer keine österreichische Staatsbürgerschaft hat, sondern, wer als solcher auf der Straße als Ausländer wahrgenommen wird. (betrifft zB 2. Generation oder Eingebürgerte, die deutsch mit nicht deutschsprachigem Akzent sprechen) Ich vermute, zB für Favoriten und Simmering würde sich dann ein anderes Bild ergeben.
    Hier ein differenziertes Begriffsgerüst zu schaffen, das den Ausländerbegriff qualitativ differenziert (ohne abwertend zu wirken) würde mE neu quantifiziert eine Datenbasis für genauere Aussagen und gezielte Strategien ermöglichen.

    Ein Kern liegt auch sicher in der Ausländer-Wahrnehmung selbst, dh es wäre wünschenswert, die Wahrnehmung der FP-Wähler und FPler nachzuvollziehen, um die Ängste und Wünsche dieser Wählerschicht begreifen zu können. Mit einem Zugang der qualitativen Sozialforschung vielleicht machbar.

    Gibts vielleicht eh schon?
    lg geirrt

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  3. Zu Gemeindebauten könnte das auch mit dem Haushaltseinkommen zusammenhängen?
    Ev. werden Grüne eher von der Mittelschicht gewählt, die nicht sooo sehr im Gemeindebau lebt…

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  4. 1) bin echt positiv überrascht, cc: der Aufruf zum Brainstorming ist ein gutes Beteiligungsmodell.

    2) nehmen wir an, die Hypothese, dass der Gemeindebau NICHT Grün wählt trifft zu. Folgende Strategien fallen mir ein:

    a) die Tatsache akzeptieren und die inhaltlichen Schwerpunkte auf jene Bereiche konzentrieren, die jene ansprechen, die dann auch Grün wählen. Die Grundsicherung z.B. ist ein Kapitel, von dem vorwiegend Gemeindebau-Bewohner profitieren würden. Wenn das Thema diese Zielgruppe aber offenbar nicht so brennend interessiert, gehört es vielleicht doch nicht in die erste Reihe (dank der Komplexität des Themas ist es auch im Akademiker-Bereich nicht wirklich wahlkampftauglich transportierbar und schreckt dort womöglich auch noch potentielle Wähler ab).

    b) die BZÖ-Option: moderne Politik ist in erster Linie gutes Marketing – ob man jetzt ein politisches Thema (mit dem die Partei identifiziert wird) oder Staubsauger an den Mann bringen will, ist nach dieser Schule prinzipiell das Selbe. Dementsprechend wäre der Gemeindebau mit einer Präsentation zu erobern, die lauter, plakativer, „saftiger“ ist und – vor allem – ganz deutlich herausstreicht, wie der Einzelne von der eigenen Partei profitiert während die anderen Parteien für die Unzufriedenheit verantwortlich sind.

    c) das System Kaltenegger/Infiltration: der Gemeindebaubewohner muss dort abgeholt werden wo er steht. Mit Themen, die eine selbständige inhatliche Auseinandersetzung erfordern, ist er oft überfordert. Man muss aber nicht allen alles verständlich machen: die Leute sind geneigt jene zu wählen, die sie kennen und die ihnen vielleicht sogar ein wenig sympathisch sind. In diesem Sinne müsste der Gemeindebau systematisch mit grünen Proponenten durchsetzt werden, die an der Bassena, in der Waschküche, am Kinderspielplatz einen Kontakt nach dem anderen aktiv herbeiführen. Diese strategischen Proponenten müssen sich exponieren und profilieren, z.B. als „Mietersprecher“, die als Redelsführer die Gemeindebaubewohner organisieren und gegenüber der Sozi-Stadtverwaltung vertreten. Jedes Monat ein neues Thema, eine neue Unterschriftenliste, mit der alle Türen abgeklappert werden. Der Kaltenegger ist viel, aber kein Kommunist. Der Typ hat in Grasz den Gemeindebau im Griff, weil er persönlich bei den Leuten präsent ist, sich jeden Schwachsinn anhört und den Leuten das Gefühl gibt, auf ihrer Seite zu stehen, während alles Unbill vom politischen Gegner ausgeht. Wir haben es hier mit einem erprobtem System zu tun, an dessen Umsetzung in Wien bisher keiner gedacht hat. Eine klassische Marktlücke.

    d) Bildung: wenn im Gemeindebau nur mehr Dozenten wohnen, ist ein Westenthaler oder Strache mit dem billigen Schmäh auf verlorenem Posten. Diese Option ist allerdings vollkommen utopisch, denn selbst im Falle der grundsätzlichen Machbarkeit dauert das Generationen.

    Zusammenfassend halte ich fest, dass ich die Strategie „c“ für am erfolgsversprechendsten halte. Die Gründung einer „Taskforce Gemeindebau“ ist den Grünen schwer anzuraten. An Sensibilität für das Theme fehlt es offenbar ja nicht, wie die Analyse von cc zeigt.

    (habe heute noch zwei grüne Wahlkarten abgeliefert – hoffentlich wirds was mit Platz 3)

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  5. Wenig überraschend Die Wähleranalysen sind interessant – aber nicht wahnsinnig überraschend. Dass der „klassische Gemeindebaubewohner“ Marke Mundl bzw. Kaisermühlenblues nicht die Hauptzielgruppe der Grünen ist, sollte ebenso klar sein wie die Tatsache, dass die Furcht vor dem Unbekannten umso größer ist, je weiter entfernt die „Bedrohung“ ist.

    Die Frage CCs nach Strategien ist mir nicht ganz klar. Strategien für die Grünen? Um F-Wähler anzusprechen? Um der Ausländerfeindlichkeit den Nährboden zu entziehen? Um den Wähleranteil der Grünen überhaupt zu erhöhen?

    Ich darf mich zitieren 😉
    „Die Leute wollen nun mal einfache Antworten auf die komplexen Fragen des Lebens – also sollen sie sie haben. Das heißt natürlich nicht, dass man als Partei dahinter kein Programm oder keine Ideologie mehr hätte – nur die interessieren halt die meisten nicht. […] Also: ein anspruchsvolles, intelligentes, modernes Programm für die Minderheit der intellektuell anspruchsvollen Grünwählerinnen (das sind österreichweit vielleicht 10%) und ein Sortiment an EINIGEN WENIGEN leicht verständlichen Inhalten für eine breitere Mehrheit (damit ließen sich vielleicht weitere 10 – 15% erzielen).“ – Blog-Eintrag vom 23.10.05 (http://chorherr.twoday.net/stories/1084191/#1084626)

    Und gleich nochmal:
    „Was die Grünen von anderen Parteien primär unterscheidet, ist die fehlende Zielgruppenorientierung. Warum wählt man eine Partei? Weil man für sich, seine Lebensumstände, seine Zukunft verbesserte Rahmenbedingungen haben will. (SP: Arbeiterrechte, soz. Absicherung – VP: Bauern- und Gewerbeförderung, Schutz der „Eliten“ – FP: Ausländer raus)

    Warum wählt man die Grünen? Aus altruistischen Gründen! Umweltschutz, Grundsicherung, Verkehrspolitik, „Homo-Ehe“, Minderheitenrechte, Frauenförderung etc etc — in den seltensten Fällen sind diese Inhalte für einen persönlich „von Nutzen“, vielmehr nützen sie der gesamten Gesellschaft bzw. Teilen davon.“ – Blog-Eintrag vom 19.11.05 (http://chorherr.twoday.net/stories/1164523/#1170310)

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  6. Die Antworten hier repräsentieren die Problematik.

    Viele Grüne kommen bei FPÖlern einfach als arrogante, eingebildete Ar******** rüber. FPÖ-Wähler seien dumm, also könne man sie nicht mit Argumenten überzeugen, heißt es hier. Viele FPÖ-Wähler sind übrigens vom Gegenteil überzeugt, nämlich, dass Grüne dumme, weltfremde Naivlinge sind und sie die gscheiten, die die besseren Argumente haben. Es ist typisch menschliche Fehleinschätzung die eigenen Überzeugungen als objektiv vernünftig anzunehmen und die der anderen als Gehorsam und Tradition.

    Der Hinweis auf den hohen Anteil an Grünwählern in der Bildungsschicht heißt gar nichts. Bildung und Vernunft sind nicht das Gleiche. Außerdem kann es einfach sein, dass die FPÖ bei der Umwerbung von Studenten und Akademikern genauso Mankos hat, wie die Grünen im Gemeindebau.

    Unter den Postern hier herrscht offenbar die Vorstellung, dass in Gemeindebauten nur Arbeitslose und Schlechtverdiener wohnen. Das ist aber nicht wahr, zumindestens in Wien, wo es enorm viele Gemeindebauten gibt. In den Bauten wohnen nicht wenige Facharbeiter, Beamte und Angestellte, die wesentlich besser verdienen, als die Studenten und Einwanderer in den privaten Zinskasernen der Grünbezirke. Das Vorhaben, die dummen Armutschgerln aus dem Gemeindebau mit der Grundsicherung zu locken, würden diese Leute als blanken Hohn empfinden. Meiner Einschätzung nach würden viele Grundsicherung/grundeinkommen tendenziell eher ablehnen, nach dem Motto: „Wozu geh ich dann überhaupt noch arbeiten?“

    Dann ist hier die Rede davon, dass eine komplexe Welt komplexe Antworten erfordert. Das ist auch so ein Mantra, das überall gebetsmühlenartig wiederholt wird und das nicht stimmt. Wir brauchen richtige Antworten und die können durchaus simpel sein. Mein Vorschlag für einen grünen Wahlslogan: „Drogenfreigabe statt Drogenmafia!“.
    Aber für simple Sprüche sind sich Bildungsbürger ja zu gut. In einer komplexen Welt muss man sich auch kurz fassen können.

    Nochwas. Waren eigentlich auch Grüne in der Nachtschicht? Der Westi und der Strache waren dort.

    Das wär’s mal für’s erste.

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  7. grüne Ausländerpolitik Bildung scheint mit in der Tat die wichtigste, wenn auch langfristige, Maßnahme gegen Ausländerhetze zu sein. Es ist relativ leicht zu verstehen, warum in unteren sozialen Schichten der „Ausländer“ leichter zum Sündenbock gemacht wird, schließlich arbeitet ein großer Teil der Ausländer ebenfalls in Berufen die geringe Qualifikation erfordern. „Ausländer“ sind daher Gegner im „Kampf“ um die knappe Resource Arbeitsplatz.

    Warum gerade in Simmering, Floridsdorf oder Donaustadt – wo der Ausländeranteil relativ gering ist – die FPÖ gewählt wurde, ist auch leicht erklärbar: Sündenböcke funktionieren eben nur dann gut, wenn sie anonym und unbekannt sind. Sobald ein Sündenbock einen Namen, eine Geschichte und ein Gesicht hat, fällt es schwerer diesen *Menschen* die Schuld an den eigenen Problemen in die Schuhe zu schieben. Ich halte es daher für besonders wichtig in diesen Bezirken (z.B. in Gemeindebauten) eine Begegnung mit dem „Feindbild“, etwa durch die Veranstaltung diverser interkultureller Events (die alldings nicht so heißen sollten um die Teilnnehmer nicht abzuschrecken), zu fördern.

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  8. es ist mir in diesem wahlkampf zweimal passiert, dass ich völlig angestanden bin in diskussionen. wenn jemand meint, es wär am besten, die „ausländer“ (wen immer er damit meint) in einen flieger zu stopfen und über wien die luke aufzumachen, dann kann man nicht mehr viel tun, außer sich umdrehen und gehen. jedenfalls hab ich in dem fall keinen sinn mehr gesehen, das gespräch fortzusetzen.

    das war sicher ein extrembeispiel, denn auch die fpö- und bzö-wählerschaft ist keine homogene gruppe, da gibt’s auch unterschiedliche motivationen für so eine wahlentscheidung…

    ich glaub, man muss da auch differenzieren zwischen emotionalen und sachbezogenen wahlmotiven. wir haben sehr gut ausgearbeitete sachthemen in diesem wahlkampf präsentiert. damit gewinnen wir schon einen guten teil unserer wählerschaft. aber man braucht sicher auch eine bauch-botschaft, was mit der abgrenzung gegen ausländerhetze (und den beiden vdb-duellen gegen f und bzö) nicht schlecht gelungen ist. speziell da seh ich aber noch potenzial.

    die leute, die man mit energiewende, bildung etc. gewinnen kann, haben glaub ich eh mitgekriegt, was wir in den bereichen vorhaben. für die vielen spätentscheider und unsicheren könnte ich mir vorstellen, dass man eine emotionale botschaft noch verstärkt kommuniziert…

    lg
    laurenz

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  9. Strachismus, Gemeindebau und grüne Selbstgerechtigkeit Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Strache visiert die Arbeiterschicht an. ABER: Darüber können die politischen Mitbewerber der FPÖ nur froh sein, denn wenn der Strache die brennende Problematik des Asylmißbrauchs und der illegalen Einwanderung auf einem intellektuell höheren Nivau plakatieren hätte, hätten noch mehr Menschen FPÖ gewählt (war ja schon früher einmal der Fall). Vielleicht lernt er es noch, auch hat man ihm seinen einseitigen Stil sogar schon im blauen Blatt „Zur Zeit“ ausgerichtet.

    Ich finde es interessant, dass auch in nichtbürgerlichen Bezirken, wie Leopoldstadt, die Grünen vor der F liegen. Wahrscheinlich wählen viele Leute mit Immigranten-background und Staatsbürgerschaft die Grünen. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass der typische Türken-Macho grün wählt. Der würde insgeheim lieber den Macho Strache wählen. Vielleicht tut er es auch.

    Viele StudentInnen in den WGs der inneren Bezirke wählen grün. Ist nicht unbedingt etwas, worauf man stolz sein sollte. Im Unterschied zu ihren Altersgenossen aus der Arbeiterschicht wissen viele von ihnen noch gar nicht, wie hart sie sich einmal ein Platzerl in der Arbeitswelt erkämpfen müssen. Das sind teilweise noch richtige Kinder.

    Jedenfalls sind nicht alle F-Wähler Proleten, UND: Die FPÖ ist scheinbar nicht zu vernichten. Sogar nach einer Parteispaltung nicht. Sogar die Opportunistentruppe BZÖ hat es geschafft. Unglaublich eigentlich.
    Pech für alle, die in der Bundeswahlbehörde der FPÖ ihr Recht auf den dritten Listenplatz vorenthalten wollten (Sburny), oder jetzt wieder ihr den dritten NR-Präsidenten streitig machen wollen, selbst wenn sie MEHR Stimmen bekommen sollten als die Grünen. Solche Giftattacken helfen den Freiheitlichen nur. Warum verstehen das so viele Grüne nie, sie dünken sich doch soooooooooooo klug?

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  10. Grüne Chancen Wichtige und interessante Diskussion hier. Ein paar weitere Gedanken dazu:

    – Das „xenophobe“ Wählerpotential ist gar nicht so hoch wie es zu sein scheint. Man muss sich erstens vor Augen führen, dass derzeit nur noch rund 70% wählen gehen. Alle, denen das Ausländerthema extrem wichtig ist, haben aber extrem „gute“ politische „Angebote“ vorgefunden und sind deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit wählen gewesen. Weiters ist ein guter Teil der F-Wähler Stammwähler (schätze ich auf 3-5 Prozentpunkte) und dieser Teil betrachtet das scharfe Transportieren der Ausländerthematik nur als Mittel zum Zweck der Erhaltung ihres politischen Heimathafens.

    – Umgekehrt betrachtet: Wer diesmal nicht wählen war, der hat mit blau-orangen Antworten sicher eher wenig am Hut. Ein guter Teil dieser Nichtwähler befindet sich aber trotzdem in einer Protesthaltung gegenüber einem „System“, an dem man „sowieso nichts ändern kann“. Wenn man es schafft, nur 10% dieser Systemkritiker zu überzeugen, dass eine Stimme für Grün mehr bringt als die Enthaltung, macht man einen Riesenschritt vorwärts. Hier wäre mein Rezept, erstens den Mächtigen ununterbrochen im Stil eines Peter Pilz mächtig und wahrnehmbar auf die Finger zu klopfen und gleichzeitig mit plakativen Ansagen für den massiven Ausbau von Instrumenten der „direkten Demokratie“ zu werben: Vetovolksabstimmung UND verbindliche Bürgerinitiativen. Und bitte Wiener Mut: Die klassischen Argumente hinsichtlich der „Gefahren“ direkter Demokratie kann man wirklich restlos alle verfassungsrechtlich lösen.

    Das zu einem guten Teil berechtigte Ressentiment gegen den Parteienfilz und die Parteienmauschelei darf nicht wieder der F überlassen werden! Das Recht geht vom Volk aus!

    – Weiters: Der Kampf gegen die F sollte in Zukunft nicht so sehr mit dem ethischen Argument geführt werden, dass sie so „menschenfeindlich“ agierten, sondern vielmehr mit dem Hinweis auf ihre unverfrorene Unehrlichkeit den „kleinen Leuten“ gegenüber: Die F ist eine von einigen wenigen Grossindustriellen finanzierte Partei und dementsprechend sieht auch ihre Politik aus. Wer F wählt, macht sich also zum nützlichen Idioten. Und die F-Ausländerpolitik führt keinen Millimeter aus dem Schlamassel raus, in dem sich die F-Wähler befinden oder sich jedenfalls so fühlen. Grüne Lösungen helfen!

    – „Drogenfreigabe statt Drogenmafia“ wäre eine interessante Ansage, die die eigentliche grüne Begründung für Drogenfreigabe gut rüberbringt. Ich halte es für absolut denkbar, dass man sogar F-Wähler für Grün überzeugen kann, wenn man klar machen kann, dass man dieselben Probleme lösen will, aber ganz andere Methoden vorschlägt: Endlich *wirklich* Schluss machen zu wollen mit Drogenmafia und Drogenkriminalität müsste im Vordergrund so einer Wahlwerbung stehen!! Und dabei auch Schluss mit der nicht endenwollenden Political Correctness: Man kann auch als Grüner sagen: wer sich selbst umbringen will, kann das schon heute mit Alk und Tschick tun. Also besser wir verkaufen auch sonstigen Stoff legal, weil wir sehen nicht ein, warum wir uns auf den Strassen fürchten sollen und dann noch Millionen für „Sicherheit“ ausgeben, nur um damit vielleicht ein paar Wahnsinnige vor sich selbst zu schützen!

    – Bildung, Gesundheit, Frauen bleiben grüne Inhalte sind aber in der Wahrnehmung in erster Linie SPÖ-Themen. Das Energie-Thema ist demgegenüber ein originär Grünes. Und auch hier kann man wesentlich plakativer werden: Schluss mit der Abhängigkeit von zwielichtigen Gestalten wie Putin!!

    – Die „Kaltenegger“-Strategie hätte im „Gemeindebau“ sicher ein Potential. Die Grünen dürfen sich nicht immer nur selbst genügen! Es fehlen auch grüne Proponenten, die überhaupt verstanden werden von den Wählern. Nur Professorensprech reicht nicht, man muss sich auch identifizieren können!

    Das Beste: Das jetzige grüne Wählerpotential ist stabil. Da wird es zwar bei einem schärferen Kurs den einen oder anderen Ärger geben, aber man wird Euch am Ende trotzdem wählen. Und der „Regierungsfähigkeit“ wird es auch keinen Abbruch mehr tun. Diese Geschichte ist längst gegessen!

    Das Ziel muss sein 5% mehr. Und das bedeutet das Ende der rein intellektuellen Wohlfühl-Wahlkämpfe.

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  11. interessante Details Ich finde die WählerInnenstromanalysen immer wieder interessant, wenn auch sie wenig neues liefern. Danke dennoch!

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  12. Auch ich fand die Analysen sehr interessant. Da ich selbst in einem Gemeindebau wohne, zwar im 6. – aber immerhin, möchte ich etwas zu dem Thema Bildung und Gemeindebau sagen: Ich finde es etwas unfair und ungerecht von euch die Menschen die in Gemeindebauten leben als „dumme Arbeiter“ zu bezeichnen. Ihr habt das so nicht geschrieben, aber es kommt so rüber. Meine Eltern sind Arbeiter und SPÖ-Wähler (so weit nicht verwunderlich) – ich selbst bin Schüler und werde nächstes Jahr mein Studium an der Wirtschaftsuni (na, wer hätte das gedacht – als „Arbeiter“-Sohn?) antreten. Ich merke tag-täglich: Es gibt ein großes Potential für die Grünen in Gemeindebauten. Viele Nachbarn/Freunde – Menschen mit denen ich gesprochen habe wollten Grün wählen. Gegen Ausländerhetze, für Grundsicherung. Sie haben es aber schließlich nicht getan. Was ist der Grund? Die Menschen hier sehen die Grünen nicht als ihre Vertretung an. Die Grünen sind ihnen zu „bürgerlich“ und abgehoben. Das ist das einzige Argument gegen Grün. In den seltensten Fällen sind es Inhalte die ausschlaggebend sind. Die Behauptung Gemeindebau-Wähler nur mit stupiden Parolen an die Wahlurnen zu locken ist, mit Verlaub, schwachsinn. Man muss den Menschen nur zeigen, dass man auch ihre Anliegen ernst nimmt. Umwelt muss ein Kernthema der Grünen bleiben, viel wichtiger ist es aber das soziale Element der Grünen in den Vordergrund zu stellen! Die Grünen sind eine soziale Partei. Dieses Bewusstsein fehlt! Zwar wissen die Menschen von der Grundsicherung und sehen auch, dass sich die Grünen für die sozial Schwächeren einsetzt. Allerdings immer von einer abgehobenen Postition. Nach dem ÖGB-Skandal haben die Grünen nun eine Chance sich als moderne Arbeiter/-innen Vertretung zu profilieren, abseits des veralteten Arbeiter-Begriffs der Roten. Es ist ein Potential in den Gemeindebauten da, es muss nur ausgeschöpft werden. Ignoranz, wie von manchen hier gefordert, ist der falsche Weg und hilft nur der FPÖ, die sich nun ihrerseits versucht als „Arbeiterpartei“ – und das ist glaube ich eher der Grund für ihr gutes Abschneiden in den Gemeindebauten – zu profilieren. Ich werde weiterhin für die Grünen direkt vor Ort – im Gemeindebau – kämpfen!

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  13. Einbürgerung Ich würde ein realitätsnahes funktionierendes Einbürgerungssystem anwenden:
    Erstens wäre es angebracht, wenn die verpflichtenden Deutschkurse auf eine Einbürgerungs-Pflicht-Ausbildung auf drei Jahre ausgedehnt wird (hier sollte die Geschichte, Mentalität, Frauenrechte und sonstigen Rechte und Pflichten in Österreich, Sprache Deutsch und Englisch … gelehrt werden).
    Weiters müsste man im sozialen Wohnbau aufpassen, dass eine gewisse Diversität in jedem Bezirk herrscht. d.h. es darf nicht zu Ghettobildung kommen (alias Frankreich und deren Einwanderungspolitik)
    Bei der Einwanderung sollte man ruhig auch nach der Bildung fragen dürfen, und höher gebildete bevorzugt werden (nur dies sichert auch Steuereinnahmen durch den Staat, um Sozialprogramme auch abzusichern. Außerdem sind es gerade gebildete Menschen, die zu einem höheren Bildungsniveau eines Staates beitragen! siehe auch USA). Natürlich sollten Menschen, die aus Not, wegen Krieg in ihrer Heimat, etc. das Land verlassen mussten sehr wohl einbürgern dürfen mit bestimmten Regeln und einer gewissen Bildungoffensive vom Staat.
    Die Asylbestimmungen müssen aber vereinfacht werden, zugunsten der Antragssteller.
    …..

    Dies wäre kein liberaler Zugang zur Einbürgerung. Aber es wäre auch kein rechtsextremer „ausländerfeindlicher“ Zugang zur Einbürgerung. Dies wäre aber realitätsnah. Genauso kann Einbürgerung stattfinden. Die Integration müsste dann weiterhin gefördert werden. z.B. Integrationsveranstaltungen auf großen Plätzen: also ein Kulturaustausch ….

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  14. sortierung Hi Christoph

    kannst du bitte die Graphik Nr 2 (f-gnoestb1.jpg) sortiert nach „nichtösterr.-staatsbeugerschaft“ (und nicht nach Bezirksnr.) auch noch zur Verfügung stellen? Analog Graphik „f-ggemeindeguens.jpg“ sortiert nach „GemWhg“?

    Danke

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  15. Gebäudesanierung die ausländerthematik wurde nun bereits ausgiebig diskutiert. ich möchte nun ein weiteres thema ansprechen, mit dem man in gemeindebauten auf stimmenfang gehen kann.

    gemeindebauten gehören zu den energetisch schlechtesten gebäuden österreichs. vor allem die nachkriegsbauten bis hin zu den 70er.
    den schelchten zustand dieser gebäude hat inzwischen auch schon die stadt erkannt, doch sind die bisherigen sanierungsmaßnahmen nur sehr halbherzig. hier könnte deutlich mehr gemacht werden. am besten wäre eine sanierung auf passivhausstandard, wodruch nur mehr geringste energiekosten anfallen würden.

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  16. idee für grünen-wahlwerbung da die rechten parteien gerne die ganze stadt mit rassistischen plakaten tapezieren, um deren zielgruppen zu ermächtigen, ihre radikalen gedanken doch auszuleben und damit den „ausländern“ ein gefühl wie unter hitlers zeiten geben, muss es auch für die grünen eine möglichkeit geben, ebendiese gruppierungen zu erreichen.
    mir ist in der vergangenheit aufgefallen, dass viele menschen bereit sind, sich sehr radikal zu äußern, immigranten oder ausländisch aussehende zu beleidigen oder in deren anwesenheit sehr eindeutige witze zu reißen, aber sehr bestürzt reagieren, wenn ich sie mit einer der anekdoten meines vaters konfrontiere, die immer von seinen erfahrungen mit rassisten handeln. ich denke das liegt an der sehr widersprüchlichen eigenschaft dieser menschen, radikale gedanken zu hegen, aber nicht öffentlich dazu zu stehen (was wiederum durch strache und co gefördert wird).
    also warum nicht die menschen, die rechts wählen mit den konsequenzen ihrer handlungen und der perspektive betroffener konfrontieren? prägnante, auffällige plakate dürften von vielen menschen bemerkt werden.
    ein großer schritt in diese richtung ist, wie ich und mein vater finden, das wahlplakat der grünen, auf dem ein türkisch aussehender mann von seiner heimat österreich spricht. –> kommentar zweier österreicherinnen in der straßenbahn-linie 2: „haha, schau da des on! host du des gsehn? der tschusch redt von seina heimat und meint österreich!!! hahahahaha!!“
    wenn ich den beiden erzähle, dass mein vater, der österreichischer staatsbürger ist, einmal von einem 5-jährigen mädchen darauf hingewiesen wurde, er solle doch das land verlassen, damit die österreicher seine wohnung kriegen, würden sie aufhören zu lachen (denke ich jedenfalls)
    – meine strategie wäre einen versuch wert!

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  17. Ganz verkürzt gesagt ist das Problem der Grünen in den Vorstädten ein Mix aus:
    • Schwere Grundvoraussetzungen auf Grund der Bevölkerungsstruktur
    • Fehlende lokale Strukturen, gerade in den Bezirken mit vielen zu gewinnenden Stimmen gibt es keine wählbaren Grünen Lokalpolitiker.
    • Zu starke Konzentration auf die inneren Bezirke, obwohl 2/3 der Wiener außerhalb wohnen
    • Starke lokale Verankerung der SP und in abgeschwächter Form auch der FP
    • Kommentare von Grünwählern wie sie hier laufend vorkommen, die zwar vllt netter formuliert sind, aber auf „dort wohnen doch nur FPÖ wählende Deppen“ hinaus laufen.
    Kurz gesagt haben die Grünen einfach völlig auf die bevölkerungsstarken Außenbezirke vergessen. Wollen die Grünen „draußen“ erfolgreich sein müssen sie erst mal manche Vertreter vom hohen Ross steigen und einsehen dass die Welt nicht nur aus „mit dem Rad vom Naschmarkt zum Museumsquartier fahren“ und Sommerurlaub in der Toskana besteht. Natürlich weiß ich dass das extrem unfair formuliert ist und so nicht ganz zutrifft, aber dieses Bild wird zum Teil vermittelt.

    Lokale Strukturen aufbauen, auch die Topleute in die Gemeindebauten schicken, auch eine VDB oder eine Eva G. sollten sich nicht zu gut sein mal beim Vorstadtwirten mit den Leuten zu reden. Der Simmeringer würde euch schon wählen, ihr müsstest ihn nur wahrnehmen und einen Schritt entgegen kommen, denn auch 100% Grün in Neubau reichen nicht wenn in Simmering, Favoriten und Co nicht mal die 10% Marke zu nehmen ist.

    Ich mag die Grünen, ich schätze ins besondere auch Christoph Chorherr und sein Blog, ich hab auch schon mal Grün gewählt, aber ich habe die meiste Zeit meines Lebens in Simmering gelebt und daher die etwas unfreundlichen Worte. Wehleidig herum jammern hilft gar nix, die Arbeiter sind nicht zu dumm um „richtig“ zu wählen, sie brauchen nur ein Angebot. Inhaltlich ist es vllt zum Teil da, aber der Transport zu Zielgruppe fehlt völlig.

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