Oscar und Österreich

allzuselten ermöglicht mir Schlamperei einen Volltreffer.
Schon lange wollte ich mein Transpolitics aktualisieren, wo noch immer ein damals laufender Film, LA crash, als Tip angeführt wird.
Und siehe da: Jetzt hat er den Oskar als bester Film bekommen, also wird kurzfristig nix aktualisiert.
Aber der heimische Film ist hier ein neues Thema, das ich schon längst diskutieren wollte.
Einerseits-andereseits:
Das „Einerseits“ ist eine tolle Erfolgsgeschichte. Viele österreichische Filme gewinnen gegen harte Konkurrenz international anerkannte Preise. Nicht nur Saupers „Darwins Nightmare“ und Virgil Widrichs „Copyshop“ waren oscarnominiert , von Coop 99 bis zu Michael Haneke (ich zähl jetzt nicht alle auf), der österreichische Film hat eine Namen auf den Festivals der Welt.
Andererseits.
An der Kinokasse schauts traurig, sehr traurig aus.
Die Marktanteile heimischer Filme sind in vielen Ländern erstaunlich.
Nicht nur (nona) in England (34% für den britischen Film) oder Frankreich (37%) auch in kleinen Ländern wie Tschechien (24%), Norwegen (14%) ,Schweden (22%) oder Dänemark (34%) gelingt es den jeweils heimischen Filmschaffenden, das Publikum zu erreichen.
Nicht so in Österreich.
Hier dümpelt der Marktanteil des heimischen Films bei magersten 3%.
Mehr Daten hier
Weil mir die „creative economy“ ein besonderes Anliegen ist, und der Wirtschafts- und Kulturfaktor Film total unterschätzt wird, möchte ich hier eine Debatte beginnen, die diesem Wirtschaftszweig (der in den USA die zweitmeisten Exporterlöse einbringt)endlich den Stellenwert gibt, der ihm gebührt.
Was also läuft hier schief, sollte verbessert werden?

4 Gedanken zu “Oscar und Österreich

  1. Europa? Interessant wäre eine Statistik, aus der hervorgeht, in welchen Ländern wieviel Hollywood konsumiert wird versus wieviel europäischem und versus wieviel „sonstigem“ Film. Mein unbewiesener Verdacht: Österreichs 3% würden hier wieder besser aussehen, weil eben auch einiges an deutschem Film hierzulande konsumiert wird. Bestätigt sich mein Verdacht, dann ist das „Problem“ des österreichischen Filmmarkts der benachbarte deutsche Markt. Das kann man dann – je nach Einstellung – gut oder schlecht finden.

    Was wir aber meiner Ansicht verstärkt bräuchten, wären Anstrengungen im gesamteuropäischen Filmmarkt. Haneke ua. machen vor, was da rein auf Basis von Talent und Eigeninitiative möglich ist. Die Synchronisation ist ja eigentlich auch schon erfunden und die kritische Marktgrösse gäbe es. Aber angesichts der erdrückenden Konkurrenz aus den USA geht hier wohl nur dann wirklich etwas weiter, wenn langfristig (10,20 Jahre) unterstützt werden würde… und zwar nicht nur Cineasten-Futter, sondern gerade auch europäischer Mainstream/Trash! Solche Investitionen hätten angesichts des genannten Arguments („Wirtschafts- und Kulturfaktor“) geradezu Infrastruktur-Charakter…

    So jetzt halt ich aber wieder eine zeitlang meine Pappn. Schöne Woche!

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  2. Gutes Thema!
    Mich kotzt es bereits lange an, dass wir täglich mit Hollywood-Allerlei abgespeist werden.
    1. Ein europäisches Filmzentrum schaffen („Eurowood“) für Produktion + Studium
    2. Europäische Filme synchronisieren (finnische, lettische, portugiesische Filme etc. kommen N I E in den ORF)
    3. Medienpädagogik in die Schulen bringen
    4. Notfalls eine Quotenregelung für TV- und Radiostationen einführen (Vorbild: Frankreich)
    Was könnten wir hier an kreativen Arbeitsplätzen schaffen!

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  3. „Marktanteil“ Österreichische Filme SIND erfolgreich: 500.000 Besucher für „Darwin“ in Frankreich, fast 500.000 für Cache! „Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner: in Österreich 70.000 ZuschauerInnen, allein in Deutschland über 500.000. „We feed the world“: 160.000 Zuschauer in Österreich!
    Es wäre schön, wenn wenigstens die Grünen den Unsinn mit dem niedrigen Marktanteil nicht glauben, bevor wir alle Zeugen werden, wie ein paar Großfilmproduzenten „mehr Marktwirtschaft“ in der Filmförderung einführen – mit mehr Marktanteil vor allem für sich selbst. Und: ja, es sollten mehr Leute in Österreich in Ö-Filme gehen, aber das ist ein anderes Thema und hat mit vielen Aspekten zu tun: Ausbildung, ORF, Hollywood-Dominanz durch Kinoprogrammierungsverträge u.v.m.

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  4. In Voarlberg unterstützen die kleinen Kinos die heimischen Ressigeure, doch leider werden
    diese Kinos nicht so sehr besucht, da sie einfach keine Atmosphäre haben wie im Cineplex.
    Dagegen zu machen fällt einem nicht wirklich was ein, vielleicht versuchen junge Leuten
    für die österr. Filme zu begeistern, mehr Werbung machen oder vielleicht in Dörfern Kino-
    abende mit solchen Filmen veranstalten und versuchen dadurch Leute zu begeistern.
    Alles muss klein Anfangen, irgendwann wird es dann ein großer Erfolg!

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