digitaler Maoismus

eine erfrischende und intelligente Streitschrift des Computerwissenschaftlers und Musikers Jaron Lanier wider den Kollektivismus im Internet und wider die angebliche „Weisheit“ von Wikipedia und Co.
die deutsche Übersetzung davon hier
dazu setzte eine heftige Debatte ein
z.b. hier
auch Larry Sanger, Wikipediagründer, erwidert ausführlich in seinem blog
spannend!

3 Gedanken zu “digitaler Maoismus

  1. nur eine nette polemik laniers polemik spricht einen sehr validen punkt an, seine ausführungen zeugen aber von gefährlichem halbwissen. das interessanteste an seinem text sind mE. die reaktionen darauf, auf die du eh verlinkst.

    clay shirky bringt es für mich auf den punkt:

    (..) However, “Digital Maoism” mischaracterizes the present situation in two ways. The first is that the target of the piece, the hive mind, is just a catchphrase, used by people who don’t understand how things like Wikipedia really work. As a result, criticism of the hive mind becomes similarly vague. Second, the initial premise of the piece — there are downsides to collective production of intellectual work — gets spread it so widely that it comes to cover RSS aggregators, American Idol, and the editorial judgment of the NY Times. These are errors of overgeneralization; it would be good to have a conversation about Wikipedia’s methods and governance, say, but that conversation can’t happen without talking about its actual workings, nor can it happen if it is casually lumped together with other, dissimilar kinds of group action. (..)

    im gegensatz zu laniers ausführungen ist wikipedia nicht „kollektivistisch“ organisiert, sondern in einer mischung aus direkter (abstimmungsprozesse) und repräsentativer (gewählte admins) demokratie, mit einem hauch monarchie (jimmy wales als letzte instanz).

    lanier tut übrigens damit auch nur das, was er in seinem text den bloggern vorwirft: er provoziert anstatt ordentlich zu recherchieren.

    eine hingegen hervorragende ressource zu diesem thema ist das buch: the wisdom of crowds, von james surowiecki. und der von ihm beschriebene „kollektivismus“ wird übrigens nicht so sehr von den maoisten geobt, als von economist & co.

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  2. Wikis Ich bin ein begeisterter Nutzer von Wikis und ein Fan kollektiver, vernetzter Anstrengungen aller Art. Gleichzeitig bin ich ein Fan des kreativen Individuums und glaube, dass Fortschritt vor allem durch den „abweichlerischen“ Geist angestossen wird und erst durch die Auseinandersetzung von Bestehendem mit (gänzlich) Neuem etwas Fruchtbares entsteht. Und später dann zum „Mainstream“ wird.

    Also: Trotz Begeisterung ist diese Debatte wichtig. Wir sollten bei jeder Innovation nach einiger Zeit des Experimentierens ein wenig innehalten und fragen, wo die „Downside“ der Geschichte liegt: Was kann das neue Ding und was kann es nicht… vielleicht auch nur noch nicht?

    Das „Ausradieren“ des vielleicht ja sehr kreativen Abweichlers kann man als „Downside“ von Wikipedia und Konsorten sehen. Aber im Grunde muss man eben nur wissen, was man vor sich hat: Es gibt Plätze für das Kollektiv und solche für das Individuum…

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  3. die eine wahrheit gibt es ganz selten. genau deshalb ist wikipedia so spannend, weil man die diskussion zu den einzelnen beiträgen verfolgen kann. natürlich kann sich bei einem wikisystem ein falscher artikel manchmal länger halten, dafür wird einem aber nur selten eine andere meinung vorenthalten.

    ich verwende beides, wikipedia und lexika. wenn ich schlichte information brauche halte ich mich eher an die lexika, handelt es sich um subjektivere sachen ziehe ich wikipedia vor. es ist einfach demokratischer als lexika es sind…

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