Schröder vs Merkel

nur eine kurze Anmerkung zur Fernsehdebatte:
Was mir auffällt, ist der eklatante Niveauunterschied zwischen Debatten in Deutschland und unseren „heimischen“.
Präzision der Debatte, Schärfe der Argumente, rhetorischer Ausdruck, in der Politik wie bei Interviews nach Fussballspielen:
Der Unterschied ist (leider)gewaltig

3 Gedanken zu “Schröder vs Merkel

  1. elefantenrunde? sehe ich auch so, allerdings liegt das vielleicht auch daran, dass bei uns alle zur wahl antretenden parteien die chance haben, mituzudiskutiieren. gesternn mussten die „kleinen“ nachher kommentare abgeben, was wiederum eher peinlich war, denn die eindrücke waren sehr gefärbt von eigenen interessen.
    gegen meine eigenen interessen muss ich zugeben, dass ich merkels performance, abgesehen vom inhalt!, deutlich besser fand. schröder wirkte leicht überheblich und müde, merkel kämpft und WILL.

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  2. absolut. ist mir schon beim siegerinterview nach der letzten nrw-wahl aufgefallen.
    sowohl was die journalisten betrifft als auch die politiker. wie das kommt? keine ahnung.
    es scheint im nachbarland eine besser ausgeprägte rede-fähigkeit zu geben.

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  3. Niveauvoller – aber auch sachlicher? Als jemand, der nicht gerade im Ruf steht, den Österreichern gegenüber den Deutschen zu viele Bonuspunkte zuzuschreiben, vielleicht nur ein kleiner Kontrapunkt zu Gesagtem (wenngleich ich die Grundeinschätzung zum Niveau teile – ja teilen muss). Das rhetorische Niveau war hoch, das argumentative allerdings nicht immer. Vieles was Merkel und Schröder da an Zahlenmaterial genannt haben, war teils falsch, teils überhaupt nicht nachvollziehbar. Und hier liegt auch die Schwäche an über-coachten Politikern und einer Medienkultur, die die Vielzahl von Diskussionrunden mit einer Versachlichung von Politik verwechselt (ich erinnere hier nur an die Mythagogie der letzten Monate in Deutschland, Österreich sei „besser als wir“). Merkel und Schröder hatten ihr Set an Themen, das sie rüberbringen wollten, was oft auf Kosten spontaner Schlagfertigkeit ging. Herr Schröder hätte sich nur hinstellen müssen und viel deutlicher Sagen sollen: Wie halten wir Maastricht, das Grundgesetz etc. ein bei der Umstellung auf Flat-Tax? Statt dessen erfahren wir bei einer anderen Debatte, dass er seine Frau „liebt“ (wobei es wirklich sachliche Argumente gegeben hätte, seine Frau etwa gegenüber die Trivialkritik von Frau Schwarzer in Schutz zu nehmen). Merkel hätte ähnliche Chancen gehabt, bei Schröder einzuhaken. Man kann sich ja für die österreichische Taferlkultur im Fernsehen genieren, aber irgendwie hätte ich mir manchmal einen emotionalen Ausbruch gewünscht, wo sich jemand traut, wirklich ein Thema auf dem Punkt festzunageln. Das haben gerade auch die vier Moderatoren nicht zu Wege gebracht. So blieben am Ende viele symbolische Eindrücke. Etwa der, dass die Frauen an diesem Abend irgendwie dynamischer waren, als die älteren Herren (Schröders Gesicht sagte: Ich bin over und vorbei, was vielleicht schwerer wiegen mag als die Mundzuckungen von Frau Merkel).

    Wer sich wirklich eine sachliche Politik-Auseinandersetzung wünscht, dem empfehle ich den „Wahlcheck“, heute abend, 20.15 in der ARD.

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