wem nützt das Sitzenbleiben?

Rund 33 000 junge Menschen trifft es:
Das ominöse Sitzenbleiben.
Die „grosse Bildungsreform“, die wir nach dem 1. Okt anstreben, wird damit Schluss machen.
Denn: Sitzenbleiben nüzt niemandem, und kostet enorm viel.
Zwischen 300 Mio und beinahe einer Mrd Euro werden die Kosten geschätzt, je nachdem zu welchen „Preisen“ die Schulkosten eines Jahres berechnet werden.
Die Alternative heisst sicher nicht „einfach Aufsteigen“.
Warum nicht so:
Wer in einem oder mehreren Fächern das erforderliche Jahresziel nicht erreicht, muss dieses einfach im nächsten Jahr (oder auch später) nachholen.
Um z.B. zur Matura anzutreten, müssen alle notwendigen Prüfungen nachgewiesen werden.
Wann diese abgelegt werden, ist ohne Belang.
Die meisten Unis funktionieren so.
Wenn eine Bildungsreform Individualisierung zum Ziel hat, wird auch eine gewisse Zeitautonomie Einzug halten.
„Sitzenbleiben“ ist derart demotivierend und teuer, dass es raschstmöglich abgeschafft werden soll.
Das hat überhaupt nichts mit „Leistungsfeindlichkeit“ zu tun, wie konservative Politiker immer wieder argumentieren.
Die notwendigen Leistungen sollen und müssen erbracht werden.
Zeitversetzt, wenn erforderlich.
Das eingesparte Geld (es ist ein Vielfaches der Studiengebühren)sollte an den Schulen bleiben, um jene „Individualisierung“ zu finanzieren, welche die Alternative darstellt.

5 Gedanken zu “wem nützt das Sitzenbleiben?

  1. Richtig In der Erwachsenenbildung, wie etwa an Abendgymnasien oder Hochschulen ist das überhaupt kein Thema. In den Mittelschulen werden dagegen die Schüler mit Anwesenheitspflicht dazu verdonnert, sich Inhalte anzutun, die sie eh schon längst kennen. Insbesondere bei aufeinander aufbauenden Inhalten – (etwa Mathematikgrundlagen für Physik) ist das so ziemlich das Gegenteil von leistungsfeindlich. Der Druck, versäumtes nachzuholen, ist sicher genauso gegeben, nur nicht merh durch die Angst vor dem „Leerlauf“, sondern davor, sich weitere Arbeit aufzuhalsen.

    Interessant wäre es wohl auch den Einfluß des Sitzenbleibens auf die Klassengrößen zu untersuchen. Wenn den Schülern die Aufstiegsmöglichkeit nicht mehr durch einzelne Fächer verbaut wird, fällt ja schließlich auch der „Rückstau“ nach unten hin weg.

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  2. Ist noch jemand gegen das Kurssystem für die Oberstufe?
    P.S.: Ich beginne Wahlen zu lieben. Plötzlich beginnen auch Regierungsparteien neue Ideen zu kreieren oder zu akzeptieren. Herrlich.

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  3. Wie soll … … das, ohne Überschneidung von Fächern/Kursen oä, in der Realität aussehen?

    [quote]Wer in einem oder mehreren Fächern das erforderliche Jahresziel nicht erreicht,
    muss dieses einfach im nächsten Jahr (oder auch später) nachholen.[/quote]

    Jetzt ist es doch auch schon so, dass ein Schüler mit einem „Fetzen“ nicht gleich
    wiederholen muss – es gibt Vorwarnung, Förderunterricht, Nachprüfung, Möglichkeit durch Zusatzarbeit
    die Note zu verbessern und die Möglichkeit auch mit einem 5er aufzusteigen.

    Wenn ein Schüler in mehreren Fächern negativ benotet wird, dann hat er entweder so
    viel Stoff verpasst (dann wäre eine Wiederholung sowieso das einfachste) oder er ist
    für die gewählte Schule ungeeignet.

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  4. Mehrkosten? Ich schreibe aus dem deutschen Bundesland Niedersachsen. Hier wird aktuell darüber diskutiert, wie man das dreigliedrige Schulsystem verbessern (nicht abschaffen!!) kann. Seit Beginn dieses Schuljahres wurden die Lehrer der Klassen 1-5 in Niedersachsen nun dazu verpflichtet, für jeden Schüler einen individuellen Förderplan zu erstellen. Dies soll in den nächsten Jahren auch auf die Klassen 6-10 ausgeweitet werden.
    An sich ist dieses Vorhaben absolut lobenswert, und trotzdem hagelt es Kritik, da die Landesregierung sich nicht veranlasst sieht, zusätzliche Gelder in die Umsetzung dieser erstellten Förderpläne zu investieren.
    Nun zum eigentlichen Punkt:
    Die Opposition im niedersächsischen Landtag unterstützt die Einführung von Förderplänen vorbehaltlos, fordert allerdings – meiner Meinung zu Recht- die nötigen Gelder für die Umsetzung der Pläne (mehr Lehrer, mehr Sozialpädagogen, Psychologen etc.) ein. Ein Vorschlag der Opposition besteht darin, das Sitzenbleiben in Niedersachsen abzuschaffen, und die dadurch gesparten 80 Mio. € jährlich für die Umsetzung einzusetzen.
    Ich frage in diesem Zusammenhang einfach mal ganz naiv: Viele Leute (auch C.C.) argumentieren u.a. mit den jährlichen Kosten, die das Sitzenbleiben veursacht. Hat aber eigentlch schon mal jemand darüber nachgedacht, wie sich diese Mehrkosten errechnen…?
    Meiner Wissens nach verteilen sich die Kosten des Staates für die Schulausbildung zum Größten Teil auf die Lehrergehälter und den Unterhalt/Bau von Schulen. Daneben gehören auch die Schülerbeförderung und -z.T.- die Schulmaterial zu den weiteren Ausgaben.
    Wenn in einer Schule in Niedersachsen, (Kl. 5-10) die in der Regel 4-zügig geführt wird, pro Klasse im Schuljahr 2 Schüler sitzengeblieben sind, dann habe ich noch nicht gehört, dass deswegen das Land einen Cent mehr für Lehrer, Schulgebäude und Transportkosten aufbringen musste bzw. aufgebracht hat. Die Mehraufwendungen für Materialkosten belaufen sich nach meiner Einschätzung bei weit unter 5€ pro Schüler (wenn überhaupt!)
    Natürlich kann man die Staatsausgaben für Schulen pro Jahr durch die Anzahl der Schüler teilen und dann die Pro-Kopf Ausgaben der Sitzenbleiber doppelt zählen, aber mich wundert, dass es niemanden gibt, der diese Milchmädchenrechnung entlarvt. Eine Milchmädchenrechnung ist dies nämlich, solange sich das Gehalt/der Sold eines Lehrers nicht an die Anzahl der Schüler richtet, die er unterrichtet; solange kein Schüler ein Recht auf eine Mindestquadratmeterzahl zugestanden wird, auf der er unterrichtet werden muss, und solange sich die Zahlungen des Staates an Fuhrunternehmen nicht nach der Anzahl der beförderten Schüler (so ist es in der BRD) richtet.
    Ich spreche zwar für Deutschland, aber ich möchte C.C.`s Beitrag auch weiter kommentieren:
    Wir kritisieren das Schulsystem unserer Länder mit Sicherheit zu Recht. Es gibt verdammt viel zu verbessern; ich persönlich finde, dass das verbindliche Aufstellen von Förderplänen für JEDEN einzelnen Schüler einmal pro Schuljahr wichtiger ist, als die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Vielleicht wird die Analyse solcher Förderpläne ergeben, dass das Schulsystem geändert werden muss, aber mit Sicherheit wird die Analyse ergeben, dass sowohl die Lehrer, die Schüler und auch die Eltern absolut überfordert sind.
    Ich glaube nicht, dass das Schulsystem alleine verantwortlich für diese Überforderung ist. Ich glaube, dass es in Deutschland und augenscheinlich auch in Österreich ein gesellschaftliches Problem gibt, das einer tickenden Zeitbombe gleicht und die Schuld trägt mit Sicherheit nicht das Schulsystem.

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