Frankreich und die Stadtplanung

Viel gäbe es zu den eskalierenden Ausschreitungen in Frankreich zu diskutieren.
Meine Hauptthese: Es geht nicht primär um die leidige Frage In-oder Ausländer.
Eines liegt für mich sonnenklar auf der Hand, wird aber nirgendwo angesprochen:
Die fatalen Fehler der Stadtplanung.
Was ist in Paris und in anderen Städten in den letzen vier Jahrzehnten geschehen?
An den Stadträndern wurden riesige „Sozialwohnungen“ errichtet, und dann ein fundamentaler Fehler gemacht.
Statt auf das wesentliche jeder gedeihlichen Stadtentwicklung zu setzen, einer sozialen Durchmischung, wurden in diesen „Sozialwohnungen“ nahezu ausschliesslich „sozial Schwache“ angesiedelt.Und dort ballt sich sich jetzt Armut, extreme hohe Arbeitslosigkeit und das berechtigte Gefühl der Ausgegrenztheit.
Und wenn in grossen Stadtteilen ausschliesslich Menschen dieser sozialen Schicht (egal welcher Herkunft) wohnen, die für sich kaum eine soziale Perspektive sehen, dann ist das ein extrem brisantes Gemisch, dass sich irgendwann (eben jetzt) entlädt.
Ich habe jetzt keine Lösung für Frankreich parat.
Ich bin mir jedoch ganz sicher:
Die Entwicklung sozial durchmischter Stadtteile, in denen verschiedene Milieus, verschiedene Einkommensgruppen neben und miteinander wohnen sind eine elementare Voraussetzung, dass Zustände wie in Frankreich vermieden werden.
In derart gemischten Stadtteilen finden sich auch Kinder der verschiedenen sozialen Gruppen in denselben Schulen, was v.a. für die sozial schwächeren die Aufstiegschancen erhöht.
Dann siedeln sich (Klein)Unternehmen, Restaurants, Bars an, was die Möglichkeit des lokalen Einstiegs in den Arbeitsmarkt erleichtert.
Und wenn man weiss, dass der überwiegende Teil von Jobs vergeben wird, weil „man jemanden kennt, der weiss, wo…“dann ist sonnenklar dass Durchmischung, „diversity“ der Schlüsselbegriff einer sozialen Stadtplanung sein muss.

2 Gedanken zu “Frankreich und die Stadtplanung

  1. Zitat:“Die Entwicklung sozial durchmischter Stadtteile, in denen verschiedene Milieus, verschiedene Einkommensgruppen neben und miteinander wohnen sind eine elementare Voraussetzung, dass Zustände wie in Frankreich vermieden werden.“

    Wie wahr, wie wahr, aber wer will das schon?

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  2. eigentlich hätten sich die sogenannten stadtplanner nur ein bsp. an unseren dörfern nehmen müssen. dort ist die diversity gelebte realität, der herr magister redet mit dem hilfsarbeiter etc., der herr baumeister mit der näherin am besten daran zu „erhören“ daß alle so ziemlich den gleichen dialekt sprechen
    es war und ist für mich immer wieder interessant in diese welt (südl. nö) einzutauchen, die ich von klein auf an den wochenenden und in den ferien kennen und schätzen gelernt habe um zu erfahren wie gut das zusammenleben über alle unterschiedlichen gruppen hinweg funktionieren kann.
    im unterschied dazu die quasi ghettoisierung in wien ( die proleten im 10,11,21 und 22 hieb) die gstopften an den ausläufern im wienerwald, die selektion in manchen lokalen über komplett überteuerte preise etc., die liste ließe sich beliebig fortführen.

    allein am dialekt merkt man daß diese beiden gruppen wenig miteinander zutun haben, hier der mundl dort der intellektuelle schönbrunnerdeutsch sprechende

    inwieweit man diesen tendenzen entgegensteuern kann, mag ich nicht zu beurteilen, solange man aber den „freien“ markt in noch mehr bereichen unseren lebens walten läßt desto schlimmer wird’s wohl werden.

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