zur Bildungsdebatte

Meine zwei letzten Beiträge (1,2)zur Bildung haben sehr viele Kommentare ausgelöst.
Nicht nur weil ich ersucht wurde zu antworten hier einige Gedanken zum Geäusserten:
Literalität halte ich für ein wesentliches Bildungsziel.
Nicht für das einzige!
Die eigene Sprache (sowie wenigstens eine, wenn nicht zwei andere) zu beherrschen, sich sowohl mündlich präzise ausdrücken zu können, im Stande zu sein, Gedachtes und Gewolltes im Gespräch (in einem Vortrag, einer Präsentaion) als auch schriftlich auf den Punkt bringen zu können, halte ich für ein zentrales Bildungsziel.
Die Welt der Bücher ist Ausdruck dieser Literalität.
Sie erschliessen andere (fremde, unbekannte) Sichtweisen, Lebenswelten, vertiefen sprachlichen Ausdruck und zeigen die Vielgestaltigkeit menschlicher Kultur.
Sie zeigen, dass es neben dem eigenen Leben (und den eigenen Vorurteilen, Lebens-und Denkweisen) auch ganz anderes gibt.
Sie wecken Neugier auf „das andere“, und helfen auch Angst abzubauen.
Deswegen ist es – für mich- ein wesentliches Ziel jeglicher Bildung, Menschen die Welt der Bücher zu eröffnen.
Ich erspare mir und uns jetzt Zusammenhänge zwischen Fremdenfeindlichkeit, die mit Angst zu tun hat, und mangelnder Literalität zu argumentieren.
Nochmals: Literalität ist EIN, nicht DAS zentrale(s) Bildungsziel.
Soziales Handeln, sich in unterschiedlichen Gruppen zu bewähren, verschiedene Rollen zu erproben, schlicht sich im anderen als soziales Wesen zu begreifen, zu erfahren und damit zu entwickeln ist „Bildung“ im umfassensten Sinn.
Deswegen halte ich es für absurd, wenn mir mache vorwerfen, ich hätte mit meinem Kommentar vorgeschlagen, als Alternative zur Schule, Kinder mit Büchern in Keller sperren zu wollen.
Jetzt zu jenen Kommentaren, welche sich skeptisch zu unserer Forderung geäussert haben, die Studentenzahl deutlich zu erhöhen:
Tatsache ist, dass das Risiko arbeitslos zu werden umso höher ist, je geringer der Ausbildungsgrad ist.
natürlich gibts auch Akademikerarbeitslosigkeit.
Diese ist jedoch signifikant geringer als die jener Menschen, welche über geringere Bildungsabschlüsse verfügen.
Ausserdem:
Erhöhte Bildung vergrössert schlicht Möglichkeiten.
Natürlich gibts keine Arbeitsplatzgarantie nach einem Studium.
Dieses ist auch nicht in erster Linie Berufsausbildung, sondern wissenschaftliche Qualifikation.
Und es gibt, gerade für angehende Akademiker/innen eine Eigenverantwortung für die Studienwahl.
Ich glaube aber, dass es unstrittig sein sollte, dass in einer Wissensgesellschaft der Ausbildung und Pflege von Qualifikationen höchste Priorität gegeben werden muss.
Um das zugespitzt in ein Bild zu fassen:
Was einer Industriegesellschaft Strassen und Eisenbahnen sind, die notwendige Basisinfrastruktur, sind einer Wissensgesellschaft „breite Autobahnen zur Qualifikation“.
Und deswegen brauchen wir mehr und bessere höhere Schulen, und mehr Meschen, die bereit sind sich zu qualifizieren.
Diese „Investitionen“ zu finanzieren sollte die nächste Regierung höchste Priorität geben.

2 Gedanken zu “zur Bildungsdebatte

  1. Der Wert von Bildung ist unstrittig, aber… Als jemand, der fünfeinhalb Jahre bei der Uni Wien gearbeitet hat, muß ich noch einmal darauf hinweisen, daß wir in Österreich ein ganz spezifisches Strukturproblem mit unseren Hochschulen (und Mittelschulen, HTLs usw..) haben, welches das Grundübel für viele Probleme ist und von KEINER Regierung (auch einer mit grüner Beteiligung nicht) in den nächsten Jahren gelöst werden kann. Dieses Problem heißt:

    UNKÜNDBARES PERSONAL

    Ich habe an meinem Institut pragmatisierte Professoren, Dozenten erlebt, die nur mehr darauf schauten, möglichst wenig zu arbeiten und Arbeit abzuwälzen.

    „Wie der Herr, so das Gscher“: Ich habe an meinem Institut pragmatisierte Laboranten erlebt, die jeden Tag um Vier nach Hause gingen, obwohl sie bis Fünf arbeiten hätten müssen. Ich habe Laboranten erlebt, die, im Wissen um ihre Unkündbarkeit, Arbeit verweigert haben, und bei jeder Kritik des Abteilungsleiters an ihrem Verhalten sofort mit einem Gewerkschafter aufgekreuzt sind.

    Ich habe einen pragmatisierten Sekretär erlebt, der jeden Tag um 14 Uhr mit einer Alkoholfahne in seinem Büro saß. Unkündbar.

    Ich habe es erlebt, daß Studenten in einem Chemie-Praktikum jedes Semester schlechtere Noten bekommen haben, als ihnen zugestanden wären, nur weil sie uralte, kaputte Proben ausgehändigt bekamen, die sie niemals richtig hätten analysieren können. Als ich den Professor auf diesen Misstand aufmerksam machte, versprach er Abhilfe. Geschehen ist nie etwas. Selbst als ich als Assistent anbot, etwas zu ändern, hat sich letztlich nichts getan, mein Angebot wurde mir eher als Kompetenzüberschreitung ausgelegt.

    Die Liste ließe sich fortsetzen, alle beteiligten Personen werden noch an die 15 Jahre bei der Uni beschäftigt sein.

    Wer in dieses System Geld hineinsteckt, wirft es in ein Faß ohne Boden. Über Jahrzehnte hat durch die Pragmatisierung eine negative Auslese stattgefunden. Erst wenn der letzte pragmatisierte Beamte die Universitäten verlassen hat, ist ein Neubeginn möglich. Bis dahin sind die Besten aber schon weg. In den Ministerien geht es wahrscheinlich genauso zu.

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  2. Keine Einsicht! Offensichtlich können oder wollen Sie nicht verstehen,
    was den Kommentatoren an Ihrem Eintrag missfallen hat.

    Schade …

    Kleiner Hinweis:
    Niemand zweifelt an der Wichtigkeit von Literalität …

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