REFCO und Wien

425 Mio Euro (man stell sich das in Schilling vor) an eine einzelne Person.
Der Grossteil wird wahrscheinlich weg sein.
Kreditgeber: Die Bank für „Arbeit und Wirtschaft“
Welche „Arbeit“, welche „Wirtschaft“ bekam hier Kredit?
V.a., und das sollte uns in diesem Zusammenhang interessieren, wer bekommt keinen Kredit?
Versuchen Sie als Musik-label, als Modedesigner, als Architekturbüro, alsFilmprodozent (nehmen wir all jene her, die als creative industries ihre Wertschöpfung in ihrem Kopf haben) zur Finanzierung einer gut ausgefeilten Geschäftsidee einen Kredit in der Grössenordnung zwischen 50 000 und 200 000 Euro zu bekommen.
Wenn sie nicht nahezu 100% Sicherheiten (Marke: Haus der Oma) vorlegen können, ists extrem schwierig bis unmöglich.
Folge: sehr sehr viel mögliched Wertschöpfung in DER urbanen Wirstchaftsbranche unterbleibt, muss – mangels Finanzierung – unterbleiben.
Ich glaube, dass es wahrscheinlich der Hauptgrund ist, warum die US Wirtschaft stärker wächst. Weil dort Ideen von jungen Leuten (die heute google, apple, amazon heissen) Kreditgeber gefunden haben, die deren Wachstum – und Erfolg erst ermöglicht haben.
Banken sind bei uns konservativ heisst es, brauchen Sicherheiten.
Und jetzt sichtbar: REFCO.
Unsichtbar sehr viele Finanzspekulationen ähnlichen Charakters.
Hier versagt unser Wirtschaftssystem grundlegend.
Die Kredit – aber auch Eigenkapitalfinanzierung zur Realisierung von Geschäftsideen ist vitale Grundvoraussetzung einer florierenden Wirtschaft.
Vielleicht brauchen wir die Neugründung einer kommunalen Bank hab ich in meinen 24 Thesen formuliert.
Wenns nicht gleich eine Bank ist bedarf es jedenfalls Geld-institutionen, die nicht REFCOs aller Art finanzieren, sondern lokale Wertschöpfung.

6 Gedanken zu “REFCO und Wien

  1. Die Stakeholdergesellschaft Eine faszinierende Idee zur gesellschaftlichen Chancengleichheit beschreibt das Buch
    „Die Stakeholdergesellschaft“ von Prof. Bruce Ackerman, Recht- und Politikwissenschafter an
    der Eliteuniversität Yale.

    Die Idee: Auszahlung von 80.000,00 Dollar an jede BürgerIn mit Eintritt ins Erwachsenenalter
    Einzige Voraussetzung ist Abschluß einer Schulausbildung. Was jeder Bürger mit seinem
    Geld anstellt, bleibt jedem selbst überlassen:
    investieren, selbständig machen, Familie gründen, Reisen, Sparen,…

    Das Konzept bezieht sich zwar auf die USA, es wäre aber
    hochinteressant diesen Denkansatz auf Europa umzulegen.
    Ziel:“ Ein integrierter europäischer Traum“.

    Die Teilhaber-Gesellschaft bietet Chancengleichheit am Start, ökonomische
    Handlungsfreiheit bei gleichzeitiger Erhaltung des Sozialstaates.

    Staatliche Leistungen werden von „Arbeit“ abgekoppelt (bewirkt u.a. ein Sinken der
    Lohnnebenkosten), die Finanzierung erfolgt über Vermögenssteuer und
    Erbschaftssteuer (z.B. Dollar 280.000,00 beim Tod des Empfängers, der sein
    Startkapital vermehrt hat als verzinste Rückzahlung des ursprünglichen Anteils an den
    Staat.)

    Früher starben Eltern mit 50 oder 60 und gaben ihr Erspartes an ihre Kinder im alter
    von 20 – 30 weiter, also in einer produktiven Lebensfase. Heute beerben
    60-jährige ihre 90-jährigen Eltern, das Vermögen bleibt inproduktiv….

    Es ist höchste Zeit Ökonomie / Ökologie/ ect. wirklich ganz neu zu denken und
    politisch zu diskutieren. Es mangelt nicht an Visionen (sie zu lukrieren
    ist eine Holschuld der Politik), sondern an der Bereitschaft und am Mut
    (der ja neuerdings leider von den Grünen nur mehr behauptet wird) die europäische
    Zukunft konstruktiv und konkret zu diskutieren!

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  2. das ganze system ist ein witz! diese ganzen börsenspielchen werden den arbeitnehmern irgendwann auf den kopf fallen. als jenen leuten, die für das gute ergebnis eines unternehmens hart arbeiten, und nicht jene kleine und feine gesellschaft, die dafür kräftig absahnt.

    ich möchte die qualitäten eines managers nicht in frage stellen. auch geldgeber sind wichtig. aber es kann doch nicht sein, dass hier nur abgeschöpft wird und auf jene leute vergessen wird, die zu diesen erfolgen genauso beitragen.

    ich habe heute um 8 uhr nachrichten auf ö3 gehört. bawag und refco waren ein thema, der sprecher gibt an den orf-börsen-guru weiter und fragt nach den auswirkungen dieses skandals auf die börse.

    dieser börsen-mensch erklärt sinngemäß, dass man den ersten schock verwunden hat und sich die börse erholt. er geht dann weiter zu general motors, erzählt von den schlechten ergebnissen im vorjahr und sagt dann wort-wörtlich: „… und die gute nachricht: es gibt ein sanierungskonzept, 20.000 mitarbeiter werden abgebaut und der kurs hat sich dadurch weider erholt …“

    wenn es eine gute nachricht ist, dass 20.000 menschen ihren job verlieren um ein paar investoren die fetten gewinne zu sichern, dann ist was faul am system. und das ist auch der grund, warum ich dieses system nicht gutheißen kann.

    ich bin leider nicht vermögend, kann also mein leben nicht aus gewinnen durch börsenspekulationen finanzieren. ich muss arbeiten gehen, und das wird immer schwerer, da fast kein job mehr sicher ist.

    und dann fordert man die flexibilität von den arbeitnehmern. ich war arbeitslos, habe lange nach einem job gesucht. was ich sofort nehmen hätte können, wären jobs auf werksvertragsbasis. dort ein paar hundert euro, dort ein paar hundert euro. nichts fix, dafür aber voller einsatz von meiner seite. dafür darf ich mich selbst versichern, selbst steuern zahlen und hoffen, dass ich auch den nächsten einsatz wieder bekomme. ergibt in summe für 60 wochenstunden (tag- und nachzeiten egal, weil du musst ja flexibel sein) und vielleicht gute 1000 euro netto. zuviel zum sterben, fast zuwenig zum leben.

    schauen sie sich mal um, zu welchen bedingungen viele leute arbeiten gehen. das wird dann als großer erfolg bei der zunahme der selbstständigen gefeiert. um welchen preis, das fragt in der regel keiner.

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  3. REFCO und BASEL II Basel II ist einer der ganz grossen Verhinderungsgründe von Krediten an Junge und Startunternehmen. Und notabene auch an „Creativ-wirtschafts-wertschöpfugs-unternehmen“ .
    Wobei auch anzufügen ist, dass REFCO einen höheren Gewinn abgeworfen hätte, als ein Kredit auf % Basis. Sprich; 12% bei 10’000 Kreditsumme werfen a la longe weniger ab, als ein Kredit mit 7%, wenn dabei die Einstandssumme bei über 100’000’000 liegt, gemessen am Aufwand. Natürlich spielt dabei auch ein höheres Risiko mit.

    Das Bankenprinzip das wir im Westen kennen, wo Kredite zu Fixen %Sätzen vergeben werden muss hinken. Ist zwangsweise eine „canarde boiteux“. Sowohl Basel II aber auch die Risikobereitschaft der Bank hindern einen Kapitalfluss zugunsten der UnternehmerInnen. Hätten die Banken einen tatsächlichen partizipativen Anteil am Risiko, könnten sie ja auch – wie dies in anderen Kulturen üblich ist – am effektiven Gewinn beteilig werden. Aber genau das gibt es Österreich weit nicht. Eigentlich schade. Basel II lässt grüssen.

    Bester gruss, caspar

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  4. http://www.KLIMAWANDEL.com …wenn man/ frau dem Neoliberalismus bzw. dem sich am neoliberalen Modell immer mehr
    orientierenden vorherrschendem Wirtschaftssystem kräftig in den Allerwertesten treten
    möchte, sollte man/ frau vorher das dazu am besten geeignete Schuhwerk wählen.

    Bezüglich des Marktes an sich erscheint es mir die zenrale Frage zu sein,
    ob der Markt überhaupt so funktioniert wie er vorgibt zu funktionieren.

    So wie es in den Lehrbüchern und in den regulierten Rahmenbedingungen vorgegeben ist ?

    Oder aber in einer viel verkommeneren und pervertierten Form, welche die Marktregeln nur
    dazu benutzt um diese gekonnt zu umgehen. Und um natürlich persönlichen Gewinn
    daraus zu ziehen. D.h. ohne Rücksicht auf Verluste ( auch Arbeitsplatzverluste) Anderer.
    Ein Weg Unternehmen z.B. so zu führen, daß diese aller Wahrscheinlichkeit nach zu
    Grunde gehen müssen. Unter Zuhilfenahme eines fast patentreifen „Masterplanes“,
    welcher vorher auf seine formaljuristische Einwandfreiheit geprüft wurde.

    Als nicht weniger ekelhaft erscheinend sei noch eine weitere Erscheinung dieser
    ( möglicherweise sogar bis zu einer bestimmten Unternehmensgröße vorherrschenden)
    Marktausformung erwähnt. Nämlich das möglicherweise bereits vorherrschende
    Vertrauen in die Bestechlichkeit der jeweiligen staatlichen Aufsichtsorgane.

    Z.B. Die Konfrontiertheit mit anderen aktiven Marktteilnehmern welche so genannte
    „gute Drähte“ zu den entsprechenden und für sie zuständigen Aufsichtsorganen
    haben bewirkt einen Wettbewerbsnachteil für Firmen welche diesen „Draht“ (noch)
    nicht haben oder aus moralischen gründen nicht haben wollen. Dies ermöglicht natürlich
    auch eine gewisse Emanzipation unter den zu bestechenden Aufsichtsorganen, welche
    sich als „Lizenzvergeber der Schattenwirtschaft“ selbst empfinden und in dieser
    Konstelation natürlich beginnen den Spieß umzudrehen. Was natürlich nicht zuletzt
    am Unternehmensgewinn zehrt.

    Während sich dieses Szenario multinationalen Konzernen eher nur in sog. „Dritte Welt
    Ländern“ darstellen mag wo die „Golfplatzvariante“ nicht praktikabel ist, planieren
    ebendiese Konzerne im Vorfeld durch erheblichen Kapitaleinsatz den jeweiligen Markt
    durch sogenannte verlustvortragsträchtige „operative Phasen“ um weniger kapitalstarke
    ( und sich den grundsetzlichen Marktregeln beugen müssende) lokal aktive Unternehmen
    aus dem Rennen zu werfen. Schon im Vorfeld ihrer Gewinnphase welche zur großen
    Freude ihrer jeweiligen Kapitalgeber mit höchster Wahrscheinlichkeit nach einigen Jahren
    (in denen den meisten lokalen Mitbewerbern schon die Luft ausgegangen ist) auch eintritt.
    Durch Preisgestaltung (ohne wirklich kostendeckende Margen erzielen zu müssen),
    Serviceaufwand, besondere Zahlungsmodalitäten etc.

    Nach dieser eher tristen „Bestandsaufnahme“ ergibt sich eigentlich fast nur ein möglicher
    Ansatz zur Regulierung des Marktes. Es müssen (bzw.können zum gegenwärtigen
    Zeitpunkt nur mehr ) sehr radikale Eingriffe überhaupt noch zueiner Gesundung der
    Wirtschaft führen. Diese reichen bis zur Außerkraftsetzungder momentanen Markt-
    verhältnisse bzw. deren Rahmenbedingungen mit dem Ziel einen noch näher zu
    definierenden „Sozialen Markt“ an die Stelle des derzeitigen Marktes treten zu lassen.
    In dem das Individuum auch über den Umweg des demokratischen Staates und nicht
    nur als passive/r MarktteilnehmerIn
    (bzw. nach seiner jeweiligen Gewichtung am Markt )
    eingreifen kann.

    Bis hin zu demokratischen Abstimmungen über Betriebsschließungen, welche von der
    Anrainerbevölkerung als unerwünscht abgelehnt werden (z.B. weil diese das ökologische
    Gleichgewicht gefährden oder gefährden könnten.)

    Dazu weitere begleitende Maßnahmen.

    ° Verbot einer jahrelangen „operativen Phase“.

    ° Festsetzung von Mindestmargen unter denen nicht gewirtschaftet werden darf.
    z.B.: die Mindestwertschöpfung von 20 % ist unter Androhung der Betriebsschließung
    einzuhalten.

    ° Ausgleichende Maßnahmen wie z.B. zusätzliche Entschuldungsmöglichkeiten für Betriebe
    , welche ihre Gewinne nie ins Ausland abgeschöpft haben und im Inland versteuert haben.

    ° Schaffung einer bankähnlichen Institution, welche Darlehen im gewerblichen Sektor
    nur an Kleinbetriebe BIS zu einer bestimmten Größe ( limitierte Beschäftigtenanzahl,
    limitierte umsatzgrößenordnung) vergibt.

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  5. naja so alle paar monate mal ein kommentar zum thema economy, da brauch ich mich
    ja nicht zu genieren, wenn auch ich ein bissl spät dran bin.

    das problem bei problemlösungen ist halt immer auch, dass es sehr hilfreich ist,
    das problem auch zu erkennen, bevor man sich an mögliche lösungen machen kann.
    leider habe ich nicht den eindruck, dass euch das erstere genug interessiert (über
    das übliche politische motiv hinaus) und erwarte deshalb auch zweiteres nicht.

    das ist schade. weil von anderer seite schauts auch nicht besser aus. vielleicht
    bleibt wirklich nur auswandern.

    (übrigens, irgendwas hier stimmt nicht mit der comment-formatierung)

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